Raupendermatitis

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Raupendermatitis wird eine allergische Reaktion der Haut mit Quaddelbildung und starkem Juckreiz bezeichnet, die durch den Kontakt mit den Nesselhärchen verschiedener Raupen- und Schmetterlingsarten entsteht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Raupendermatitis?

Juckende Quaddeln sind typische Symptome einer Raupendermatitis.

Eine Raupendermatitis wird durch Schmetterlingsarten ausgelöst. In den Nessel- bzw. Brennhärchen verschiedener Raupen- und Schmetterlingsarten wie:

  • Kiefernprozessionsspinner,

Goldafterraupe, Bärenspinner und Fleckenfalter ist das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Kommt dieses Kontaktgift mit der Haut in Berührung, wird eine Reaktion des Immunsystems ausgelöst und es entsteht eine Raupendermatitis mit insektenstichartigen, juckenden Hautschwellungen.

In manchen Fällen entwickelt sich die Raupendermatitis zu einer akuten Nesselsucht. Kommen die Brennhärchen mit den Augen in Berührung, kann es zu einer Bindehautentzündung kommen und beim Einatmen können die Härchen Schleimhautreizungen, Bronchitis und Atemnot verursachen. Die Kontaktallergie kommt hauptsächlich in den Sommermonaten von Mai bis Oktober vor und wird in den meisten Fällen von den Raupen des Eichenprozessionsspinners hervorgerufen.

Ursachen

Eichenprozessionsspinner im Nest einer Eiche.

Die Raupendermatitis wird durch den direkten Kontakt mit den Brennhärchen der Raupen hervorgerufen. Die Raupen verlieren bei ihrer Wanderung durch das Gehölz eine große Menge dieser Härchen, die sie als Fressschutz vor Feinden ausbilden. Die gefährlichen Haare schweben in der Luft, haften an Bäumen oder liegen im Unterholz, wo sie Jahre überdauern können. Sie können auch am Fell von Haustieren haften bleiben, die die giftigen Härchen dann weiterverschleppen.

Die zwei bis drei Millimeter langen Brennhaare besitzen Widerhaken, mit denen sie an der Haut haften bleiben. Wenn sie brechen, wird das Nesselgift Thaumetopoein freigesetzt, das eine Immunreaktion des Körpers in Gang setzt. Der Körper setzt Histamin frei, was wiederum eine Kette allergischer Reaktionen auslöst, die als Raupendermatitis bezeichnet wird.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome:

Die ersten Symptome einer Raupendermatitis zeigen sich schon kurze Zeit nach dem Kontakt mit den feinen Brennhärchen. Es kommt zu Entzündungen der Haut und in etwa zwei Drittel aller Fälle einer Raupendermatitis entwickelt sich eine akute Nesselsucht. Es bilden sich juckende Knötchen, ähnlich wie nach einem Insektenstich, brennende Quaddeln und Papeln, gerötete und entzündete Hautareale.

Die Raupendermatitis tritt vor allem an unbedeckten Hautstellen wie Gesicht, Hals und Arme auf. Durch das eintretende Nesselgift setzt der Körper eine größere Menge an Histamin frei, wodurch es im weiteren Verlauf zu Fieber, Schüttelfrost, Schwindel und allgemeinem Unwohlsein kommen kann. In seltenen Fällen kann die Raupendermatitis durch eine starke Immunreaktion des Körpers auch zu einem anaphylaktischen Schock führen.

Bei Kontakt der feinen Härchen mit den Augen wird die Augenschleimhaut gereizt, was eine Bindehautentzündung verursacht. Eingeatmete Härchen reizen die Hals- und Rachenschleimhaut, es kommt zu Schwellungen, Husten und in seltenen Fällen zu Atemnot und asthmatischen Anfällen.

Diagnose

Die Diagnose Raupendermatitis wird anhand der sichtbaren allergischen Hautreaktion, der bestehenden Jahreszeit und nach den Angaben des Patienten zu einem Aufenthalt in bestimmten Gebieten, in denen ein Raupenbefall bekannt ist, gestellt. Die allergischen Hautreaktionen einer Raupendermatitis sind nicht bei allen Patienten gleich.

So können sich bei einigen Betroffenen rote Knötchen und bei anderen strichförmige Hautentzündungen ausbilden, die mehrere Tage oder bis zu zwei Wochen bestehen bleiben können. Durch das Kratzen der juckenden Hautstellen können sich die Nesselhärchen auch auf andere Hautareale ausbreiten. Neben den für eine Raupendermatitis charakteristischen Hautveränderungen wird der Arzt auch einen eventuellen Befall der Augen und des Mund-Nasen-Rachenraumes prüfen.

Behandlung und Therapie

Die medizinische Behandlung der Raupendermatitis erfolgt rein symptomatisch. Die allergischen Hautveränderungen werden über einen Zeitraum von mehreren Tagen mit kortisonhaltigen Salben und Cremes behandelt. Diese lindern den Juckreiz und bekämpfen die durch die Histamin-Ausschüttung des Körpers verursachten allergischen Hautveränderungen.

Empfehlenswert ist auch die Kühlung der betreffenden Hautareale, was ebenfalls den Juckreiz mindert. Bei starkem allgemeinem Unwohlsein, Fieber und Schüttelfrost kann zusätzlich ein kortisonhaltiges Medikament (Kortikosteroide und Antihistaminika) eingenommen werden, das die überschießende Immunreaktion des Körpers auf die Nesselhärchen dämpft. Unbehandelt heilt die Raupendermatitis nach etwa zwei bis drei Wochen ab.

Neben der medizinischen Therapie kann man aber auch selbst Einiges zur Behandlung einer Raupendermatitis tun. Bei dem geringsten Verdacht oder wenn die ersten Symptome auftreten, sollte man sich gründlich duschen, um alle Härchen von der Haut zu entfernen. Die Körperpartien, die nicht von der Kleidung bedeckt waren, müssen vorsichtig mit Wasser und Seife gereinigt werden, damit die anhaftenden oder abgebrochenen Haarreste nicht auf andere Körperstellen übertragen werden.

Auch die Haare sollten mehrmals gründlich gewaschen werden, um alle anhaftenden Härchen zu beseitigen. Augen sollten mit Wasser ausgespült und die getragene Kleidung anschließend in der Waschmaschine bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. In die Reinigung müssen auch betroffene Haustiere einbezogen werden. Von nicht waschbarer, kontaminierter Kleidung wie Schuhen und anderen Gegenständen kann man die feinen Nesselhärchen mit Klebestreifen entfernen.


Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Raupendermatitis sollte man die Gebiete meiden, die mit den Raupen kontaminiert sind. In vielen Gebieten sind dazu auch Warnschilder aufgestellt. Raupennester und andere befallene Flächen sind den Behörden zu melden, damit diese fachgerecht abgeflammt bzw. mit Insektiziden gereinigt werden können.

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
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Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021

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