Gefühlsstörungen in den Fingern

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 2. November 2016
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Gefühlsstörungen in den Fingern äußern sich häufig durch ein unangenehmes Kribbeln oder Taubheitsgefühle. Obwohl die potenziellen Ursachen sehr unterschiedlich sind, muss immer an die Möglichkeit einer Nervenschädigung gedacht werden. In Betracht zu ziehen sind aber auch psychische Ursachen. Mit der Suche nach ärztlichem Rat sollte folglich nicht lang gezögert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Gefühlsstörungen in den Fingern?

Gefühlsstörungen in den Fingern machen sich in der Regel durch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle bemerkbar, die auf keine externe Ursache zurückzuführen sind. Beim Kribbeln handelt es sich um eine unangenehme Empfindung an der Körperoberfläche, namentlich der Haut. In akuten Fällen kann das Kribbeln auch als schmerzhaft empfunden werden. Gefühlsstörungen in den Fingern gehen fast immer mit einer Parästhesie einher.

Mit diesem medizinischen Begriff wird der Umstand beschrieben, dass Reizungen wahrgenommen werden (z. B. Kribbeln, Wärme oder Kälte), die auf keinen adäquaten externen Verursacher zurückgeführt werden können. Taubheitsgefühle in den Fingern können auf die Fingerkuppen beschränkt bleiben oder den ganzen Finger betreffen. Das Taubheitsgefühl ist vergleichbar mit dem Gefühl eingeschlafener Finger.

Ursachen

Gefühlsstörungen jedweder Art können sowohl physische als auch psychische Ursachen haben. Zu den häufigsten physischen (d. h. rein körperlich bedingten) Gründen zählen Störungen in den Blutgefäßen, eingeengte Nervenbahnen sowie Rückenprobleme. Zahlreiche Gefühlsstörungen sind aber auch auf Fehlfunktionen des peripheren Nervensystems zurückzuführen. Dieses setzt sich aus Empfindungsnerven zusammen, die erkranken können. Eine der häufigsten Erkrankungen dieser Nervenzellen stellen Polyneuropathien dar. Eine Polyneuropathie ist eine Schädigung zahlreicher Nerven.

Als weitere physische Ursachen kommen auch Stoffwechselprobleme und ein unausgewogener Hormonhaushalt in Betracht. Denn beide Faktoren beeinflussen die Vitalität des Nervensystems sowie die Gefäße, die beide für Gefühlsstörungen verantwortlich gemacht werden. Aber auch eine unbehandelte Diabeteserkrankung (Typ I oder Typ II) hat langfristig Auswirkungen auf das Nervensystem. Potenzielle Ursache von Missempfindungen in den Fingern können auch Engpässe der Nervenkanäle sein. Diese entstehen, wenn sich das Gewebe, das sich um die Nerven herum befindet, verändert. Deshalb sind Knochenfehlstellungen oder Sehnen sowie weitere Weichteile zu untersuchen.

Neben peripheren Nervenschädigungen müssen auch Störungen des Zentralnervensystems (ZNS) als möglicher Auslöser berücksichtigt werden. In diesen Fällen lösen Probleme des Gehirns oder des Rückenmarks die Missempfindungen aus, weil sie Fehlinformationen weiterleiten. Schädigungen der Nerven sind allerdings nicht zwingend. Auch Überbelastungen der Hände (z. B. durch Sport) können zu einem vorübergehenden Gefühlsverlust führen. So kann eine Fehlhaltung beim Radfahren zur Entwicklung eines Ulnartunnelsyndroms (Radfahrerlähmung) führen. Diese Fehlhaltung verursacht eine Einklemmung der Nerven im Bereich der Finger oder der Hand.

