Campylobacter-Infektion (Campylobacteriose)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Juni 2017
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Durchfallerkrankungen sind sehr verbreitet. Dieser Artikel informiert über eine davon: die Campylobacteriose - ihre Ursachen, den Verlauf und die Behandlung der Erkrankung. Außerdem werden wichtige Empfehlungen zur Vermeidung der Risiken gegeben, die zum Ausbruch der Campylobacteriose führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Campylobacteriose?

Die Campylobacteriose ist eine auf der ganzen Welt verbreitete, sehr häufige Durchfallerkrankung. In den meisten Fällen ist sie zwar unangenehm, jedoch nicht gefährlich. Sie wird durch Bakterien aus der Gattung Campylobacter ausgelöst. Von dieser Art existieren mehr als 20 Unterarten.

Am häufigsten (95 % der Fälle) ist die Art Campylobacter jejuni für die Campylobacteriose verantwortlich. Es handelt sich bei dieser Krankheit um eine Darmentzündung, medizinisch Enteritis genannt. Schon eine sehr geringe Anzahl von Bakterien reicht aus, um eine Campylobacteriose auszulösen. Die Campylobacteriose wird ausgelöst durch Aufnahme des Erregers über den Magen-Darm-Trakt.

Ursachen

Das Campylobacter-Bakterium kommt in der Natur fast überall vor und löst eine Campylobacteriose aus. Sein natürlicher Lebensraum sind Vögel und Säugetiere. Der Erreger befällt Wildtiere, aber auch Haustiere wie Hunde, Katzen und Nutztiere, zum Beispiel Rinder, Schweine und Geflügel. Besonders häufig ist Campylobacter in der Geflügelzucht zu finden.

Zu einer Ansteckung des Menschen kommt es, ähnlich wie bei der Salmonellen-Erkrankung, vorwiegend über den Verzehr kontaminierter tierischer Produkte und den Genuss von verunreinigtem Wasser. Keimquellen sind besonders rohes oder ungenügend gegartes Fleisch, Geflügel, Milch und Milchprodukte sowie Eier.

Tiere und auch Menschen scheiden das Bakterium mit dem Kot aus, daher ist auch eine Infektion mit Campylobacteriose über den direkten Kontakt, eine sogenannte Schmierinfektion, möglich. Eine direkte Ansteckung von Tier zu Mensch ist möglich, aber eher selten. Campylobacter vermehrt sich besonders gut bei Wärme, daher treten Infektionen gehäuft in der warmen Jahreszeit auf.

Wann zum Arzt?

Anhaltender Durchfall über mehrere Tage ist von einem Arzt kontrollieren und untersuchen zu lassen. Treten unangenehme Bauchschmerzen und Magenkrämpfe auf, sollten sie von einem Arzt behandelt werden. Sofern das allgemeine Leistungsniveau herabgesetzt ist oder es zu einem Zustand der inneren Schwäche kommt, empfehlen sich Ruhe und Schonung. Ein Arztbesuch ist notwendig, sobald sich das Wohlbefinden weiter verschlechtert.

Fieber und Abgeschlagenheit sind Symptome, die ärztlich untersucht werden müssen. Eine verminderte Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr sind zu überwachen und zu kontrollieren. In schweren Fällen droht eine Dehydration und damit ein lebensgefährlicher Zustand. Bei einem Gefühl der inneren Trockenheit sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Müdigkeit und Kopfschmerzen führen zu einer verminderten Aufmerksamkeit. Können aus diesen Gründen alltägliche berufliche oder private Verpflichtungen nicht mehr erfüllt werden, muss ein Arzt konsultiert werden.

Bei Entzündungen der Gelenke oder Schmerzen der Knochen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Schmerzen bei der Ausscheidung basieren häufig auf Entzündungen oder Veränderungen der Haut am Anus. Ein Arztbesuch ist notwendig, sobald sich die Beschwerden ausbreiten oder es zu Beeinträchtigungen bei der Fortbewegung oder beim Sitzen kommt. Da die verursachenden Bakterien der Campylobacter-Infektion ansteckend sind, ist es ratsam, ausreichende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Hinweise und Empfehlungen gibt ein Arzt.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome:

Typische Symptome der Infektion sind neben Durchfällen meist Bauchschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber und ein ausgeprägtes allgemeines Krankheitsgefühl. Die Inkubationszeit, das heißt, die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt drei bis fünf Tage. Bei der Campylobacteriose kommt es meistens nur zu leichten bis mäßig starken Durchfällen.

Die Erkrankten leiden außerdem häufig unter Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Meist ist die Krankheit nach einer Woche überstanden. In seltenen Fällen kommt es bei der Campylobacteriose zu ernsten Komplikationen wie dem Reiter-Syndrom, einer entzündlichen Gelenkerkrankung, einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder dem Guillain-Barré-Syndrom, einer Krankheit, die zu fortschreitenden Lähmungen führt.

