Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. Juli 2017
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Die Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) tritt vorrangig bei sexuell aktiven Frauen auf, verläuft meist komplikationslos und ist leicht behandelbar. Mit wenigen Maßnahmen kann eine Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) effizient vermieden werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Flitterwochen-Blasenentzündung?

Die Flitterwochen-Blasenentzündung ist eine von Bakterien verursachte und schmerzhafte, in den meisten Fällen jedoch unkompliziert verlaufende und leicht heilbare Infektionskrankheit der Harnwege, die vorrangig Frauen betrifft und durch Geschlechtsverkehr ausgelöst werden kann.

Fast 70 Prozent aller Frauen erleben mindestens einmal in ihrem Leben eine Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zysitis). Häufig wird auch bei Frauen im Alter von über 50 Jahren eine Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) diagnostiziert, was mit sexuellem Kontakt mit einem neuen Partner nach einer oft mit Abstinenz einhergehenden langjährigen Beziehung zusammenhängt.

Ursachen

Die Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) betrifft fast ausschließlich Frauen und tritt bei Männern nur selten auf. Dies liegt darin, dass Frauen im Vergleich zu Männern eine deutlich kürzere Harnröhre von nur etwa vier Zentimetern Länge besitzen, was Keimen das Aufsteigen in die Blase erleichtert. Durch den Austausch von Körperflüssigkeiten beim Sex verändert sich das Scheidenmilieu, was zu einer raschen Vermehrung von bereits vorhandenen, sonst nur bedingt pathogenen bakteriellen Erregern führt, die in die Harnröhre aufsteigen und sich in der Blase verbreiten.

Es ist auch möglich, dass eine Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) durch Bakterien des Mannes ausgelöst wird, mit denen das Immunsystem der Frau erstmals in Kontakt kommt. Deshalb sind vor allem Frauen, die nach längerer Abstinenz oder mit einem neuen Partner sexuelle Aktivität aufnehmen, besonders häufig von der Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) betroffen. Sind die Bakterien in der Blase angekommen, verursachen sie dort eine Infektion, die zu einer Reizung der Innenwand-Schleimhäute führt.

Wann zum Arzt?

In den Flitterwochen kommt es bei vielen Paaren zu der Ausübung eines intensiven Sexuallebens. Durch die Stimulation des Geschlechtsbereiches wird ebenfalls die Blase der Frau stark involviert. Die Beschwerden sind daher aus ärztlicher Sicht nicht besorgniserregend und werden als natürliche Folge angesehen. In den meisten Fällen muss kein Arzt aufgesucht werden. Da die Beschwerden weniger an das Ereignis der Flitterwochen und eher an die Häufigkeit des Sexualaktes gebunden ist, können die Symptome auch unabhängig der Flitterwochen auftreten.

Bei den betroffenen Frauen genügt häufig für eine Linderung der Beschwerden eine Veränderung der Technik oder ein Verzicht auf den Sex mit vaginalem Eindringen. Die Blase benötigt Ruhe und Schonung, um sich regenerieren zu können. Nach wenigen Tagen tritt bereits ohne eine ärztliche Konsultation oder Versorgung eine Besserung der Symptomatik auf. Innerhalb einer Woche findet oftmals eine vollständige Genesung statt.

Halten die Beschwerden jedoch trotz einer verringerten sexuellen Aktivität an oder nehmen sie an Intensität zu, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei starken Schmerzen, Fieber oder dem Kontrollverlust über den Schließmuskel, ist ein Arztbesuch notwendig. Bei einem anhaltenden Unwohlsein, Schwindel oder Beeinträchtigung der Lebensführung empfiehlt es sich, wenn ein Arzt weitere Untersuchungen durchführt, um die Ursache abzuklären.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Flitterwochen-Blasenentzündung:

Das erste eindeutige Symptom einer Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) ist ein vermehrter Harndrang, der zu ungewöhnlich häufigem Wasserlassen, auch während der Nachtruhe führt. Bei der Entleerung werden nur minimale Mengen an Urin abgegeben, der Harndrang lässt jedoch nicht nach. Dies wird von starkem Brennen beim Urinieren sowie Schmerzen im Unterleib und im Bereich der Blase begleitet.

Der Urin kann blutig oder trübe sein und weist oft einen unangenehmen Geruch auf. Zusätzlich kann es im Verlauf einer Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) zu eitrigem Ausfluss aus der Scheide, allgemeinem Unwohlsein und Fieber kommen. Im Falle einer unkomplizierten Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) stellt sich das Immunsystem allmählich auf die Erreger ein, was nach einigen Tagen zum Ausheilen der Infektion führt.

In schweren Fällen kann sich eine Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) bei Ausbleiben der Behandlung aber auch ausweiten und eine Nierenbeckenentzündung auslösen, die ein ernsthaftes gesundheitliches Risiko darstellt und zu einer chronischen Entzündung führen kann.

Diagnose

Der Arzt stellt die Diagnose einer Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) durch eine Urinuntersuchung. Nach Abgeben einer Harnprobe erkennt der Arzt meist mit einem Blick, ob diese eitrig oder blutig ist und den typischen Geruch aufweist. Durch einen Urin-Schnelltest kann Nitrit nachgewiesen werden, das als Abbauprodukt der Bakterien gebildet wird.

