Adipositas

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. Mai 2017
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Der medizinische Begriff Adipositas steht für krankhafte Fettsucht bzw. Fettleibigkeit. Ab einem BMI (Body Mass Index) von mehr als 30 spricht man nicht mehr von Übergewicht, sondern von Adipositas. Etwa 20 Prozent aller Deutschen gelten als adipös.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Adipositas?

Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die zu gesundheitlichen Schäden, Begleit- und Folgeerkrankungen sowie einer verkürzten Lebenserwartung führen kann. Im Körper sammelt sich vermehrt Fettgewebe, welches das Körpergewicht drastisch erhöht.

Adipositas wird in drei Schweregrade unterteilt. Grad I der Fettleibigkeit entspricht einem BMI zwischen 30 und 35. Bei einem BMI zwischen 35 und 40 spricht man von Adipositas Grad II und bei einem BMI ab 40 von schwerer Adipositas Grad III.

Ursachen

Die Ursache für Adipositas liegt in einer erhöhten Kalorienzufuhr, Fehlernährung und Bewegungsmangel. Adipöse Menschen nehmen zu viele Fette und Kohlenhydrate zu sich, die der Körper nicht vollständig abbauen kann und als Fett in den Fettzellen einlagert.

Bei der so genannten alimentären Adipositas wird nicht unbedingt zuviel verzehrt, vielmehr liegt die Ursache für die übermäßige Fetteinlagerung in der minderwertigen Qualität der verzehrten Lebensmittel. Dazu kommen unregelmäßige Mahlzeiten und gesundheitsschädliche Essgewohnheiten. Eine weitere Ursache für die Fettleibigkeit können Essstörungen sein, die auf psychologischen Krankheiten beruhen.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Adipositas auch genetisch bedingt sein kann. Bereits in der pränatalen Phase können, ausgelöst durch einen Schwangerschaftsdiabetes der Mutter, die Grundlagen für eine spätere Adipositas gelegt werden. Weitere Ursachen für Adipositas sind Stoffwechselstörungen, Störungen des Hormonhaushaltes (Kortisol), eine Schilddrüsenunterfunktion oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie kortisolhaltige Antidepressiva, Antikonzeptiva oder Insulin bei Diabetikern.

Wann zum Arzt?

Ab einem BMI über 30 sollte der Betroffene einen Arzt konsultieren. Sollten keine weiteren Beschwerden bestehen, empfiehlt es sich dennoch, in regelmäßigen Abständen einen Check-up oder eine Kontrolluntersuchung durchführen zu lassen. Treten wiederholt vegetative Leiden auf, sollte ein Arzt konsultiert werden. Zu ihnen zählen übermäßiges Schwitzen, Herzrasen, Atemnot oder Kurzatmigkeit. Bei Beschwerden des Bewegungsapparates, Schmerzen der Knochen und anhaltenden Muskelverspannungen ist ein Arztbesuch notwendig. Es drohen dauerhafte Schäden und chronische Erkrankungen, die einen progressiven Krankheitsverlauf haben und damit den Gesundheitszustand deutlich verschlechtern werden.

Kommt es zu einer Beeinträchtigung bei der Erfüllung von beruflichen sowie sozialen Aufgaben, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren. Ein Arztbesuch ist darüber hinaus notwendig, wenn zusätzlich emotionale Leiden auftreten. Zu ihnen gehören eine anhaltende gedrückte Stimmung, Aggressivität oder Teilnahmslosigkeit. Der Verlust des Selbstwertgefühls, Suizidgedanken, Scham, Schuldgefühle oder ungewöhnliche Ängste sollten mit einem Arzt oder Therapeuten besprochen werden.

Halten über mehrere Wochen Schlafstörungen, Stoffwechselprobleme und auffällige Essgewohnheiten an, ist ein Arztbesuch notwendig. Wird unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme wiederholt absichtlich erbrochen, ist ein Arzt aufzusuchen. Der Organismus wird bei den beschriebenen Problemen überansprucht und kann Ausfallerscheinungen erleiden. Um lebensgefährlichen Erkrankungen wie einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall vorzubeugen, ist frühzeitig ein Arzt aufzusuchen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Adipositas:

Adipöse Menschen leiden häufig unter orthopädischen Problemen, die mit dem erhöhten Körpergewicht einhergehen. Chronisches Übergewicht belastet vor allem die Kniegelenke, aber auch die Wirbelsäule, vor allem im Lendenwirbelbereich sowie die Hüftgelenke. Die übermäßige Belastung führt zu verstärkter Abnutzung der Gelenke und Wirbelkörper, was wiederum entsprechende Schmerzen nach sich zieht. Aufgrund des erhöhten Körpergewichtes sind Adipöse kaum körperlich belastbar. Bereits bei den kleinsten körperlichen Anstrengungen wie Treppensteigen geraten sie ins Schwitzen, zusätzlich stellen sich Erschöpfung, Kurzatmigkeit und Atemnot ein. Zu den klinischen Symptomen der Adipositas gehören erhöhte Cholesterin-, Triglyzerid-, Harnsäure- und Blutzuckerwerte. Erhöhter Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes mellitus Typ 2 sind schwerwiegende Begleit- und Folgeerkrankungen bei Adipositas.

