Heilpflanzen


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 1. November 2018

Baldrian zum Einschlafen und Salbei für den Hals: Heilpflanzen fördern mit ihren Wurzeln, Blättern und Blüten die Gesundheit. Sie vermindern Krankheitssymptome oder helfen bei der Genesung. Seit Beginn der Menschheitsgeschichte verwendeten Menschen Pflanzen, um Wunden zu heilen. Zu Brei zerkaute und auf Wunden gelegte Pflanzen oder Tees und Sude, die bei inneren Leiden halfen, waren gängige Praxis. Die moderne Schulmedizin und Pharmazie löste die ursprüngliche, unverarbeitete Anwendung von Pflanzen ab. Einige dieser Pflanzen bilden die Grundlage von Medikamenten, andere gelten nur als Hausmittel.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Heilpflanzen?

Heilpflanzen und Heilkräuter sind Pflanzen mit einer heilenden Wirkung. Sie lindern Symptome einer Krankheit, fördern die Wundheilung oder stärken das Wohlbefinden.

Die Nutzung von Pflanzen zur Behandlung von Wunden, Schmerzen oder Krankheiten beruhte zunächst auf den eigenen Erfahrungen. Im Laufe der Geschichte entwickelte sich die Pflanzenheilkunde zu einem eigenen Wissenszweig. Literarische Quellen zu dem Thema Pflanzen als Heilmittel gehen zurück bis zu den Sumerern. Das Heilen mit Pflanzen erstreckt sich über die gesamte bevölkerte Welt.

Überlieferungen zeigen, dass Heilpflanzen bei den amerikanischen Ureinwohnern, bei den Kulturen Mittel- und Südamerikas ebenso wie bei den Völkern Afrikas und Asiens bekannt waren. In Europa praktizierten die alten Ägypter und Griechen eine Pflanzenheilkunde, deren schriftliche Quellen, Heilkundige bis in das Mittelalter und die Neuzeit hinein beeinflussten. Auf diese Quellen griffen Mönche und Klöster zurück und ergänzten altes Wissen um neue Erkenntnisse.

Eine Heilpflanze hat den Vorteil, dass sie jedermann zur Verfügung steht. Sie lässt sich auf der nächsten Wiese oder im nahe gelegenen Wald sammeln. Heilpflanzen, deren Bestandsteile oder Wirkstoffe als Basis oder Zutat für Medikamente dienen, gelten als Arzneipflanzen. Es lässt sich zwischen Pflanzen unterscheiden, deren Heilwirkung wissenschaftliche Studien belegen und denen, die nur durch Überlieferung als Heilmittel gelten.

Pflanzen mit heilenden Wirkstoffen

Der Einsatz von heilenden oder stärkenden Pflanzen läuft unter dem Namen Pflanzenheilkunde oder Phytotherapie. Bei leichteren Erkrankungen oder Leiden bilden Heilpflanzen eine Alternative oder Ergänzung zu Medikamenten. Die heilenden Wirkstoffe sind die in der Pflanze enthaltenen ätherischen Öle und die vielseitig hilfreichen und gleichzeitig schädlichen Gerb- und Bitterstoffe. Die wissenschaftliche Forschung zu Heilpflanzen ist noch nicht abgeschlossen und dementsprechend groß ist das mögliche Potenzial für neue Einsatzgebiete.

Die Gebiete, in denen sich die Wirkstoffe der Pflanzen positiv auswirken, sind beispielsweise Erkältungen, Erkrankungen der Atemwege oder Verdauungsstörungen. Aber auch im Bereich der Hautstörungen und Irritationen kommt pflanzlichen Wirkstoffen eine Bedeutung zu. Zusätzlich gelten Heilpflanzen als sanfte Alternative bei Zuständen wie Erschöpfung, Nervosität oder Unruhe.

Menschen, die beispielsweise bei Depressionen oder Schlafstörungen auf pflanzliche Mittel zurückgreifen, sollten sich vorab bestenfalls mit einem Arzt absprechen. Denn die in den Pflanzen enthaltenen Wirkstoffe verursachen mitunter Nebenwirkungen oder wirken begrenzt. Dementsprechend gilt es, eine Heilpflanze nur mit dem entsprechenden Wissen oder einer fachlichen Instruktion anzuwenden. Ebenso übernehmen Heilpflanzen neben einer therapeutischen Funktion eine prophylaktische: Sie fördern die Gesundheit, indem sie das Immunsystem stärken oder Entzündungen vorbeugen.

Wogegen helfen Heilpflanzen?

