Vorsorgeuntersuchung

Letzte Aktualisierung am 15. Oktober 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Vorsorgeuntersuchung wird durchgeführt, um Krankheiten frühzeitig zu entdecken, sodass rechtzeitig eine Behandlung erfolgen kann. Auf diese Weise erhöhen sich die Heilungschancen des Patienten.

Unter Vorsorgeuntersuchungen werden Untersuchungen verstanden, die zur Früherkennung oder zur Prävention von Krankheiten bzw. gesundheitlichen Beeinträchtigungen dienen. Neben Erkrankungen lassen sich auch körperliche Fehlentwicklungen entdecken.

Inhaltsverzeichnis

Warum sind Vorsorgeuntersuchungen wichtig?

Eine Vorsorgeuntersuchung eignet sich für zahlreiche Anwendungsgebiete. Dazu gehören bereits im Kindesalter Störungen des Wachstums, Stoffwechselstörungen und Zahnprobleme.

Wichtig ist eine Vorsorgeuntersuchung natürlich auch für erwachsene Menschen, was besonders für die Krebsvorsorge gilt. Kinder- und Jugendvorsorgeuntersuchungen erfolgen zwischen der Geburt und dem vollendeten 13. bis 14. Lebensjahr. Dazu gehören das Neugeborenen-Screening, die Vorsorgeuntersuchungen U1 bis J2, die Kindergartenuntersuchung sowie die Schuluntersuchung.

Eine Vorsorgeuntersuchung beginnt meist mit einem ausführlichen Anamnese-Gespräch. Hierbei fragt der Arzt u.a. nach Vorerkrankungen, Krankheiten in der Familie oder der Einnahme von Medikamenten.

Eine wichtige Indikation für Frauen stellt die Schwangerschaft dar, bei der es nicht nur die Gesundheit der Mutter zu kontrollieren gilt, sondern auch die des ungeborenen Kindes.

Die allgemeine Medizin führt Vorsorgeuntersuchungen durch, um einer arteriellen Hypertonie, erhöhten Cholesterinwerten, Lipidstoffwechselstörungen oder einer Schlafapnoe auf die Spur zu kommen. Wichtig sind Untersuchungen dieser Art auch in der Zahnmedizin, um frühzeitig Schäden an den Zähnen zu behandeln.

Von besonderer Bedeutung ist die Krebsvorsorge. So kann eine Krebsfrüherkennung für die Behandlung lebenswichtig sein. Zu den Krebsarten, die sich im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung entdecken lassen, gehören u. a. Brustkrebs, Darmkrebs, Magenkrebs, das Zervixkarzinom, Hautkrebs und Prostatakrebs.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?

Vorsorgeuntersuchungen im Säuglings- und Kindesalter

Vorsorgeuntersuchungen setzen bereits unmittelbar nach der Geburt eines Kindes ein und finden in regelmäßigen Abständen statt. Dabei achten die Ärzte neben möglichen Erkrankungen auch auf Entwicklungsanomalien des Babys. Die Vorsorgeuntersuchungen zählen zu den wichtigsten Aufgaben der Kinderheilkunde (Pädiatrie). So ließ sich durch ihre Einführung die Kindersterblichkeit erheblich verringern.

Die Erstuntersuchung des Säuglings trägt die Bezeichnung U1. In deren Rahmen werden u. a. Gewicht, Größe, Nabel-pH und Apgar-Score bestimmt. Die weiteren Vorsorgeuntersuchungen für Kinder finden in bestimmten Altersstufen statt und werden als U2 bis U9 bezeichnet. Im Alter zwischen 10 und 15 Jahren schließt sich die J1 an, die auch U10 genannt wird.

Vorsorgeuntersuchungen bei der Frau

Bei Frauen ab 20 Jahren ist jedes Jahr eine Untersuchung ihrer Fortpflanzungsorgane möglich. Nach dem Erreichen des 30. Lebensjahres schließen sich Untersuchungen von Haut und Brust an. Ab 45 Jahren kann auch der Darm kontrolliert werden. Zu den bedeutenden Vorsorgeuntersuchungen für Frauen zählt zudem die Mutterschaftsvorsorge.

Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung greift die Medizin auf unterschiedliche Verfahren zurück. Zur Früherkennung von Krebs zählen die jährliche Genital- und Brustuntersuchung der Frau. Außerdem findet alle zwei Jahre bei Frauen über 50 Jahren ein Mammographie-Screening statt, das zur Früherkennung eines Mammakarzinoms (Brustkrebs) dient. Die Mammographie zählt zur Radiologie und ist auch als Röntgenmammographie bekannt.

Vorsorgeuntersuchungen beim Mann

Männer können ab dem 45. Lebensjahr eine jährliche Vorsorgeuntersuchung von Prostata, Genitalien, Dickdarm und Haut wahrnehmen. Darüber hinaus ist ab 35 Jahren eine Check-up-Untersuchung, auch Gesundheits-TÜV genannt, möglich. Dieser Gesundheits-Check-up setzt sich aus verschiedenen Untersuchungen zusammen.

Männer ab 45 Jahren können einmal pro Jahr eine Tastuntersuchung ihrer Lymphknoten sowie eine Genitaluntersuchung und eine Prostatauntersuchung vornehmen lassen. Außerdem erfolgt bei beiden Geschlechtern ab dem 35. Lebensjahr eine Untersuchung der Haut am gesamten Körper.

Ab 50 Jahren findet eine jährliche Vorsorgeuntersuchung von Dickdarm und Rektum statt. In einem Abstand von 10 Jahren lassen sich zudem Darmspiegelungen durchführen. Ebenfalls im Zweijahresabstand erfolgt ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl. Ab 35 Jahren wird alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening angeboten.

Krebsvorsorge

Bei einer Krebsvorsorgeuntersuchung kommen spezielle Diagnosemethoden zur Anwendung wie eine Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs oder eine Darmspiegelung (Koloskopie) zur Früherkennung von Darmkrebs. Eine wichtige Rolle bei der Darmkrebsvorsorge spielen dabei auch die Stuhluntersuchung, bei der nach okkultem Blut geforscht wird, sowie Abtastungen des Dickdarms. Zur Krebsvorsorge für Frauen gehört zudem die Entnahme eines Abstrichs von der Gebärmutterschleimhaut. Ferner werden innere und äußere Geschlechtsorgane abgetastet, um Krebserkrankungen der Gebärmutter, der Eierstöcke oder des Muttermunds auf die Spur zu kommen.

Weitere Vorsorgeuntersuchungen

Auch die Zahnmedizin führt umfangreiche Vorsorgeuntersuchungen durch. Dazu gehören das Untersuchen auf Zahn- Kiefer- und Munderkrankungen. Die Zahnvorsorgeuntersuchung findet einmal pro Kalenderhalbjahr statt. Von der Augenheilkunde kann ein Glaukom-Screening durchgeführt werden, um frühzeitig die gefährliche Augenerkrankung Grüner Star zu diagnostizieren.

Zu den Vorsorgeuntersuchungen der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde zählen das Hörschwellen-Audiogramm sowie das Unbehaglichkeitsschwellen-Audiogramm. Die Arbeitsmedizin beschäftigt sich wiederum mit Vorsorgeuntersuchungen, die zum Erkennen von arbeitsbedingten Erkrankungen oder Berufskrankheiten dienen.

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge werden Risikoschwangerschaften überwacht sowie Ultraschalluntersuchungen, HIV-Untersuchungen und Blutuntersuchungen auf mögliche Infektionen vorgenommen. Außerdem wird die Schwangere über Gesundheitsrisiken und ihre Ernährung beraten.

Gesundheits-Check-up ab dem 35. Lebensjahr

Zu den wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen gehört der Gesundheits-Check-up ab 35 Jahren, bei dem es sich um eine Ganzkörperuntersuchung handelt. Sie beinhalten außerdem das Ermitteln der Cholesterin- und Blutzuckerwerte, das Messen des Blutdrucks und eine Urinuntersuchung.

Wie läuft der Gesundheits-Check-up ab?

Vorgespräch

Vor einer Vorsorgeuntersuchung wie dem Gesundheits-Check-up findet ein Vorgespräch statt, in dessen Rahmen der Arzt den Patienten nach eventuellen Vorerkrankungen oder aktuellen Beschwerden befragt. Ebenso sind frühere Gesundheitsprobleme oder operative Eingriffe von Bedeutung. Dazu gehören vor allem Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkte oder Diabetes mellitus. Außerdem sollte der Patient den Arzt über die Medikamente informieren, die er einnimmt.

