Eichenprozessionsspinner-Allergie

Letzte Aktualisierung am 15. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Wenn Jogger und Passanten über Haut-Entzündungen und juckende Ausschläge klagen, hat die Saison des Eichenprozessionsspinners wieder begonnen. Klein und behaart ist er, und eigentlich ein Verwandter des Schmetterlings. Doch seine giftigen Brennhaare sind gefährlich und haben nichts mehr mit dem niedlichen Schmetterling zu tun. Die Eichenprozessionsspinner-Allergie tritt angesichts der zunehmenden Verbreitung der Schädlinge, welche die Allergene produzieren, immer häufiger auf. Die schlimmste denkbare Reaktion auf die Brennhaare der Raupe ist ein allergischer Schock. Diese Komplikation betrifft vor allem überempfindliche Menschen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Eichenprozessionsspinner-Allergie?

Eichenprozessionsspinner beim prozessionsartigen Marsch.

Bei der Eichenprozessionsspinner-Allergie handelt es sich um eine allergische Immunreaktion auf einen Giftstoff, mit dem sich der Eichenprozessionsspinner im Raupenstadium vor feindlichen Angriffen schützt. Das Gift befindet sich in den Haaren, den sogenannten Brennhaaren, die den Körper der Raupen während der späteren Larvenstadien bedecken.

Personen, die in Kontakt mit den giftigen Härchen der Raupe kommen, drohen Hautausschläge begleitet mit starkem Juckreiz oft über mehrere Tagen. Gelangt das Gift in die Augen, droht eine Bindehautentzündung. Im schlimmten Fall, können besonders empfindliche Menschen eine allergische Schockreaktion bekommen, die Atemnot und Asthmaanfälle auslöst. Diese können unter Umständen lebensbedrohlich sein.

Die Insekten leben bevorzugt auf Eichen, seltener auch auf Buchen und anderen Bäumen, und begeben sich im Kollektiv auf Futtersuche – diese an eine Prozession erinnernde Wanderung prägte den Namen der Tiere, die für die Eichenprozessionsspinner-Allergie verantwortlich sind.

Durch den Klimawandel erschließt sich der wärmeliebende Nachtfalter neue Lebensräume und stellt insbesondere im Raupenstadium für Pflanzen (durch Kahlfraß), sowie Tiere und Menschen ein Risiko dar.

Ein Wissen um die Gefahrenherde – und insbesondere ein bewusstes Meiden betroffener Gebiete – bieten den besten Schutz vor den teils heftigen gesundheitlichen Beschwerden einer Eichenprozessionsspinner-Allergie.

Vorkommen: Welche Regionen sind betroffen?

Eichenprozessionsspinner im Nest einer Eiche.

Besonders betroffen sind Gebiete im Nordosten und Südwesten des Landes, aber auch Teile des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Der Eichenprozessionsspinner hält sich vorzugsweise in Eichenwäldern auf und bildet seine giftigen Haare zwischen Mai und Juli. In dieser Zeit sollten Sie Eichenwälder besser meiden und in diesen Gegenden stets lange Kleidung tragen. Auch die örtlichen Warnhinweise sind zu beachten.

Zudem wird die giftige Raupe großfächig aus der Luft bekämpft. Einige Eichenwälder in Berlin und Brandenburg werden seit letztem Jahr bereits mit einem neuen biologischen Gift besprüht. Das enthaltene Bakterium soll den Schädling vernichten.

Diese Art der Bekämpfung ist jedoch umstritten, denn sie tötet auch andere nicht schädliche Lebewesen. Das Bundesumweltamt will daher prüfen, ob der Befall mancherorts toleriert werden kann. Betroffenen Gebiete, die vom Menschen eh wenig genutzt werden, könnten dann für einen kleinen Zeitraum abgesperrt werden. Professionelle Schädlingsbekämpfer könnten einzelne Bäume, die befallen sind, auch separat absaugen, ohne gleich ganze Gebiete zu belasten.

Ursachen

Hervorgerufen werden die teils heftigen Reaktionen einer Eichenprozessionsspinner-Allergie beim Kontakt mit dem Nesselgift, das beim Brechen der feinen Härchen freigesetzt wird, dem sogenannten Thaumetopoein. Dieses wird insbesondere im späteren Larvenstadium (Mai/Juni) gebildet – hier gilt also besondere Vorsicht.

Während der Verpuppung werden die Brennhaare in gespinstartige, seidig-weich aussehende längliche Nester eingewebt. Die Nester haften an der Rinde der Bäume und sind hier oft schutzlos dem Wind ausgesetzt, der die feinen Härchen, die mit Widerhaken versehenen sind, teils über weite Gebiete fortträgt.

In der Nähe der Nester kann es so leicht zu einem Kontakt der Haut und der Schleimhäute mit den Allergenen kommen, insbesondere bei direkter Berührung der Gespinste, aber auch durch Einatmen der Härchen.