Heilpflanzen können u.a. bei folgenden Beschwerden helfen:

Grenzen der Pflanzenmedizin

In der Behandlung von schweren Verletzungen oder Krankheiten liegen die Grenzen der Pflanzenmedizin. Schwere Krankheiten wie Krebs oder Aids sind nicht mit einer einzelnen Pflanze behandel- oder gar heilbar. Eine zweite Grenze ist die falsche Dosierung oder Anwendung. Denn auch die natürlichen Wirkstoffe einer Pflanze lassen sich überdosieren und falsch einsetzen. Dann erweisen sie sich als giftig und schädlich. In einer Heilpflanze sind Wirkstoffe enthalten, die den Körper auf die eine oder andere Weise beeinflussen. Dementsprechend gilt es bei nicht klar identifizierbaren Krankheiten, zunächst von einem ausgebildeten Mediziner eine Diagnose stellen zu lassen. Eine klassische Erkältung mit Pfefferminze oder Salbei zu behandeln, ist etwas anderes als nicht erklärbare Symptome zu heilen zu versuchen. Im schlimmsten Fall verstärkt die Heilpflanze die dahinter steckende Störung.

Anwendung und Dosierung

Für die Anwendung von Heilpflanzen gibt es verschiedene Methoden. Bei manchen Pflanzen kommen von der Wurzel bis zur Blüte alle Pflanzenteile zum Einsatz. Andere entfalten ihre Wirkkraft nur in einem bestimmten Pflanzenteil. Eine weitere Unterscheidung ist, ob diese Pflanzen sich verarbeitet kaufen oder frisch sammeln lassen.

Echter Baldrian in Tablettenform und als Wurzelextrakt.

Heilpflanzen wie Ginseng oder Sonnenhut sind in der freien Natur in Europa beispielsweise nicht zu finden. Die Verarbeitung und Dosierung hängen von der jeweiligen Pflanze ab. Heilpflanzen lassen sich als Tees einsetzen, als Sud oder als Salben. Im Handel finden sich verarbeitete Varianten, sodass es die Inhaltsstoffe der Pflanze auch in Form von Tabletten, Bonbons, Säften oder Cremes gibt.

Je nach Pflanze erfolgt die Anwendung innerlich oder äußerlich. Manche eignen sich, um einen Aufguss zu machen, sich damit zu waschen oder als Badezusatz. Andere sind am effektivsten in Form von Tees oder Tropfen. Da der Übergang von Heilpflanzen zu Heilkräutern fließend ist, sind viele Pflanzen als Gewürz, Essig oder Öl in Rezepten wiederzufinden.

Bei bestimmten Heilpflanzen wie Brennnessel oder Salbei ist ein Tee aus frischen Blättern wirksamer, als aus getrockneten. Bei anderen Pflanzen entsteht der Wirkstoff erst durch die Trocknung oder Zerkleinerung der Pflanzenteile.

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Wirkung und Anwendung wichtiger Heilpflanzen

Die heimische Natur in Deutschland hat eine Fülle an Heilpflanzen zu bieten. Sie sind Grundlage verschiedener Präparate und lassen sich sammeln und verarbeiten.

Arnika

Die heilende Kraft der Bergblume Arnika steckt in den Blüten. Ihre Anwendung erfolgt als Tinktur oder als Bestandteil von Salben. Die Blüten helfen bei Schmerzen, die durch Prellungen oder Verstauchungen entstehen. Baldrian gilt als Hausmittel bei Schlafstörungen. Er wirkt beruhigend und Schlaf fördernd. Auch bei Prüfungsängsten lässt sich Baldrian einsetzen. Die getrocknete Wurzel liefert die Wirkstoffe. Sie ist die Grundlage für Baldriantee oder anderen Präparaten.

Brennnessel

Die Brennnessel ist als Heilpflanze vielseitig einsetzbar: Aus den Blättern lässt sich Tee, Saft, Salat oder eine Suppe machen. Um den Nesseln zu entgehen, ist es nötig, die Blätter zu waschen, zu zerkleinern oder zu erhitzen. Der Tee hilft, den Stoffwechsel anzuregen.

Fenchel

Die Wurzelknolle des Fenchels ist essbar und kommt als Gewürz oder Beilage zum Einsatz. Als Heilpflanze hilft Fenchel in Form von Tee oder Bonbons bei Husten und Verdauungsstörungen. Er wirkt schleim- und krampflösend. Für die Herstellung des Tees eignen sich sowohl Fenchelsamen als auch die Wurzel. Die Wurzeln der Heilpflanze Ingwer dienen nicht nur als Gewürz. Sie helfen vor allem bei Übelkeit.

Ingwer

Ingwer als Heilmittel lässt sich roh oder als Tee anwenden. Er hat eine schmerzstillende und appetitanregende Wirkung.

