Krankhaftes Schwitzen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 25. Juli 2017
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Schwitzen ist eigentlich ein normaler Körpervorgang. Es dient dazu, den Organismus vor Überwärmung zu schützen. Hinter übermäßigen Schweißausbrüchen können sich jedoch ernste Erkrankungen verbergen. Mediziner sprechen bei krankhaftem Schwitzen von einer Hyperhidrosis. Die Lebensqualität der betroffenen Personen leidet oft erheblich darunter.

Inhaltsverzeichnis

Was ist krankhaftes Schwitzen?

Als Schwitzen wird ein natürlicher Regulationsvorgang innerhalb des menschlichen Körpers verstanden. Auf diese Weise erfolgt die Abgabe von übermäßiger Körperwärme. Manchmal wird das Schwitzen aber auch durch psychische Faktoren wie Aufregung, Angst oder Lampenfieber ausgelöst. In anderen Fällen ist der Verzehr von scharf gewürzten Speisen oder Alkoholkonsum für starkes Schwitzen verantwortlich. Abgesehen vom physiologischen Schwitzen gibt es aber auch krankhaftes Schwitzen, wobei der Übergang zwischen pathologischem und physiologischem Schwitzen fließend verlaufen kann.

Krankhaftes Schwitzen wird in der Medizin als Hyperhidrosis oder Hyperhidrose bezeichnet. Nach Angaben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft ist von einer Hyperhidrose die Rede, wenn sich binnen fünf Minuten mehr als 100 Milligramm Schweiß in der Achselhöhle bilden. Allerdings wird zwischen verschiedenen Schweregraden differenziert. An welchen Körperstellen die erhöhte Schweißproduktion stattfindet, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Während einige Menschen am gesamten Körper schwitzen, ist dies bei anderen Betroffenen nur an bestimmten Körperregionen wie den Achselhöhlen, den Füßen und den Händen der Fall. Zahlreiche betroffene Personen schämen sich zudem dafür, dass ihnen ihr krankhaftes Schwitzen anzumerken ist, wie zum Beispiel durch Fleckenbildung auf der Kleidung. Nach Angaben der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) kommt es in den westlichen Industrieländern bei ca. 13 Millionen Menschen zu krankhaftem Schwitzen. In den meisten Fällen setzt es bereits während der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter ein und kann unbehandelt das ganze Leben lang andauern.

Ursachen

Mediziner unterscheiden bei einer Hyperhidrosis zwischen einer primären sowie einer sekundären Form. Für die primäre Hyperhidrose ließ sich bislang keine konkrete Ursache finden. Allerdings sind unterschiedliche Auslöser bekannt, die das pathologische Schwitzen auslösen. Dabei handelt es sich um körperliche Anstrengung, Aufregung, Nervosität oder hohe Temperaturen, also die gleichen Auslöser wie beim physiologischen Schwitzen. Allerdings liegt der Schwellenreiz bei der primären Hyperhidrosis niedriger.

Als Ursachen für eine sekundäre Hyperhidrosis kommen mehrere Auslöser infrage. Dazu gehören in erster Linie Fieber und Infektionskrankheiten wie grippale Infekte, Grippe (Influenza), Malaria oder eine Blutvergiftung, die mit Schweißausbrüchen einhergehen. Gleiches gilt für Krankheiten wie Tuberkulose und AIDS, bei denen das krankhafte Schwitzen vor allem in den Nachtstunden auftritt.

Aber auch in der Schwangerschaft sowie im Wochenbett ist übermäßiges Schwitzen keine Seltenheit. Ebenso leiden Frauen häufig in den Wechseljahren aufgrund von Veränderungen des Hormonhaushalts unter Schweißausbrüchen. Bei rund 5 Prozent der Bevölkerung ist die Hyperhidrose auch erblich bedingt. Zu den weiteren Ursachen für krankhaftes Schwitzen gehören eine Unterzuckerung bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose), die Parkinson-Krankheit, starkes Übergewicht, eine orthostatische Dysregulation, eine Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder rheumatische Erkrankungen wie Lupus erythematodes und rheumatoide Arthritis.

