Aufstoßen

Letzte Aktualisierung am 17. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Aufstoßen, im Volksmund auch als Rülpsen bezeichnet, ist in einem gewissen Umfang völlig normal. Meist ist Aufstoßen auf eine vorübergehende Störung im Magen-Darm-Trakt zurückzuführen. Kommt es allerdings häufig vor oder verschwindet gar nicht mehr, kann eine ernst zu nehmende Krankheit vorliegen. Zur Diagnose sollte ein Arzt konsultiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Aufstoßen (Rülpsen)?

Aufstoßen, gemeinhin auch als Rülpsen bezeichnet, ist das Entweichen von Luft aus dem Magen und wird durch eine Störung des Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen ausgelöst. Es ist harmlos, wenn es vorübergehend auftritt oder wenn die Ursachen bekannt sind, wie beispielsweise nach dem Verspeisen von blähenden Lebensmitteln oder nach zu fettem Essen.

Hält häufiges Aufsoßen über einen längeren Zeitraum an, so sollten die Gründe dafür von einem Arzt abgeklärt werden, denn dauerndes Aufstoßen kann auch das Symptom einer ernsten Erkrankung sein.

Ursachen

Grundsätzlich wird Aufstoßen verursacht, wenn der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig funktioniert. Dies kann geschehen, wenn der Druck im Magen zu groß ist, wie das nach Verspeisen von blähenden Lebensmitteln oder Trinken von kohlensäurehaltigen Getränken vorkommt.

Der Verschluss kann dem Druck nicht mehr standhalten, die Luft entweicht durch die Speiseröhre nach oben. Manche Menschen bekommen zu viel Luft in den Magen, weil sie völlig unbewusst beim Essen Luft schlucken (Aerophagie) oder weil sie zu hastig essen. Auch dies verursacht Aufstoßen.

Haben Betroffene zusätzlich Magenschmerzen, so kann eine Gastritis vorliegen. Bei sehr saurem Aufstoßen zusammen mit Sodbrennen, eventuell sogar mit Rückfluss von Flüssigkeit oder Speisebrei, sollte ebenfalls der Magen ärztlich untersucht werden.

Diese Symptome lassen auf einen Reizmagen, eine Magenübersäuerung oder eine Entzündung der Speiseröhre (Refluxkrankheit) schließen.

Weitere Ursachen für häufiges Aufstoßen verbunden mit Schmerzen im Oberbauch können eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder Gallensteine sein. Bei Schwangeren wird saures Aufstoßen oft durch den erhöhten Druck auf den Magen ausgelöst, insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft.

Wann zum Arzt?

Früher hielten die meisten Menschen das Aufstoßen oder Rülpsen für ein Zeichen dafür, dass das Essen geschmeckt hatte. Heute ist es eher peinlich, aber eigentlich ganz natürlich. Normalerweise ist das daher kein Grund für einen Arztbesuch.

Erst wenn es regelmäßig nach dem Essen geschieht und der Mageninhalt sauer ist, muss an die Refluxkrankheit oder an Magenschleimhautentzündung gedacht werden und die sollte ärztlich behandelt werden. Auch übler Geruch beim Aufstoßen oder das Hochbringen von Nahrungsresten ist ein Alarmsignal. Hier kann möglicherweise ein Darmverschluss vorliegen und der ist ein ärztlicher Notfall und lebensgefährlich.

Manchmal sind zu hastiges Essen, besonders blähende Gerichte, stark kohlesäurehaltige Getränke oder zu fettige Speisen die Ursache für das Aufstoßen. Hier kann man sich durch Änderung der Essgewohnheiten und Trinkgewohnheiten selbst helfen. Auch verschiedene Tees wie Kamille, Fenchel, Salbei oder Kümmel sind sehr hilfreich.

Diagnose und Verlauf

Zuerst wird der Arzt die Essensgewohnheiten des Patienten abklären und nach begleitenden Symptomen fragen. Dadurch kann er erste Hinweise erhalten, ob das Aufstoßen noch im Bereich des Normalen ist oder ob eventuell eine Krankheit vorliegt.

Auch die Dauer des Auftretens von Aufstoßen und ob man nur nach dem Essen oder auch zwischendurch aufstößt, ist von Bedeutung. Treten weitere Beschwerden wie Schmerzen, Appetitlosigkeit, Darmblähungen, Verstopfung oder Übelkeit auf, so wird der Magen-Darm-Trakt, sowie die Galle und die Bauchspeicheldrüse näher untersucht werden.

Häufig liegt dem Aufstoßen auch eine Magenschleimhautentzündung oder ein Bakterienbefall zugrunde. Mithilfe einer Magen- oder Darmspiegelung, einer Ultraschalluntersuchung und Blutuntersuchungen können entsprechende Störungen diagnostiziert werden. Liegen hier Erkrankungen vor, so wird durch deren Behandlung auch das Aufstoßen wieder nachlassen und schließlich ganz verschwinden.

