Magersucht

Letzte Aktualisierung am 17. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine psychosomatische Krankheit, die auf einer Wechselwirkung von psychischen und physischen Prozessen beruht. Ursachen für die Erkrankung können beispielsweise in familiären Strukturen oder hohem Leistungsdruck liegen. Die Magersucht stellt für die Kranken eine Möglichkeit der Selbstkontrolle dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Magersucht?

Im Laufe der Krankheit verlieren die Betroffenen immer mehr an Gewicht. Durch die unzureichende Nahrungsaufnahme werden zu wenige wichtige Nährstoffe aufgenommen, wodurch sich der Gesundheitszustand der Betroffenen stetig verschlechtert.

Die irreführende lateinische Bezeichnung "Anorexia" bedeutet Appetitlosigkeit, Magersucht geht jedoch weit über dieses Phänomen hinaus und bezeichnet im Allgemeinen einen selbst herbeigeführten und kontrollierten starken Gewichtsverlust und die zwanghafte Kontrolle des Körpergewichts, das extrem reduziert wird.

Mitunter ist die Figurbesessenheit jedoch auch nur ein sekundäres Ziel für die an Magersucht Erkrankten. Magersucht bietet für Betroffene den Gewinn der Selbstkontrolle, mittels ihres Essverhaltens vermögen sie etwas in ihrem Umfeld zu beherrschen und kontrollieren.

Im Regelfall liegt bei den Magersucht-Erkrankten eine Störung der Selbstwahrnehmung vor, da sie sich trotz des meist gesundheitsgefährdenden Untergewichts für zu dick halten. Die zwanghafte Kontrolle über das Körpergewicht und der Versuch, dieses zu reduzieren, führt im Fall der Magersucht zu typischen Verhaltensweisen bei den Erkrankten. Diese reichen von extremen sportlichen Exzessen, über den Gebrauch von Abführmitteln, ritualsierten und ungewöhnlichen Essmaßnahmen bis hin zur vollständigen Nahrungsverweigerung. Dies kann im schlimmsten Fall sogar bis zum Tod führen.

Mit Medikamenten (Antidepressiva) und einer Psychotherapie behandeln Ärzte und Therapeuten die Magersucht.

Ursachen

Magersucht wird von einer gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers verursacht. Ein geringes Selbstwertgefühl steht damit in direktem Zusammenhang. Grund dafür wiederum sind hauptsächlich krankhafte Umgangsformen innerhalb der Familie.

Doch auch kulturelle Leitbilder wie untergewichtige Modells können die Magersucht mit auslösen. Oft spielen auch Gewalterfahrungen, besonders sexueller Missbrauch eine Rolle. Die Empfänglichkeit für die Krankheit soll allerdings eine genetische Veranlagung sein.

Die größte Risikogruppe für die Erkrankung an Magersucht stellen weibliche Teenager und junge Frauen dar, im Allgemeinen gelten Mädchen und Frauen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren als besonders gefährdet.

Der für Jugendliche ohnehin problematische Beginn der Pubertät ruft große Veränderungen sowohl im seelischen als auch im körperlichen Bereich hervor, der Verlust kindlicher Formen und die sich heranbildenden weiblichen Kurven und Rundungen bewirken Angst und Scham und führen mitunter zu einer verzerrten Selbstwahrnehmung, die zum Ausbruch von Magersucht führen kann.

Einstieg in die Krankheit Magersucht kann auch eine normale Diät sein, die außer Kontrolle gerät und zu dem krankhaften Wahn führt, das Gewicht müsse mehr und mehr reduziert werden.

Symptome und Verlauf

Magersucht ist eine Essstörung, die vor allem junge Mädchen im Teenager- und jungen Erwachsenenalter betrifft. Mit einer gestörten Selbstwahrnehmung und der Idealisierung bestimmter, sehr dünner Stars geht ein Verhalten einher, bei dem die Betroffenen möglichst wenig und möglichst energiearme Nahrung zu sich nehmen. Magersüchtige essen an einem durchschnittlichen Tag oft nicht mehr als 200-500 Kalorien und versuchen auch diese bestmöglich wieder abzutrainieren, indem sie beispielsweise stundenlange Spaziergänge machen oder sich weigern, sich hinzusetzen oder hinzulegen.

In Foren motivieren sich Betroffene gegenseitig und geben sich Tipps, wie sie den quälenden Hunger am besten ignorieren können und welche Ausreden helfen, wenn Freunde oder Verwandte sie zum Essen bewegen möchten (sogenannte Pro-Ana-Foren). Die Betroffenen nehmen innerhalb relativ kurzer Zeit eine große Menge Gewicht ab, verlieren Muskelmasse, leiden unter unzureichender Versorgung mit Vitaminen und Mineralien. Die Menstruation bleibt aus, Haut und Haar werden brüchig, die Thermoregulation wird gestört, so dass Magersüchtige stark frieren. Schmerzhafte Wassereinlagerungen und Konzentrationsstörungen bei der Magersuchttreten ebenfalls häufig auf.

