Hyperlipoproteinämie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. Oktober 2016
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Mit dem Begriff Hyperlipoproteinämie wird die Erhöhung der Lipoprotein-Konzentration im Blut bezeichnet. In der Medizin handelt es sich dabei um VLDL (very low density lipoproteins), HDL (high density lipoproteins), LDL (low density lipoproteins) sowie Chylomikronen. Zu beachten ist, dass HDL dabei nicht zur Erhöhung der Gesamtlipide (Fette) im Blut führt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hyperlipoproteinämie?

Eine Hyperlipoproteinämie (kurz: Hyperlipidämie) bezeichnet in der Medizin einen vermehrten Gehalt an Fetten (so genannte Lipide) im Blut. Hyperlipoproteinämie ist dabei ein Überbegriff für die medizinischen Begriffe Hypercholesterinämie (Erhöhung des Cholesterins) und Hypertriglyceridämie (Erhöhung der Neutralfette).

Generell kann gesagt werden, dass über die Hälfte aller Menschen in westlichen Industrieländern, die das 40. Lebensjahr bereits überschritten haben, einen erhöhten Cholesterinwert von mehr als 200 mg/ dl Blut aufweisen. Die meisten Hyperlipoproteinämien sind dabei abhängig von der Ernähung und vom Lebensstil.

Ursachen

In der Medizin wird zwischen einer primären Hyperlipoproteinämie und einer sekundären Hyperlipoptroteinämie unterschieden. Die primäre Hyperlipoproteinämie hat ihre Ursache vor allem in einem genetischen Defekt.

Die sekundäre Hyperlipoproteinämie beruht vor allem auf einer übermäßigen Zufuhr von Fett oder einer Erkrankung und tritt wesentlich häufiger auf, als die primäre Form.

Zu den möglichen Krankheiten für eine sekundäre Hyperlipoproteinämie gehören zum Beispiel Diabetes mellitus, Nierenkrankheiten, Erkrankungen an den Gallenwegen oder der Leber, eine Unterfunktion der Schilddrüse, Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) sowie seltene Stoffwechselkrankheiten.

Weiterhin können auch Medikamenteneinnahme (z. B. Kortison, Betablocker, Antibabypille) oder auch ein hoher Konsum von Alkohol zu einem erhöhten Fettwert im Blut führen.

Hyperlipoproteinämie: Grad der Ablagerung von Blutfetten in den Gefäßwänden (Arteriosklerose).

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Hyperlipoproteinämie:

Die Symptome einer Hyperlipoproteinämie können sich entsprechend dem Anteil der jeweiligen Fette (Cholesterin oder Triglyceride) im Blut und deren Höhe unterschiedlich äußern. Bei einem Überangebot an Cholesterin im Blut (so genannte Hypercholesterinämie) kommt es zu einer Ausbildung von Xanthelasmen bzw. Xanthomen. Dies sind Ablagerungen von Cholesterin in bestimmten Zellen der Haut.

Xanthome sind dabei entweder erbsenförmig oder auch flächig und können unter Umständen auch aus dem Hautniveau herausragen. Vorrangig treten Xanthome an den Streckseiten von Ellenbogen und Fingern sowie an Sprung- und Kniegelenken, selten auch am Gesäß, auf. Xanthome sind vor allem dann sehr auffällig, wenn sie an Augenlidern vorkommen.

In einigen Fällen können sie sich auch in den Zellen der Blutgefäßwände oder an den Herzklappen anlagern. Außerdem kann es bei der Hyperlipoproteinämie zu ringförmigen Fettablagerungen an der Hornhaut des Auges kommen. Auch Übergewicht, Arteriosklerose sowie deren Folgen sind meist Symptome der Hyperlipoproteinämie. Liegt beim Betroffenen eine so genannte Hypertriglyceridämie (Erhöhung der Triglyceride) vor, dann kann der Patient an einer so genannten Fettleber leiden, welche die Gefahr einer Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöht.

