Gesäßschmerzen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. April 2017
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Gesäßschmerzen treten meist akut auf und können sich ohne Behandlung zu chronischen Schmerzen entwickeln. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und beinhaltet gewöhnlich eine medikamentöse Schmerztherapie. Im Großteil der Fälle ist eine vollständige Heilung möglich.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Gesäßschmerzen?

Bei Gesäßschmerzen handelt es sich um bohrende bzw. stechende Schmerzen im Bereich des Gesäßes. Nicht selten werden Schmerzen im Gesäß mit Rückenschmerzen verwechselt. Dies liegt unter anderem daran, dass Gesäßschmerzen in den Rücken ausstrahlen können. Darüber hinaus empfinden Betroffene häufig ein gewisses Schamgefühl aufgrund der Lokalisation der Schmerzen, weswegen sie sich erst bei zunehmenden Beschwerden einem Arzt anvertrauen.

Aus diesem Grund werden Gesäßschmerzen oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert und behandelt. Typischerweise leiden Betroffene zu Beginn nur in Belastungssituationen unter Schmerzen. Beim Laufen und Bücken nimmt die Schmerzintensität charakteristischerweise zu. Auch das Sitzen kann Schmerzen bereiten. Bleiben die Gesäßschmerzen unbehandelt, können sie sich verschlimmern. Im weiteren Verlauf leiden Betroffene dann auch in Ruhephasen unter den Beschwerden.

Ursachen

Am häufigsten treten Schmerzen im Gesäß aufgrund einer chronischen Überbeanspruchung der Muskeln und Halteorgane auf. Eine solche Überbelastung entsteht beispielsweise durch eine jahrelange Fehlhaltung. Meist handelt es sich dabei um eine Überbeanspruchung des Musculus piriformis, der gemeinhin als Gesäßmuskel bezeichnet wird. Dieser tief im Gewebe befindliche Muskel wird nicht nur für fast jede Art von Bewegung, sondern auch zum Sitzen benötigt.

Kommt es zu einer Verletzung des Musculus piriformis, schwillt dieser an und drückt auf den darunter befindlichen Ischiasnerv, wodurch Betroffene oft starke Schmerzen empfinden. Betroffene leiden in diesem Fall unter dem sogenannten Piriformis-Syndrom. Außerdem können Abnützungen und Verletzungen des Hüftgelenks zu Schmerzen im Gesäß führen. Eine unproblematische Ursache ist ein Muskelkater, der durch eine kurzzeitige Überbeanspruchung der Muskeln hervorgerufen wird.

Neben funktionellen Störungen gibt es einige rheumatische Erkrankungen, welche mit Gesäßschmerzen einhergehen. Dazu zählt unter anderem Morbus Bechterew, eine erbliche Erkrankung, die zu entzündlichen Prozessen in den Gelenken führt. Des Weiteren können Abszesse oder Fremdkörper zu Schmerzen im Gesäß führen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Plötzlich auftretende Gesäßschmerzen sollten immer dazu veranlassen, einen Arzt zur Klärung der Ursache aufzusuchen. Neben harmlosen Ursachen können auch schwerwiegende Erkrankungen vorliegen. Meist handelt es sich jedoch lediglich um Rückenschmerzen durch Muskelverspannungen, die bis in das Gesäß ausstrahlen. Unbedingt sollte jedoch der Arzt konsultiert werden, wenn die Rücken- oder Gesäßschmerzen zusammen mit allgemeinen Gelenkschmerzen einhergehen, wenn sie länger andauern und wenn die Gelenke nach dem Aufstehen erst einmal steif sind.

Des Weiteren ist ein Arztbesuch auch angezeigt, wenn immer nach dem Liegen quälende Schmerzen auftreten. Das deutet auf einen Morbus Bechterew hin, einer Entzündung der Wirbelsäule, die bei längerem Verlauf auch zur völligen Verknöcherung der Wirbelsäule führen kann. Wenn sich zu den starken Gesäßschmerzen auch Schüttelfrost und Fieber dazugesellen, ist ein Arztbesuch dringend erforderlich. Diese Symptome könnten auf eine bakterielle Infektion hindeuten, bei der sich bereits ein Abszess im Bereich des Gesäßes gebildet hat. Unbehandelt kann es hier sogar zu einer Sepsis (Blutvergiftung) kommen.