Das Gift kann dann eine stark reizende Wirkung auf das Immunsystem ausüben, es kommt bei vielen Menschen zu allergischen Abwehrreaktionen. Ob es dabei bei milderen Symptomen bleibt, oder sich aber heftige Beschwerden bei einer Eichenprozessionsspinner-Allergie einstellen, variiert stark von Immunsystem zu Immunsystem.

Wann zum Arzt?

Die Eichenprozessionsspinner-Allergie muss nicht in jedem Fall behandelt werden. Viele Menschen zeigen trotz Kontakt mit den Gifthärchen der Raupe keine oder nur leichte Beschwerden. In der Regel klingen die Symptome nach einigen Tagen ohne Behandlung von selbst wieder ab.

Betroffene sollten allerdings dann einen Arzt aufsuchen, wenn die Beschwerden übermäßig stark auftreten. Vor allem Hautreaktionen wie Quaddeln und starker Juckreiz können für den Betroffenen unerträglich werden und die Lebensqualität extrem beeinträchtigen. Die Gabe von entzündungshemmenden und allergiehemmenden Medikamenten (Antiallergika) können den Leidensdruck erheblich lindern. Allergieähnliche Symptome wie gerötete Augen (Bindehautentzündung), Schwellungen, Kopfschmerzen oder Atembeschwerden sollten ebenfalls von einem Arzt abgeklärt werden.

Bei einer Eichenprozessionsspinner-Allergie sollte zunächst ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Die weiteren Beschwerden können unter Umständen auch von einem Facharzt untersucht und behandelt werden.

Im schlimmsten Fall kann der Kontakt mit den Gifthärchen einen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) auslösen. Hierbei klagen Betroffene häufig zunächst über Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen.

Spätestens bei Symptomen wie Atemnot, Schwäche, Kreislaufkollaps oder Bewusstlosigkeit handelt es sich um einen akuten und lebensgefährlichen Schockzustand. In diesem Fall ist unverzüglich ein Notarzt (Notruf: 112!) zu rufen. Bei einem Atem- oder Kreislaufstillstand muss umgehend Erste-Hilfe geleistet werden.

Leicht bis sehr stark juckende Quaddeln sind typisches Symptom einer Eichenprozessionsspinner-Allergie.

Symptome und Verlauf

Mögliche Anzeichen einer Pinien-Prozessionsspinner-Allergie:

Oft beginnen die Symptome einer Eichenprozessionsspinner-Allergie nach Kontakt mit dem Nesselgift mit leichtem Juckreiz, Augentränen und Unwohlsein. Bei einigen Menschen bleibt es bei leichten Symptomen, die schnell und unproblematisch – unbehandelt spätestens nach ein bis zwei Wochen – wieder abklingen. Juckende Hautpartien sollten nicht gekratzt werden, um Reste von Härchen nicht tiefer in die Haut einzubringen.

Kam es zu vermehrtem Kontakt mit den Brennhaaren, oder besteht eine erhöhte Allergieanfälligkeit bzw. Empfindlichkeit gegenüber dem Nesselgift, kann es zu stärkeren Beschwerden kommen. Hierzu zählen stark juckende Hautausschläge (Raupendermatitis, teils mit rötlichen Quaddeln und Pusteln) und eine Reizung der Atemwege mit Niesen und Husten – bis hin zu asthmatischen Anfällen. Fieber, Schwindel und Kreislaufprobleme können ebenfalls auftreten. In seltenen Fällen kann es bei einer Eichenprozessionsspinner-Allergie auch zum gefährlichen allergischen (anaphylaktischen) Schock mit Kreislaufkollaps kommen.

Diagnose

Bei stärkeren Symptomen einer Eichenprozessionsspinner-Allergie, insbesondere bei Kindern und Asthmatikern, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Oft ist für die Betroffenen nicht sofort ersichtlich, woher die Beschwerden kommen. Häufig treten die ersten Symptome erst viele Stunden nach dem Kontakt auf. Betroffene klagen meist während der Nacht oder am nächsten Morgen vor allem über Hautreaktionen wie Quaddeln und Juckreiz. Zudem werden die feinen Gift-Härchen über teils weite Strecken durch die Luft getragen. Diese Umstände machen es den Betroffenen oft schwer, den eigentlichen Auslöser für die allergieähnlichen Symptome nachzuvollziehen. Ärzte sind jedoch – besonders in der riskanten Frühsommerzeit – sensibilisiert für die Problematik. Der Arzt sollte darüber in Kenntnis gesetzt werden, wenn die Beschwerden nach Waldspaziergängen, Freibad- und Badeseebesuchen bzw. generell in der Nähe von potentiellen Eichenstandorten eintraten. Der Arzt stellt dann anhand der Informationen und dem Beschwerdebild die Verdachtsdiagnose einer Eichenprozessionsspinner-Allergie und leitet nötigenfalls entsprechende Behandlungsmaßnahmen ein.