Diagnose

Um den Gesamtcholesterin-Wert bestimmen zu können, wird ein so genannter Screeningtest durchgeführt. Generell hängen die Werte des Blutfetts von der Nahrung ab, so dass die Entnahme von Blut bei diesem Test nur in nüchternem Zustand erfolgen sollte, um verfälschte Ergebnisse zu vermeiden. Ist der Blutfettwert erhöht, so werden in der Regel weitere Untersuchungen vorgenommen. Generell sollte dabei auch eine Abschätzung des kardiovaskulären Risikos (Herz-Kreislauf) erfolgen.

Weiterhin ist eine Abklärung zu einer bestehenden koronaren Herzkrankheit oder anderen begünstigenden Krankheiten (z. B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus) sinnvoll. Auch eine familiäre Hyperlipoproteinämie kann Aufschluss bei der Diagnose geben. Bei der Diagnose ist es unbedingt notwendig, festzustellen wodurch die Blutfetterhöhung entsteht. Auch erhöhter Nikotin- und Alkoholgenuss, Schilddrüsen- sowie Nierenerkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente können dafür verantwortlich sein. Eine ausführliche Anamnese ist deshalb unerlässlich. Liegt eine Hyperlipoproteinämie vor, dann sollte auf jeden Fall auch das Herz-Kreislauf-System untersucht werden, um Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen bzw. ausschließen zu können.

Behandlung

Erhöhte Blutfettwerte sollten unbedingt normalisiert werden, da durch einen erhöhten Cholesterinspiegel eine Arteriosklerose entstehen kann. Auch Risiken wie Herzinfarkt, Schlaganfall, koronare Herzkrankheit oder arterielle Verschlusskrankheit gehen mit einem erhöhten Cholesterinspiegel einher.

Arbeitet der Patient gut mit, so ist die Hyperlipoproteinämie durch aus gut behandelbar. Die Therapie kann mit verschiedenen Methoden durchgeführt werden. Kann die Erkrankung weder durch eine Diät noch durch das Ausschalten vorhandener Risikofaktoren behandelt werden, dann muss in der Regel auf Medikamente zurückgegriffen werden.

Generell sind die Ziele der Behandlung auf den Patienten angepasst und richten sich in der Regel danach, welches Risiko für eine Gefäßerkrankung besteht. Betroffene mit einem gesunden Herz-Kreislauf-System und einem normalen HDL-Wert (über 40 mg/ dl) sollten also bei der Behandlung eine Senkung des Gesamtcholesterins bis unter 200 mg/ dl anstreben.

Bei einer Therapie der Hyperlipoproteinämie gilt: Je mehr Risikofaktoren vorhanden sind, desto besser müssen Blutdruck, Blutzucker und Fettwerte eingestellt werden. So kann bereits eine Senkung des LDL-Werts dazu führen, dass das Risiko für einen Herzinfarkt sinkt.

Die Behandlung sollte deshalb auch möglichst konsequent und immer in Zusammenarbeit mit einem Arzt erfolgen. Unabhängig von den möglichen Risiken an Folgeerkrankungen wird in jeder Behandlung ein niedriger LDL-Wert und gleichzeitig ein „guter“ HDL-Wert angestrebt.

Generell sollten deshalb alle möglichen Risikofaktoren ausgeschaltet werden (z. B. Übergewicht reduzieren, Diabetes mellitus einstellen). Weiterhin ist eine entsprechende Diät sinnvoll, bei der auf cholesterin- und fettreiche Nahrung verzichtet wird, tierische Fette sollten möglichst durch pflanzliche Fette ersetzt werden. Sinnvoll ist eine ausgewogene Ernährung, möglichst ohne Eier, Milchprodukte und Wurst, dafür aber mit Vollkornkost und Fisch. Zudem sollten sich Betroffene täglich körperlich betätigen. Auf Medikamente sollte – wenn notwendig – nur zurückgegriffen werden, wenn alle konservativen Maßnahmen keine ausreichende Verbesserung der Blutwerte bewirken.



Vorbeugung

Erblich bedingten Störungen des Fettstoffwechsels kann man leider nicht vorbeugen. Lediglich durch eine ausgewogene, gesunde Ernährung können die Störungen behoben oder zumindest verbessert werden. Die Ernährung sollte deshalb möglichst nicht nur fett- sondern auch cholesterinarm sein, damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gemindert wird. Sämtliche Risikofaktoren (z. B. Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen) sollten möglichst verringert bzw. gut eingestellt werden.

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