Chlor-Allergie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Mai 2017
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Echte Fälle von Chlor-Allergie sind sehr selten. Meist handelt es sich um Reaktionen des Körpers auf den Kontakt mit Chlorverbindungen. Betroffen sind nicht nur Menschen, die ohnehin zu allergischen Reaktionen neigen oder eine Neurodermitis haben. Sie zeigen allerdings stärker ausgeprägte Symptome als Personen, die keine genetische Prädisposition für Allergien haben. Problematisch ist, dass Chlorgas und Chlorverbindungen heutzutage in vielen Bereichen des täglichen Lebens zum Einsatz kommen und der Mensch ihnen kaum entgehen kann: Sie sind in sehr geringen Mengen dem Trinkwasser zugesetzt und werden in der industriellen Produktion von Kunststoffen, Medikamenten und Lebensmitteln verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Chlorallergie?

Eine Chlorallergie ist, wie es die Bezeichnung schon andeutet, eine Reaktion des Körpers auf aggressiv wirkende Chlorverbindungen. Falls sie auftritt, ist das meist nach einem Besuch des Schwimmbads der Fall: Chlorgas und Chlorverbindungen werden dort zur Desinfektion des Wassers verwendet. Personen, die beruflich mit Chlorverbindungen zu tun haben, atmen es meist als Gas ein.

In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um keine Immun-Reaktion auf Chlorverbindungen, sondern um Reizungen von Schleimhäuten, Augen und Haut, die von den aggressiven Substanzen hervorgerufen werden. Besonders gefährdet, eine Chlorallergie oder Reizungen durch Chlor zu bekommen, sind Kinder, die an Asthma leiden, und Kleinkinder unter drei Jahren, deren Lungen noch nicht voll ausgebildet sind. Die Chlorverbindungen bewirken dann oft eine Bronchien-Entzündung, die das spätere Auftreten schwerer Atemwegserkrankungen begünstigen kann.

Ursachen

Schuld am Auftreten einer Chlorallergie ist der Kontakt des Betroffenen mit chloriertem Wasser oder Chlorgas. Chlor verbindet sich mit den im Schwimmbad-Wasser gelösten organischen Substanzen Urin und Schweiß und bildet dann Chloramine.

Bei Nicht-Allergikern kann auch zu viel Chlor im Schwimmbad-Wasser oder ein zu langes Bad darin zum Auftreten der Symptome führen. Das Wasser trocknet die Haut aus, da es einen anderen pH-Wert (7) als die menschliche Haut (5,5) hat. Je öfter sich der Schwimmer dem desinfizierten Wasser aussetzt, desto trockener wird sie. Die zwangsläufig entstehenden Chloramine greifen Haut, Schleimhäute und Augen an.

Wann zum Arzt?

Bei einer Chlorallergie muss kein Arzt aufgesucht werden, wenn nur temporäre Symptome auftreten. Manche Menschen besitzen eine leicht reizbare Haut, welche entsprechend auf den Kontakt mit Chlor reagiert. Es ist allerdings nicht notwendig, in diesem Fall einen Arzt aufzusuchen. Beim Arzt ist keine Behandlung gegen die Chlorallergie möglich und es werden keine Allergietests durchgeführt, die die Allergie tatsächlich feststellen könnten.

Ein Arzt kann aber dann aufgesucht werden, wenn aufgrund der Chlorallergie die Haut relativ stark beschädigt wurde und eine Behandlung benötigt. Dies kann zum Beispiel nach einem langen Besuch im Schwimmbad oder nach dem Kontakt mit Chemikalien auftreten, die Chlor oder seine Derivate enthalten. In diesen Fällen kann die Haut durch verschiedene Pflegemittel gepflegt und regeneriert werden. Sollte es allerdings zu keiner Besserung kommen, die Reizung zu stark sein oder weitere Symptome wie Juckreiz auftreten, so kann bei der Chlorallergie ein Arzt aufgesucht werden. Dies gilt auch dann, wenn die Haut für eine längere Zeit gerötet ist und schmerzt. Um die Entstehung der Chlor-Allergie zu vermeiden, sollten Besuche im Schwimmbad und der Kontakt mit chlorhaltigen Reinigungsmitteln vermieden werden.

Symptome und Verlauf

Bestimmte Allergene reagieren mit der Haut und lösen eine Kontaktallergie (z.B. Chlor-Allergie) aus.

