Autoimmunhepatitis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 10. April 2015
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Die sogenannte Autoimmunhepatitis ist eine chronisch verlaufende Lebererkrankung auf der Basis einer immunologischen Ursache. Das fehlgeleitete Immunsystem des betroffenen Patienten spielt also eine zentrale Rolle bei dieser speziellen Form der Leberentzündung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Autoimmunhepatitis?

Unter einer Hepatitis versteht der Arzt eine Leberentzündung, die akut oder chronisch sein kann. Hepatitiden können beispielsweise durch Viren, aber auch durch Alkohol oder Überernährung verursacht werden. Im Falle der Autoimmunhepatitis wird die Entzündung der Leberzellen durch ein fehlgeleitetes Immunsystem ausgelöst, Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer sogenannten Autoimmunerkrankung. Bestimmte Strukturen der Leberzelle werden aus noch unbekannten Gründen von Zellen des Immunsystems aktiv angegriffen. Das Immunsystem erkennt die Leberzellen also als Feinde, Folge ist eine immunologische Reaktion mit Entzündung und Funktionseinbußen, was für den Betroffenen weitreichende Folgen hat. Denn die Leber ist das größte und wichtigste Stoffwechselorgan des Menschen.

Ursachen

Ursache der Autoimmunhepatitis ist stets eine fehlgeleitete Reaktion oder Störung des zellulären und humoralen Immunsystems, in dessen Folge es in der Leberzelle zu einer sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion kommt, wie sie normalerweise auch dann auftritt, wenn sich der Körper mit krankmachenden Keimen auseinandersetzt. Im Falle der Autoimmunhepatitis als sogenannte Autoimmunerkrankung werden statt der Krankheitserreger, wie es bei normaler Immunfunktion sein sollte, körpereigene Strukturen, nämlich Leberzellen, angegriffen.

Die verursachenden immunologischen Mechanismen sind bis heute nur teilweise verstanden. Die Autoimmunhepatitis gilt als insgesamt seltene Form der chronischen Leberentzündung, von der Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Außerdem tritt die Autoimmunhepatitis bei der Mehrheit der Betroffenen nicht isoliert auf, sondern ist mit anderen Autoimmunkrankheiten vergesellschaftet. So leiden die Patienten zusätzlich beispielsweise unter Colitis ulcerosa, Autoimmunthyreoiditis, Sjögren-Syndrom oder entzündlichem Rheuma.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Autoimmunhepatitis:

Wie alle Autoimmunerkrankungen so zeigt auch die Leberentzündung infolge eines fehlgesteuerten Immunsystems in der Regel einen chronisch-rezidivierenden Verlauf. Die Betroffenen leiden also Jahre, Jahrzehnte oder gar ihr ganzes Leben lang an der Krankheit und ihren Folgen. Die Autoimmunhepatitis muss nicht zwangsläufig mit bestimmten Symptomen verlaufen, Ärzte sprechen in diesen Fällen von einem sogenannten asymptomatischen Verlauf.

Ab einem bestimmten Ausprägungsgrad der Erkrankung mit signifikanter Schädigung der Leberzellen müssen allerdings zwangsläufig Symptome auftreten, da die Leber durch die Zellschädigung ihre normalen Aufgaben nicht oder nur noch eingeschränkt erfüllen kann. Andererseits sind auch fulminante Verläufe mit schweren Krankheitszeichen im Sinne einer Leberinsuffizienz möglich.

Mögliche Symptome sind der Übertritt von Gallenfarbstoff ins Blut, sichtbar an einer Gelbfärbung der Skleren, Ikterus. Weitere Symptome sind ein schweres Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit, eine Störung der Blutgerinnungsfunktion sowie eine Bauchwassersucht, Aszites, durch Abfall des Albumins als Eiweißfraktion im Blut. Bei vollausgeprägter Symptomatik handelt es sich bei einer Autoimmunhepatitis um eine schweres internistisches und krankenhauspflichtiges Krankheitsbild.

Diagnose

Auch bei vollausgeprägtem klinischen Bild kann die Diagnose Autoimmunhepatitis nur durch erweiterte Diagnostik erfolgen. Denn auch Hepatitiden anderer Genese verursachen die gleiche Symptomatik. Dazu sind insbesondere spezielle humangenetische Blutuntersuchungen erforderlich. Die sogenannten Genotypen HLA-DR3-DR4-DR8 treten bei den Betroffenen überdurchschnittlich häufig auf. Im Blutserum können darüber hinaus sogenannte Autoantikörper gegen Leberzellen nachgewiesen werden, ist dieser serologische Nachweis erbracht, kann die Diagnose Autoimmunhepatitis gesichert werden.

Bei der Diagnose einer Autoimmunhepatitis müssen grundsätzlich 2 Typen unterschieden werden. Bei Typ 1 der Autoimmunhepatitis treten sogenannte SMA, ANA und ANCA Antikörper auf. Bei der Verlaufsform des Typ 2 lassen sich LMK1-Antikörper nachweisen. Dieser Typ tritt vornehmlich bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf.

Behandlung und Therapie

Wie bei allen systemischen Autoimmunerkrankungen, so stellt sich auch bei der Autoimmunhepatitis die Therapie als mitunter schwierig und langwierig dar. Dies ist darin begründet, dass die Ursachen von Autoimmunerkrankungen wie der Autoimmunhepatitis bis heute weitgehend im Dunkeln liegen. Für die Patienten bedeutet dies konkret, dass nur eine symptomatische, aber keine kausale Therapie möglich ist. Mit einer Ausheilung kann also nicht gerechnet werden.

Wohl kann die Behandlung aber wenigstens dazu verhelfen, über längere Zeiträume symptomfrei zu bleiben. Doch der chronisch-rezidivierende Krankheitsverlauf wird immer wieder von akuten Zwischenschüben geprägt. Außerdem ist die immun supprimierende Therapie stark nebenwirkungslastig. Bei zu starken Nebenwirkungen kann es auch zu vorzeitigen Therapieabbrüchen kommen. Denn zum Einsatz kommen hoch dosierte Immunsuppressiva, wie Azathioprin oder Glucokortikoide.

Die überschießenden Reaktionen des Immunsystems werden dadurch nachhaltig gedämpft, die Angriffe von Immunzellen auf die Leberzellen damit abgemildert. Eine vollständige Remission ist durch den Einsatz dieser Medikamente nicht möglich, je nach den Nebenwirkungen wird eine immunsuppressive Grundmedikation über lange Zeit beibehalten werden müssen. Es kann vorher auch kaum abgeschätzt werden, wie das Immunsystem des Einzelnen reagiert, wenn die Medikamente abgesetzt werden. Bei einer langfristigen Therapie mit Glucokortikoiden wird die Medikation zusätzlich durch Bisphosphonate, Vitamin D und Kalzium ergänzt, um der Entwicklung einer Osteoporose vorzubeugen.

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Vorbeugung

Durch die genetisch bedingte Determination der Autoimmunhepatitis als Autoimmunkrankheit ist keine spezifische Vorbeugung möglich. Lediglich eine frühzeitige Diagnose kann, auch bei asymptomatischen Verläufen, eine fortschreitende Zerstörung von Leberzellen verhindern.

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