Diphtherie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Juni 2017
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Diphtherie ist eine ansteckende Infektionskrankheit der oberen Atemwege. Unbehandelt kann die Krankheit lebensbedrohlich werden bzw. zu Spätfolgen führen. Diphtherie gehört zu den Krankheiten, die stark zurück gedrängt werden konnten. Sie konnte jedoch noch nicht ganz ausgerottet werden, wie das beispielsweise bei den Pocken gelungen ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Diphtherie?

Als Diphtherie wird eine akute Infektionskrankheit, die zunächst meist Rachen, Hals und Luftröhre betreffen können. Ausgelöst wird die Krankheit durch das toxin-bildende Bakterium "Carynebacterium diphtheriae". Die Krankheit tritt ausschließlich beim Menschen auf. Die bei Hunden und Katzen nachgewiesenen Erreger führen lediglich zu diphtherieähnlichen Erkrankungen.

Die bekannteste und häufigste Form der Erkrankung ist die Rachen-Diphtherie, bekannt sind aber auch anderer Formen wie die nasale Diphtherie oder die Bindehaut-Diphtherie.

Ursachen

Ursache für eine Diphtherie-Erkrankung ist ein spezielles Bakterium, das in den Körper eindringt und dort ein Gift bildet. Dieses Toxin dringt in die Zellen ein und greift die Stabilität der Zellmembranen an, was zur Folge hat, dass die entsprechenden Zellen gestört oder im schlimmsten Falle abgetötet werden.

Da das Gift im Blutkreislauf transportiert wird, wirkt es nicht nur direkt an der entzündeten Stelle, sondern kann auch inneren Organe schädigen, was zu lebensbedrohlichen Situationen führen oder Spätfolgen nach sich ziehen kann.

Diphtherie wird durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen oder Küssen) bzw. durch Schmierinfektion (Händeschütteln, Berührung von infizierten Gegenständen) übertragen. Ansteckungsgefahr besteht für den gesamten Zeitraum, in dem sich das Bakterium im Körper befindet. Die Inkubationszeit ist bei Diphtherie relativ kurz. Sie beträgt in der Regel zwei bis fünf, in Ausnahmefällen acht Tage.

Wann zum Arzt?

Die Diphterie endet auch in der heutigen Zeit bei etwa 20 Prozent aller Fälle mit dem Tod. Eine Therapie ist deshalb so früh wie möglich notwendig. Bereits beim geringsten Verdacht auf eine mögliche Erkrankung an Diphterie sollte deshalb der Arzt aufgesucht werden. Die Diagnose wird der Arzt vermutlich bereits anhand der typischen Symptome wie Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber, Schlappheit, weißlich-gelben Belägen auf den Mandeln oder auch einem süßlich-fauligen Mundgeruch stellen können, zudem wird ein Abstrich gemacht.

Die Therapie muss selbst bei Verdacht beginnen, noch bevor die Bestätigung des Labors vorliegt, denn nur so lässt sich die Ausbreitung des Toxins und auch der Belege stoppen. Derart können auch Komplikationen vermieden und der Verlauf gemildert werden. Da es sich bei Diphterie um eine meldepflichtige Erkrankung nach dem Infektionsschutzgesetz handelt, sollte jeder, der auch nur den Verdacht hat, an Diphterie erkrankt zu sein, den Arzt aufsuchen. Kommt es in Einrichtungen wie Kindertagesstätten oder auch Schulen zum Ausbruch der Erkrankung und können bei einem Kind erste Anzeichen der Diphterie beobachtet werden, ist der Gang zum Arzt unumgänglich.

Symptome und Verlauf

Die Symptome von Diphtherie beziehen sich meist auf die oberen Atemwege. Die Krankheit beginnt schleichend mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber, später Heiserkeit, Lähmungserscheinungen des Gaumensegels, Atemgeräusche. Sie entwickelt sich zu einer Rachen- und Mandelentzündung mit typisch grau-weißen Belägen. Diese sind nicht nur auf den Mandeln zu erkennen, sondern breiten sich im gesamten Rachenraum aus.

Typisch für Diphtherie ist ein auffallender, süßlicher Mundgeruch. Häufig haben die Betroffenen einen stark angeschwollenen Hals. In Abhängigkeit von der jeweiligen Form der Diphtherie können Ausfluss aus der Nase (nasale Diphtherie) oder blutig wässrigen Absonderungen der Augen (Bindehaut-Diphtherie) auftreten.