Aber auch ein Schleudertrauma an der Halswirbelsäule, das sich durch Zerrungen oder Stauchungen äußert, kann zu einem Gefühlsverlust in den Fingern führen. Das ist häufig nach einem Autounfall der Fall. Bergsteiger, die aufgrund eines zu raschen Aufstiegs an der Höhenkrankheit leiden, berichten ebenfalls über einem Gefühlsverlust in den Fingern. Weitere physische Ursachen von Gefühlsstörungen in den Fingern sind ein Vitamin-B12-Mangel, Hormonstörungen und ein Raynaud-Syndrom. Die Anzahl der psychischen Ursachen ist groß. So können u. a. andauernde Panik- und Angstattacken, Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen somatoforme Störungen verursachen, die zu Gefühlsstörungen in den Fingern führen. Als somatoforme Störungen werden solche bezeichnet, die ausschließlich psychische Ursachen haben, also losgelöst von körperlichen Schäden auftreten. Darüber hinaus können Gefühlsstörungen in den Fingern auch durch langjährigen Substanz- oder Suchtmittelmissbrauch (z. B. Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Medikamentenmissbrauch) hervorgerufen werden.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Die erste Anlaufstelle für Gefühlsstörungen ist in der Regel der Hausarzt. Der Allgemeinmediziner wird versuchen, die Symptome genauer einzugrenzen. Hierfür kommen verschiedene Testverfahren zum Einsatz. Diese haben das Ziel, die Kälte- und Wärmereize zu überprüfen. Auch kann untersucht werden, ob Schmerzreize adäquat wahrgenommen werden. Oft kommt es bei der Durchführung der Tests zur Applikation von Druck. Auch vibrierende Gerätschaften können verwendet werden.

Je nach Sachlage kann auch eine Untersuchung auf Diabetes angezeigt sein. Wenn der Hausarzt keine Ursache ausfindig machen kann, wird er an einen Spezialisten verweisen. Zu den Fachärzten, die sich mit Gefühlsstörungen auseinandersetzen, zählen neben Neurologen und Orthopäden auch Hautärzte. Diese werden in der Regel neben körperlichen Untersuchungen auch Bluttestes durchführen, um die genauen Ursachen einzugrenzen. Erst nachdem physische Ursachen ausgeschlossen wurden erfolgt eine Überweisung an einen Psychologen oder Psychotherapeuten.

Behandlung und Therapie

Eine Therapie wird zwingend, wenn die oben beschriebenen Symptome nicht von allein abklingen, was in einigen Fällen durchaus vorkommt. Da insbesondere bei einem vollständigen Gefühlsverlust die Wahrscheinlichkeit einer Nervverletzung oder –schädigung besonders hoch ist, setzen die meisten Behandlungen hier an. Neurologen versuchen, eingeklemmte Nerven zu befreien. So kann eine Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit gelingen. Voraussetzung hierfür ist indes, dass der Nerv nicht bereits abgestorben ist. Denn tote Nerven können mit keiner Behandlungsmethode wiederhergestellt werden.

Das gilt auch für abgerissene Nerven, da diese nicht wiederzusammenwachsen. Je nach Einzelfall können auch gymnastische oder physiotherapeutische Übungen verschrieben werden. Diese dienen dazu, die Bewegungsfähigkeit zu erhalten. In einigen Teilen der Schulmedizin wird auch auf die Möglichkeit einer Akupunktur verwiesen. Diese bedarf allerdings mehrere Sitzungen und wird von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen. Wenn die Ursache der Missempfindungen rein psychisch ist, die Gefühlsstörungen sich also als psychosomatisch erweisen, kommt nur eine Psychotherapie in Betracht. Erfolgt eine Behandlung bei einem Psychiater, können auch Medikamente (insbesondere selektive Serotoninabbauhemmer) zum Einsatz kommen.



Vorbeugung

Missempfindungen lassen sich durch einen gesunden Lebensstil vorbeugen. Ein solcher zeichnet sich durch ausgewogene Ernährung und Sport aus. Beim Sport ist auf ausreichende Pausen zu achten, um Überbelastungen zu vermeiden. Außerdem ist auch ein Verzicht auf schädigende Substanzen wie Nikotin hilfreich, um Gefühlsstörungen nicht entstehen zu lassen. Da auch Durchblutungsstörungen eine Ursache sein können, ist auch eine gute Durchblutung förderlich. Diabetiker sollten außerdem ihre Blutzuckerwerte überwachen, um Schädigungen der Gefäße und Nerven zu vermeiden.

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