Andere mögliche Auslöser sind Anämie (Blutarmut), Angsterkrankungen wie Panikattacken, eine Mangelernährung, Krebskrankheiten wie Lymphdrüsenkrebs und Leukämie sowie der Entzug nach einer Alkohol- oder Drogensucht. Des Weiteren kommt die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln als Ursache für das übermäßige Schwitzen in Betracht, da einige Wirkstoffe wie zum Beispiel Kortison, Betablocker, Schilddrüsenhormone oder Antidepressiva als Nebenwirkungen Schweißausbrüche hervorrufen können.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Bei krankhaftem Schwitzen empfiehlt sich grundsätzlich ein Arztbesuch. Vor allem dann, wenn übliche Hygienemaßnahmen keine Wirkung zeigen und die übermäßige Schweißbildung das Privat- und Berufsleben beeinflusst. Ebenso sollte ein Arzt hinzugezogen werden, wenn die Beschwerden ohne nennenswerte körperliche Belastung auftreten oder es bei der geringsten Aufregung zu nassen Handflächen oder Fußsohlen kommt.

Bleiben die Symptome über mehrere Wochen bestehen, bedarf dies ebenfalls einer ärztlichen Abklärung. Krankhaftes Schwitzen nach einem Infekt mit Fieber deutet auf eine verschleppte Grippe hin und muss rasch behandelt werden. Kommen weitere Beschwerden wie Glieder-, Muskel-, oder Rückenschmerzen sowie starker Durst, Blässe oder Magen-Darm-Probleme hinzu, empfiehlt sich ebenfalls der Gang zum Arzt.

Der Rettungsdienst muss alarmiert werden, wenn zu der Schweißbildung Schmerzen im Brustraum hinzukommen, die in Hals und Arme ausstrahlen und oft mit einem Schwächegefühl, Übelkeit und Atemnot einhergehen. Das krankhafte, oft plötzlich auftretende Schwitzen weist dann auf einen Herzinfarkt oder eine Verletzung der Hauptschlagader hin und bedarf einer raschen Behandlung durch den Notarzt. Generell sollte starkes Schwitzen ohne bekannte Ursachen von einem Arzt abgeklärt werden.

Diagnose und Verlauf

Leidet die betroffene Person unter abrupt auftretenden Schweißausbrüchen, die keine erkennbare Ursache haben oder unter wiederholtem Nachtschweiß, der sich nicht durch eine hohe Zimmertemperatur erklären lässt, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Gleiches gilt bei Schwitzen durch hohes Fieber, das länger als drei Tage anhält und über 40 Grad Celsius liegt. Der behandelnde Arzt befasst sich zunächst mit der Krankengeschichte des Patienten. So erkundigt er sich bei diesem danach, in welchen Situationen es zu den Schweißausbrüchen kommt.

Schweißausbrüche, die vorwiegend in der Nacht auftreten, sind ein Hinweis auf bestimmte Erkrankungen wie AIDS, Herzschwäche, Autoimmunerkrankungen, Bronchitis oder Tumore. Von Bedeutung für die Diagnose können außerdem zusätzliche Beschwerden wie Leistungsschwäche, Atemprobleme oder Fieber sein. Zu den Routineuntersuchungen gehört die körperliche Untersuchung.

Außerdem misst der Arzt die Körpertemperatur des Patienten sowie dessen Blutdruck. Darüber hinaus können eine Blutuntersuchung sowie bildgebende Verfahren durchgeführt werden. So erfolgt im Falle eines konkreten Verdachts entweder eine Röntgenuntersuchung, eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung), Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Die Behandlung der Hyperhidrose hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, sodass das krankhafte Schwitzen häufig einen positiven Verlauf nimmt. Häufig tragen auch operative Verfahren zur Besserung des Leidens bei.

Komplikationen

Ein krankhaftes Schwitzen kann den Alltag einer Person sehr stark belasten und damit die Lebensqualität relativ stark verringern. Oft kommt es durch das extrem starke Schwitzen zu sozialen Problemen und Ausgrenzung. Es ist für den Patienten kaum mehr möglich, eine Arbeitsstelle geregelt aufzusuchen, sodass es oft zum Verlust der Arbeit kommt. Hierzu kommen psychische Störungen und Depressionen, die aufgrund dieser sozialen Probleme entstehen. Das krankhafte Schwitzen ist in den meisten Fällen mit einem psychischen Problem verbunden und wird daher auch durch einen Psychologen behandelt.

