Krankhaftes Schwitzen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 25. November 2016
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Schwitzen ist eigentlich ein normaler Körpervorgang. Es dient dazu, den Organismus vor Überwärmung zu schützen. Hinter übermäßigen Schweißausbrüchen können sich jedoch ernste Erkrankungen verbergen. Mediziner sprechen bei krankhaftem Schwitzen von einer Hyperhidrosis. Die Lebensqualität der betroffenen Personen leidet oft erheblich darunter.

Inhaltsverzeichnis

Was ist krankhaftes Schwitzen?

Als Schwitzen wird ein natürlicher Regulationsvorgang innerhalb des menschlichen Körpers verstanden. Auf diese Weise erfolgt die Abgabe von übermäßiger Körperwärme. Manchmal wird das Schwitzen aber auch durch psychische Faktoren wie Aufregung, Angst oder Lampenfieber ausgelöst. In anderen Fällen ist der Verzehr von scharf gewürzten Speisen oder Alkoholkonsum für starkes Schwitzen verantwortlich. Abgesehen vom physiologischen Schwitzen gibt es aber auch krankhaftes Schwitzen, wobei der Übergang zwischen pathologischem und physiologischem Schwitzen fließend verlaufen kann.

Krankhaftes Schwitzen wird in der Medizin als Hyperhidrosis oder Hyperhidrose bezeichnet. Nach Angaben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft ist von einer Hyperhidrose die Rede, wenn sich binnen fünf Minuten mehr als 100 Milligramm Schweiß in der Achselhöhle bilden. Allerdings wird zwischen verschiedenen Schweregraden differenziert. An welchen Körperstellen die erhöhte Schweißproduktion stattfindet, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Während einige Menschen am gesamten Körper schwitzen, ist dies bei anderen Betroffenen nur an bestimmten Körperregionen wie den Achselhöhlen, den Füßen und den Händen der Fall. Zahlreiche betroffene Personen schämen sich zudem dafür, dass ihnen ihr krankhaftes Schwitzen anzumerken ist, wie zum Beispiel durch Fleckenbildung auf der Kleidung. Nach Angaben der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) kommt es in den westlichen Industrieländern bei ca. 13 Millionen Menschen zu krankhaftem Schwitzen. In den meisten Fällen setzt es bereits während der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter ein und kann unbehandelt das ganze Leben lang andauern.

Ursachen

Mediziner unterscheiden bei einer Hyperhidrosis zwischen einer primären sowie einer sekundären Form. Für die primäre Hyperhidrose ließ sich bislang keine konkrete Ursache finden. Allerdings sind unterschiedliche Auslöser bekannt, die das pathologische Schwitzen auslösen. Dabei handelt es sich um körperliche Anstrengung, Aufregung, Nervosität oder hohe Temperaturen, also die gleichen Auslöser wie beim physiologischen Schwitzen. Allerdings liegt der Schwellenreiz bei der primären Hyperhidrosis niedriger.

Als Ursachen für eine sekundäre Hyperhidrosis kommen mehrere Auslöser infrage. Dazu gehören in erster Linie Fieber und Infektionskrankheiten wie grippale Infekte, Grippe (Influenza), Malaria oder eine Blutvergiftung, die mit Schweißausbrüchen einhergehen. Gleiches gilt für Krankheiten wie Tuberkulose und AIDS, bei denen das krankhafte Schwitzen vor allem in den Nachtstunden auftritt.

Aber auch in der Schwangerschaft sowie im Wochenbett ist übermäßiges Schwitzen keine Seltenheit. Ebenso leiden Frauen häufig in den Wechseljahren aufgrund von Veränderungen des Hormonhaushalts unter Schweißausbrüchen. Bei rund 5 Prozent der Bevölkerung ist die Hyperhidrose auch erblich bedingt. Zu den weiteren Ursachen für krankhaftes Schwitzen gehören eine Unterzuckerung bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose), die Parkinson-Krankheit, starkes Übergewicht, eine orthostatische Dysregulation, eine Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder rheumatische Erkrankungen wie Lupus erythematodes und rheumatoide Arthritis.