Die Analyse zeigt auch, ob Schleim, weiße oder rote Blutkörperchen oder abgestorbene Zellen im Urin feststellbar sind, die auf eine Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) hindeuten. In schweren Fällen bringen ein Bluttest, eine Analyse des Urins unter dem Mikroskop oder eine Ultraschalluntersuchung von Harnblase und Niere Aufschluss über die genauen Ursachen der vorliegenden Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis).

Komplikationen

Handelt es sich um eine unkomplizierte Flitterwochen-Blasenentzündung, sind in der Regel keine schweren Komplikationen zu befürchten. Dies gilt auch dann, wenn die Blasenentzündung wiederholt auftritt. Nimmt die Honeymoon-Zystitis jedoch einen chronischen Verlauf und weitet sich auf die gesamte Blasenwand aus, droht eine Schädigung des Organs. Außerdem können andere Körperstrukturen von der Entzündung befallen werden. Die Gefahr einer Ausbreitung der Flitterwochen-Blasenentzündung auf weitere Körperregionen gilt als gering. Selbst ohne eine medizinische Behandlung sind nur ca. zwei Prozent aller erkrankten Frauen davon betroffen. Häufig leiden die Patientinnen unter Beschwerden wie Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterleib oder ständigem Harndrang. Ferner kann es zu einer Trübung des Urins kommen und sich Blut im Harn zeigen.

In seltenen Fällen besteht die Gefahr, dass die auslösenden Keime über die Harnleiter aufsteigen und bis zu den Nieren vordringen. Dort lösen sie häufig eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) aus. Bei einem schweren Verlauf drohen Komplikationen wie eine Urosepsis. Dabei kommt es durch Bakterien oder deren Giftstoffe zu Schädigungen der Gefäßhaut, wodurch wiederum Löcher in den Blutgefäßen entstehen. Ohne eine entsprechende Therapie führt die Urosepsis in wenigen Stunden oder Tagen zum Tod der betroffenen Person. In der Regel werden Antibiotika gegen die Urosepsis verabreicht. Nimmt die Blasenentzündung einen chronischen Verlauf, erhöht sich das Risiko einer dauerhaften Vernarbung der Harnröhre.

Behandlung und Therapie

Um eine Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) effektiv zu behandeln, sollte unmittelbar nach Feststellen der ersten Symptome gehandelt werden. Liegt keine Schwangerschaft oder ernste Vorerkrankung vor, können einige sanfte Maßnahmen auch ohne ärztliche Behandlung schnelle Hilfe bringen. Die Anwendung von Heizkissen und Wärmeflaschen, das Tragen warmer Kleidung sowie Bettruhe lindern die Beschwerden, Voll- oder Sitzbäder mit naturbelassenen Zusätzen aus Kamillen- oder Lavendelblüten wirken entzündungshemmend.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von stillem Wasser, ungesüßten Kräutertees, vor allem speziellen Blasen- und Nierenteemischungen sowie stark verdünnten Säften schwemmen die Bakterien aus Blase und Harnröhre. Von alkoholischen Getränken, Säften von Zitrusfrüchten und Kaffee sollte in jedem Fall Abstand gehalten werden, da sie die Schleimhautreizung verschlimmern können. Ist nach wenigen Tagen keine Besserung der Beschwerden eingetreten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann mit gezielter Gabe von Antibiotika für eine schnelle Heilung innerhalb weniger Tage sorgen. Zusätzlich können pflanzliche Präparate die Heilung effektiv unterstützen. Der Saft amerikanischer Cranberries, ein frisch zubereiteter Teeaufguss aus Rosmarin oder Wacholderbeer-Extrakte wirken entzündungshemmend.

Die Gabe von Löwenzahnsaft zeigt ebenfalls Erfolge in der Behandlung der Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis), Blasenauflagen mit Eukalyptus oder Meerrettich bringen zusätzliche Linderung der Beschwerden. Auch die Anwendung bestimmter homöopathischer Präparate wie Aconitum, Cantharis, Nux Vomica oder Staphisagria haben sich in der Therapie der Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) erfolgreich bewährt.



Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Flitterwochen-Blasenentzündung, die durch Geschlechtsverkehr ausgelöst wird, empfiehlt sich eine sorgfältige Intimhygiene beider Partner unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr. Frauen, die Diaphragmen, Cremes mit Spermiziden oder Hormonspiralen als Verhütungsmittel wählen, erhöhen ihr Risiko, an einer Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) zu erkranken.

Kondome hingegen können vor einer Infektion schützen. Wasserlassen unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr spült Erreger aus der Harnröhre, bevor diese eine Entzündung hervorrufen können. Regelmäßiges Trinken, die Vermeidung aggressiver Kosmetika zur Intimpflege, das Tragen luftdurchlässiger Baumwollunterwäsche und die richtige Wischrichtung nach dem Stuhlgang sind ebenfalls wirksame Maßnahmen, einer Flitterwochen-Blasenentzündung (Honeymoon-Zystitis) vorzubeugen.

Bücher über Blasenentzündungen

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2015
  • Hof H, Dörries R. Duale Reihe: Medizinische Mikrobiologie. Thieme Verlag. 4. Auflage(2009)
  • Hofmann, R., (Hrsg.): Endoskopische Urologie. Springer, Berlin 2009
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie, Springer Verlag, 2014
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Georg Thieme Verlag, 2007

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