Häufiges Wasserlassen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 1. Mai 2017
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Häufiges Wasserlassen bzw. der medizinische Begriff Polyurie bezeichnet die häufige Entleerung der Harnblase über die Norm hinaus. Man spricht von einer Polyurie bei einer Ausscheidung von mehr als zwei bis drei Litern Harn pro Tag.

Inhaltsverzeichnis

Was ist häufiges Wasserlassen?

Im Normalfall kommt es bei einer normalen Trinkmenge zu etwa vier bis sechs Blasenentleerungen mit jeweils ungefähr 300 bis 400 ml pro Tag. Man spricht bei der Entleerung der Harnblase von der so genannten Mitkion, welche bei der Polyurie in Menge und auch Häufigkeit erhöht ist.

Ob diese Veränderung krankhaft ist, muss in der Regel über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, da nur durch eine genaue und gezielte Untersuchung eine Erkrankung festgestellt werden kann.

Ursachen

Die Ursachen für eine Veränderung der normalen Entleerung der Harnblase sind sehr verschieden. Eine natürliche Reaktion des Körpers stellt häufges Wasserlassen vor allem dann dar, wenn die Trinkmenge deutlich gesteigert wird. Der Körper versucht in diesem Fall, die zu viel aufgenommene Flüssigkeit wieder auszuscheiden.

In der Regel lässt ein gesteigertes Durstgefühl sowie eine damit verbundene hohe Trinkmenge auf einen Diabetes mellitus schließen. Aber auch Nierenerkrankungen (z. B. chronische Niereninsuffizienz, Entzündungen des harnableitenden Systems) können die Entstehung einer Polyurie begünstigen.

Auch der Diabetes insipidus, bei dem die Wasserrückresorption durch das Nierengewebe gestört ist, kann zu einer Polyurie führen. Zudem kann die Polyurie auch durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten (z. B. Glukokortikoide, Saluretika, Lithium oder auch Missbrauch von Laxantien) oder durch eine Störung des Mineralienhaushalts (z. B. Hypokaliämie, Hyperkalzämie) hervorgerufen werden.

Auf die erhöhte Ausscheidung von Harn können sich außerdem Alkohol sowie Kaffee auswirken. Kommt es zwar zu gehäuftem Wasserlassen, aber ohne eine höhere Menge an Urin, dann kann die Ursache hierfür entweder eine Blasenentzündung oder aber eine hyperaktive Blase sein, wobei der Harndrang in diesen Fällen bereits nach wenigen Stunden oder gar Minuten bereits unerträglich ist.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Häufiges Wasserlassen kann viele mögliche Ursachen haben. Tritt das Symptom über einen kurzen Zeitraum auf, ist es meist unbedenklich und muss nicht medizinisch behandelt werden. Besteht jedoch über mehre Tage bis Wochen ständiger Harndrang kann dies ein Hinweis auf unterschiedliche Erkrankungen sein und sollte von einem Arzt abgeklärt werden. Hilfreich für den behandelnden Arzt ist es, vorab zu beobachten, wann und in welcher Häufigkeit das Symptom auftritt.

Wenn häufiges Wasserlassen keiner erkennbaren Ursache zuzuordnen ist und über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt, sollte der Hausarzt oder ein Urologe konsultiert werden. Bestimmte Lebensstilfaktoren, die harntreibend wirken, sind neben bestimmten Medikamenten auch der Konsum von Tee und Kaffee. Tritt häufiges Wasserlassen unerklärlich häufig auf oder wird zur Belastung, sollte so schnell wie möglich ein Mediziner zu Rate gezogen werden.

Falls häufiges Wasserlassen mit Schmerzen einhergeht oder der Urin blutig ist, sollte mit dem Arztbesuch nicht länger gezögert werden. Häufiges Wasserlassen geht in einigen Fällen auch mit einem vermehrten Durstgefühl einher. Diese Kombination kann einen Hinweis auf behandlungsbedürftige Erkrankungen wie ein Herzleiden oder Diabetes mellitus geben. Patienten, die beide Symptome bei sich selbst beobachten können, sollten sich in ärztliche Behandlung begeben, um ein Krankheitsleiden auszuschließen oder so schnell wie möglich behandeln zu können.

Diagnose und Verlauf

Die Symptome der Polyurie sind in der Regel recht einfach zu deuten. So liegt bei der Polyurie eine vermehrte Ausscheidung von Harn von mehr als zwei bis drei Liter pro Tag vor. Die Ausscheidung des Harns selbst ist trotz der Häufigkeit in der Regel nicht schmerzhaft. Generell kann die genaue Symptomatik für eine Polyurie schon in einem ersten Anamnesegespräch geklärt werden. Der Arzt befragt den betroffenen Patienten nach der Menge der aufgenommenen Flüssigkeit pro Tag sowie nach der Menge und Häufigkeit von dessen Ausscheidung.

Auch Grunderkrankungen wie Nierenschäden, Herzschwäche oder auch Diabetes werden im Anamnesegespräch besprochen. Um die Diagnose festigen zu können, folgt anschließend eine körperliche Untersuchung. Mit ihr können im Gewebe mögliche vorhandene Wassereinlagerungen (meist in den Beinen) aufgefunden werden. Auch der Bauchraum wird bei dieser Untersuchung in der Regel abgetastet, um festzustellen, ob die Nieren auf Druck schmerzempfindlich reagieren.

