Cholesteatom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Juni 2017
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Bei einem Cholesteatom ist die Trennung zwischen äußerem Gehörgang und Mittelohr defekt. Typische Symptome sind Ohr- und Kopfschmerzen; in weiterer Folge können schwere Komplikationen wie Gesichtslähmungen und Schwerhörigkeit auftreten. Durch einen operativen Eignriff ist diese Erkrankung gut zu behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Cholesteatom?

Ein Cholesteatom, auch Zwiebel- oder Perlgeschwulst genannt, ist eine Ohrerkrankung, bei der es zu einer dauerhaften eitrigen Mittelohrentzündung kommt. Durch die chronische Entzündung mit Eiterbildung kommt es zu einer Knochendestruktion, weil das Plattenepithel des äußeren Gehörgangs in das Mittelohr einwächst.

Bei gesunden Menschen wird das Mittelohr vom äußeren Gehörgang durch das Trommelfell getrennt, bei einem Cholesteatom wird diese Trennung aufgehoben, wodurch das Plattenepithel des äußeren Gehörgangs ins Mittelohr einwachsen kann, dadurch werden auch die Knochen geschädigt.

Ursachen

Grundsätzlich kann diese Erkrankung in primäres, sekundäres und kongenitales Cholesteatom eingeteilt werden. Beim primären Cholesteatom, auch Retraktionscholesteatom genannt, handelt es sich um eine Störung der Belüftung des Mittelohrs. Durch die unzureichende Belüftung bildet sich ein Unterdruck, wodurch das Trommelfell leicht eingezogen wird, es bildet sich eine Retraktionstasche.

Im Verlauf von mehreren Jahren bildet sich durch die Ansammlung von Plattenepithel des äußeren Gehörgangs in der Retraktionstasche ein Cholesteatom. Das sekundäre Cholesteatom ist die häufigste Art dieser Erkrankung und hat seine Ursache in vorangegangenen Mittelohrentzündungen.

Die wiederholten Ohrenentzündungen führen zu einem Trommelfelldefekt, an dem das Plattenepithel eindringen kann und ein Cholesteatom bildet. Das kongenitale Cholesteatom ist eine seltene Erkrankung, die ihre Ursache in einer Fehlentwicklung des Mittelohrs während der Embryonalentwicklung hat.

Mittelohrentzündung mit beschädigtem Trommelfell (Cholesteatom).

Wann zum Arzt?

Treten plötzliche oder schleichende Hörprobleme ein, sollte ein Ohrenarzt aufgesucht werden. Schwerhörigkeit oder Taubheit sind alarmierende Signale, bei denen unverzüglich ein Arztbesuch erfolgen muss. Kommt es zu Schmerzen im Ohr oder im Kopf, ist ein Arzt aufzusuchen. Breiten sich die Schmerzen aus oder stellen sich weitere Beschwerden ein, müssen medizinische Untersuchungen eingeleitet werden.

Knackende Geräusche im Ohr oder ein Gefühl der Steifheit im Ohr sind einem Arzt vorzustellen. Bei Veränderungen im Bereich der Kieferknochen, die insbesondere beim Kauen oder Sprechen bemerkbar sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei einem Druckgefühl im Ohr oder im Schädelinneren ist ein Arzt zu konsultieren. Leidet der Betroffene unter Störungen des Gleichgewichts, Schwindel oder Fieber, sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Ursache zu klären.

Treten Lähmungserscheinungen auf, ist schnellstmöglich ein Arzt aufzusuchen. Lähmungen im Bereich des Gesichts müssen untersucht und behandelt werden. Es kommt zu hängenden Augenlidern, Veränderungen im Bereich der Wangen sowie der Lippen, da der Gesichtsnerv beschädigt ist. Die Lähmungen führen zu Problemen bei der Sprachbildung und der Essensaufnahme. Der Mund und die Lippen können nicht mehr wie gewohnt bewegt werden. Ein Arzt ist aufzusuchen, da sich das Geschwülst bereits in einem fortgeschrittenem Stadium befindet.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome:

Charakteristische Symptome eines Cholesteatoms sind immer wiederkehrende Ohrenschmerzen und eitriger, übelriechender Ausfluss aus dem betroffenen Ohr (fötide Otorrhö). Allerdings dauert die Entwicklung eines Cholesteatoms nicht selten Jahre und Betroffene spüren in der ersten Zeit keinerlei Symptome.

Schreitet diese Erkrankung weiter fort, kommt es zu einem zunehmenden Verlust des Gehörs am betroffenen Ohr, man spricht von einer so genannten progredienten Schallleitungsschwerhörigkeit. Dabei handelt es sich um eine progressive Schwerhörigkeit, deren Ursache in einer gestörten Übermittlung des Schalls liegt. Da sich der Gesichtsnerv in der Nähe des Mittelohrs befindet, kann es im Laufe dieser Erkrankung zu Gesichtslähmungen kommen.

Diagnose

Vermutet der behandelnde Arzt ein Cholesteatom, ordnet er eine Computertomografie, ein CT, an. Durch das CT kann das Ausmaß der Knochendestruktion festgestellt werden. Die wichtigste Untersuchungsmethode bei Verdacht auf ein Cholesteatom ist die Ohrmikroskopie. Dabei untersucht der Arzt das Trommelfell auf Defekte.

Durch die Ohrmikroskopie kann die Diagnose eines Cholesteatoms eindeutig gestellt werden, die Computertomografie dient dazu, den Schweregrad und die Knochenbeteiligung zu bestimmen. Weiter wird ein Tonaudiogramm angefertigt, um das Ausmaß der Schwerhörigkeit feststellen zu können.

