Neurodermitis

Letzte Aktualisierung am 17. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei Neurodermitis (atopische Dermatitis, atopisches Ekzem) handelt es sich um eine Hauterkrankung, bei er es immer wieder zu roten, juckenden und schuppigen Entzündungen (Ekzeme) kommt. Typischerweise sind vor allem Hautstellen, wie Gesicht, Hals, Knie- und Armbeugen davon betroffen. Erkrankte leiden zudem häufig unter extrem sensibler und trockener Haut. Die Symptome treten meist schubweise auf. Neurodermits gilt zwar nicht als heilbar, lässt sich aber durch geeignete Therapiemaßnahmen gut behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Neurodermitis (Atopisches Ekzem)?

Die Armbeugen sind bei einer Neurodermitis häufig von schuppigen Hautstellen betroffen. Die Betroffenen leiden dabei unter starkem Juckreiz. Cortisonsalben dämmen die Entzündung ein.

Neurodermitis, auch als atopische Dermatitis bzw. endogenes oder atopisches Ekzem bezeichnet, ist eine chronische entzündliche Erkrankung der Haut. Die nicht-ansteckende Hautkrankheit ist vererbbar und kann bereits bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten. Allerdings ist auch ein späterer Krankheitsausbruch (Erwachsenenalter) möglich.

Die Krankheit tritt meist in Schüben auf. Zwischen den Krankheitsphasen liegen in der Regel Zeiten ohne Beschwerden. Neurodermitis ist nicht heilbar. Oft leiden Betroffene unter der Krankheit ein Leben lang. In vielen Fällen können die Beschwerden durch geeignete Therapiemaßnahmen massiv eingedämmt werden.

Ursachen

Bislang konnte die Ursache für Neurodermitis nicht vollständig gefunden werden. Man geht jedoch davon aus, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Leiden beide Elternteile unter Neurodermitis, geben sie die Veranlagung zur Krankheit sehr wahrscheinlich an ihre Kinder weiter. Allerdings muss bei einem Kind mit entsprechender Veranlagung Neurodermitis nicht zwingend ausbrechen.

Hier sind psychische Faktoren und Umwelteinflüsse entscheidend. Eine weitere Ursache für Neurodermitis können allergische Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel, Hausstaub, Wolle, Tierhaare oder Blütenpollen sein. Die Haut bildet bei Kontakt mit diesen möglichen Auslösern neue Ekzeme. Ein Allergietest kann bei Reaktionen auf die genannten Stoffe Gewissheit bringen. Auch Stress oder Trauer können bei Neurodermitis für einen Krankheitsschub verantwortlich sein.

Symptome und Verlauf

Neben dem typischen Hautausschlag führt Neurodermitis in vielen Fällen zu Furchen unter den Augen, dunklen Augenrändern, Rissen am Ohrläppchen und zu einem Juckreiz, der durch Hautkontakt mit Wolle oder beim Schwitzen auftritt.

Während im Babyalter Neurodermitis zunächst auf der Kopfhaut, dann im Gesicht und in der Windelregion auftritt, erscheint das Ekzem ab einem Alter von ein bis zwei Jahren vor allem in den Arm- und Kniebeugen und an den Hand- und Sprunggelenken.

Bei älteren Kindern und Erwachsenen sind zudem der Oberkörper und der Hals betroffen. Neurodermitis zeigt sich dann als trockene, fleckige, rötliche und verdickte Haut. Da der Ausschlag stark juckt, kratzen die Betroffenen die Haut oft auf, was weitere Entzündungen begünstigt.

Wann zum Arzt?

Bei Verdacht auf Neurodermitis sollte möglichst zeitnah ein Arzt aufgesucht werden. Denn: Die Symptome von Neurodermitis sind denen anderer Hauterkrankungen sehr ähnlich. Gerötete, schuppende Haut und Juckreiz treten beispielsweise auch bei Psoriasis (Schuppenflechte) auf, weshalb ein Arztbesuch für eine eindeutige Diagnose unerlässlich ist. Betroffene sollten also einem Hautarzt vorstellig werden, wenn sie unter sehr trockener Haut, Juckreiz und/oder entzündeten, schuppigen oder nässenden Ekzemen leiden. Auch der Hausarzt kann erster Ansprechpartner sein. Falls erforderlich, wird er den Patienten an einen Dermatologen überweisen.