Andere mögliche Auslöser sind Anämie (Blutarmut), Angsterkrankungen wie Panikattacken, eine Mangelernährung, Krebskrankheiten wie Lymphdrüsenkrebs und Leukämie sowie der Entzug nach einer Alkohol- oder Drogensucht. Des Weiteren kommt die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln als Ursache für das übermäßige Schwitzen in Betracht, da einige Wirkstoffe wie zum Beispiel Kortison, Betablocker, Schilddrüsenhormone oder Antidepressiva als Nebenwirkungen Schweißausbrüche hervorrufen können.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Leidet die betroffene Person unter abrupt auftretenden Schweißausbrüchen, die keine erkennbare Ursache haben oder unter wiederholtem Nachtschweiß, der sich nicht durch eine hohe Zimmertemperatur erklären lässt, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Gleiches gilt bei Schwitzen durch hohes Fieber, das länger als drei Tage anhält und über 40 Grad Celsius liegt. Der behandelnde Arzt befasst sich zunächst mit der Krankengeschichte des Patienten. So erkundigt er sich bei diesem danach, in welchen Situationen es zu den Schweißausbrüchen kommt.

Schweißausbrüche, die vorwiegend in der Nacht auftreten, sind ein Hinweis auf bestimmte Erkrankungen wie AIDS, Herzschwäche, Autoimmunerkrankungen, Bronchitis oder Tumore. Von Bedeutung für die Diagnose können außerdem zusätzliche Beschwerden wie Leistungsschwäche, Atemprobleme oder Fieber sein. Zu den Routineuntersuchungen gehört die körperliche Untersuchung.

Außerdem misst der Arzt die Körpertemperatur des Patienten sowie dessen Blutdruck. Darüber hinaus können eine Blutuntersuchung sowie bildgebende Verfahren durchgeführt werden. So erfolgt im Falle eines konkreten Verdachts entweder eine Röntgenuntersuchung, eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung), Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Die Behandlung der Hyperhidrose hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, sodass das krankhafte Schwitzen häufig einen positiven Verlauf nimmt. Häufig tragen auch operative Verfahren zur Besserung des Leidens bei.

Behandlung und Therapie

Liegt eine sekundäre Hyperhidrose vor, gilt es, die auslösende Grunderkrankung zu bekämpfen. Führt die ursächliche Behandlung nicht zu einer nachhaltigen Besserung, stehen weitere Therapieoptionen zur Verfügung. Dazu zählt die Anwendung von Antitranspirantien, durch die die Abgabe des Schweißes durch die Schweißdrüsen gehemmt wird. Zum Einsatz gelangen die Schweißhemmer in Form von Pulvern, Cremes oder Deorollern. Leidet der Patient unter Schweißfüßen oder Schweißhänden, kann eine Leitungswasser-Iontophorese erfolgen. Bei diesem Verfahren wird schwacher Strom bei Wasserbädern oder durch den Einsatz von feuchten Elektroden an die betroffenen Hautregionen abgegeben.

In manchen Fällen kommen auch Medikamente zur Anwendung, die Antihidrotika genannt werden. Allerdings weisen sie nur eine mäßige Wirkung auf und rufen oft unerwünschte Nebeneffekte hervor. Ein weiteres konservatives Verfahren stellt die Gabe des Bakteriengifts Botulinumtoxin dar. Es wird in die Achselhöhlen oder die Flächen der Hände gespritzt, wo es das Absondern des Schweißes blockiert. Führt die konservative Behandlung nicht zur Besserung des krankhaften Schwitzens, ist eine Operation möglich. Dabei lassen sich die Schweißausbrüche durch eine Entfernung der Schweißdrüsen stoppen.



Vorbeugung

Schwitzen vorzubeugen ist kaum möglich, da es sich um einen natürlichen Körpervorgang handelt. Es besteht jedoch die Option, starken Schweißausbrüchen durch eine veränderte Ernährungsweise entgegenzuwirken.

So wird empfohlen, auf scharf gewürzte Speisen und viel Salz zu verzichten. Stattdessen sollten lieber auf Milchprodukte, Obst und Gemüse zurückgegriffen werden. Als sinnvoll gilt in diesem Zusammenhang zudem der Verzicht auf Tabak, Alkohol und Kaffee.

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