Typische Symptome der Chlor-Allergie:

Hatte der Betroffene Kontakt mit Chlorwasser oder atmete er Chlorgas ein, kommt es meist zu eher harmlosen Symptomen wie sehr trockener Haut, Hautjucken, geröteter Haut, Pusteln und Ekzemen. Die Hautläsionen können sogar mit Flüssigkeit gefüllt sein. Die Haut fühlt sich nach dem Schwimmen in gechlortem Wasser ungewöhnlich trocken an: Der Betroffene hat das Gefühl, als würde sie sich zusammenziehen. Manchmal fängt sie an, sich zu schälen. Bei Menschen, die ohnehin an Hautallergien leiden, verstärken die Chlorverbindungen die allergischen Symptome noch zusätzlich.

Im Extremfall kann es sogar zu einem hypoallergischen Schock kommen. Dann benötigt der Allergiker sofortige medizinische Hilfe und sollte schnellstmöglich in die Notaufnahme des Krankenhauses gebracht werden (Lebensgefahr!).

Zu den typischen Hautreaktionen kommen oft noch Niesen, Husten, Keuchen, Atemprobleme, rote Augen, geschwollene, juckende, brennende und schmerzende Augen oder eine Augenentzündung hinzu. Kann der derart Leidende den Chlorverbindungen nicht ausweichen, wird die Chlorallergie chronisch. Er hat dann oft große Schwierigkeiten, Luft zu bekommen. Außerdem sind mitunter auch Übelkeit, Erbrechen und kurzzeitiger Schwindel die Folge.

Diagnose

Beobachtet der Betroffene an sich die für eine Chlorallergie typischen Symptome, sollte er unbedingt schnellstmöglich einen Arzt kontaktieren. Er schließt zuerst andere Hauterkrankungen aus und kann den Patienten dann entsprechend behandeln.

Behandlung und Therapie

Stellt der Mediziner beim Patienten tatsächlich eine Chlorallergie fest, gibt er ihm den Rat, in Zukunft auf Schwimmbad-Besuche zu verzichten. Möchte der Allergiker dennoch unbedingt schwimmen gehen, empfiehlt sich der Gang ins Freibad.

Sind die allergischen Reaktionen nicht so deutlich ausgeprägt oder handelt es sich bei den Anzeichen lediglich um Reizungen, die bald wieder verschwinden, reicht es meist schon aus, sich nach dem Schwimmen mit nicht zu heißem Wasser abzuduschen. Dabei sollte der Patient auf parfümierte Duschgels verzichten und ein mildes pH-neutrales Duschgel verwenden. Hatte er vor dem Kontakt mit dem Chlorwasser bereits geduscht, lässt er das Duschgel dann besser weg.

Personen, die trotz ihrer Chlorallergie nicht auf ihr gewohntes Training im städtischen Schwimmbad verzichten möchten, können zu starkes Hautjucken und ähnlich unangenehme Reaktionen vermeiden, indem sie am Abend zuvor Antihistaminika einnehmen. Vor Augenjucken und geröteten Augenlidern kann das Tragen einer Schwimmbrille schützen.

Trockene und gerötete Haut und Quaddeln lassen sich gut mit rückfettenden milden Cremes behandeln, die Glyzerin oder Urea enthalten. Sie geben der Haut verlorene Feuchtigkeit zurück. Urea (Harnstoff) sorgt dafür, dass sich die Hautzellen wieder miteinander verbinden. Nicht abheilende Hautausschläge werden mit Glucocorticoiden behandelt: Die Salbe wird auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen und hilft, die Hautentzündung zu lindern. Bei Augenreizungen sind befeuchtende Augentropfen hilfreich.



Vorbeugung

Damit es nicht zum Auftreten einer Chlorallergie oder Reizungen durch Chlor kommt, sollten empfindliche Personen und Menschen mit allergischer Prädisposition und Neurodermitis den Kontakt mit dem reizenden Stoff besser vermeiden (falls es möglich ist). Wer befürchtet, durch das chlorierte Wasser juckende Haut und gerötete Stellen zu bekommen, kann seine Haut schon vor dem Schwimmen mit speziellen hautschützenden Cremes vor dem Austrocknen bewahren. Doch Vorsicht: Mittel, die Paraffin enthalten, sind dafür nicht geeignet. Sie verstopfen die Poren.

Bücher über Allergie

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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