Darüber hinaus kommt der frühzeitigen Behandlung von Neurodermitis eine große Bedeutung zu. Der Arzt kann den Patienten dabei unterstützen, die auslösenden Faktoren der Hauterkrankung ausfindig zu machen, um diese zukünftig zu meiden. Neben diversen Lebensmitteln können dies beispielsweise auch Zusatzstoffe in Waschmitteln oder bestimmte Fasern in Kleidungsstücken sein. Auch die Tatsache, dass Neurodermitis oftmals mit weiteren Grunderkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma oder Nahrungsmittelallergien auftritt, spricht für einen schnellen Arztbesuch.

Diagnose

Neurodermitis ist bis heute durch kein einziges diagnostisches Verfahren eindeutig nachzuweisen. Deshalb muss der Arzt die Diagnose vor allem anhand des für Neurodermitis typischen Hautbildes stellen:

  • starker Juckreiz
  • Milchschorf bei Säuglingen
  • juckende, mit rotem Hautausschlag übersäte Stellen in Armbeugen, an Hals, Nacken, in Hautfalten
  • teils stark verschorfte Hautareale
  • Hauteinrisse

Zunächst wird eine Anamnese erhoben und der Patient untersucht. Meistens ist die Neurodermitis schon an typischen Hautanzeichen wie den obigen zu erkennen und vertieften Handfurchen, einer Doppelfalte am unteren Augenlid oder an Augenringen, die nach Übermüdung aussehen.

Dermatologische Tests geben Auskunft darüber, ob der Körper überempfindlich auf Hausstaubmilben, Blütenpollen, Tierhaare oder Nahrungsmittel reagiert. Mit einem einem Bluttest kann festgestellt werden, ob das Immunglobulin E erhöht ist, bei Neurodermitis typisch. Dann kann im Labor genauer untersucht werden, auf welches Allergen das Immunglobulin E überempfindlich reagiert.

Komplikationen

Da bei Neurodermitis die Hautbarriere des Patienten defekt ist, kann es in der Folge zu einer gestörten Hautflora kommen. Gerade bei aufgekratzten Hautbereichen aufgrund des mitunter starken Juckreizes ist das Risiko für eine Superinfektion mit dem Erreger Staphylococcus aureus aufgrund der nässenden Hautstellen besonders hoch. In der Folge verschlechtern sich die Symptome der Neurodermitis mitunter deutlich.

Zudem können Risse in der obersten Hautschicht das Eindringen von Pilzen (Hefen, Dermatophyten) erleichtern, wodurch die Entzündungsreaktion verstärkt wird. Es zeigt sich bei Neurodermitis-Patienten vor allem die lipophile Hefe Malassezia furfur. Außerdem kann durch Herpesviren bei einer herabgesetzten Immunreaktion das Krankheitsbild des Ekzema herpeticatum hervorgerufen werden.

Weiterhin können bei Neurodermitis auch Komplikationen wie Furunkel und Karbunkel entstehen, es sind Entzündungen der Binde- und Hornhaut im Auge (atopische Keratoconjunctivitis) möglich und das Risiko für eine Infektion mit Dellwarzen ist ebenfalls erhöht.

Neben körperlichen Komplikationen können aber auch psychische Auffälligkeiten beobachtet werden. Durch den Juckreiz ist in der Regel auch der Schlaf beeinträchtigt, meist sind betroffene Patienten deshalb am Tag unausgeglichen und auch leichter reizbar. Auch auf sozialer Ebene kann es Probleme geben, denn aufgrund der Hauterscheinungen kann es zu einem Rückzug der Betroffenen kommen. Vor allem bei Kindern ist das problematisch, denn durch den Spott anderer Kinder ist Kontaktscheue nicht selten.