Johanniskraut

Johanniskraut ist in freier Natur leicht aufgrund der gelben Blüten zu finden und zu sammeln. Das gesamte Kraut hat eine antidepressive Wirkung. Es ist in Form von Tabletten oder Tee anwendbar. Aus Johanniskraut gewonnenes Öl eignet sich für trockene Haut, macht diese jedoch lichtempfindlicher.

Kamille

Kamille beruhigt den Magen und ist entzündungshemmend. Für die heilende Wirkung sind die Blüten verantwortlich. Sie lassen sich zu Tee, Spülungen oder Salben verarbeiten. Kamillentee ist krampflösend und hilft bei Magenproblemen oder Halsschmerzen.

Melisse

Die Blätter der Melisse wirken beruhigend. In getrockneter Form dienen sie als Gewürz. Als Badezusatz entfaltet Melisse eine entspannende Wirkung. Melissentee wirkt bei Unterleibskrämpfen oder Darmbeschwerden lösend. Das ätherische Öl der Blätter lässt sich zu Tinkturen verarbeiten.

Pfefferminze

Pfefferminze als Heilpflanze kommt vor allem als frischer Tee zum Einsatz. Aber auch als Bonbon oder Öl wirkt Pfefferminze entzündungshemmend und schleimlösend. Die ätherischen Öle der Pflanze sind in den Blättern enthalten. In Form von Tee oder als verdünntes Öl zum Inhalieren hilft Pfefferminze bei Erkältungen oder Verdauungsbeschwerden.

Ringelblume

Die orange blühende Ringelblume dient als Heilpflanze bei Hautproblemen. Als Salbe hilft sie bei Entzündungen und fördert die Wundheilung. Die Basis für solche Salben und Cremes bilden die Blüten.

Salbei

Salbei gehört zu den Heilpflanzen, die auch als Küchenkraut dienen. Die Blätter haben eine desinfizierende Wirkung und helfen bei Halsschmerzen oder Entzündungen im Mundraum. Hauptsächlich lässt sich Salbei als Heilpflanze in Form von Tee verwenden.

Schafgarbe

Schafgarbe ist eine Heilpflanze, die auf jeder Wiese anzutreffen ist. Aus dem oberirdisch wachsenden Teil der Pflanze lassen sich Tee oder Extrakte gewinnen, die verdauungsfördernd und krampflösend wirken.

Spitzwegerich

Der Spitzwegerich wirkt desinfizierend und entzündungshemmend. Das Haupteinsatzgebiet des Krauts ist die Anwendung als Hustenmittel. Alle Teile der Pflanze, abgesehen von der Wurzel, lassen sich für die Herstellung von Tee oder Sirup nutzen, die einen schleimlösenden und hustenstillenden Effekt haben.

Risiken und Nebenwirkungen

Nur weil Heilpflanzen natürlichen Ursprungs sind, heißt das nicht, dass sie beliebig dosierbar oder einsetzbar sind. Eine falsche Anwendung oder Überdosierung kann schädliche Folgen haben. Außerdem haben bestimmte Heilpflanzen wie Johanniskraut oder Pfefferminze Nebenwirkungen, die vor allem kranke Menschen oder Schwangere nicht unterschätzen dürfen. Nicht jede Heilpflanze verursacht Nebenwirkungen oder birgt Risiken, aber bei Vorerkrankungen ist eine Selbstmedikation ohne ärztliche Absprache nicht empfehlenswert. Wer schon Medikamente nimmt, für den ist es dringend ratsam, abzuklären, ob diese sich mit der verwendeten Heilpflanze vertragen.

Eine Selbstbehandlung erfolgt idealerweise nur nach einer Beschäftigung mit möglichen Nebenwirkungen. Dazu gehören Allergien oder Hautreizungen. Vor allem das eigenständige Sammeln und Ernten setzt Pflanzenkenntnisse voraus. Zusätzlich ist beim Sammeln auf den Standort und eine anschließende gründliche Reinigung der Pflanzen zu achten. Wer über keine botanischen Kenntnisse verfügt, findet bei entsprechenden Anbietern wie Apotheken verarbeitete Heilpflanzen und bekommt zugleich Hinweise zur Dosierung und richtigen Anwendung. Bei einer langfristigen Anwendung von Tees oder Tinkturen ist eine Absprache mit dem Hausarzt ratsam. Der Gang zum Arzt ist auch dann zu empfehlen, wenn Symptome wie beispielsweise Übelkeit, Unruhe oder Husten nicht besser werden.

Quellen

  • Hans Konrad Biesalski, Matthias Pirlich, Stephan C. Bischoff, Arved Weimann: Ernährungsmedizin. Thieme, 5. Auflage 2017.
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S.H.E., Schulz, Th.F. (Hrsg.) : Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012


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