Belag auf der Zunge

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Mai 2017
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Belag auf der Zunge ist nicht nur unschön anzusehen, sondern kann gleichzeitig ein Symptom für eine von dutzenden Krankheiten darstellen. In erster Linie ist jedoch eine mangelnde Hygiene für den Zungenbelag verantwortlich. Jedoch können auch innere Erkrankungen für einen Zungenbelag verantwortlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Belag auf der Zunge?

Im Endeffekt ist die Zunge ein Muskel im Mund, der von einer Schleimhaut überzogen ist. Primär hat die Zunge die Aufgaben zu schmecken bzw. zu lecken und spielt einen wesentlichen Aspekt beim Reden. Die Zungenschleimhaut ist mit Papillen versorgt, welche des Weiteren die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen feststellen können. So kann die Zunge etwa in bitter, sauer, salzig sowie süß unterscheiden. Der Zungenbelag setzt sich vorwiegend aus Zellen, Keimen und Nahrungsresten zusammen. Dieser wird bei der Mundhygiene bzw. beim Essen selbst "abgerieben", wobei in einigen Fällen der Belag auch bestehen bleibt.

Vor allem ist für den Arzt interessant, welche Farbe der Belag hat. So gibt es einen weißen bzw. schmutzig weißen, roten wie gelben und grünen wie braunen bzw. schwarzen Zungenbelag. Vorwiegend gibt der Zungenbelag erste Hinweise auf die Ursache. Liegt etwa ein himbeerroter Zungenbelag vor, geht der Mediziner in erster Linie von einer Scharlach-Erkrankung aus.

Ursachen

Die Gründe für den Zungenbelag sind unterschiedlich. Vorwiegend setzt sich der Belag aus alten Zellen, Keimen sowie Nahrungsresten zusammen. Ein weißer Zungenbeleg deutet jedoch auf einen Mundpilz hin. Leidet der Patient unter Infekten, kann ebenfalls ein Zungenbelag entstehen. Auch sexuell übertragbare Krankheiten sowie Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts können mitunter für eine belegte Zunge sorgen.

Die Zungenentzündung selbst steht ebenfalls in Einklang mit einem Zungenbelag. Jedoch äußert sich dieser Belag des Weiteren mit einem Zungenbrennen bzw. einer komplett glatten und roten Zunge. Etwaige Medikamente sowie Gifte können ebenfalls Zungenbelege hervorrufen. Tritt der Zungenbeleg immer häufiger auf, können auch Erkrankungen im Bereich des Zahnfleisches bzw. der Zähne - die Parodontitis - die Ursache sein.

Auch diverse Hautkrankheiten und innere Erkrankungen können sich in Form eines Zungenbelags zu Wort melden. Des Weiteren gibt es die sogenannte Landkartenzunge. Jene Linqua geographica ist dahingehend auffällig, da die Zunge bzw. deren Belag rote bzw. graue und gelbe Veränderungen mit sich bringt bzw. jene fleckig auftreten, sodass der Belag an eine Landkarte erinnert. Jedoch ist die Landkartenzunge harmlos; die Ursache, weshalb jener Zungenbelag entsteht, ist bislang nicht geklärt. Liegt ein schwarzer Zungenbelag vor, kann etwa eine Vergrößerung der Zungenpapillen erfolgt sein.

Ein weißer oder rot-fleckiger Zungenbelag kann das erste Anzeichen einer Präkanzerose sein. Dies gilt gleichzeitig als Krebsvorstufe, wobei ein Zungenbelag im Endeffekt kein Symptom bzw. Warnzeichen für Zungenkrebs darstellt. Zungenkrebs tritt eher selten auf bzw. wird im Regelfall durch Tabak und sehr viel Alkohol begünstigt. Auch Infektionskrankheiten wie Diphtherie, Scharlach bzw. diverse Formen von Typhus können mitunter einen Zungenbelag verursachen. Selbst eine Urämie - die Harnvergiftung - sorgt für eine belegte Zunge.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Ein Belag auf der Zunge ist ohne weitere Symptome kein besorgniserregender Zustand. Er führt zu einem unangenehmen und pelzigem Gefühl, gilt jedoch als nicht krankheitsbedingt. Lässt sich der Belag auf der Zunge mit einem Zungenschaber oder Zungenreiniger leicht und über mehrere Tage anhaltend entfernen, besteht keine gesundheitliche Beeinträchtigung. Schwarzer Belag auf der Zunge ist ein Hinweis für den Konsum von Kaffee, Tabak oder bestimmten Lebensmitteln. Ein Arztbesuch ist nicht notwendig.

