Bluthochdruck während der Schwangerschaft

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 12. Juni 2017
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Bei Bluthochdruck während der Schwangerschaft handelt es sich um eine nicht selten auftretende Schwangerschaftskomplikation, die in vielen Fällen lediglich überwacht, jedoch nicht behandelt werden muss. Meist stabilisiert sich der Blutdruck nach der Geburt des Kindes von selbst.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bluthochdruck während der Schwangerschaft?

Bluthochdruck während der Schwangerschaft, auch Gestationshypertonie genannt, tritt bei etwa einem Zehntel der Schwangerschaften auf. Es handelt sich dann um Bluthochdruck, wenn bei mehrmaliger Blutdruckmessung ein Wert von über 140/90mmHg vorliegt. Ab einem Messwert von 160/110mmHg liegt eine schwere Form der Gestationshypertonie vor.

Allgemein wird zwischen Bluthochdruck während der Schwangerschaft mit Proteinen im Urin und ohne Proteine im Urin unterschieden. Liegt eine Proteinurie vor, handelt es sich um eine Präeklampsie. Der schwangerschaftsinduzierte Bluthochdruck muss von einer bereits vor der Schwangerschaft vorhandenen Hypertonie unterschieden werden.

Ursachen

Die genauen Ursachen für Bluthochdruck während der Schwangerschaft sind bis heute unbekannt. In vielen Fällen kann keine eindeutige Ursache für die Hypertonie gefunden werden. Möglicherweise spielen genetische Vorbelastungen eine Rolle bei der Entstehung einer schwangerschaftsinduzierten Hypertonie.

Eine leichte Erhöhung des Blutdrucks während der Schwangerschaft hängt teilweise auch damit zusammen, dass im Blutkreislauf einer Schwangeren etwa 40% mehr Blut fließt als im Normalzustand. Die Zunahme des Blutvolumens führt dann zu einem erhöhten Druck auf die Blutgefäße; das wird dann auch bei der Messung des Blutdrucks deutlich. Bluthochdruck während der Schwangerschaft kann auch durch Entzündungsreaktionen im Körper der Mutter ausgelöst werden.

Außerdem gibt es einige Risikofaktoren, bei deren Vorliegen das Risiko an einer Gestationshypertonie zu erkranken, gesteigert ist. Ein nicht selten unterschätzter Risikofaktor ist dabei starkes Übergewicht der Mutter. Auch Rauchen zählt zu den Risikofaktoren. Ernährt sich eine schwangere Frau falsch bzw. nimmt zu viel Koffein zu sich, kann dies auch zu Bluthochdruck während der Schwangerschaft führen.

Wann zum Arzt?

Haben Schwangere aufgrund eines allgemeinen Unwohlseins den Wunsch nach einem Kontrollbesuch, sollten sie grundsätzlich einen Arzt konsultieren. Angst und Unsicherheit können geklärt werden, was einen positiven Einfluss auf die werdende Mutter sowie die Entwicklung des Kindes hat. Grund zur Besorgnis besteht, wenn der Blutdruck der Schwangeren kontinuierlich deutlich erhöht ist. Treten Schwindel, Herzrasen oder ein unsicherer Gang auf, ist ein Arztbesuch notwendig.

Eine anhaltende Übelkeit, die weit über das morgendliche Unwohlsein hinausgeht, ist einem Arzt vorzustellen. Erbrechen, Aufmerksamkeitsdefizite oder Beeinträchtigungen des Bewusstseins sollten untersucht und abgeklärt werden. Nehmen die Beschwerden an Intensität und Umfang zu, muss ein Arzt aufgesucht werden. Treten weitere Symptome auf, ist ein Arztbesuch ebenfalls notwendig. Bei Kopfschmerzen, einem ungewöhnlichen Wärmegefühl im Körper, anhaltender Unruhe sowie Gereiztheit, sollten medizinische Untersuchungen eingeleitet werden.

Mit einer inneren Anspannung, Druckgefühlen im Kopf oder Körper sowie einem deutlich wahrnehmbaren Herzklopfen, ist es ratsam, bei einem Arzt vorstellig zu werden. Kommt es durch den Bluthochdruck zu Schlafstörungen, Hektik oder einer verminderten Leistungsfähigkeit, empfiehlt sich ein Arztbesuch, um Maßnahmen der Linderung zu ergreifen. Um einem Bluthochdruck entgegen zu wirken, kann die Schwangere auch ohne eine ärztliche Konsultation auf ihre Ernährungsweise, ausreichende Bewegung und der Vermeidung von Übergewicht achten.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Bluthochdruck während der Schwangerschaft:

Häufig sind Herzklopfen und Kopfschmerzen die ersten Anzeichen von Bluthochdruck während der Schwangerschaft. Die ersten Symptome treten meist erst ab der 20. Schwangerschaftswoche auf. Den hohen Blutdruck selbst spüren Betroffene nicht. Weitere häufig auftretende Symptome sind Schwindel und allgemeines Unwohlsein. Es können auch Übelkeit und ein Druckgefühl in der Brust auftreten.

Ist eine Präeklampsie die Ursache für den Bluthochdruck, dann kommt es zu einer Ausscheidung von Proteinen über den Urin. Vermehrte Wassereinlagerungen in den Beinen und Händen sind ebenso typische Symptome einer Gestationshypertonie. Bei einer leichten Form der Hypertonie ist der Verlauf als positiv zu bewerten. Bei schweren Formen steigt das Risiko für weitere Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt.