Auf einen schweren Verlauf der Diphtherie lassen meist Pseudomembranen (flächige Beläge) an Mandeln, Gaumen, Zäpfchen oder Nasenschleimhaut schließen.

In Verbindung mit Diphtherie konnten bisher solche Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen, neurologische Störungen (z.B. Lähmungserscheinungen und Schluckbeschwerden), Lungenentzündungen, in seltenen Fällen auch Schädigungen der Leber oder der Nieren nachgewiesen werden.

Diphtherie grundsätzlich hat eine gute Heilungsprognose. Bei einer frühzeitigen Erkennung können Komplikationen weitestgehend ausgeschlossen werden, aber auch insgesamt liegt die Sterberate bei Diphtherie weit unter der anderer Erkrankungen.

Diagnose

Diphtherie lässt sich relativ leicht nachweisen. Der Arzt kann schon anhand des klinischen Bildes und der typischen Merkmale eine Diphtherie diagnostizieren. Zur Absicherung der Diagnose dient ein Abstrich der Beläge der Schleimhaut, in denen der Erreger nachgewiesen werden kann. Wegen der akuten Ansteckungsgefahr wird meist noch vor Vorliegen der Laborbefunde mit der Behandlung begonnen. Wichtig ist es, bei Verdacht auf Diphtherie den betroffenen Patienten zu isolieren.

Behandlung und Therapie

Diphtherie wird zunächst medikamentös behandelt. Wird die Krankheit früh erkannt, besteht die Möglichkeit, das Erregergift durch ein Gegengift unschädlich zu machen. Dies ist aber nur solange möglich, solange das Gift noch nicht an den Zellen anhaftet.

Um dem eigentlichen Erreger abzutöten und die Toxinbildung einzudämmen, werden Antibiotika wie Penicillin oder Erythromycin eingesetzt. Die weiteren Behandlungsmethoden richten sich nach der Schwere der Erkrankung und der eventuell auftretenden Komplikationen und Begleiterscheinungen. So leiden Patienten mit einer starken Entzündung im Bereich der Luftröhre oft an Atembeschwerden und müssen unter Umständen künstlich beatmet werden.

Der Zustand der Patienten mit Diphtherie muss in relativ kurzen Abständen kontrolliert und überwacht werden, damit etwaige Komplikationen rechtzeitig erkannt werden können und Gegenmaßnehmen er griffen werden können. Neben medikamentöser Therapie wird außerdem strenge Bettruhe verordnet, um Schädigungen des Herzmuskels zu vermeiden.



Vorbeugung

Durch eine Immunisierung kann Diphtherie wirksam und nachhaltig vorgebeugt werden. Die Immunisierung erfolgt in mehreren Schritten durch Impfung mit einem Toxoid-Impfstoff.

Um den Impfschutz nicht zu unterbrechen oder aufzuheben, werden folgende Zeiträume empfohlen:

  • die ersten drei Impfungen innerhalb der ersten sechs Lebensmonate
  • die vierte Impfung spätestens bis zum Alter von elf Monaten
  • Auffrischungen im Alter von 5 - 6 Jahren und im Alter von 9 - 17 Jahren.

Danach ist eine erneute Impfung nicht mehr notwendig.

Diphtherie konnte mittels der Schutzimpfungen soweit zurück gedrängt werden, dass in Ländern mit einer hohen Impfungsrate kaum noch Neuerkrankungen zu verzeichnen sind.

Bücher über Diphterie

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Gerda kommentierte am 14.08.2016 um 09:51 Uhr

Ich hatte mit etwa 14 Jahren eine schwere Diphtherie, 3 Jahre später auch noch Mumps/Ziegenpeter. Die Spätfolgen, ab dem 35. Lebensjahr habe ich mit Bluthochdruck und Herzbeschwerden zu kämpfen. In heutiger Erkenntnis wurde ich dahingehend informiert, dass mein Immunsystem schwer angeschlagen sei, sowie ich ab dem 60. Lebensjahr (heute 80) mit Herzrhythmusstörungen zu kämpfen haben werde. Vor 7 Jahren bekam ich einen Herzschrittmacher. Seit Jahren kämpfe ich mit meinem Nervensystem, Angst und oft Überreaktionen im täglichen Leben, Hyperaktivität, schlechter Schlaf etc. Dem Grunde nach stört mich ab und zu die Fliege an der Wand. Ich suche in der Tat eine gute neurologische Hilfe, nicht nur Valium und sonstige abhängig machende Medikamente. Hat jemand eine Idee?