Entzündete Wunde

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. April 2017
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Eine entzündete Wunde ist eine mit Bakterien, Viren oder Pilzsporen infizierte Wunde. Äußere und innere Wunden können sich entzünden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine entzündete Wunde?

Wunden haben unterschiedlichste Entstehungsgeschichten und können äußerlich und innerlich auftreten. Eine äußere Wunde etwa an der Haut ist schnell passiert: Knie werden aufgeschürft, ein Schnitt mit dem Messer hinterlässt einen Schnitt oder man schneidet sich am Papier. Innere Wunden entstehen heutzutage hauptsächlich bei Operationen und sind meist schwerwiegender als die äußere Wunde.

Die Gemeinsamkeit beider Formen besteht darin, dass der Organismus an dieser Stelle angreifbar ist für Krankheitserreger aller Art. Die üblichen Schutzmechanismen von Haut und Organen greifen nicht mehr, außerdem gibt es einen direkten Zugang zum Blutkreislauf und eine meist warme und feuchte Umgebung, in der nahezu jeder Krankheitserreger gut gedeiht. Gelangt er dort durch mangelnde Hygiene oder unzureichende Wundversorgung hinein, kann er sich ungehemmt vermehren und zu einer entzündeten Wunde führen.

Viele kleine äußere Wunden entzünden sich unbemerkt, genauso schnell heilen sie wieder ab. Schwieriger sind größere äußere oder grundsätzlich jede innere entzündete Wunde, denn das erschwert die Behandlung und jede Entzündung beeinflusst den Heilungsverlauf einer Wunde negativ.

Ursachen

Die Ursachen entzündeter Wunden sind eingedrungene Bakterien, Viren oder seltener auch Pilzsporen. Besonders häufig sind Wundinfektionen mit Bakterien, die der Mensch im Körper oder auf der Hautoberfläche trägt, denn sie können besonders schnell in eine Wunde eindringen.

Damit es jedoch überhaupt zu einer entzündeten Wunde kommt, müssen weitere Voraussetzungen erfüllt sein, denn richtig behandelte Wunden entzünden sich nur in Ausnahmefällen. Unhygienische Operationsbedingungen, Verletzungen mit verkeimten Gegenständen oder auch unzureichende Wundbehandlung und -reinigung sind Türöffner für Krankheitserreger. Bei einer bestehenden Wunde muss sich der betroffene Patient den Keimen gar nicht großartig exponieren - es reicht für eine Infektion der Wunde, dass er diese nicht ausreichend versorgt.

Das Risiko gefährlicher entzündeter Wunden steigt dabei, je größer die Wunde ist und je schwieriger ihr Heilungsverlauf sich gestaltet. Denn je eher eine Wunde problemlos wieder abheilt, desto eher ist der natürliche Schutz des Körpers vor Krankheitserregern wieder hergestellt. Daher passieren die meisten Wundinfektionen auch in den frischen Phasen der Wunde.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Entzündete Wunden sind eine Komplikation während der Wundheilung, die schnell ernst werden kann. Gelangen Krankheitserreger während der Heilungsphase unter die Haut, können sie dort unter ungünstigen Umständen zu einer Entzündung führen. Treten die bekannten Symptome auf, ist ein Arztbesuch bereits anzuraten.

So manche entzündete Wunde verheilt zwar wieder von selbst und die Infektion hält sich nur wenige Tage. Ein ansonsten gesundes Immunsystem kann durchaus dazu in der Lage sein, die Wundinfektion selbst zu bekämpfen. Gerade bei kleineren Wunden ist das der Fall. Betroffene, die trotz entzündeter Wunde nicht sofort zum Arzt gegangen sind und deren Symptome sich über mehrere Tage halten, sollten spätestens jetzt eine Diagnose einholen.

Andernfalls besteht nicht nur die Gefahr, dass die Wunde unschön abheilt - die Entzündung kann sich auch verschleppen und im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen. Bei größeren Wunden, etwa nach einer OP oder bei erheblicheren Verletzungen, darf bei entzündeten Wunden gar nicht erst so lange gewartet werden.

Größere oder tiefe Wunden heilen nicht mehr von alleine ab, wenn sie erst einmal entzündet sind. Sie brauchen sofort eine Behandlung mit Antibiotika, die je nach Schweregrad äußerlich, innerlich oder auf beiden Wegen erfolgt. Je früher eine entzündete Wunde behandelt wird, desto unkomplizierter heilt sie ab.

Diagnose und Verlauf

Bei Wundinfektion kommt zum normalen, gewohnten Wundschmerz der Infektionsschmerz hinzu. Der Patient bemerkt oft eine Verschlimmerung der Schmerzen an der Wunde, obwohl sie vielleicht schon durch den Heilungsverlauf wieder weniger geschmerzt hatte. Typisch sind auch (erneute) Schwellungen und Rötungen, große Berührungsempfindlichkeit, vermehrter Wundfluss mit Eiter oder Blut, ein unangenehmer Geruch der Wunde sowie allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber und in schweren Fällen Übelkeit und Erbrechen. Eine kleine entzündete Wunde kann sogar von allein wieder abheilen, auch wenn es nicht ratsam ist, sie nicht zu behandeln. Bei größeren und inneren entzündeten Wunden passiert die Heilung eher nicht von ganz allein, sondern der Zustand kann sich bis zur Sepsis und zum Tod des Patienten steigern. Zuvor kann es zur Nekrosenbildung an der infizierten Wunde kommen, bei der Gewebsteile absterben und durch die Ausschüttung von Toxinen ins Blut zum lebensbedrohlichen Problem werden. Umso wichtiger sind Prävention und sofortige Behandlung von entzündeten Wunden. Je schwerwiegender die Infektion, desto länger zieht sich die anschließende Heilung der Wunde hin - und erst, nachdem der Wundinfekt abgeklungen ist, setzt sich die tatsächliche Heilung der Wunde fort.