Diagnose

Typischerweise wird Bluthochdruck während der Schwangerschaft zufällig im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Dabei wird routinemäßig eine Blutdruckmessung vorgenommen. Ergibt die Blutdruckmessung einen erhöhten Wert, muss diese im Rahmen weiterer Kontrolltermine wiederholt werden, um auszuschließen, dass es sich nur um eine vorübergehende Erhöhung handelt.

Weiters wird ein Urintest durchgeführt. Proteine im Urin deuten auf eine Präeklampsie hin. Eine vermehrte Wassereinlagerung ins Gewebe ist kein diagnostisches Kriterium, da dieses Symptom bei fast allen schwangeren Frauen auftritt.

Komplikationen

Wird schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck nicht behandelt, steigt dadurch das Risiko von Komplikationen an. Bei den meisten schwangeren Frauen gilt ein erhöhter Blutdruck jedoch als unbedenklich. Zu den häufigsten Folgeerscheinungen von Bluthochdruck während der Schwangerschaft gehört die Präeklampsie. Die Gefahr an ihr zu erkranken, verstärkt sich, wenn es bereits im ersten oder zweiten Schwangerschaftsdrittel zu chronischem Bluthochdruck kommt. Die Störung bewirkt eine Reduktion der Zufuhr von wichtigen Nährstoffen und Sauerstoff an das werdende Kind. Dadurch wird wiederum das Wachstum des Babys negativ beeinträchtigt.

Im weiteren Verlauf kann sich aus der Präeklampsie eine Eklampsie entwickeln. Diese schwere Erkrankung zeigt sich in erster Linie im letzten Schwangerschaftsdrittel und tritt abrupt auf. Mitunter setzt sie auch erst bei der Geburt oder im Wochenbett ein. Als typisches Symptom gelten tonisch-klonische Krämpfe, bei denen auch der Verlust des Bewusstseins möglich ist. Gängige Vorboten sind ein schneller Anstieg des Blutdrucks, starke Kopfschmerzen auf der Frontseite, Sehstörungen, motorische Defizite, Übelkeit und Erbrechen. In schweren Fällen kann es auch zu Leber- oder Nierenversagen sowie zu einem Koma kommen. Mitunter hat die Eklampsie eine verminderte Durchblutung der Plazenta zur Folge, was wiederum zu einer Unterversorgung des Babys führt. In manchen Fällen kann dies sogar den Tod des Kindes auslösen. Weitere denkbare Komplikationen durch Bluthochdruck während der Schwangerschaft sind das HELLP-Syndrom, innere Blutungen sowie eine Frühgeburt.

Behandlung und Therapie

Die Therapie des Bluthochdrucks während der Schwangerschaft ist abhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Liegt eine leichte Form der Gestationshypertonie vor, ist in vielen Fällen keine Behandlung notwendig. Die Betroffene muss sich lediglich schonen. Nicht selten verordnet der Arzt Bettruhe. Ein wichtiger Teil der Behandlung von leichtem Bluthochdruck ist die Ernährungsumstellung der werdenden Mutter.

Nicht selten besteht ein Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und falscher Ernährung. Um die Ernährung der Schwangeren gesünder zu gestalten, kann es hilfreich sein, zusammen mit dem Arzt bzw. einem Diätologen einen Ernährungsplan zu erstellen. Die Ernährung sollte besonders reich an Proteinen sein. Darüber hinaus muss auf eine ausreichende Kalorienzufuhr geachtet werden, um den Körper der Mutter sowie den des Kindes mit genügend Energie zu versorgen.

Bei schweren Formen der Gestationshypertonie verschreibt der behandelnde Gynäkologe mitunter blutdrucksenkende Medikamente. Diese Medikamente werden jedoch erst verschrieben, wenn durch andere Maßnahmen keine Blutdrucksenkung erzielt werden konnte. In manchen Fällen erreicht der Blutdruck der Schwangeren trotz der Gabe von blutdrucksenkenden Mitteln keinen Normalwert. Tritt dies ein, muss die Schwangere ins Krankenhaus eingewiesen werden, da nur so eine permanente Überwachung stattfinden kann. Auch im Krankenhaus werden weiterhin blutdrucksenkende Medikamente verabreicht.

Liegt eine Präeklampsie vor, muss die Schwangere ebenso stationär aufgenommen werden. Im Großteil der Fälle von Bluthochdruck während der Schwangerschaft muss die Behandlung nach der Geburt nicht mehr fortgesetzt werden, da sich der Blutdruck in den darauf folgenden Tagen von selbst stabilisiert.



Vorbeugung

Bluthochdruck während der Schwangerschaft kann nicht in allen Fällen vorgebeugt werden. Es gibt jedoch Risikofaktoren, die möglichst ausgeschaltet werden sollten. Schwangere Frauen sollten auf ihre Ernährung achten und nicht rauchen.

Darüber hinaus ist es wichtig, alle Vorsorgeuntersuchungen zu machen, um eine Gestationshypertonie möglichst früh erkennen und behandeln zu können. Eine engmaschige Überwachung des Blutdrucks ist notwendig, wenn in früheren Schwangerschaften bereits eine Gestationshypertonie aufgetreten ist.

Bücher über Bluthochdruck

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ludwig, M.: Gynäkologische Endokrinologie. Ein Handbuch für die Praxis, 2.Auflage, optimist Fachbuchverlag, 2011
  • Kuhl, H.: Sexualhormone und Psyche: Grundlagen, Symptomatik, Erkrankungen, Therapie,1. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2002
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kirschbaum, M., et al.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005

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