Hodenschwellung ohne Schmerzen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 12. April 2017
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Eine Hodenschwellung stellt immer ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung dar und kann nicht als eigenständige Erkrankung angesehen werden. Dabei kommen Hodenschwellungen ohne Schmerzen weitaus seltener vor als Hodenschwellungen mit Schmerzen. Eine schmerzlose Vergrößerung der Hoden ist häufig ein Warnzeichen für einen möglichen Hodenkrebs. Allerdings gibt es auch harmlose Ursachen. Ein Arzt sollte jedoch immer konsultiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hodenschwellungen ohne Schmerzen?

Eine Hodenschwellung entsteht durch eine Flüssigkeitsansammlung in den Hoden oder den Nebenhoden. Dabei können sowohl ein Hoden als auch beide Hoden betroffen sein. Die Ursachen für Hodenschwellungen sind vielfältig. In der Mehrzahl der Fälle sind die Hodenschwellungen von Schmerzen begleitet. Seltener kommen Hodenschwellungen ohne Schmerzen vor. Allerdings bedeutet eine schmerzlose Vergrößerung der Hoden nicht, dass dieses Symptom harmlos ist. Im Gegenteil stellt es oft ein Warnzeichen für eine mögliche Krebserkrankung der Hoden dar.

Selbstverständlich gibt es auch harmlose Ursachen für schmerzlose Hodenvergrößerungen wie die Hydrozele (Wasserbruch), Hodenzysten oder gutartige Hodentumoren. Die bösartigen Hodentumoren kommen zwar sehr selten vor, aber sind trotzdem die häufigste maligne Tumorart von jungen Männern im Alter von 20 bis 40 Jahren. So erkranken in Deutschland ungefähr 10 von 100.000 junge Männer jährlich an Hodenkrebs. Auch wenn es sich um einen bösartigen Tumor handelt, kann Hodenkrebs sehr gut behandelt werden. Bei frühzeitig einsetzender Therapie ist eine fast 100-prozentige Heilung möglich. Selbst wenn die Behandlung später beginnt, ist die Prognose noch außerordentlich gut.

Ursachen

Als Ursachen für Hodenschwellungen ohne Schmerzen kommen neben bösartigen Hodentumoren auch gutartige Tumoren, Wasserbrüche (Hydrozelen), Hodenzysten, Krampfadern in den Hoden oder Leistenbrüche infrage. Bei Hodentumoren vergrößern sich die Hoden durch die Zunahme von Gewebe. In den anderen Fällen ist eine Wassereinlagerung die Ursache für die Schwellung. Hydrozelen können als Folge einer vorausgehenden Hodentorsion (Hodenverdrehung) oder alleine auftreten. Oft entstehen sie kurz nach der Geburt.

Während dieser Zeit wandern die Hoden aus der Bauchhöhle in den Hodensack. Der dafür notwendige kleine Spalt im Bauchfell verschließt sich in der Regel nach Beendigung des ersten Lebensjahres. Wenn dies nicht der Fall ist, kann sich in diesem Spaltraum Wasser ansammeln. Allerdings geht die Schwellung meist von alleine wieder zurück. Wird der Spalt jedoch weiterhin nicht verschlossen, entwickelt sich möglicherweise ein Leistenbruch. Eine Hydrozele kann sich auch in der Folge von Hodenentzündungen, Nebenhodenentzündungen oder Gewalteinwirkung auf die Hoden ausbilden.

Ein Hodenkrebs betrifft in über 95 Prozent der Fälle das Keimgewebe. Bei den restlichen 5 Prozent handelt es sich um Tumoren des Stütz- und Bindegewebes. Die Keimzelltumoren können wiederum in sogenannte Seminome und Nichtseminome eingeteilt werden. Bei den Seminomen kommt es zur Entartung von Ursamenzellen. Nichtseminome werden wiederum in Dottersacktumoren, Chorionkarzinome, embryonale Karzinome oder undifferenzierte Teratome eingeteilt. Sowohl Seminome als auch Nichtseminome kommen ungefähr gleich oft vor.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Eine schmerzfreie Hodenschwellung bedarf immer einer ärztlichen Untersuchung, da unverhältnismäßige Druckverhältnisse im Hodensack auf ein schweres Grundleiden hindeuten. Eine Hodenschwellung ohne Schmerzen gilt als Warnzeichen für Hodenkrebs und muss möglichst rasch abgeklärt werden.