Komplikationen

Aufstoßen bereitet dem Betroffen im normalen Fall wenige bis keine Beschwerden oder Komplikationen. Jedoch kann, da es beim Aufstoßen meist zum Austreten von Luft aus dem Magen kommt, die aggressive Magensäure mit der ausgestoßenen Luft in den Mundraum transportiert werden. Dies führt einmalig zu keinen schwerwiegenderen Komplikationen, eventuell hat der Betroffene einen unangenehmen Geschmack im Mund. Mögliche Folgen sind aber zum Beispiel Übelkeit, brennende Brustschmerzen oder ein starkes Kratzgefühl im hinteren Bereich des Rachens.

Hinzu können Schlafstörungen kommen, wenn sich das Aufstoßen in der Nacht abspielt. Des Weiteren können auch Essstörungen dazukommen. Dauerhaftes Aufstoßen führt zum dauerhaften Verschlucken von Magensäure, dadurch werden Speiseröhre, aber auch die Atemwege stark gereizt. Chronisches Sodbrennen können die Folge sein, welches zu Entzündungen der Speiseröhre führen kann und im schlimmsten Falle zum Krebs der Speiseröhre oder ähnlichen Erkrankungen. Durch die dauerhafte Belastung der Zellen der Speiseröhre durch die Magensäure verändern diese ihre Struktur, was eben zu bösartigen Veränderungen führen kann.

Zu den häufigsten Komplikationen sauren Aufstoßens gehört auch der Zwerchfellbruch. Des Weiteren wird eine Achalasie begünstigt, das heißt eine Funktionsstörung der Muskulatur der Speiseröhre. Es kommt zu Schluckstörungen. Weitere Anzeichen für Komplikationen sind Blutungen sowie Blutspucken, sich bildende Geschwüre, Entzündungen im Rachenbereich, verengende Schmerzen und eventuell Atemprobleme. Ebenso werden die Zähne in Mitleidenschaft gezogen, da die Salzsäure den Zahnschmelz angreift.

Behandlung und Therapie

Aufstoßen im Bereich des Normalen und ohne zusätzliche Beschwerden ist harmlos und muss nicht behandelt werden. Es verschwindet meist von selbst wieder. Liegen Erkrankungen vor, so richtet sich die Therapie auf deren Behandlung.

Werden keine anderen Erkrankungen festgestellt und man muss dennoch häufig aufstoßen, so sollte man die Essensgewohnheiten und eventuelle Nahrungsmittelunverträglichkeiten überprüfen.

Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, um das Verdauungssystem gesund zu erhalten. Blähende Lebensmittel, fettige oder übermäßig gewürzte Speisen und stark kohlensäurehaltige Getränke sollten vermieden werden.

Manche Menschen schlingen ihr Essen aus Zeitmangel oder Stress zu schnell hinunter; hier muss bewusstes langsames Essen und intensives Zerkauen der Speisen geübt werden, denn dies entlastet den Magen und verhindert die übermäßige Luftbildung.

Auch Tees mit krampflösender und entblähender Wirkung, wie Anis-, Fenchel-, Kamille- oder Kümmeltee, sind hilfreich.

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Aussicht und Prognose

Beim Aufstoßen hängt die in der Regel gute Prognose von den individuellen Voraussetzungen des Patienten und seiner Behandlung ab. Im Wesentlichen geht es hierbei auch um die sogenannte Compliance, die Bereitschaft des Patienten zur Mitarbeit an seiner Therapie. Hängt das Aufstoßen beispielweise eng mit einem möglichen Übergewicht zusammen, ist dies in Absprache mit dem behandelnden Arzt zu reduzieren.

Oft werden von den Medizinern auch bestimmmte Empfehlungen in Bezug auf Verhaltensweisen gegeben, die das Aufstoßen verringern und in vielen Fällen sogar gänzlich beseitigen können. Hier zu gehört beispielsweise das Vermeiden von üppigen, sehr fetten oder süßen Speisen. Vor allem vor dem Schlafengehen sollte darauf verzichtet werden.

Auch das Reduzieren des Anteils an blähenden Speisen wie Kohl oder Bohnen verbessert die Prognose. Oft wird das Aufstoßen dadurch verursacht, dass Menschen hastig essen und dabei viel reden. Auf diese Weise wird Luft verschluckt, die durch den Vorgang des Aufstoßens wieder auf natürlichem Weg entweicht.

Ein Entschleunigen bei Essen und damit mehr Ruhe bei den Mahlzeiten, ein bewusstes Kauen und das Schlucken kleiner Bissen kann die Prognose im Hinblick auf das Aufstoßen ebenfalls begünstigen. Grundsätzlich gilt also, dass die ohnehin günstige Prognose des Aufstoßens dadurch verbessert wird, wenn der Patient an seiner Gesundung aktiv mitarbeitet.

Vorbeugung

Aufstoßen kann durch eine bewusste Nahrungsmittelauswahl und langsames Essen vermieden werden, solange keine andere Erkrankung vorliegt. Tritt das Aufstoßen länger als zwei Wochen auf, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen um schwereren Störungen vorzubeugen, die durch eventuell bestehende Krankheiten ausgelöst würden.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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