Die Magersucht ist eine schleichende Krankheit. Ihren Ausgangspunkt hat sie in dem Gefühl, zu dick zu sein, so dass die Betroffenen anfangs sehr auf das Essen und auf ihr Gewicht achten, bis es dann zur Obsession geworden ist und ihre Gedanken nur noch von der Abnahme und der Angst vor Zunahme gefesselt sind. Magersüchtige nehmen im Verlauf der Krankheit mehr und mehr ab, und ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich massiv. Der Körper versucht sich durch die sogenannte "Lanugobehaarung" zu wärmen. Die Menge der zugeführten Kalorien kann sich noch weiter verringern. Nicht wenige Magersüchtige sterben, weil ihr geschwächter Körper eine Infektion nicht besiegen oder ihr Herz-Kreislauf-System mit dem durcheinander gebrachten Mineralstoffhaushalt nicht mehr arbeiten kann. Die Magersucht ist als eine sehr gefährliche Krankheit zu bezeichnen.

Wann zum Arzt?

Bei Symptomen, die auf eine Magersucht hindeuten, sollte ein Facharzt konsultiert werden. Oftmals sind dabei die Symptome schleichend und für Angehörige von Betroffenen ohne Krankheitseinsicht nicht immer leicht erkennbar. Bei anhaltender Verweigerung von Nahrung, sichtlicher Abmagerung und Leugnen des Themas ist der Hausarzt ein erster Ansprechpartner. Er kann eine Ersteinschätzung des körperlichen Zustands vornehmen und gegebenenfalls weiter verweisen. Bei einer Magersucht kann es auch notwendig sein, gegen den Willen der Betroffenen einen Arzt zu konsultieren. Dies gilt vor allem dann, wenn Minderjährige an Magersucht erkrankt sind oder Personen, denen die Schwere ihrer Erkrankung offensichtlich nicht bewusst ist.

Eine unbehandelte Magersucht kann zum Tod durch Organversagen führen. Deswegen kann bei anhaltender Verweigerung von fester Nahrung und Flüssigkeit auch angezeigt sein, den Notarzt zu verständigen und eine Unterbringung in einem Fachpersonal zu veranlassen. Ob die rechtlichen Voraussetzungen hierfür gegeben sind, muss im Rahmen von entsprechenden Untersuchungen geklärt werden. Eine akute Eigengefährdung rechtfertigt im Regelfall eine Zwangseinweisung von Betroffenen auch gegen deren Willen.

Diagnose

Magersucht zählt zu den psychisch bedingten Essstörungen. Extremes Untergewicht ist für den Arzt das erste Kriterium, um eine Magersucht zu erkennen. Ein Körpergewicht, das 15% unterhalb des Durchschnitts (Normalgewicht) liegt und ein Body-Mass-Index unter 17,5 sind Symptome, die auf eine Magersucht hindeuten. Im Patientengespräch geht der Arzt weiteren Symptomen wie erzwungenes Erbrechen nach. Auch psychische Erkrankungen in der Familie des Patienten sind für die Erfassung der Magersucht von Bedeutung. Pubertierende Mädchen erkranken am häufigsten an der Magersucht.

Komplikationen

Magersucht ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Oft gelingt es nicht, den Betroffenen von einer langfristigen Therapie zu überzeugen. Die Magersucht betrifft so gut wie jeden innerkörperlichen Prozess. Daher können auf verschiedenen Ebenen medizinische Komplikationen als Erkrankungsfolge eintreten.

Die Liste der Komplikationen bei einer Anorexie ist lang. Dauerhafte Gesundheitsschäden sind zu erwarten, wenn der Patient bei seiner Strategie der Nahrungsverweigerung bleibt. Die Anorexie sorgt für einen gravierenden Mangelzustand im Körper. Dieser hat auf der organischen Ebene drastische Folgen. Die Betroffenen hungern sich oft buchstäblich zu Tode. Sie sterben an Herzversagen, Lungen- oder Nierenversagen durch jahrelange Mangelernährung.

Zu den milderen Komplikationen der Magersucht zählen Hormon- und Zyklusstörungen, Blutarmut, Osteoporose und zunehmende Muskelschwäche. Es kann zu Schlafstörungen, Haarverlust oder Krämpfen kommen. Bei Anorexie mit bulimischem Erbrechen können Zahnschädigungen und chronische Gastritis für Komplikationen sorgen. Kaliummangel führt im Zusammenwirken mit dem veränderten Säurespiegel oft zu Herzrhythmusstörungen.