Weiterhin werden natürlich Lungen und Herz abgehört. Liegt eine vermehrte Wassereinlagerung vor, dann kann sich dieses Wasser unter Umständen in den Lungen ansammeln, was sich beim Abhören wie ein Blubbern anhört. Generell erfolgt zur Diagnostik der Polyurie außerdem eine Untersuchung des Urins auf weiße Blutzellen, Zucker, Eiweiß sowie Bakterien.

Auch das Blut wird oft untersucht, was zur Kontrolle verschiedener Organsysteme beiträgt. Kann die Diagnose anhand von Urin- und Blutwerten sowie Anamnes und Abtastung nicht sicher gestellt werden, so besteht auch die Möglichkeit einer Untersuchung mit Ultraschall. Hier wird mittels bildgebendem Verfahren überprüft, ob Blase und Nieren Organschäden aufweisen oder ob ein Rückstau des Harns zu erkennen ist. Zusätzlich kann auch die Funktion der Blasenmuskulatur und des äußeren Schließmuskels mit der so genannten Urodynamik überprüft werden.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: N39.4 Harninkontinenz) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Häufiges Wasserlassen ist in den meisten Fällen zwar unangenehm, aber sonst harmlos. Es kann aber auch zu Komplikationen führen oder als Symptom einer ernsteren Erkrankung auftreten. Normal ist das häufige Wasserlassen, wenn es durch zu viel Trinken verursacht wird. Wenn jedoch neben dem ständigen Toilettengang gleichzeitig auch ein starkes Durstgefühl und Heißhunger besteht, kann ein Diabetes dahinterstecken. Der Körper versucht dabei, Glukose loszuwerden und scheidet daher eine erhöhte Urinmenge aus.

Neben anderen Komplikationen droht dem Organismus dann eine Austrocknung, die für das große Durstgefühl verantwortlich ist. Allgemein kann der große Flüssigkeitsverlust beim häufigen Wasserlassen auch bei anderen Ursachen zu chronischer Müdigkeit, Unkonzentriertheit und depressiver Verstimmung führen. In manchen Fällen entwickelt sich sogar eine Harninkontinenz. Wenn andererseits zwar ständiger Harndrang herrscht, aber nur geringe Mengen Urin ausgeschieden werden, liegt oft eine Harnwegsinfektion vor. Dann ist das Wasserlassen gleichzeitig häufig auch mit Schmerzen und Brennen verbunden.

Es kann sich um eine Nierenbeckenentzündung handeln, die manchmal chronisch wird. Gleichzeitig wird oft auch Blut im Urin nachgewiesen. Außerdem kommt es bei Nierenbeckenentzündung häufig zu Schüttelfrost, Fieber, Bauchschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen. Wenn wenig konzentrierter Urin in großen Mengen ausgeschieden wird, liegt möglicherweise eine Niereninsuffizienz vor. Im Blut sammeln sich dann harnpflichtige Substanzen an, die ohne Behandlung zum Koma führen können.

Behandlung und Therapie

Oft nehmen betroffene Patienten die veränderten Gewohnheiten der Harnentleerung als unangenehm oder gar störend wahr. Ein aufgrund von Komplikationen (z. B. Leistungsschwäche, Kreislaufprobleme, Stuhlverstopfung) entstehender Mineralien- und Flüssigkeitsverlust sollte möglichst nicht eintreten.

Generell ist es notwendig, dass vorhandene Grunderkrankungen, die häufiges Wasserlassen hervorrufen, ausreichend therapiert werden, um generell Komplikationen vermeiden zu können.

Viele Patienten verlassen oft ihr Haus nur noch ungern, weil sie ständig einen störenden Harndrang verspüren. Deshalb ist die Behandlung auch zuerst auf die vorhandene Grunderkrankung ausgerichtet. So sollte zum Beispiel ein Diabetes mellitus – wenn notwendig – mit Medikamenten optimal eingestellt sein.

Bei herzkranken Patienten ist ebenfalls eine spezielle Therapie notwendig, falls erforderlich möglicherweise auch mit einem geeigneten Antibiotikum, um vorhandene Entzündungen abheilen zu lassen. Wichtig ist eine ausreichende Trinkmenge, die bei einer Grunderkrankung die Erreger aus dem Körper spülen soll und so besser zur Behandlung der Polyurie beitragen kann.



Vorbeugung

Einer Polyurie vorzubeugen, ist generell möglich. So ist es sinnvoll, eine Behandlung von vorhandenen Grunderkrankungen auf jeden Fall konsequent durchzuführen. So können sämtliche Gegebenheiten, die eine Polyurie beeinflussen, vermieden oder zumindest gemindert werden.

Bücher über Polyurie

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2015
  • Hof H, Dörries R. Duale Reihe: Medizinische Mikrobiologie. Thieme Verlag. 4. Auflage(2009)
  • Hofmann, R., (Hrsg.): Endoskopische Urologie. Springer, Berlin 2009
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie, Springer Verlag, 2014
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Georg Thieme Verlag, 2007

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