Hyperhydratation

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine Hyperhydratation (Hyperhydration) bezeichnet einen Überschuss an Wasser im menschlichen Organismus. Der Grund ist eine Störung des Natriumhaushalts oder des osmotischen Drucks im Körper. Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, Nierenleiden oder Hormonstörungen können für den Volumenüberschuss im Körper verantwortlich sein. Abhängig vom Natriumspiegel im Blut werden 3 Formen der Hyperhydratation unterschieden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hyperhydratation?

Mit Hyperhydratation wird ein Überschuss des Volumens der extrazellulären Flüssigkeit bezeichnet. Dazu zählt auch das Blutplasma.

Eine Hyperhydratation bezeichnet einen zu hohen Gehalt an Wasser im menschlichen Körper. Dabei werden grundsätzlich drei Formen voneinander unterschieden, die sich durch ihren jeweiligen Natriumgehalt bzw. ihren Natriumspiegel charakterisieren.

Bei diesen drei Formen handelt es sich zum einen um die hypertone Hydratation, bei der zusätzlich zum Überschuss an Wasser im Körper auch zu viel Natrium, welches im Normalfall vor allem in Form von Salz über die Nahrung aufgenommen wird, im Blut vorhanden ist. Die Folge ist ein Funktionsverlust der roten Blutkörperchen. Und da diese für den Transport von Sauerstoff im Körper verantwortlich sind, ist ein akuter Sauerstoffmangel die Folge.

Die zweite Form der Hyperhydratation ist die sogenannte hypotone Hydratation, bei der zu wenig Natrium im Blut vorhanden ist. In der Folge kann es zu Venenstau sowie zu der Entstehung von Ödemen kommen. Bei der dritten Form, der isotonen Hydratation, ist der Natriumspiegel hingegen völlig normal, jedoch wird immer mehr Wasser im Körper eingelagert.

Ursachen

Jede der drei Formen einer Hyperhydratation hat auch seine eigene Ursache. So wird eine hypertone Hydratation häufig durch eine Niereninsuffizienz, also einer eingeschränkten Funktion der Nieren hervorgerufen, da dieser unter anderem die Regulierung des Natriumhaushalts zukommt, der dann aus dem Gleichgewicht gerät. Aber auch das Trinken von Salzwasser oder die übermäßige Infusion von Salzlösungen kann eine hypertone Hydratation auslösen.

Hypotone Hydratationen können ebenfalls durch ein Versagen der Nieren ausgelöst werden, da diese das aufgenommene Wasser nicht mehr richtig verarbeiten und ausscheiden können. Daneben treten sie auch auf, wenn z.B. ein hoher Flüssigkeitsverlust (etwa durch Durchfall, Erbrechen oder starkes Schwitzen) durch das Trinken von salzarmer Flüssigkeit ausgeglichen wird.

Eine isotone Hydratation wird hingegen durch eine vermehrte Einlagerung von Wasser im Körper hervorgerufen. Dies geschieht z.B. infolge einer Herzinsuffizienz oder einer Leberzirrhose. Eine weitere Ursache ist eine Überwässerung infolge einer Infusionstherapie, also wenn dem Körper zu große Mengen Flüssigkeit in zu kurzer Zeit zugefügt werden.

Wann zum Arzt?

Bei einer ungewöhnlichen Gewichtszunahme, die möglicherweise mit Abgeschlagenheit und Krampfanfällen verbunden ist, liegt der Verdacht einer Hyperhydratation nahe. Wer sich ohne erkennbaren Grund krank und erschöpft fühlt, sollte umgehend einen Arzt konsultieren. Weitere Warnzeichen, die medizinisch abgeklärt werden müssen, sind unter anderem Atemnot, Herzrasen, Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit und die charakteristischen Wassereinlagerungen.

Sollten im weiteren Verlauf Panikattacken auftreten, wird am besten umgehend der Notarzt konsultiert. Da eine Hyperhydratation von den Betroffenen meist nicht eindeutig als solche erkannt werden kann, ist in jedem Fall eine medizinische Untersuchung und Behandlung erforderlich.

Geschieht dies frühzeitig, lassen sich größere Komplikationen meist verhindern. Bleibt die Erkrankung allerdings unbehandelt, kommt es unweigerlich zum Nierenversagen. Es ist anzuraten, eine Hyperhydratation im akuten Stadium behandeln zu lassen. Der Arzt wird in der Regel Elektrolyten verabreichen und dadurch die Wasserablagerungen schonend reduzieren. Nach der initialen Behandlungen sind weitere Kontrollbesuche angezeigt. Außerdem sollte gemeinsam mit dem Arzt oder einem Ernährungsmediziner eine Diät angestrebt werden, um die Gefahr einer erneuten Hyperhydratation zu senken.