Dieser schwere Verlauf wird durch die Bakterienart Campylobacter fetus verursacht. Die Erkrankten leiden meist unter Vorerkrankungen, die das Immunsystem bereits erheblich geschwächt haben, zum Beispiel einer Tumorerkrankung oder einer HIV-Infektion.

Diagnose

Die Diagnose der Campylobacteriose erfolgt durch Stuhlproben und Blutuntersuchungen. Durch die Anzucht des Bakteriums kann der Arzt die genaue Unterart feststellen und, wenn nötig, entsprechende Therapien einleiten. Die rasche Diagnosestellung verhindert das Entstehen von Komplikationen.

Komplikationen

Bei der Campylobacter-Infektion kommt es zu den gewöhnlichen Beschwerden und Komplikationen einer Infektion. In der Regel ist der Patient durch die Infektion nicht mehr in der Lage, körperliche oder sportliche Tätigkeiten aufzunehmen oder durchzuführen. Die Lebensqualität wird enorm eingeschränkt. Der Betroffene leidet dabei an einem hohen Fieber und an Schmerzen in den Muskeln und Extremitäten. Auch Kopfschmerzen und Bauchschmerzen treten auf und werden dabei meistens von Durchfall und Erbrechen begleitet. Es tritt ebenfalls ein allgemeines Krankheitsgefühl auf.

In den meisten Fällen kommt es bei der Campylobacter-Infektion nicht zu besonderen Komplikationen oder Beschwerden, wenn die Infektion frühzeitig und richtig behandelt wird. Sie verschwindet oft schon nach ungefähr einer Woche wieder. In schwerwiegenden Fällen wird dem Patienten eine Infusion verabreicht, um den Verlust an Flüssigkeit auszugleichen. Um verschiedene Entzündungen vorzubeugen, werden Antibiotika verabreicht. Dabei kann es ohne Behandlung zur Entzündung der Hirnhaut kommen, welche im schlimmsten Falle zu physischen und geistigen Einschränkungen führen kann. In den meisten Fällen kommt es allerdings zu einem positiven Krankheitsverlauf ohne Komplikationen.

Behandlung und Therapie

In den allermeisten Fällen ist bei der Campylobacteriose keine medikamentöse Behandlung erforderlich. Die Erkrankung heilt in der Regel nach wenigen Tagen von alleine aus, die Gabe von Antibiotika ist normalerweise nicht nötig. Die Erkrankten sollten sich schonen, was allein durch die Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens schon ratsam ist. Wichtig ist, wie bei sämtlichen Durchfallerkrankungen, der Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes.

Es gelten also die allgemein bekannten Empfehlungen zur Ernährung bei Durchfallerkrankungen, wie zum Beispiel ausreichend zu trinken und durch Getränke wie Brühe und Apfelschorle, Salz und andere Mineralstoffe aufzunehmen. Der Magen-Darm-Trakt sollte beruhigt und nicht durch schwere Kost belastet werden. Zu empfehlen sind beispielsweise Bananen, geriebener Apfel und Zwieback.

Schmerzmittel können eingenommen werden, um die Symptome wie Kopfschmerzen und Fieber zu lindern. Wenn jedoch eine Infektion mit Campylobacter fetus vorliegt, die in der Regel schwerer verläuft, empfiehlt sich eine Behandlung mit einem Antibiotikum. Einen Befall mit Campylobacter fetus wird der Arzt gegebenenfalls anhand der angelegten Bakterienkulturen feststellen.

Wie für alle Durchfallerkrankungen gilt auch im Fall der Campylobacteriose: Der Patient und seine Familie sollten in ihrem persönlichen Umfeld für die Dauer der Erkrankung auf eine besondere Hygiene im Badbereich und eine häufige und gründliche Handreinigung achten, um eine Übertragung des Erregers durch Schmierinfektion zu vermeiden.



Vorbeugung

Durch umsichtiges Verhalten kann man sich vor Campylobacteriose schützen. Bei der Verwendung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs muss auf Frische geachtet und das Verbrauchsdatum beachtet werden. Fleisch, Milch und Milchprodukte, Wurst, Geflügel, Eier, Mayonnaisen etc. sind immer gut gekühlt aufzubewahren. Beim Transport der Waren muss die Kühlkette so gut wie möglich eingehalten werden. Von der Verwendung von Rohmilch wird abgeraten. Speisen sollten nicht lange warm gehalten werden.

Erforderlich ist eine sorgfältige Hygiene bei der Zubereitung der Speisen: Fleisch sollte nicht mit demselben Messer und auf demselben Brett wie Gemüse verarbeitet werden, alle Utensilien sind sorgfältig zu reinigen. Alle Speisen sollten gut durchgegart verzehrt werden. Ähnlich wie beim Genuss von Rohmilch besteht auch bei rohem Fleisch, zum Beispiel Hackepeter, ein Infektionsrisiko.

Bücher über Magen-Darm-Beschwerden

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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