Wortfindungsstörung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 27. Juni 2015
Gesundpedia.deSymptome Wortfindungsstörung

Wortfindungsstörungen können sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter auftreten. Bei Kindern auftretende Störungen dieser Art sind meist vorübergehend. Eine Behandlung bei einem Sprachtherapeuten kann den Heilungsprozess sichern und beschleunigen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Wortfindungsstörungen?

In wissenschaftlichem Kontext wird bei Wortfindungsstörungen zwischen der Dysphasie und der Aphasie unterschieden. Während es sich bei der Dysphasie um eine Entwicklungsstörung handelt, bezeichnet die Aphasie eine Beschädigung der Fähigkeit, sich sprachlich auszudrücken. Dies kann infolge neurologischer Verletzungen und bei Tumoren auftreten.

Bei der Aphasie gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade. Stärkere Verlaufsformen beeinträchtigen nicht nur das Sprechen, sondern auch das Verstehen sowie die Fähigkeit zu lesen. Beeinträchtigungen der Wortfindung äußern sich im Gespräch durch häufige Pausen, welche durch die Suche nach dem passenden Wort entstehen. Auch Fehler hinsichtlich der Wortwahl und Wortform können bei Wortfindungsstörungen auftreten.

Ursachen

Ursächlich für Wortfindungsstörungen sind Schädigungen der in der Großhirnrinde liegenden sprachrelevanten Areale der sprachdominanten Hirnhälfte. Zerebrale Gefäßinsulte (Schlaganfälle), bei welchen es zur Unterbrechung des Blutflusses oder auch zu Einblutungen kommen kann, wodurch die Funktionsfähigkeit der sprachrelevanten Areale in Mitleidenschaft gezogen wird, zählen zu den häufigsten Ursachen. Auch Hirnhautentzündungen, Hirntumore, Unfälle (Schädel Hirn Trauma) sowie demenzielle Erkrankungen (z. B. Alzheimer'sche Demenz) können den Wortfindungsstörungen zugrunde liegen und Ursache dieser Sprachstörung sein.

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose ist wichtig, um in der Therapie optimale Ergebnisse zu erzielen. Dabei ist es notwendig, zunächst die funktionale Beeinträchtigung, die der Wortfindungsstörung zugrunde liegt, zu lokalisieren. Hierzu wird in einem Wortverarbeitungsmodell die betreffende Störungsebene eingegrenzt. Gespräche zwischen Untersucher und Patient sind ebenso Bestandteil der Befunderhebung wie weitere Untersuchungen, in denen die Symptomatik mittels ausgewählter Methoden gezielter geprüft wird.

Dabei werden Untersuchungen zur Wortproduktion und auch zum Wortverständnis durchgeführt. Es werden nicht nur mündliche, sondern auch schriftliche Leistungen überprüft. Dabei kommen normierte Testverfahren zum Einsatz (z. B. Bogenhauser Semantik Untersuchung, LeMo).

Passende Therapiemethoden werden anhand des neurolinguistischen Profils des Betroffenen, welches sich aus beeinträchtigten und erhaltenen Fähigkeiten in den ausgeführten Testverfahren ergibt, ausgewählt. Hierbei wird auch berücksichtigt, wie der Patient selbst mit einer sprachlichen Beeinträchtigung umgeht, in welcher Weise beispielsweise der spontane Einsatz kompensatorischer Strategien erfolgt.

Hierzu werden auch nahe Angehörige befragt. Im Anschluss an die Befunderhebung werden sowohl Patient als auch dessen Angehörige über die Art seiner Beeinträchtigung aufgeklärt und konkrete Therapieziele besprochen. Auch während der anschließenden Therapie ist die stetige Einbeziehung der Angehörigen ein wichtiger Bestandteil.

Behandlung und Therapie

Bei der Behandlung von Wortfindungsstörungen wird zwischen direkter und kompensatorischer Methode unterschieden. Die Behandlung orientiert sich am festgestellten neurolinguistischen Leistungsmuster. Der Einsatz direkter Methoden zielt direkt auf die Funktionsstörung ab. Zum Beispiel werden Übungen zur Kategorisierung von Oberbegriffen (z. B. Gurke > Gemüse) oder zum Abruf von Bedeutungsmerkmalen (z. B. Gurke > Pflanze, essbar, grün) durchgeführt.