Symptome

Typische Symptome bei Hyperhydratation:

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose jeglicher Form der Hyperhydratation erfolgt über eine Analyse der Blutwerte. Dabei erkennt der Arzt schnell, ob die Natriumwerte im Blut erhöht oder zu niedrig sind. Ist die Ursache lediglich eine vorübergehende Unter- bzw. Überversorgung mit Natrium, hat diese bei rascher Behandlung keine ernsthaften Folgen.

Bleibt diese Behandlung jedoch aus, sind zumeist geschwollene Hände und Füße erste sichtbare Folgen. Im weiteren Verlauf kann es dann aber auch zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Ödemen in Lunge und Hirn kommen, die unter Umständen auch lebensbedrohlich sein können. Häufig hängt der weitere Verlauf aber auch von den der Hyperhydratation zugrunde liegenden Erkrankungen wie etwa einer Leberzirrhose oder einem akuten Nierenversagen ab.

Komplikationen

Bei der Hyperhydratation leiden die Betroffenen in erster Linie an Wasserablagerungen an verschiedenen Körperregionen. Diese führen weiterhin zu einer deutlichen Gewichtszunahme und auch zu einer Müdigkeit und zu einer Abgeschlagenheit. Die meisten Betroffenen nehmen damit nicht mehr aktiv am Alltag teil. Auch ein Herzrasen und eine Atemnot können durch die Hyperhydratation auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken. Die Patienten wirken oft verwirrt und können einfachen Geschehnissen nicht mehr richtig folgen.

Weiterhin leiden die Patienten oft an Störungen des Bewusstseins oder auch an Lähmungen oder an Störungen der Sensibilität. Sollte es nicht zu einer Behandlung der Hyperhydratation kommen, so kann der Betroffene an den Folgen der Krankheit im schlimmsten Falle auch versterben. Auch Krampfanfälle können durch die Krankheit auftreten und die Lebensqualität erheblich verringern.

Die Behandlung der Hyperhydratation erfolgt in der Regel ohne Komplikationen. Allerdings muss auch die Grunderkrankung behandelt werden, wobei ein positiver Krankheitsverlauf nicht in jedem Falle garantiert werden kann. Möglicherweise ist durch die Hyperhydratation auch die Lebenserwartung des Patienten verringert.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung und Therapie einer Hyperhydratation hängt in erster Linie von deren Ursache ab. Gegen eine Überwässerung, bei der zu wenig Natrium im Blut ist und die keinerlei schwerwiegende Ursachen hat, hilft bereits die Verabreichung von mineralhaltiger Flüssigkeit. Dadurch wird der Betroffene schnell wieder mit ausreichend Elektrolyten versorgt, so dass sich die Überwässerung und der Natriumhaushalt schnell wieder normalisieren können.

Ist dagegen zuviel Natrium im Blut und liegt keine schwerwiegende Erkrankung zugrunde, sind zumeist sogenannte Diuretika das Mittel der Wahl. Dies sind wassertreibende Medikamente, die die Ausscheidung von Flüssigkeit stark erhöhen und so dabei helfen, das überflüssige Wasser so schnell wie möglich aus dem Körper zu bekommen. Zusätzlich wird in den meisten Fällen eine natriumarme Ernährung verordnet und eine Bilanzierung der Flüssigkeit vorgenommen, um den Wasserhaushalt besser kontrollieren zu können.

Sind allerdings andere Erkrankungen für die Überwässerung verantwortlich, müssen diese natürlich zuerst kuriert werden. Bei einer Herzinsuffizienz können dies z.B. herzstärkende Medikamente, sogenannte Digitalis, sein. Ist hingegen eine Schwäche der Nieren das Problem, kann eine Dialyse (Blutwäsche) dabei helfen, die normale Funktion der Nieren zu gewährleisten und so auch einer Hyperhydratation entgegenzuwirken.


Vorbeugung

Der beste Weg einer Hyperhydratation vorzubeugen, die nicht infolge einer schwereren Erkrankung auftritt, ist eine gesunde Lebensweise. Besonders der Verzehr von Salz sollte in einem vertretbaren Rahmen gehalten und nicht übertrieben werden. Bei hohen Temperaturen oder großen körperlichen Belastungen, etwa durch Sport oder körperliche Arbeit, sollte ein Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen nach Möglichkeit mit dem Genuss von mineralhaltigen Getränken ausgeglichen werden.

Da der Körper nämlich beim Schwitzen oder auch bei manchen Krankheitssymptomen wie Durchfall oder Erbrechen viele Mineralstoffe und Salze verliert, muss unbedingt darauf geachtet werden diese durch die Nahrung oder Getränke wieder ausreichend zuzuführen. Eine Hyperhydratation ist eine akute Bedrohung für das Wohlbefinden und die Gesundheit. Darüber hinaus kann sie Symptom für eine ganze Reihe von Krankheiten sein, weshalb erste Anzeichen sofort von einem Arzt gecheckt werden sollten.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021

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