Der Urologe sollte außerdem hinzugezogen werden, wenn die Schwellung mit Rötungen oder Verhärtungen einhergeht oder es begleitend zu unangenehmen Druckgefühlen im Bereich des Hodensacks kommt. Tritt die Hodenschwellung plötzlich auf, besteht die Gefahr einer Hodentorsion, welche bereits nach wenigen Stunden zum Absterben des Hodens führt. Eine ärztliche Abklärung ist anzuraten, wenn der betroffene Hoden sich in einer ungewöhnlichen Position befindet oder es begleitend zu einem stechenden Druck kommt.

Eine schmerzfreie Schwellung beider Hoden deutet auf ein schweres Grundleiden hin und bedarf einer raschen Abklärung durch den Urologen. Dasselbe gilt, wenn die Schwellung auf eine Zyste oder eine Quetschung des Hodens zurückzuführen ist. Der Gang zum Urologen ist bei einer Hodenschwellung ohne Schmerzen fast immer zu empfehlen. Lediglich, wenn die Ursache bekannt ist oder die Schwellung bereits wieder abnimmt, kann von einem Arztbesuch abgesehen werden, insofern keine Begleitsymptome hinzukommen.

Diagnose und Verlauf

Eine Hodenschwellung ohne Schmerzen kann alleine auftreten oder von anderen Symptomen begleitet sein. Das Auftreten von Begleitsymptomen deutet oft bereits auf die mögliche zugrunde liegende Erkrankung hin. Findet eine schnelle Schwellung der Hoden statt, handelt es sich meist um Wasseransammlungen, die unter anderem bei Hydrozelen auftreten. Zunächst erfolgt eine ein- oder beidseitige Anschwellung der Hoden, ohne dass Schmerzen auftreten. Wird die Hydrozele jedoch sehr groß, kann es zu Druck- und Spannungsgefühlen kommen.

Hodenzysten verursachen oft überhaupt keine Beschwerden. Auch das leichte Anschwellen der Hoden wird oft nicht entdeckt. In der Mehrzahl der Fälle ist die Hodenzyste oder Nebenhodenzyste ein Zufallsbefund. Bei Hodenkrebs sieht das schon anders aus. In diesem Fall kann auch ein Laie die Vergrößerung der Hoden erkennen. Es bilden sich tastbare Knoten innerhalb der Hoden. Dabei vergrößert sich zunächst meist nur ein Hoden. Manchmal werden auch Hodenvergrößerungen beider Hoden beobachtet. Es folgt ein Schweregefühl. Später treten aber auch ziehende Schmerzen in der Leistengegend auf.

Um die Hoden bilden sich Wasseransammlungen, die zu einer zusätzlichen Hodenschwellung führen. Zusätzlich kommt es zur Abnahme des sexuellen Verlangens, einer möglichen ein- oder beidseitigen Brustdrüsenvergrößerung (Gynäkomastie) und sogar zu ein- oder beidseitigen Schmerzen in den Brustdrüsen. Weitere Symptome können sich nach Auftreten von eventuellen Metastasen entwickeln. Dazu zählen unter anderem Rückenschmerzen und Atemwegsprobleme.

Komplikationen

Bei Hodenschwellungen ohne Schmerzen stellen sich bei den meisten Männern starke emotionale und seelische Probleme ein. Angst und Bedenken über die Ursache beschäftigen die Betroffenen. In schweren Fällen treten Panikattacken auf. Hodenschwellungen ohne Schmerzen führen häufig zu einer Beeinträchtigung der sexuellen Aktivität. Störungen der Erektion sind möglich. Diese lösen partnerschaftliche Probleme und Konflikte aus. Die Hodenschwellungen können aufgrund von Entzündungen oder Infektionen eintreten. Geschlechtskrankheiten oder virale sowie bakterielle Ursachen sind möglich. Es besteht eine Ansteckungsgefahr für den Partner über den Sexualakt oder anderer Mitglieder des Haushaltes, beispielsweise bei der Nutzung der gleichen Toilette.