Der Zungenbelag ist an der Entwicklung von Mundgeruch beteiligt. Wird dieser als beeinträchtigend oder belastend im Alltag erlebt, ist ein Arzt aufzusuchen, bevor weitere seelische Beschwerden eintreten oder sich ein sozialer Rückzug entwickelt. Kommt es zu weiteren Symptomen wie ein Brennen auf der Zunge oder gelblichen, braunen sowie roten Verfärbungen des Belages, ist ein Arzt zu konsultieren. Dahinter verbergen sich oft ernste und schwerwiegende Erkrankungen oder organische Probleme. Das Risiko von Funktionsstörungen besteht und muss durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden.

Bei anhaltenden Veränderungen der Oberflächenstruktur der Zunge über mehr als zwei Wochen, sind die Auffälligkeiten einem Arzt vorzustellen und von diesem abzuklären. Treten zu dem Belag auf der Zunge Beschwerden wie Fieber, Schmerzen oder ein allgemeines Gefühl des Unwohlseins auf, besteht das Risiko eines viralen oder bakteriellen Infektes.

Diagnose und Verlauf

Sucht der Patient - auf Grund des Zungenbelags - den Arzt auf, wird dieser zunächst eine Anamnese durchführen. Das bedeutet, dass er zuerst wissen will, seit wann der Patient über den Zungenbelag verfügt bzw. ob es weitere Symptome gibt, welche in Verbindung mit dem Belag stehen (etwa ein Brennen bzw. Schmerzen). Ebenfalls ist es wichtig zu wissen, ob etwaige Vorerkrankungen oder Grunderkrankungen bestehen, die womöglich der Grund für den Zungenbelag darstellen könnte.

Auch kann die Ernährung mitunter ein Grund sein, warum ein Belag entsteht. Selbstverständlich muss auch die Frage geklärt werden, ob der Patient Raucher ist. Des Weiteren untersucht der Arzt nicht nur die belegte Zunge, sondern überprüft auch die Mundschleimhaut. Der Arzt nimmt einen Abstrich vom Belag und legt eine Kultur an. In einigen Fällen können auch Blutuntersuchungen, eine zahnärztliche Untersuchung sowie auch eine Magenspiegelung Aufschluss darüber geben, weshalb der Patient unter einer belegten Zunge leidet.

Komplikationen

Die Komplikationen von Belag auf der Zunge sind abhängig von den Ursachen. Basiert er auf einer mangelnden Mundhygiene, so kann es zu weiteren Zahn- oder Zahnfleischerkrankungen kommen. In schweren Fällen bildet sich das Zahnfleisch kontinuierlich zurück, Zähne lockern sich und fallen letztlich bei einem Nichteingreifen aus. Darüber hinaus kann es dazu kommen, dass der Zahnschmelz abgebaut wird und der Zahn von Viren befallen wird. Auch dies kann langfristig einen Verlust des Zahnes zur Folge haben. Der Zungenbelag kann ein Hinweis auf eine Erkrankung der Zunge oder des Mund- und Rachenbereiches sein. Bei denen im Mund vorhandenen Bakterien, Pilze und Viren besteht Ansteckungsgefahr, sobald es zu einem Speichelaustausch kommt.

