Vielfache Chemikalienunverträglichkeit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 4. November 2015
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Bei einer vielfachen Chemikalienunverträglichkeit reagieren die Betroffenen überempfindlich auf zahlreiche Chemikalien. Die Störung ist auch als MCS-Syndrom bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine vielfache Chemikalienunverträglichkeit?

Mit der vielfachen Chemikalienunverträglichkeit ist das MCS-Syndrom gemeint. Die englische Abkürzung MCS steht für Multiple Chemical Sensivity, was deutsch übersetzt „vielfache Chemikalienunverträglichkeit“ bedeutet. Dabei herrscht bei den betroffenen Personen eine Unverträglichkeit auf chemische Substanzen wie Abgase, Duftstoffe, Sprays, Lösungsmittel und Tabakrauch. Allein in Deutschland sind etwa 54.000 Bundesbürger vom MCS-Syndrom, das nicht selten einen chronischen Verlauf nimmt, betroffen.

Ursachen

Die vielfache Chemikalienunverträglichkeit ist seit den 80er Jahren bekannt. Seit dieser Zeit wird heftig über die auslösenden Ursachen debattiert. Uneinigkeit herrscht darüber, ob das MCS-Syndrom psychosomatisch oder toxikologisch einzuordnen ist. In vielen Fällen wird eine Exposition von Chemikalien für das Entstehen der Erkrankung verantwortlich gemacht. Schon kleine Mengen an chemischen Substanzen wie Abgase, Tabakrauch, Lösungsmittel oder Duftstoffe können der Urheber einer vielfachen Chemikalienunverträglichkeit sein.

Bis heute ließen sich die genauen Ursachen für das MCS-Syndrom nicht herausfinden. Klären ließ sich immerhin, dass bei den meisten Patienten eine verstärkte Chemikalien-Exposition im Vorfeld auftrat. Zu den auslösenden chemischen Stoffen zählen in erster Linie Lösungsmittel, Biozide und Formaldehyd. Eine weitere Eigenschaft der auslösenden Substanzen ist, dass sie neurotoxisch sind. Bei den meisten Betroffenen lässt sich die Schadstoffbelastung jedoch wieder rückgängig machen. Wird die vielfache Chemikalienunverträglichkeit allerdings chronisch, führt dies häufig zu einer Verschlimmerung der Empfindlichkeit. So vertragen die Patienten im Laufe der Zeit immer weniger Chemikalien.

Für das Entstehen des MCS-Syndroms werden noch weitere Faktoren verantwortlich gemacht. Dabei kann es sich um Psychosomatik, bestimmte Vorerkrankungen oder Allergien handeln. So gehen die meisten Ärzte mittlerweile von zahlreichen Faktoren für das Auftreten der Chemikalienunverträglichkeit aus. Anteil an der Entstehung haben sowohl psychosomatische als auch toxikologische Faktoren. Es gibt zudem einige Risikofaktoren, die das Auftreten des MCS-Syndroms begünstigen.

Dazu gehören Unverträglichkeiten von Lebensmitteln und Medikamenten, allergische Reaktionen, Atemwegserkrankungen, psychische Störungen und Stress. Allerdings wird die vielfache Chemikalienunverträglichkeit nicht von allen Medizinern ernst genommen. So sprechen einige abschätzend von einer „Modekrankheit“. Nach ihrer Ansicht werden nur 3 Prozent aller Beschwerden auch tatsächlich von Umwelteinflüssen ausgelöst.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der vielfachen Chemikalienunverträglichkeit:

Die Symptome, die im Rahmen des MCS-Syndroms auftreten, sind überaus unterschiedlich. Zu den Leitbeschwerden gehören in erster Linie Erschöpfung, Schwächegefühle, Müdigkeit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreislaufprobleme und Schwindelgefühle. Zahlreiche Patienten reagieren zudem sehr empfindlich auf den Geruch von bestimmten chemischen Stoffen. Dabei kann es sich auch um Substanzen handeln, die eigentlich unschädlich sind.

Da die Betroffenen unter permanentem Stress stehen, leiden sie unter Konzentrationsstörungen und Schlafproblemen. Weitere Beschwerden können Atemnot, Augenbrennen, Probleme am Bewegungsapparat, Juckreiz, Haut- und Schleimhautentzündungen sowie Magen-Darm-Beschwerden sein. Meiden die Betroffenen die auslösenden chemischen Stoffe, die nicht miteinander verwandt sind, gehen die Beschwerden umgehend wieder zurück.

Die Prognose bei einer vielfachen Chemikalienunverträglichkeit wird eher als ungünstig eingestuft. So gilt eine alleinige psychotherapeutische Behandlung als unwirksam. Nicht selten wird die Lebensqualität der Patienten deutlich eingeschränkt, da sich das MCS-Syndrom negativ auf ihr Alltags- und Berufsleben auswirkt. In manchen Fällen droht auch eine Medikamentenabhängigkeit.

Diagnose

Da die Ursachen für die vielfache Chemikalienunverträglichkeit noch immer nicht klar sind, fällt die Diagnose des MCS-Syndroms nicht leicht. In der Regel schließt der Arzt andere Erkrankungen, die für die Beschwerden infrage kommen, aus. Letztlich bestimmen die Beschwerden des Patienten, welche Untersuchungen vorgenommen werden. Ein großes Problem sind die unterschiedlichen Symptome sowie die verschiedenen auslösenden chemischen Stoffe. Bislang liegen auch noch keinerlei Testverfahren zur Abklärung der Beschwerden vor.

Behandlung und Therapie

Aufgrund der unklaren Ursachen gibt es bis jetzt noch keine einheitliche Behandlungsform des MCS-Syndroms. Grundsätzlich besteht die Therapie aus drei Punkten. Dazu gehört in erster Linie das konsequente Meiden der auslösenden chemischen Substanzen. Dies lässt sich allerdings häufig nur im Wohnbereich des Patienten durchführen. Dazu muss eine umfassende Reinigung der Wohnung erfolgen, damit die Reizstoffe beseitigt werden können.

Um der extremen Belastung des Patienten entgegenzuwirken, die durch die vielfache Chemikalienunverträglichkeit entsteht, erfolgt eine unterstützende Psychotherapie. Dies wird besonders bei psychischen Folgeerkrankungen als hilfreich angesehen. Wichtig ist außerdem das Sammeln von Informationen über die Erkrankung. Die Einnahme von Psychopharmaka gilt dagegen als kontraproduktiv.

Ein Nachteil der Behandlung ist allerdings, dass es dabei zu einer Isolierung der Patienten vom ihrem sozialen Umfeld kommen kann. Dadurch droht jedoch oftmals sogar eine Verstärkung der Beschwerden. Andere Patienten fühlen sich wiederum benachteiligt, wenn sie eine psychotherapeutische Behandlung durchführen sollen. So glauben sie, dass die Ärzte ihre Erkrankung nicht ernst nehmen und sie für psychisch krank halten

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Vorbeugung

Dem MCS-Syndrom wirksam vorzubeugen, ist schwierig. So führt eine Vielzahl von Faktoren zum Ausbruch der Krankheit. Außerdem genügt schon eine einmalige Exposition von Chemikalien für ihr Auftreten. Als sinnvolle Vorbeugemaßnahme gilt dennoch eine gesunde Lebensweise, die reichlich Bewegung, eine gesunde Ernährung sowie den Verzicht auf Alkohol und Zigaretten beinhaltet. Weiterhin gilt es, chemische Schadstoffe zu vermeiden.

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