Behandlung und Therapie

Die alltägliche Behandlung von Neurodermitis geschieht über die Hautpflege, bei der rückfettende Ölbäder, Cremes und Lotionen eingesetzt werden. Diese Mittel helfen auch, neue Krankheitsschübe zu vermeiden. Bricht Neurodermitis akut aus, so werden kortisonhaltige Cremes angewendet. Diese dämmen die Entzündung ein und unterdrücken die überschießende Immunreaktion.

Weitere Wirkstoffe, die bei einer Neurodermitis in Form von Cremes oder Tabletten eingesetzt werden, sind Tacrolimus, Pimecrolimus und Ciclosporin. Neben diesen Maßnahmen sind Behandlungen mit Antibiotika und Antihistaminika, Lichttherapie oder eine Hyposensibilisierung möglich. Unterstützt werden kann eine Behandlung von Neurodermitis durch das Tragen von hautverträglicher Kleidung (ohne Wolle oder Synthetik).

Viele von Neurodermitis Betroffene schämen sich wegen ihres Aussehens, leiden unter mangelndem Selbstwertgefühl und ziehen sich vor anderen zurück, was ihre Lebensqualität erheblich einschränkt. Hier kann das Erlernen von Entspannungstechniken oder auch eine Psychotherapie helfen, mit Neurodermitis zu leben und diese zu lindern.

Selbst wenn eine Neurodermitis optimal behandelt wird, kann sie weiter bestehen – obwohl es auch Fälle von Spontanausheilungen gibt. Meist werden die Krankheitsschübe milder und bei vielen Erwachsenen bleibt von der Neurodermitis lediglich eine sehr empfindliche Haut zurück.

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Aussicht und Prognose

Wer anfällig für die Erkrankung Neurodermitis ist, wird es sein Leben lang bleiben. In stressigen Situationen, Zeiten schlechter Ernährung, wenig Schlaf oder psychischen Druck kann es zu einem erneuten Ausbruch der Krankheit kommen. Eine komplette Heilung gibt es nicht. Lediglich kann eine Neurodermitis unter Kontrolle gehalten werden, nämlich durch eine gesunde und ausgeglichene Lebensweise der Betroffenen.

Will man einen Ausbruch der Neurodermitis verhindern, sollten einige Faktoren beachtet werden. Dann ist die Chance, dass sie nicht wieder auftritt, sehr hoch. Besonders die Ernährung sollte im Fokus stehen, denn sie ist häufig die Ursache für Probleme mit der Haut. Auf dem Speiseplan stehen am besten natürliche Lebensmittel, die wenig verarbeitet wurden. Es sollte sich hauptsächlich um basische Lebensmittel halten, um eine Übersäuerung des Körpers zu vermeiden. Auch die Luft spielt eine große Rolle.

In Großstädten ist die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Neurodermitis sehr hoch. Wenn es möglich ist, sollte viel frische Luft genossen werden, am besten in den Bergen oder am Meer. Salzige Luft wirkt sich sehr positiv auf die Haut aus und hält Erkrankungen zurück. Natürlich ist auch Stress ein häufiger Auslöser der Erkrankung. Wenn übermäßiger Stress, körperliche und psychische Belastung vermieden wird, sind die Aussichten auf ein Leben ohne Beschwerden gut.

Vorbeugung

Studien haben gezeigt, dass Babys, die im ersten Lebenshalbjahr ausschließlich gestillt werden, weniger zu Neurodermitis neigen. Nach der Stillzeit ist bei gefährdeten Babys eine hypoallergene Säuglingsnahrung empfehlenswert.

Verzichten sollte man auf Nahrungsmittel, die als Allergie auslösend gelten, wie z.B. Kuhmilch und -produkte, Nüsse, Eier oder Fisch.

Wenn man bereits unter Neurodermitis leidet, kann man weiteren Krankheitsschüben vorbeugen, indem der Kontakt mit auslösenden Nahrungsmitteln, sofern bekannt, vermieden wird.

Je nach Allergie können spezielle Bettbezüge und die richtigen Kleidungsstücke (z. B. aus Baumwolle oder Seide) helfen. Sind Kinder von einer Neurodermitis betroffen, müssen deren Kuscheltiere regelmäßig gewaschen werden.

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006


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