Eine wichtige Rolle beim Vorgespräch spielen zudem die Lebensumstände sowie die Gewohnheiten der zu untersuchenden Person. Dabei kann es sich um den Konsum von Nikotin und Alkohol, die Ernährungsweise sowie beruflichen oder privaten Stress handeln. Auch nach körperlichen oder sportlichen Aktivitäten erkundigt sich der Arzt. Der Mediziner stellt außerdem gezielte Fragen, um erbliche oder erworbene Risikofaktoren aufzuspüren.

Ablauf und Durchführung

Eine Vorsorgeuntersuchung wie ein Gesundheits-Check-up unterliegt einem bestimmten Ablauf. Zunächst erfasst der Arzt die Krankengeschichte des Patienten. An die Befragung schließt sich die körperliche Untersuchung an, in deren Rahmen der ganze Körper begutachtet wird. Dabei werden auch der Analbereich sowie die Genitalregion inspiziert. Des Weiteren hört der Mediziner Herz und Lunge ab, nimmt eine Abtastung von wichtigen Lymphknoten sowie des Bauchraums vor, überprüft die Reflexe sowie den Status des Bewegungsapparats. Ferner erfolgt eine Untersuchung von Sinnesorganen und Haut.

Der Gesundheits-Check-up beinhaltet außerdem eine Bestimmung des Body-Mass-Index (BMI). Zu diesem Zweck stellt der Arzt das Körpergewicht und die Größe des Körpers fest. Diese beiden Faktoren ermöglichen das Berechnen des BMI. Der Arzt kann aus den Werten erkennen, ob entweder Übergewicht oder Untergewicht vorliegt. Daraus ergeben sich wiederum Aussagen über die Gefahr von bestimmten Krankheiten.

Nächster Schritt des Gesundheits-Check-ups ist die Entnahme von Blut- und Urinproben. Diese werden anschließend in einem Laboratorium untersucht. Ziel ist das Ermitteln des Gesamtcholesterinwerts und der Glukosewerte im Blut sowie der Werte von weißen Blutkörperchen (Leukozyten), roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Nitrit, Glukose und Eiweiß im Urin.

Auswertung

Bis eine Auswertung der Befunde erfolgt, dauert es einige Tage. Bei einem zweiten Termin findet eine abschließende Beratung mit dem Arzt statt. Dabei setzt der Arzt den Patienten in Kenntnis über die Untersuchungsresultate und welche Folgen sich dadurch für die Lebensführung ergeben. Besteht gesundheitsschädigendes Verhalten, gibt der Mediziner Tipps, wie sich dieses vermindern oder verhindern lässt. Außerdem klärt der Arzt den Patienten darüber auf, wie wichtig regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen sind. Hat der Befund Verdacht auf mögliche Erkrankungen ergeben, müssen präzisere Untersuchungen erfolgen und falls erforderlich, eine entsprechende Therapie vorgenommen werden.

Diagnosemethoden wie Ultraschall gehören nicht zum Basis-Gesundheitscheck. Gibt es keinen begründeten Krankheitsverdacht müssen diese in der Regel als erweiterter Check-up aus eigener Tasche bezahlt werden.

Eigenleistung oder Krankenkasse - wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für eine große Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Dazu gehören vor allem der Gesundheits-Check-up ab dem 35. Lebensjahr sowie die Krebsvorsorge. Allerdings erhalten einige Untersuchungen wie ein Augen-Screening sowie Vorsorgeuntersuchungen der Lunge, der Hirnleistung oder der Knochendichte keinerlei Zuschüsse. Hat ein Krankenversicherter Interesse an einer bestimmten Vorsorgeuntersuchung, wird empfohlen, sich telefonisch oder per Internet bei der jeweiligen Krankenkasse zu erkundigen.

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Risiken, Gefahren und Komplikationen

Zu den größten Risiken einer Vorsorgeuntersuchung gehören falsch-positive Befunde, die zu negativen Folgen für den Patienten führen können. So leidet er zumeist deswegen unter unnötigen psychischen und physischen Belastungen. Außerdem werden Abklärungsuntersuchungen durchgeführt, die gar nicht nötig sind.

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2015
  • Hofmann, R., (Hrsg.): Endoskopische Urologie. Springer, Berlin 2009
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie, Springer Verlag, 2014
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Georg Thieme Verlag, 2007


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