Diagnose

Die Diagnose Adipositas ist leicht anhand des Körpergewichtes zu stellen. Die Formel zur Berechnung des BMI lautet wie folgt: Körpergewicht: (Körpergröße in m)². Bei einem BMI von 30 und höher lautet die Diagnose Adipositas. Dabei wird allerdings auch das Alter des Patienten berücksichtigt. Der wünschenswerte BMI steigt mit dem Alter bis auf maximal 29 an. Zusätzlich zum BMI erfasst der Arzt auch den Taillenumfang. Dieser sollte bei Frauen 88 cm und bei Männern 102 cm nicht übersteigen. Höhere Werte deuten auf eine allgemeine Adipositas oder Bauchadipositas hin. Zusätzlich wird der Arzt mittels einer Blutuntersuchung die Blutfett- und Harnsäurewerte bestimmen sowie eine Blutdruckmessung durchführen, da Adipöse häufig auch unter Bluthochdruck leiden.

Komplikationen

Adipositas kann sowohl unter Therapie als auch unbehandelt mit unerwünschten Komplikationen verbunden sein. Dies liegt daran, dass sich krankhafte Fettleibigkeit ungünstig auf unterschiedliche Bereiche des Organismus auswirken kann. Hierzu gehört in erster Linie das Herz-Kreislauf-System. Durch das Übergewicht, das häufig mit einer ungesunden Art und Weise der Ernährung Hand in Hand geht, ist die Gefahr der Arterienverkalkung groß. Die massiven Spätfolgen können somit der Herzinfarkt, der Schlaganfall oder ein dauerhafter Bluthochdruck (Hypertonie) sein. Auch auf den Stoffwechsel hat Adipositas ungünstige Wirkungen. Die Gefahr, zum Beispiel die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder eine Fettleber zu bekommen, steigt bei fettleibigen Personen stark an.

Auch in orthopädischer Hinsicht ist Adipositas als krankhaftes Übergewicht oft mit Problemen verbunden. Das zu hohe Gewicht belastet die Gelenke von Knien und Hüfte sowie die Wirbelsäule übermäßig. Verschleiß und entzündliche Reaktionen können die Folge sein. Nicht vernachlässigt darf bei der Betrachtung von Komplikationen der Adipositas auch die psychische Komponente der betroffenen Patienten sein. Das Wohlbefinden von Menschen mit sehr hohem Gewicht kann deutlich beeinträchtigt sein. Dies geschieht zum einen durch eine vergleichsweise hohe Unbeweglichkeit, zum anderen auch dadurch, dass Übergewicht oft mit mangelnder Attraktivität verbunden wird. Die Folge: Adipositas hat in vielen Fällen auch einen spürbar negativen Einfluss auf das Selbstwertgefühl des Patienten.

Behandlung und Therapie

Die Therapie der Adipositas ist auf die Verringerung des Körpergewichtes ausgerichtet. Dies wird mit einer Ernährungsumstellung, verbunden mit einer konsequenten Reduzierung der Kalorienzufuhr und regelmäßiger Bewegung erzielt. Das Ziel ist eine langsame, aber dauerhafte Gewichtsreduzierung. Es handelt sich um einen langwierigen Prozess, denn Radikal-Diäten sind für eine Adipositas-Therapie nicht geeignet.

Unterstützt wird die Ernährungsumstellung durch spezielle Kurse zur gesunden Ernährung, die auch das Einkaufen und die Zubereitung der Lebensmittel umfassen. Diese Kurse geben den Begriffen Appetit, Hunger und Sättigungsgefühl einen neuen Inhalt, deren Wahrnehmung von den Betroffenen oftmals neu erlernt werden muss. Die Kosten hierfür werden von den Krankenkassen übernommen oder zumindest bezuschusst.

Eng verbunden mit der Ernährungsumstellung ist ein speziell auf den Adipösen zugeschnittenes Sportprogramm. Gelenkschonende Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren oder Aerobic steigern den Energieverbrauch und unterstützen die Gewichtsabnahme.

Aber auch die Psyche darf bei der Therapie nicht zu kurz kommen. Kurse zur Motivationsförderung, Stressabbau und das Erlernen von Methoden zur Stressbewältigung stehen hierbei im Vordergrund. Eine professionelle Hilfestellung mit einer kognitiven Verhaltenstherapie trägt wesentlich zum Erfolg der Adipositas-Therapie bei.

Für Adipositas-Patienten mit einem BMI über 40 ist die chirurgische Magenverkleinerung das letzte Mittel der Wahl. Durch die verringerte Nahrungsaufnahme des danach wesentlich kleineren Magens wird die Nahrungs- und damit die Kalorienzufuhr entscheidend eingeschränkt und die Gewichtsabnahme gefördert.



Vorbeugung

Eine gesunde Lebensweise mit einer fettarmen, vitamin- und ballaststoffreichen Ernährung ist die beste Voraussetzung, um Übergewicht und Adipositas zu vermeiden. Dazu gehören die regelmäßige Kontrolle des Körpergewichtes sowie der Verzicht auf Fastfood, hochkalorische Snacks und zuckerhaltige Softdrinks. Stattdessen sollten überwiegend Lebensmittel mit einer geringen Energiedichte wie Obst und Gemüse verzehrt werden. Eine regelmäßige sportliche Betätigung in Form von Ausdauersport erhöht die Fitness, steigert das positive Körpergefühl und wirkt einer Gewichtszunahme effektiv entgegen.

Bücher über Adipositas

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Payk, T.R.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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