Nierenschäden bzw. eine chronischen Niereninsuffizienz sind meist eine Folge des Missbrauchs von Abführmitteln und Entwässerungstabletten. Als Komplikation des Missbrauchs kann ein Kreislaufzusammenbruch durch starke Elektroylt-Verluste die Folge sein. Durch chronische Entzündungsreaktionen kann der Darm erkranken. Selbst wenn die Anorexie bei einer Frau nach langer Behandlung als bewältigt gilt, kann als langfristige Folge die Unfähigkeit, Kinder zu gebären, bestehen bleiben.

Behandlung und Therapie

Da Magersucht eine psychosomatische Krankheit ist, deren Ursachen vor allem im Persönlichkeitsbild des Erkrankten und in psychischen Bestimmungen zu suchen ist, muss auch hier die Therapie ansetzen. Eine erzwungene Gewichtszunahme, beispielsweise durch Zwangsernährung, ist dringend zu vermeiden, da dadurch temporär die Gewichtsreduktion gestoppt wird, es jedoch zu tiefen seelischen Verletzungen, Depressionen oder schlimmstenfalls zu Suizid kommen kann. Zu empfehlen sind dagegen Therapien, welche die Magersucht mittels der Behandlung der erkrankten Psyche zu heilen versuchen. Diesbezüglich gibt es verschiedene Modelle, wie Magersucht behandelt werden kann.

So gibt es die ambulante Psychotherapie mit wöchentlichen Sitzungen, die es sich zum Ziel genommen hat, die Probleme und Hintergründe der Magersucht zu besprechen und Lösungswege aufzuzeigen. Dieses Therapiemodell wird entweder in Einzelgesprächen oder aber durch Gruppensitzungen, die den Austausch mit ebenfalls unter Magersucht Leidenden ermöglichen, angewendet.

Eine andere Möglichkeit, die bei akuten Fällen von Magersucht und extremer Gesundheitsgefährdung besteht, ist der stationäre Klinikaufenthalt, der eine ständige Beaufsichtigung des an Magersucht erkrankten Patienten gewährleisten und organischen Schädigungen vorbeugen kann. Diesbezüglich gibt es ein reichhaltiges Angebot an spezialisierten Kliniken, die sich gezielt psychosomatischen Suchtkrankheiten wie der Magersucht widmen.

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Aussicht und Prognose

Bei der Magersucht handelt es sich um eine Erkrankung, die psychisch tief verwurzelt ist. Der Weg bis zu einer vollständigen Heilung ist lang und beinhaltet zahlreiche Einheiten wie Therapie, Körperarbeit und das Finden neuer Aufgaben für die Betroffenen. Bei einer guten ärztlichen und sozialen Betreuung ist die Prognose jedoch gut. Voraussetzung ist, dass die von Magersucht Betroffenen wirklich bereit sind, gesund zu werden. Sie müssen psychisch an den Punkt gelangen, dass sie von sich aus bereit sind, sich mit ihrem Innenleben auseinanderzusetzen und tiefe innere Prozesse zu verstehen, um die Ursachen der Magersucht zu ergründen.

Eine Therapie beinhaltet vor allem den Aufbau des Selbstwertes der Erkrankten. Sie müssen lernen, sich unabhängig von ihrem Körperbild als Mensch zu betrachten. Außerdem müssen sie Wege finden, ihr Leben mit für sie sinnvollen Tätigkeiten zu füllen. Dabei ist eine intensive Betreuung äußerst wichtig. Zu den behandelnden Ärzten und Therapeuten sollte ein großes Vertrauen aufgebaut werden. Schaffen die Betroffenen es, ein stabiles soziales Umfeld zu schaffen und sich selbst zu akzeptieren, ist die Aussicht auf einen Rückfall eher gering. Dennoch wird das Thema Ernährung und Körper für die ehemals Magersüchtigen bis ans Ende ihres Lebens eine große Rolle spielen. Wenn es jedoch in einem gesunden Rahmen geschieht, stellt dies keine Gefahr dar.

Vorbeugung

Maßnahmen zur Vorbeugung der Erkrankung an Magersucht bestehen vor allem darin, das Selbstbewusstsein und das Körpergefühl und -bild vor allem junger Menschen zu stärken und diese frühzeitig an ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper und zur Nahrungsaufnahme zu gewöhnen.

Dabei soll vor allem die Vermittlung von Werten im Vordergrund stehen und das im Zeitgeist liegende Schönheitsideal kritisch reflektiert werden, was eine wichtige Präventionsmaßnahme der Magersucht darstellt.

Vorbeugende Interventionen gegen Magersucht stellen auch Sportarten da, die das Selbstwertgefühl steigern und gezielt das Körpergefühl schulen, wodurch das Selbstbild und die Beziehung zum eigenen Körper gestärkt werden, um das Risiko einer aufkommenden Magersucht zu verringern.

Quellen

  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014


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