Die Beschwerden können im Laufe der Zeit zunehmen und in einem späteren Verlauf zu Schmerzen führen. Es besteht das Risiko, an einer Krebserkrankung oder hormonellen Krankheit zu leiden. Liegt eine Krebserkrankung vor, kommt es zu einem operativen Eingriff oder weiteren Behandlungsmaßnahmen, die mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden sind. Bei einer Störung des Hormonhaushaltes werden Präparate verabreicht, die eine Linderung der derzeitigen Beschwerden einleitet. Gleichzeitig treten jedoch häufig weitere Nebenwirkungen auf, die eine Änderung des Sexualverhaltens bewirkt. Die Schwellungen der Hoden führen zu Problemen bei der Fortbewegung. Ein unangenehmes Körpergefühl stellt sich ein und löst Stimmungsschwankungen oder eine Gereiztheit aus. Scham vor anderen Menschen oder Rückzugsverhalten sind möglich.

Behandlung und Therapie

Bei Hodenschwellungen ohne Schmerzen muss immer ein Arzt zurate gezogen werden, um mögliche schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen oder zu diagnostizieren. Denn auch bei ernsten Erkrankungen wie Hodenkrebs sind die Heilungsaussichten sehr gut, wenn die Behandlung rechtzeitig erfolgt. Wenn die Hodenschwellungen gleichzeitig mit derben knotigen Verhärtungen auftreten, stellt der Arzt die Verdachtsdiagnose Hodenkarzinom auf.

Ultraschalluntersuchungen können die Tumoren bildlich darstellen. In Rahmen von Blutuntersuchungen werden sogenannte Tumormarker festgestellt, die auf bestimmte Formen des Krebses hindeuten. Das ist wichtig, denn Seminome müssen anders behandelt werden als Nichtseminome. Die Therapie von Hodenschwellungen ohne Schmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Hodenzysten bedürfen oft gar keiner Behandlung, zumal sie häufig auch nur einen Zufallsbefund darstellen. Meist sind sie harmlos und schränken die Lebensqualität nicht ein.

Hydrozelen bilden sich meist auch spontan zurück. In Fällen, wo dies nicht der Fall ist, kann auch operiert werden. Auch die Behandlung von Varizen (Krampfadern) in den Hoden richtet sich danach, welche Beschwerden sie verursachen. Manchmal ist auch hier eine chirurgische Lösung notwendig. Hodenkrebs bedarf selbstverständlich immer einer Therapie. Die Prognose ist sehr gut, auch wenn bereits beide Hoden betroffen sind. Unabhängig von der Form des Krebses findet zunächst immer eine Operation statt, wobei der betroffene Hoden oder gar beide entfernt werden müssen. Bei Seminomen kann eine Bestrahlungstherapie angesetzt werden. Nichtseminome sprechen darauf allerdings nicht an und müssen im fortgeschrittenen Stadium immer mit einer Chemotherapie behandelt werden.



Vorbeugung

Da eine der Hauptursachen für Hodenkrebs und Hodenschwellung ein Hodenhochstand im Säuglingsalter ist, muss dieser immer sofort behandelt werden. Wird die rechzeitige Behandlung versäumt, besteht im späteren Alter neben dem Risiko eines Hodenkarzinoms auch das Risiko einer Fertilitätsstörung.

Bücher über Männergesundheit

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2015
  • Hof H, Dörries R. Duale Reihe: Medizinische Mikrobiologie. Thieme Verlag. 4. Auflage(2009)
  • Hofmann, R., (Hrsg.): Endoskopische Urologie. Springer, Berlin 2009
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie, Springer Verlag, 2014
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Georg Thieme Verlag, 2007

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