Ist der Belag auf der Zunge auf eine Organerkrankung zurückzuführen, so muss diese behandelt werden. Alternativ drohen Ausfallerscheinungen der Organtätigkeit. Diese kann irreparabel oder sogar lebensbedrohlich sein. Bei einer Vielzahl der Patienten kommt es bei Organerkrankungen zu einer Gabe von Medikamenten, die mit entsprechenden individuellen Nebenwirkungen verbunden sind. Sollte der Belag auf der Zunge auf eine falsche Ernährung hinweisen, so empfiehlt es sich, diese mit einem Ernährungsberater entsprechend umzustellen. Hierbei kann es zu Umstrukturierungen der Nahrungszufuhr innerhalb des vorhandenen Tagesablaufes kommen. Darüber hinaus sind innerhalb von Familien Ablaufveränderungen bei der Nahrungsaufnahme möglich.

Behandlung und Therapie

Vorwiegend ist eine belegte Zunge harmlos. Das bedeutet, dass nur in den seltensten Fällen eine Therapie notwendig ist. Primär wird aber - bei einer belegten Zunge - nicht der Belag bzw. das Symptom therapiert, sondern folgt vielmehr die Behandlung der Ursache bzw. der Erkrankung, weshalb die Zunge belegt ist.

Besteht der Zungenbelag auf Grund alten Zellen, Keimen und Nahrungsresten, welcher nicht "abgerieben" wurde, sollte der Patient vorwiegend feste Nahrung konsumieren bzw. das Essen gründlich kauen.

Ebenfalls gibt es spezielle Zahnbürsten wie Peeling-Instrumente für die Zunge, welche den Belag entfernen können. Besteht eine Pilzinfektion, können hier diverse Anti-Pilz-Medikamente für eine Linderung sorgen. Liegt eine Krankheit vor, welche für den Zungenbelag verantwortlich ist, wird jene individuelle behandelt.



Aussicht und Prognose

Belag auf der Zunge hat unterschiedliche Prognosen, je nachdem welche Erkrankung vorliegt. Weißlicher Zungenbelag ist die Ursache vieler verschiedener Magen-Darm-Erkrankungen. Diese haben je nach Ursache unterschiedliche Prognosen, meistens sind diese jedoch gut. Einige Antibiotika können als Nebenwirkung eine schwärzlich, pelzig aussehende Zunge verursachen. Dies hat jedoch wenig Krankheitswert, da die Zunge sich nach der Therapie oder beim Aussetzen der Einnahme des Medikaments wieder regeneriert.

Zudem können Erkrankungen des Immunsystems eine ähnlich aussehende Zunge verursachen, die Prognose hierbei ist bei Nichtbehandeln eher schlecht. Scharlach ist die Ursache einer roten Zunge. Diese Infektionserkrankung kann mit Penicillin behandelt werden. Wird diese nicht erkannt, so ist das Risiko erhöht, an weiteren Krankheiten zu erleiden - zum Beispiel an Niereninsuffizienz. Eine Blutarmut kann die Zunge grau aussehen lassen. Dies lässt sich gut therapieren, indem Blut infundiert wird, die Prognose ist also sehr gut. Je nach Ursache müssen dem Körper möglicherweise Vitamin B12 oder Folsäure gegeben werden.

Pilzinfektionen verursachen meistens einen gelblich-weißen Zungenbelag. Diese werden am häufigsten durch Hefepilze verursacht. Antimykotika sind das Mittel der Wahl bei Pilzerkrankungen, dementsprechend ist die Prognose gut. Einige Tage dauert zwar die Therapie, sie verhindert jedoch das tiefere Einwachsen des Hefepilzes in das Gewebe. Schafft es der Pilz dennoch, so kann dieser in die Blutbahn gelangen und sich über den gesamten Organismus ausbreiten. Die Prognose ist in dem Fall vor allem bei Immungeschwächten schlecht.

Vorbeugung

Der Zungenbelag kann - wenn er auf Grund mangelnder Hygiene auftritt - leicht vorgebeugt werden. Vorweg kann man durch feste Nahrung bzw. dem Abreiben mit der Zahnbürste sehr wohl den Belag entfernen. Bei Erkrankungen ist eine Vorbeugung nicht möglich.

Bücher über Belag auf der Zunge

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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