Fettgewebe


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 23. Oktober 2018

Das Fettgewebe als Teil des Bindegewebes ist ein endokrines Organ mit vielfältigen Funktionen. Neben seiner Hauptaufgabe, der Speicherung von Körperfett, greift es durch die Produktion von hormonartigen Stoffen aktiv in den Stoffwechsel ein.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Das Fettgewebe ist als eigenständiges endokrines Organ über den gesamten Körper verteilt. Es ist Teil des Bindegewebes und hat, außer der Speicherung von Körperfett, mehrere Funktionen zu erfüllen. Besonders in den letzten Jahren wurde seine besondere Rolle als endokrines Organ erkannt. In Abhängigkeit des Ernährungszustandes sendet es Botenstoffe in den Körper aus, die aktiv am Stoffwechsel teilnehmen und regulatorische Funktionen ausüben. Fettgewebe kommt in zwei unterschiedlichen Formen vor, dem weißen und dem braunen Fettgewebe.

Fettgewebe lässt sich im gesamten Körper finden. So ist es auch in der untersten Hautschicht zu erkennen.

Anatomie

Das Fettgewebe besteht aus den sogenannten Adipozyten (Fettzellen). Diese Zellen sind dabei in ein großes Fasergerüst eingebaut. Der Körper besitzt weißes und braunes Fettgewebe. Während das weiße Fettgewebe hauptsächlich dem Speichern von Körperfetten dient, wird im braunen Fettgewebe durch Thermogenese Wärme erzeugt.

In den Fettzellen ist je nach Art des Fettgewebes eine unterschiedliche Anzahl mit Lipiden gefüllte Vakuolen enthalten. Es ist im Körper ungleichmäßig verteilt. Die größte Dicke erreicht es als Unterhautgewebe am Bauch. An anderen Stellen des Körpers sind oft nur einzelne Fettzellen vorhanden. Nach der Funktion des Fettgewebes wird auch zwischen Baufett und Speicherfett unterschieden.

Zum Baufett gehört auch das sogenannte viszerale Fett. Das viszerale Fett befindet sich direkt in der Bauchhöhle und umschließt dort die inneren Organe. Es dient bei Nahrungsmangel als letzte Energiereserve. Das Speicherfett ist im Unterhautgewebe lokalisiert und macht ungefähr 65 Prozent des Körperfetts aus.

Das viszerale Fett im Bauchraum hat einen Gesamtanteil von 35 Prozent. In Anhängigkeit vom Ernährungszustand enthalten die einzelnen Adipozyten mehr oder weniger Speicherfett in den Vakuolen. In der Regel ändert sich die Zahl der Fettzellen nicht. Bei großem Fettspeicherbedarf erweitert sich das Fettgewebe jedoch durch zusätzliche Bildung von Adipozyten.

Funktion

Die Hauptfunktion des Fettgewebes besteht in der Speicherung von Fett als Energiereserve bei Nahrungsmangel. Gleichzeitig werden auch fettlösliche Vitamine und Wasser gespeichert. Weiterhin dient das Unterfettgewebe auch zur Wärmeisolation, da Fett ein sehr schlechter Wärmeleiter ist. Eine dritte Funktion trägt zum Strukturerhalt und mechanischen Schutz bei. So dient das Baufett als druckelastisches Polster für Fußsohle, Gelenke, in der Wange, am Gesäß oder für die inneren Organe als viszerales Fett.

In den letzten Jahren wurde immer mehr erkannt, dass das Fettgewebe als endokrines Organ auch hormonartige Stoffe produziert und damit aktiv am Stoffwechsel teilnimmt. So reguliert es die Nahrungsaufnahme durch die Aussendung des Hormons Leptin. Weiterhin ist es verantwortlich für die Wirksamkeit von Insulin. Je mehr Fett gespeichert ist, desto höher ist auch seine Insulinresistenz. Das fördert langfristig die Entstehung von Diabetes.

Es werden immer mehr Erkenntnisse darüber gewonnen, welchen Einfluss das Fettgewebe auf die Ausbildung des metabolischen Syndroms hat. Eine weitere Funktion stellt die Thermogenese des braunen Fettgewebes dar. Besonders der Säugling ist noch auf eine schnelle körpereigene Wärmeproduktion angewiesen, um nicht auszukühlen. Bei einem erwachsenen Menschen spielt diese Funktion keine große Rolle mehr. Deshalb bildet sich das braune Fettgewebe im Erwachsenenalter zurück.

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Erkrankungen

  • Liposarkom

Aufgrund der aktiven Teilnahme des Fettgewebes am Stoffwechsel hat es einen großen Einfluss auf die Entstehung von degenerativen Erkrankungen. So ist bekannt, dass Übergewicht (Adipositas) Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose und viele weitere Erkrankungen begünstigt.

In den letzten Jahren wurden die Vorgänge und die Rolle, welche das Fettgewebe dabei spielt, immer besser erforscht. Allerdings gibt es auch eigenständige Fettgewebserkrankungen. Dazu gehört z. B. das sogenannte Lipom. Beim Lipom handelt es sich um eine gutartige Fettgeschwulst, die sehr langsam wächst.