Der Arzt sollte auch konsultiert werden bei chronischen Gesäß- und Gelenkschmerzen, die zusammen mit ständiger Müdigkeit und Erschöpfung auftreten. Es kann sich um eine sogenannte Fibromyalgie handeln. Von alleine verschwinden hier die Symptome nicht. Der Arzt kann aber verschiedene Therapieformen wie körperliches Training sowie Entspannungs- und Verhaltenstherapien miteinander kombinieren, um langfristig einen Heilungserfolg zu erzielen.

Diagnose und Verlaif

Um zu verhindern, dass Gesäßschmerzen chronisch werden, sollte bei Beschwerden möglichst rasch ein Arzt aufgesucht werden. Die Einnahme von Schmerzmitteln verschleiert die Symptome oftmals und verzögert eine korrekte Diagnose. Aus diesem Grund ist von Selbstmedikation über einen längeren Zeitraum hinweg abzuraten. Gesäßschmerzen, die nicht von selbst nach einigen Tagen verschwinden, sollten von einem Arzt abgeklärt werden. Erfolgt eine Diagnose, bevor der Schmerz chronisch wird, ist der Verlauf als positiv einzuschätzen.

Im Rahmen der Diagnosestellung erhebt der behandelnde Arzt zuerst eine Anamnese. Dabei erfragt er die genauen Beschwerden und deren Verlauf. In manchen Fällen kann alleine durch die Anamnese und eine körperliche Untersuchung eine Diagnose gestellt werden. Ist dies jedoch nicht möglich, kommen bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie zum Einsatz. Manchmal wird anstatt von einem CT oder MRT auch eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. Die Diagnosestellung ist bei einer Röntgenuntersuchung jedoch erschwert.

Komplikationen

Neben Haltungsschäden, Muskelkater, Ischias und Bandscheibenvorfällen können sich hinter Gesäßschmerzen auch ernsthaftere Krankheiten und Komplikationen verstecken. In seltenen Fällen kommen entzündliche Kreuz- und Gesäßschmerzen infrage, die zur Gruppe der rheumatischen Erkrankungen gehören. Dabei handelt es sich hierbei um den sogenannten Morbus Bechterew. Morbus Bechterew ist chronisch und kann zur Versteifung der Wirbelsäule führen.

Manchmal steckt hinter den Gesäßschmerzen auch ein Abszess, der sich aus einer bakteriellen Infektion in der Wirbelsäule oder im Darmbereich entwickelt. Zuweilen entsteht solch ein Abszess auch nach einer Injektion in den Gesäßmuskel. Bei diesen eitrigen Entzündungsprozessen kann sich zusätzlich ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber einstellen. Ein sehr schmerzender Entzündungsherd im Gesäßbereich entpuppt sich oft auch als Steißbeinfistel. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Granulom, welches sich unter anderem um ein eingewachsenes Haar bilden kann. Auch hier liegt ein Abszess vor, der unter Umständen die Größe eines Apfels erreichen kann. Die Betroffenen können nicht mehr sitzen oder gehen und fühlen sich auch sonst krank.

Nur ein chirurgischer Eingriff kann diesen Zustand beheben. Manchmal sind die Gesäßschmerzen auch auf eine Blutung im Gesäßmuskel zurückzuführen. Diese kann besonders bei erhöhter Blutungsneigung durch Einnahme Blut verdünnender Medikamente und Verletzungen im Gesäßbereich auftreten. Gesäßschmerzen können auch im Rahmen des komplexen Fibromyalgie-Syndroms vorkommen, welches oft schwer zu behandeln ist.