Im Unterschied dazu kommen zur Verbesserung von Beeinträchtigungen der Wortformebene Übungen zum Einsatz, die auf den Zugriff auf die Wortform und auf die Wortform selbst abzielen, beispielsweise das Geben von Anlauthilfen, wenn Objektabbildungen mündlich benannt werden sollen. So wird zum Beispiel der erste Laut eines Wortes vorgegeben. Darüber hinaus erweisen sich bei einigen Patienten auch Umwegstrategien aussichtsreich, bei denen erhaltene Fähigkeiten zur Unterstützung der Wortfindung eingesetzt werden, z. B. das Schreiben des Anfangsbuchstaben oder auch des ganzen Wortes als Hilfe für den mündlichen Wortabruf.

Grundsätzlich wird die Sprachtherapie in drei Phasen eingeteilt. Die erste, etwa vier bis sechs Wochen dauernde Phase, wird als Aktivierungsphase bezeichnet und dient der sprachlichen Stimulation. Dabei ist der Umfang der Behandlung vom allgemeinen Zustand des Betroffenen abhängig. Die zweite Phase, die störungsspezifische Übungsphase, befasst sich in erster Linie mit sprachsystematischen Störungen. Sie beginnt generell als Einzeltherapie. Es ist aber möglich, sie im weiteren Verlauf als Gruppentherapie weiterzuführen. In der letzten Phase, die auch als Konsolidierungsphase bezeichnet wird, geht es darum, den Patienten dazu auszubilden, sich seiner Sprachfähigkeit so gut wie möglich zu bedienen. Diese Phase erfolgt im Allgemeinen als Gruppentherapie.

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Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung vor Wortfindungsstörungen gibt es nicht, da sie Folge anderer Erkrankungen sind. Jedoch ist es möglich, einigen dieser ursächlichen Erkrankungen vorzubeugen. So gibt es einige Möglichkeiten, das Risiko eines Schlaganfalls, der als eine der Hauptursachen für Wortfindungsstörungen gilt, erheblich zu senken.

Einer der größten Risikofaktoren für einen Schlaganfall ist das Rauchen. Daher sollten Raucher am besten mit dem Rauchen aufhören oder zumindest den Zigarettenkonsum einschränken. Eine weitere Ursache sind verstopfte Adern, für die wiederum ein zu hoher Blutdruck verantwortlich sein kann.

Eine salzarme Ernährung sowie die Reduzierung des Gewichts bei Übergewichtigen sind empfehlenswert um den Blutdruck zu senken. Auch Ausdauersportarten wie Joggen oder Walken helfen gegen Bluthochdruck. Auch wer nicht unter Bluthochdruck oder Übergewicht leidet, kann durch regelmäßige Bewegung sein Schlaganfallrisiko senken.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Sybille kommentierte am 16.03.2016 um 18:30 Uhr

Die Wortfindungsstörungen wurden bei mir immer häufiger. Am Anfang habe ich mir keine Gedanken gemacht, kann ja mal vor kommen. Mit der Zeit wurde es immer häufiger und mittlerweile kommt es jeden Tag vor, so dass meine Arbeitskollegen schon sehr geübt im raten sind. Das ist im Zeitraum von einem halben Jahr passiert.

CountDracula kommentierte am 10.05.2016 um 18:33 Uhr

Sybille, wie alt bist du? Und ist dir etwas passiert?

Cybele48 kommentierte am 02.06.2016 um 21:03 Uhr

Bei mir kommt es häufig vor, dass mir Namen oder Begriffe in dem Moment nicht einfallen, in dem ich sie brauche, aber kurze Zeit später wieder da sind. Das scheint mir nicht so dramatisch wie die beschriebenen Symptome, ist aber doch sehr beunruhigend weil ich befürchte, dass dies der Anfang einer Entwicklung sein könnte, die immer weitergeht.

Wirbelstrom kommentierte am 18.06.2016 um 13:19 Uhr

Ich hatte für ca. 20 min. plötzlich mitten in einer Unterhaltung keine Möglichkeit mehr, mich auszudrücken, weil mir einfach keine Worte mehr einfielen. Mein Gegenüber muss mich wohl für beschränkt gehalten haben. Nach sofortiger gründlicher Untersuchung im Krankenhaus hieß es,"leider können wir nichts feststellen, gehen Sie doch mal zu einem Psychiater“. Den Spruch hab ich doch schon irgendwann mal gehört. Es gibt zwar eine Bezeichnung für dieses Phänomen, man hat keine Ahnung, was die Ursache hierfür ist. Hoffentlich ist meine nächste Erkrankung in medizinischen Fachkreisen bekannter. Dies soll keine Kritik sein, die Ärzte waren alle nett und bemüht.