Blausäurevergiftung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 18. Dezember 2014
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Eine Cyanid- oder Blausäurevergiftung kann durch große Mengen verschiedener Lebensmittel ebenso verursacht werden wie durch Brände oder unsachgemäßen Umgang in der Industrie. Lebensrettende Maßnahmen müssen innerhalb kürzester Zeit erfolgen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Blausäurevergiftung?

Eine Blausäurevergiftung entsteht durch den Kontakt des Körpers mit natürlichen oder industriell hergestellten Stoffen, die erhebliche Mengen der geruch- und farblosen Blausäure enthalten.

In diesem Zusammenhang besteht die Möglichkeit, dass Blausäure sowohl durch Schlucken, als auch durch Inhalieren oder die Aufnahme über die Haut in den Organismus gelangt. Bei einer nicht rechtzeitigen medizinischen Behandlung reichen bereits geringe Mengen aus, um den Tod durch eine Blausäurevergiftung herbeizurufen.

Ursachen von Blausäurevergiftung

Blausäurevergiftungen kommen vor allem bei Kleinkindern häufig vor, wenn die Blausäure oral eingenommen wird. Cyanid steckt in Bittermandeln und den Kernen von Kirschen, Äpfeln, Pflaumen, Aprikosen und Pfirsichen. Auch in rohen Hülsenfrüchten und verschiedenen Pflanzen wie Aronstabgewächsen, Korbblütlern, Leinsamen oder einigen Gräsern ist Blausäure enthalten.

Da sie die Eigenschaft besitzt, schon bei normaler Zimmertemperatur rasch zu verdunsten, ist eine Blausäurevergiftung durch Inhalation nicht selten. Durch das Verbrennen von Kunststoffen, wie beispielsweise bei Haus- oder Autobränden kann Blausäure nach Gasbildung über die Atemluft in die Lunge gelangen, wo das Cyanid über die Blutbahn ins Gewebe dringt und zum inneren Ersticken der Zellen führt.

Schweißtreibende Tätigkeiten begünstigen eine Blausäurevergiftung durch die Aufnahme über die Haut, da Cyanid auch hervorragende wasserlösliche Eigenschaften aufweist. Vor allem in der galvanoplastischen Industrie kommt es daher immer wieder zu Fällen von schwerer Blausäurevergiftung. Der stark blutdrucksenkende Arzneistoff Nirtoprussid, der in der Intensivmedizin angewandt wird, enthält ebenfalls Cyanid und wird in vielen Fällen von Blausäurevergiftungen als Ursache angegeben.

Symptome und Verlauf von Blausäurevergiftung

Typische Symptome einer Blausäurevergiftung:

Es werden mehrere Schweregrade von Blausäurevergiftung unterschieden. Chemische Prozesse sind dafür verantwortlich, dass es durch den in Blausäure enthaltenen Zyansauerstoff im Körper zu einer Unterversorgung der Zellen mit Sauerstoff kommt und die Zellatmung blockiert wird.

Eine leichte Blausäurevergiftung kann sich in Atemnot, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl sowie Übelkeit bis hin zu Erbrechen äußern. Die Aufnahme von etwa 70 Milligramm Blausäure beziehungsweise einem bis zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht führt zu einer akuten Blausäurevergiftung. Die mangelnde Sauerstoffversorgung der sauerstoffempfindlichen Organe wie Herz und Lunge durch eine Blausäurevergiftung führt zum Absterben der Zellen und in weiterer Folge zum Aussetzen der Organtätigkeit.

Nach heftigen epileptischen Krämpfen und Ohnmachtsanfällen tritt bei nicht zeitgerechter Behandlung der Blausäurevergiftung der Tod durch Organversagen oder Ersticken ein.

Diagnose von Blausäurevergiftung

Im Falle einer Blausäurevergiftung geht von dem Betroffenen meist ein Atemgeruch aus, der stark an Bittermandel erinnert. Da jedoch viele Menschen diesen Geruch genetisch bedingt nicht wahrnehmen können, handelt es sich dabei nicht um ein zwingend feststellbares Anzeichen.

Gewöhnlich ist nach Beurteilung der vorangegangenen Umstände, meist durch Informationen von dritten Personen vor allem Atemnot der verlässlichste Hinweis auf eine Blausäurevergiftung. Darüber hinaus verfärbt sich durch die verminderte Fähigkeit des Sauerstofftransportes im Blut die Haut meist hellrosa. Auch hellrote Flecken auf der Haut sind oft ein eindeutiges Anzeichen für eine Blausäurevergiftung.

Behandlung von Blausäurevergiftung

Der menschliche Körper ist nach einer leichten Blausäurevergiftung fähig, kleine Mengen an Cyanid selbst abzubauen. Dabei wird das Cyanid in der Leber durch ein Enzym an Schwefel gekoppelt und später in Form von Rhodanid ausgeschieden. Im Falle einer nicht akuten Blausäurevergiftung kann die intravenöse Verabreichung von schwefelhaltigen Arzneistoffen wie Natriumthiosulfat den körpereigenen Entgiftungsprozess beschleunigen.

Bei schweren Blausäurevergiftungen kann nur die sofortige Gabe eines Antidots innerhalb einer halben Stunde den Betroffenen vor dem Tod bewahren. Dadurch wird gewährleistet, dass sich der Hämoglobinspiegel stabilisiert und die innere Atmung wieder in Gang gesetzt werden kann. Vor allem der Methämoglobinbildner 4-DMAP wird im Falle einer Blausäurevergiftung eingesetzt. Seine hervorragenden Entgiftungskapazitäten und der schnelle Eintritt der Wirkung können die tödlichen Folgen einer schweren Blausäurevergiftung verhindern. Als Nebeneffekt kann es durch die Gabe von 4-DMAP jedoch zur Auflösung roter Blutkörperchen und folglich einer Anämie kommen. Eine Überdosierung dieses Arzneistoffes kann darüber hinaus ihrerseits zu einer Vergiftung führen.

Kommt es zu einer Blausäurevergiftung als Folge der Inhalation von Brandgasen, ist die Gabe von 4-DMAP nicht zulässig, da sie eine Verschlimmerung der möglichen Kohlenmonoxidvergiftung verursachen kann. In einem solchen Falle von Blausäurevergiftung ist die Behandlung mit dem Arzneimittel Cyanokit möglich.

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Vorbeugung von Blausäurevergiftung

Um eine Blausäurevergiftung zu vermeiden, ist beim Verzehr der genannten Pflanzen und Obstsorten besondere Vorsicht geboten. Vor allem kleine Kinder sollten sich daher niemals unbeaufsichtigt in Gärten aufhalten dürfen.

Sämtliche Unternehmen, in denen cyanidhaltige Stoffe gehandhabt werden, sind gesetzlich dazu verpflichtet, ausreichende Antidot-Vorräte zu lagern, um diese im Falle einer Blausäurevergiftung innerhalb von kürzester Zeit verabreichen zu können. Bei Bränden sollten alle Personen umgehend aus der Rauchzone entfernt werden, um einer Blausäurevergiftung durch Inhalation vorzubeugen.

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