Komplikationen

Durch das Cholesteatom kommt es zu unterschiedlichen Komplikationen, die vor allem die Kopfregion des Patienten betreffen. In den meisten Fällen treten dabei Ohrenschmerzen auf. Diese können auch ohne Belastung in Form von Ruheschmerzen aktiv sein und damit den Alltag des Patienten extrem einschränken. In der Regel breiten sich die Ohrenschmerzen auch in die anderen Regionen des Körpers aus, sodass der Betroffene an Zahnschmerzen und Kopfschmerzen leidet. Nicht selten wird auch die Konzentration durch das Cholesteatom eingeschränkt. Falls das Cholesteatom nicht behandelt wird, kommt es zu einer fortschreitenden Schwerhörigkeit, bei welcher der Patient im schlimmsten Falle auch das Gehör vollständig verlieren kann.

Durch die spät auftretenden Symptome kann die Krankheit nicht frühzeitig diagnostiziert werden, sodass diese erst verspätet eingeleitet werden kann. Nicht selten ist auch der Mittelnerv durch das Cholesteatom betroffen, sodass es zu Lähmungen verschiedener Gesichtspartien kommt. In der Regel kann das Cholesteatom relativ gut behandelt werden, sodass für den Patienten keine weiteren Komplikationen entstehen. Allerdings kann eine Schwerhörigkeit nicht mehr behandelt werden. Ohne Behandlung kommt es oft zu einer Meningitis, die zu schweren Folgeschäden führen kann.

Behandlung und Therapie

Die rechtzeitige Diagnose und Behandlung eines Cholesteatoms ist äußerst wichtig, weil sich bei dieser Erkrankung schwere Komplikationen wie etwa Meningitis, ergeben können. Ist das Cholesteatom bereits weiter fortgeschritten und liegt eine Knochenzerstörung vor, muss es operativ entfernt werden und auch in früheren Stadien ist eine Operation kaum vermeidbar.

Während der Operation wird das Cholesteatom entfernt und der Chirurg versucht das Trommelfell sowie die Gehörknöchelchen wieder herzustellen. Gelingt diese Wiederherstellung, leidet der Patient nach der Operation nicht mehr bzw. nicht mehr so stark an Schwerhörigkeit. Nach der Operation müssen Betroffene noch für einige Zeit Antibiotika einnehmen, damit es zu keiner Ohrinfektion kommt.

In manchen Fällen wird die Antibiotikatherapie auch vor der Operation begonnen, damit Entzündungen zurückgehen und bei der Operation weniger Komplikationen zu erwarten sind. Die Antibiotikatherapie erfolgt meist mit antibiotischen Ohrentropfen. Ohne Operation heilt ein Cholesteatom meist nicht aus und führt zu schweren Komplikationen.

Handelt es sich um eine schwere, weit fortgeschrittene Form des Cholesteatoms, muss eine Mastoidektomie durchgeführt werden. Dabei entfernt der Chirurg den Processus matoideus, den Warzenfortsatz. Um das Hörvermögen zu verbessern ist es manchmal nötig den Schalleitungsapparat zu rekonstruieren, dieser Eingriff wird als Tympanoplastik bezeichnet.



Vorbeugung

Ein Cholesteatom entsteht aufgrund von Trommelfelldefekten, daher empfiehlt es sich bei der Prophylaxe auf die Trommelfelle Acht zu geben. So sollten die Ohren nicht mit Wattestäbchen gereinigt werden, da das Trommelfell durch ein zu tiefes Eindringen verletzt werden kann. Nichtsdestotrotz ist eine gute Ohrhygiene wichtig bei der Vorbeugung eines Cholesteatoms, damit Ohrentzündungen verhindert werden.

Am besten wird eine Ohrreinigung beim Facharzt durchgeführt. Darüber hinaus kann durch Druckschwankungen, wie etwa beim Tauchen oder Fliegen im Flugzeug, das Trommelfell verletzt werden. Um ein Cholesteatom vorzubeugen, sollte vor der Ausübung solcher Aktivitäten das Risiko abgewogen werden und eventuell entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich beim ersten Auftreten von Beschwerden einen HNO-Arzt aufzusuchen.

Bücher über Cholesteatom

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

kommentierte am 14.06.2017 um 23:19 Uhr

Ich hatte 1998 ein Cholestatom rechts und 2004 Links mit einer Tympanoplastik.
Nur seit 1 Woche höre ich auf dem linken Ohr gar nichts mehr.
War dann im Klinikum zur Kontrolle und der Arzt meint, dass es wieder ein Cholestatom sein könnte.
Muss jetzt wieder einen CT und MRT Termin ausmachen was eine sehr lange
Wartezeit hat.

bluemchen kommentierte am 19.07.2016 um 17:44 Uhr

Ich wurde am 18.05.2016 am Trommelfell operiert, ein Schallleitungsapparat wurde eingesetzt. Das Hören hat sich in keinster Weise gebessert. Im Gegenteil, durch die vielen Nebengeräusche ist alles noch viel schlimmer geworden. Man spricht von einem Hörverlust von 30%. Ich kann an keinem aktiven Gespräch teilnehmen, da nur Raunen und Nebengeräusche ankommen. Beinahe schon schreckliche Geräusche wie Wasserrauschen, laute Trecker, Fingerknacken und das sind nur einige Geräusche. Mir geht es sehr schlecht mit dieser Situation!