In seltenen Fällen entartet sie zu einem bösartigen Liposarkom. Besonders häufig sind Unterhautfettgewebe von Rücken, Nacken, Armen, Oberschenkel und Bauchmitte von einem Lipom betroffen. Die Behandlung besteht in der chirurgischen Entfernung des überschüssigen Fettgewebes.

Fettabbau - Wie können Sie den Körperfettanteil senken?

Fettgewebe erfüllt einen lebensnotwendigen Zweck in unserem Körper. Allerdings sind übermäßige Fettdepots auch gesundheitsschädlich. Zu viel Körperfett kann der Verursacher einiger Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und durch Übergewicht geförderter Gelenkprobleme sein. Zu viel Fett belastet ebenso die Verdauungsorgane und wirkt sich insgesamt negativ auf das Wohlbefinden aus.

Ein Fettabbau sollte in jedem Falle angestrebt werden, wenn die Anzeichen für Übergewicht vorliegen.In diesem Fall sollte der Körperfettanteil reduziert werden, um Krankheiten vorzubeugen.

Was ist Fettabbau?

Unter Fettabbau versteht man die Reduktion von Fettdepots im Körper durch sportliche Aktivitäten oder bewusste Nahrungsaufnahme, welche ein Kaloriendefizit herbeiführt. Im Vordergrund steht eine fettbewusste Ernährung, die zwar den Fettabbau nicht direkt unterbindet, jedoch die Einlagerung neuer Fette verhindert. Durch den Kaloriengrundumsatz eines Körpers und zusätzliche Sporteinheiten wird der Fettabbau direkt gefördert. Leichtes oder starkes Übergewicht kommt in den Industrienationen durch falsche Ernährung oder Bewegungsdefizite häufig vor und hat auf die Gesundheit langfristig negative Folgen. Dem Fettabbau kommt daher heute eine wichtige Bedeutung zu.

Wie funktioniert der Fettabbau?

Wenn der Körper Energie gewinnen muss, ist leider nicht der Fettabbau die erste Wahl des Organismus. Viel leichter gewinnt der Körper die Energie aus Kohlenhydraten oder Proteinen. Daher sind besonders kurze Sporteinheiten nicht förderlich für den Fettabbau. Der Anteil der Verstoffwechselung von Fett steigt erst bei langer und regelmäßiger Belastung. Es ist bekannt, dass auch ein Training in unteren Pulsbereichen von maximal 110 bis 120 Herzschlägen pro Minute förderlich für den Fettabbau ist. Den maximalen Fettabbau erreicht man allerdings in den höheren Pulsbereichen beim aeroben Training.

Ein Körper hat einen gewissen Kaloriengrundumsatz pro Tag, um alle Funktionen aufrecht zu erhalten. Werden gleich viele Kalorien zugefügt, wie pro Tag benötigt werden, erfolgt kein Fettabbau. Erst wenn ein Defizit geschaffen wird, geschieht im Körper der Fettabbau. Langfristige Erfolge werden nicht mit schnellem Gewichtsverlust erzielt, da hierbei oft der Fettabbau zu kurz kommt.

Als Faustregel gilt, dass das Kaloriendefizit nicht größer als 500 Kcal sein sollte. Zusätzlicher Sport fördert das Defizit zugunsten des Fettabbaus. Wird ein noch größeres Defizit herbeigeführt, stellt der Körper auf ein „Notprogramm“ um und es kann sogar dazu führen, dass Muskelmasse abgebaut wird und nicht der Fettabbau im Vordergrund steht. All dies führt zu den nicht erwünschten Jo-Jo-Effekten nach Diäten, aber nicht zum Fettabbau.

Fettstoffwechsel und Fettabbau im Sport

Durch intensives Ausdauertraining kann der Fettstoffwechsel und Fettabbau trainiert werden, sodass er frühzeitiger und in größerem Umfang einsetzt. Für Leistungssportler ist dies wichtig, weil die Glycogenspeicher in Muskeln und Leber geschont werden und als Energielieferanten für hohe Beanspruchung wie End- oder Zwischenspurts genutzt werden können. Aus dem normalen Körperfett selbst eines schlanken Menschen kann eine Unmenge an Energie durch den Fettabbau bezogen werden.

Welche Risiken hat ein extremer Fettabbau

Extremer und zu schneller Fettabbau birgt jedoch Gefahren. Gänzlich auf Fett zu verzichten, führt zu einem Gesundheitsrisiko, da viele Vitalstoffe fettlöslich sind und der Körper einen gewissen Anteil Fett benötigt, um alle Stoffwechselfunktionen aufrecht zu erhalten.

Auch der beliebte Griff zur Abnehmpille, um den Fettabbau zu fördern, kann gefährliche Folgen haben. Es kam in der Vergangenheit zu Nebenwirkungen, da nicht zulässige Stoffe enthalten waren.

Auch führen extreme Diäten meistens nicht zum Fettabbau, sondern eher zum Muskelabbau. Der Kaloriengrundumsatz des Körpers wird durch Muskelabbau gesenkt und bei Diätende stellt man fest, dass man bei normaler Nahrung zunimmt und keinen weiteren Fettabbau erreicht.

Bei allem Abwägen bleibt dennoch ein gesunder Fettabbau immer anzuraten, da langfristig das persönliche Wohlbefinden, die Fitness und die Gesundheit gesteigert werden.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013


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