Komplikationen

Eine entzündete Wunde durch Bakterien oder andere Erreger kann viel mehr verursachen als Rötungen, Schwellungen und Schmerzen. Eine erste Komplikation stellt sich ein, wenn die Wunde anfängt zu eitern. Im Blutbild ist dann meistens ein Anstieg der Entzündungswerte festzustellen. Darüber hinaus kann sie in Abhängigkeit vom Erreger sowie den hygienischen Umständen unterschiedliche Formen annehmen.

Es kann sich beispielsweise eine Phlegmone bilden oder auch ein Erysipel. Bei Letzterem handelt es sich um ein rotes Entzündungsbild mit scharfer Wundbegrenzung, scharfen Rändern. Auch ein Abszess, also die Bildung einer Eiterkammer, ist ebenfalls möglich. Befindet sich die entzündete Wunde in einer Körperhöhle, zum Beispiel einem Gelenk, ist als schwerwiegende Komplikation die Bildung von einem Empyem (der Bereich füllt sich mit Eiter) unbedingt zu verhindern.

Entzündete Wunden können aber auch für andere spezifische Krankheiten der Türöffner sein. Die entzündete Fläche wird mit Leichtigkeit von Bakterien, Viren, Parasiten und Einzellern aber auch Pilzen passiert, die sich dann blitzschnell im Körper ausbreiten und vermehren können. Krankheiten wie Hepatitis, HIV und Tetanus sind zwar selten aber durchaus möglich. Die Versorgung von entzündeten Wunden im Krankenhaus muss äußerst steril erfolgen. Der Kampf mit dem multiresistentem Keim MRSA (auch Krankenhauskeim genannt) könnte sonst sehr schnell verloren sein.

Eine Stoffwechselstörung hervorgerufen durch Diabetes aber auch bestimmte Medikamente, eine bestehende Durchblutungsstörung oder ein hohes Lebensalter können in Form einer Wundheilungsstörung zu Komplikationen beim Abheilen einer entzündeten Wunde führen. Heilen entzündete Wunden über einen längeren Zeitpunkt nicht ab, kann es im Endeffekt zu unschönen Narbenbildungen kommen. Von einem Keloid ist die Rede, wenn die Narben stark verdicken. Diese Komplikation kann zu einem Spannungsschmerz im Narbengewebe führen.

Behandlung und Therapie

Eine nur leicht entzündete Wunde, die gut erreichbar ist, kann in der Regel mit antibiotischen Cremes behandelt oder auch nur beobachtet und durch Verbände und Pflaster vor weiteren Schäden geschützt werden. Das gilt etwa für kleine Schnitte, Schürfwunden oder auch für den allseits bekannten Fall des ausgedrückten Pickels, der sich jetzt entzündet hat. Je nachdem, um welche Art von Wunde es sich handelt, ist die Behandlung unterschiedlich. Die Ausnahme hiervon stellen innere entzündete Wunden oder großflächige äußere Wundinfektionen dar.

Bei inneren Wundinfektionen besteht ein hohes Risiko der Verschleppung, sodass mit starken Antibiotika gegen sie vorgegangen werden muss. Diese Form der Behandlung erfolgt unter Beobachtung des Patienten im Krankenhaus, denn falls Komplikationen auftreten, wäre medizinisches Personal schnell zur Stelle. Heutzutage glücklicherweise selten, aber doch noch bekannt sind Wundinfektionen nach Operationen oder nach der Geburt. Aus ihnen entwickeln sich Krankheitsbilder wie das Wochenbettfieber, das in früheren Jahrhunderten eine der häufigsten Todesursachen unter jungen Frauen waren, die gerade ein Kind geboren hatten.

Auch bei äußeren entzündeten Wunden wird der Patient entweder im Krankenhaus einbehalten oder erscheint zumindest ambulant zur Behandlung, denn hierbei muss die Wunde regelmäßig gereinigt werden und sie wird anschließend neu verbunden. Die antibakterielle oder antimykotische Behandlung erfolgt topisch oder topisch-systemisch, was bedeutet, dass direkt ein Medikament auf die Wunde aufgetragen und unter Umständen noch oral oder intravenös verabreicht wird.



Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen eine entzündete Wunde ist eine hygienische Wundversorgung entsprechend der Wundart. Kleine oberflächliche Wunden brauchen in der Regel nicht gereinigt zu werden, wenn sie nicht bei der Verletzung stark verschmutzt wurden. Falls doch, sollte das unter sterilen Bedingungen in der Notaufnahme durchgeführt werden. In nächster Zeit sollte die Wunde verbunden oder mit einem Pflaster abgeklebt werden, bis sie trocken verschlossen ist, danach heilt sie an der Luft ab. Anspruchsvoller ist das Wundmanagement bei schwereren Verletzungen, nach Operationen oder nach Geburten.

Eine möglichst keimarme Umgebung, saubere Hände und medizinische Geräte des Personals und vor Schmutz abschirmende Verbände gegen weitere Verunreinigung, solange die Wunde noch nicht trocken verheilt ist, sind essenziell. Gerade OP-Narben dürfen nicht unterschätzt werden - die moderne Chirurgie kommt mit kleinsten Schnitten aus, jedoch können unter einem Hautschnitt noch weitere Schnitte gemacht worden sein, die sich mit entzünden würden, wenn an der Hautwunde eine Infektion auftritt. Selbst, wenn sich der Patient nach einer OP wieder fit fühlt, ist den Anweisungen des Arztes Folge zu leisten.

Bücher über Entzündungen

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Rassner, G.: Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, S.: 300 Fragen zur Pubertät. Graefe und Unzer, München 2008
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006

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