Es kann auch die Absaugung der Schweißdrüsen am Körper durchgeführt werden, falls das starke Schwitzen durch eine chronische Krankheit ausgelöst wird. Auf jeden Fall sollte bei diesem Symptom ein Arzt aufgesucht werden. Es kommt in den meisten Fällen nicht zu weiteren medizinischen Komplikationen, da das starke Schwitzen keinen negativen Einfluss auf den Körper hat. Der Betroffene muss allerdings viel mehr Flüssigkeit zu sich nehmen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Wird dem nicht nachgekommen, führt dies zu einer trockenen Haut und zu Kopfschmerzen. Da das krankhafte Schwitzen meist durch Stress oder unangenehme Situationen ausgelöst wird, kann es relativ gut behandelt werden und führt in den meisten Fällen zu einem positiven Krankheitsverlauf.

Behandlung und Therapie

Liegt eine sekundäre Hyperhidrose vor, gilt es, die auslösende Grunderkrankung zu bekämpfen. Führt die ursächliche Behandlung nicht zu einer nachhaltigen Besserung, stehen weitere Therapieoptionen zur Verfügung. Dazu zählt die Anwendung von Antitranspirantien, durch die die Abgabe des Schweißes durch die Schweißdrüsen gehemmt wird. Zum Einsatz gelangen die Schweißhemmer in Form von Pulvern, Cremes oder Deorollern. Leidet der Patient unter Schweißfüßen oder Schweißhänden, kann eine Leitungswasser-Iontophorese erfolgen. Bei diesem Verfahren wird schwacher Strom bei Wasserbädern oder durch den Einsatz von feuchten Elektroden an die betroffenen Hautregionen abgegeben.

In manchen Fällen kommen auch Medikamente zur Anwendung, die Antihidrotika genannt werden. Allerdings weisen sie nur eine mäßige Wirkung auf und rufen oft unerwünschte Nebeneffekte hervor. Ein weiteres konservatives Verfahren stellt die Gabe des Bakteriengifts Botulinumtoxin dar. Es wird in die Achselhöhlen oder die Flächen der Hände gespritzt, wo es das Absondern des Schweißes blockiert. Führt die konservative Behandlung nicht zur Besserung des krankhaften Schwitzens, ist eine Operation möglich. Dabei lassen sich die Schweißausbrüche durch eine Entfernung der Schweißdrüsen stoppen.



Aussicht und Prognose

Ein krankhaftes Schwitzen kann durch verschiedene Umstände oder Krankheiten ausgelöst werden. In den meisten Fällen tritt diese Beschwerde allerdings nur sehr kurzzeitig und temporär auf und führt dabei zu keinen weiteren Beschwerden. Vor allem in stressigen oder hektischen Situationen kann es zu einem erhöhten Schwitzen kommen. Auch in Gefahrensituationen kann ein krankhaftes Schwitzen auftreten und damit möglicherweise die Lebensqualität des Betroffenen einschränken. Sollte es allerdings auch in gewöhnlichen Situationen des Alltages zu Schweißausbrüchen kommen, so muss ein Arzt aufgesucht werden.

Nicht selten leiden die Betroffenen auch an psychischen Beschwerden, sodass eine psychologische Behandlung notwendig ist, um das krankhafte Schwitzen einzuschränken und eine positive Aussicht zu erreichen. In vielen Fällen können auch die Schweißdrüsen aus den betroffenen Regionen entfernt werden, um das Schwitzen einzuschränken. Damit können die Beschwerden dauerhaft gelindert werden. In der Regel tritt keine Selbstheilung ein, wenn es eine andere Grunderkrankung gibt, die zu dieser Beschwerde führt. Falls das Schwitzen durch Allergien oder Unverträglichkeiten ausgelöst wird, so kann der Betroffene durch eine Diät dieser Beschwerde entgegenwirken und sie lindern.

Vorbeugung

Schwitzen vorzubeugen ist kaum möglich, da es sich um einen natürlichen Körpervorgang handelt. Es besteht jedoch die Option, starken Schweißausbrüchen durch eine veränderte Ernährungsweise entgegenzuwirken.

So wird empfohlen, auf scharf gewürzte Speisen und viel Salz zu verzichten. Stattdessen sollten lieber auf Milchprodukte, Obst und Gemüse zurückgegriffen werden. Als sinnvoll gilt in diesem Zusammenhang zudem der Verzicht auf Tabak, Alkohol und Kaffee.

Bücher über Schwitzen

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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