Komplikationen

Eine Eichenprozessionsspinner-Allergie stellt insofern selbst eine Komplikation dar, als sie nur schwer zu erkennen ist. Wenn dem Betroffenen nicht bewusst ist, dass er allergisch auf einen Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner reagiert, ist ein allgemeines Krankheitsgefühl der einzige Hinweis auf gesundheitliche Probleme. Als echte Komplikation dieser Allergie können Hautrötungen und starker Juckreiz, aber auch allergisch bedingte Atembeschwerden auftreten. Auch Schwindelgefühle und Fieber können durch den Kontakt mit den Raupen-Härchen auftreten. Spätestens, wenn der Patient schockähnliche Symptome, wie Atemnot, Kreislaufkollaps oder Bewusstlosigkeit aufweist muss sofort ein Notarzt gerufen werden. Hierbei handelt es sich um einen anaphylaktischen Schock, den schwersten Zustand aller allergischen Reaktionen. Daher sollte bereits bei ersten Anzeichen wie Schwäche, Abgeschlagenheit, plötzlich auftretendem Fieber und Atembeschwerden ein Arzt konsultiert werden.

Besonders schwer wirkt sich eine Eichenprozessionsspinner-Allergie bei einem Asthmatiker aus. Als Komplikation bei asthmakranken Menschen kann es zu Hustenanfällen und im schlimmsten Fall zu einem Kreislaufzusammenbruch kommen.

Bei einer extremen Überempfindlichkeit gegenüber der Gift-Härchen müssen Betroffene lebenslang die Nähe der Raupen meiden, die die Allergie ausgelöst haben. Problematisch ist allerdings, dass die feinen Brennhaare der Raupen oft durch den Wind weitergetragen werden. Sie lösen dadurch auch noch in größerer Entfernung eine Raupendermatitis oder eine Eichenprozessionsspinner-Allergie aus.

Behandlung und Therapie

Die Eichenprozessionsspinner-Allergie ist in der Regel gut zu behandeln. Der erste Schritt bei vermeintlich allergischen Beschwerden, die nach Aufenthalt im Freien auftreten, sollte zunächst immer darin bestehen, die getragene Kleidung möglichst bald abzulegen.

Diese darf nur in Plastiktüten gepackt mit in die Wohnung genommen werden, um die Härchen nicht zu verteilen und muss dann bei 60 Grad gewaschen werden. Dies genügt, um die feinen Härchen unschädlich zu machen. Außerdem sollte gründlich geduscht werden, um eventuelle Reste der Härchen vom Körper und aus den Haaren abzuspülen. Der Juckreiz kann durch kaltes bzw. lauwarmes Duschen oder Baden gelindert werden. Gereizte Augen sollten zudem mit klarem Wasser ausgespült werden.

Die allergischen Beschwerden können ihrerseits mit handelsüblichen Antihistaminika behandelt werden, wie sie auch bei Heuschnupfen und anderen allergischen Reaktionen zum Einsatz kommen. Diese Medikamente dämmen die Ausschüttung des körpereigenen Botenstoffs Histamin ein, der für die Überreaktion des Immunsystems auf eingedrungene Allergene verantwortlich ist, und lindern somit die Beschwerden.

Bei stärkeren entzündlichen Reaktionen kann der Arzt auch Kortisonpräparate und schmerzlindernde Cremes verordnen. Bei Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks (z.B. Atemnot und Puls-Veränderung) – infolge einer ausgeprägten Eichenprozessionsspinner-Allergie – müssen Notfallmaßnahmen zur Kreislaufstabilisierung eingeleitet werden.

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Vorbeugung

Der wirkungsvollste Schutz gegen die unangenehmen Beschwerden einer Eichenprozessionsspinner-Allergie besteht im weiträumigen Meiden betroffener Gebiete. Oft sind diese den örtlichen Umweltbehörden bekannt; es werden dann entsprechende Hinweise an die Bevölkerung herausgeben und vor einer Eichenprozessionsspinner-Allergie warnende Schilder aufgestellt.

Das Berühren von Raupen und Nestern gilt es unbedingt zu vermeiden. Bei Waldspaziergängen empfiehlt es sich, auf befestigten Wegen zu bleiben, Hunde sollten an die Leine genommen werden, da sich etwa sonst Härchen aus dem Unterholz im Fell verfangen und die Tiere auch selbst unter dem Raupengift leiden können.

Schließlich kann auch eine leichte, aber lange Bekleidung eine wirkungsvolle Präventivmaßnahme gegen eine Eichenprozessionsspinner-Allergie sein – hierdurch sind weniger exponierte Hautstellen den fliegenden Härchen ausgesetzt.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013


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