Behandlung und Therapie

Die Therapie von Gesäßschmerzen ist von der Ursache abhängig. Handelt es sich lediglich um leichte Schmerzen, die nach kurzer Zeit von selbst abklingen, ist keinerlei Behandlung notwendig. Bei stärkeren Schmerzen können Schmerzmedikamente eingenommen werden. Kehren die Schmerzen im Gesäß jedoch immer wieder oder verschlimmern sich, sollte auf Selbstmedikation verzichtet werden. In diesem Fall ist ein Arztbesuch empfehlenswert. Bei kleinen Verletzungen des Musculus piriformis sollte die betroffene Stelle kühl gehalten werden.

Außerdem sollte der Gesäßmuskel einige Tage lang geschont werden, bis die Verletzung abgeheilt ist. In den meisten Fällen heilen solche durch Überbeanspruchung hervorgerufenen Verletzungen von selbst. Liegt eine Zerrung vor, wird eine Wärmebehandlung von Betroffenen oft als angenehm und schmerzlindernd empfunden. Spezielle Wärmepflaster bzw. Salben helfen dabei, den Musculus piriformis zu entspannen, wodurch die Schmerzen gelindert werden.

Regelmäßige Krankengymnastik bzw. Physiotherapie ist empfehlenswert, wenn die Schmerzen immer wieder auftreten. Durch das kontinuierliche Training gelingt es, die Muskulatur des Gesäßes zu stärken und Zerrungen bzw. Verletzungen vorzubeugen. Physiotherapie ist auch bei Fehlhaltungen notwendig, um Schmerzen im Gesäß langfristig zu behandeln. Im Rahmen der Physiotherapie erlernen die Betroffenen anhand von Übungen, ihre Körperhaltung zu verbessern und alltägliche Bewegungen möglichst schonend auszuführen.

Eventuell ist eine Elektrotherapie hilfreich, um hartnäckige Verspannungen zu lösen. Neben der ursächlichen Therapie erfolgt bei Gesäßschmerzen großteils auch eine Schmerzbehandlung. Im Falle von Abszessen oder Fremdkörpern erfolgen eine chirurgische Eröffnung sowie eine Behandlung mit Antibiotika, um Infektionen zu bekämpfen.



Vorbeugung

Die Hauptursache von Gesäßschmerzen ist eine Fehlbelastung bzw. Überbeanspruchung des Gesäßmuskels. Um Schmerzen vorzubeugen, sollte darauf geachtet werden, dass Bewegungen möglichst schonend ausgeführt werden. Dies gilt vor allem für Tätigkeiten, die das Heben von schweren Gegenständen oder häufiges Bücken erfordern.

Darüber hinaus sollte auch beim Sitzen auf eine gesäß- und rückenschonende Körperhaltung geachtet werden. So wird eine übermäßige Beanspruchung des Gesäßmuskels verhindert. Bereits kleine Vorsichtsmaßnahmen wie das Aufwärmen vor sportlichen Aktivitäten senken das Risiko, Gesäßschmerzen zu erleiden.

Bücher über Gesäßschmerzen

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Sinnamon kommentierte am 16.02.2017 um 17:08 Uhr

Ich habe seit Juli 2016 Schmerzen im linken unteren Gesäßbereich. Des weiteren strahlt es bei mir auch in den Rücken aus. Die Probleme habe ich beim Laufen und bei einer nur kleinen Beugung nach vorne. Hinzu kommt, dass ich mit meinem linken Bein zusammensacke. Vor allem beim Bücken wird das Bein schwach und es wackelt als würde irgendetwas abgeschnürt. Seitdem renne ich von Arzt zu Arzt und keiner kann eine Diagnose stellen. Angeblich ist alles unauffällig, nur in der Hüfte wurde eine leichte Entzündung festgestellt. Nerven- und Muskelmessungen waren auch nicht auffällig. Fakt ist, dass ich meine Beschwerden sofort meinem Arzt mitgeteilt und seitdem auch arbeitsunfähig bin. Leider konnte mir bis jetzt keiner helfen