Anorexie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. März 2017
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Unter dem medizinischen Begriff Anorexie fällt die sogenannte Magersucht. Anorexie ist eine ernstzunehmende Krankheit, die eine Gefahr für das Leben und die Gesundheit der betroffenen Person ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Anorexie?

Von der Essstörung Anorexie sind vor allem Mädchen und jüngere Frauen betroffen. Anorexie kommt nicht von heute auf morgen, sondern "schleicht" sich in das Leben und Verhalten der Betroffenen ein.

Die Risikogruppe liegt bei den zwölf bis 25-jährigen Personen. Auch Männer erkranken immer wieder an Anorexie - der Prozentsatz liegt hier jedoch bei lediglich 5 Prozent. Betroffene halten nicht nur eine strenge Diät, sondern verweigern oftmals komplett die Nahrung.

Ursachen

Die Ursachen für Anorexie sind unterschiedlich - wobei es keine Hauptursache gibt. Es ist eine Kombination aus gesellschaftlichem Druck und seelischen Problemen - wie wohl andere Faktoren - die eine Anorexie auslösen.

Mögliche Ursachen und Auslöser für eine Anorexie sind die Angst vor dem Erwachsenwerden und auch die Überforderung mit der Tatsache, "Frau zu sein". Eine weitere Ursache ist die Angst vor Übergewicht. Weitere Faktoren, die eine Anorexie begünstigen, ist der Konflikt mit der Familie aber auch Konkurrenzdenken.

Vor allem in Sparten, wo "schlank sein" verpflichtend ist, steigt in diesem Zusammenhang die Gefahr der Anorexie. Diesbezüglich gehören Ballett-Tänzer oder auch Fotomodels zur Risikogruppe.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Die Anorexie oder Verlust des Appetits und des Essverlangens ist keine eigenständige Krankheit sondern ein Symptom verschiedener Erkrankungen. Häufig hat sie ihre Ursache in Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, der Galle oder der Bauchspeicheldrüse, aber auch Tumorerkrankungen, verschiedene Infektionskrankheiten, Drogen und Alkoholmissbrauch können eine Anorexie zur Folge haben. Eine Sonderform stellt die psychisch bedingte Magersucht dar.

Anorexie muss in jedem Fall ärztlich behandelt werden, weil die mit ihr einhergehende Unterernährung schwere körperliche Schäden mit sich bringt und sogar lebensgefährlich werden kann. Fehlende Nährstoffe, mangelnde Energie und der ständige Abbau von Körpergewebe kann tödlich enden. Deshalb werden die Ärzte zuerst versuchen, mit geeigneten Maßnahmen das Gewicht Betroffener wieder zu erhöhen und ihnen die lebensnotwendigen Nährstoffe zuzuführen.

Anschließend aber muss die auslösende Erkrankung behandelt werden. Das ist besonders bei der psychisch bedingten Magersucht unter Umständen sehr langwierig und schwierig. Ziel der ärztlichen Behandlung ist bei diesen Patienten die Wiederherstellung eines normalen Essverhaltens und einer gesunden Selbstwahrnehmung.

Diagnose und Verlauf

Viele Angehörige erkennen Anorexie nicht. Dennoch gibt es einige Symptome und Gewohnheiten, die dafür sprechen, dass die Person an Anorexie leidet. Unter anderem fühlt sich die betreffende Person - auch nach einer starken Gewichtsabnahme - zu dick. Das Essen selbst wird zerpflückt, in kleine Stücke geschnitten und nur zaghaft konsumiert.

Zudem achtet der Betroffene auf eine kalorienarme Nahrung. Ein klassisches Symptom: Der Betroffene hortet Lebensmittel, kocht für andere, isst selbst jedoch nicht. Viele Magersüchtige nehmen - neben der strengen Diät - auch Abführmittel oder auch sogenannte Appetitzügler ein, damit sie schneller Gewicht verlieren. Gerät die betreffende Person unter einen BMI von 17,5 kg/m², spricht man von Anorexie.

Die Person leidet an körperlichen Problemen, die auf Grund der Mangelernährung auftreten. So klagen die Patienten über den Ausfall der Monatsblutung, verspüren keine Lust auf Sex, haben niedrigen Blutdruck und trockene Haut. Der Arzt stellt die Diagnose auf Grund der Anamnese und auch mittels BMI-Berechnung sowie einer Auswertung von Blutuntersuchungen im Labor.

Weitere Indizien für Anorexie sind: Der BMI beträgt unter 17,5 kg/m²; Der radikale Gewichtsverlust ist absichtlich herbeigeführt - Betroffene halten Dauer-Diäten und versuchen mit Abführmittel und Appetitzügler schneller Gewicht zu verlieren Betroffene haben Angst vor einer Gewichtszunahme, kontrollieren ständig ihr Gewicht mit der Waage;

An Anorexie erkrankte Personen meiden den Besuch von Veranstaltungen. Spricht man erkrankte Personen auf das Gewicht an, reagieren sie gereizt und nehmen eine klassische Abwehrhaltung ein

Komplikationen

Zu den Komplikationen einer Anorexie gehören verschiedene Langzeitfolgen. Da der Körper durch die Einhaltung einer strikten Diät langanhaltend einen Protein- sowie Nährstoffmangel erlebt hat, sind irreparable Organschädigungen zu erwarten. Die Muskulatur ist insgesamt geschwächt. Insbesondere der Herzmuskel leidet unter den Mangelerscheinungen und kann Herzbeschwerden oder Aussetzer der Herztätigkeit zur Folge haben.

Verschiedene Stoffwechselerkrankungen sowie Hormonkrankheiten sind zu erwarten. Bei Mädchen und Frauen kommt es häufig zum Aussetzen der Monatsblutung. Dies hat zur Folge, dass eine Schwangerschaft unmöglich wird oder der Körper einen Schwangerschaftsabbruch vollzieht. Der Körper weist Zeichen wie Haarausfall oder schütteres Haar auf. Die Substanz der Nägel ist beschädigt. Darüber hinaus ist die Hartsubstanz der Zähne meist angegriffen oder entwickelt sich zurück.

Im Blut befinden sich insgesamt weniger Blutzellen. Damit wird die Versorgung aller Organe herabgesetzt. Die Knochenmasse reduziert sich, was eine Zunahme an Knochenbrüchen verursacht. Es kommt zu Schlafstörungen, weiteren psychischen Problemen und Hautveränderungen. Durch den Abbau der Muskulatur sind motorische Einschränkungen des gesamten Bewegungsapparates zu erwarten. Selbst alltägliche Abläufe können nicht mehr stattfinden. Durch die langfristige Mangelernährung kann es neben dem Herzversagen zu einem Lungen- oder Nierenversagen kommen. Alle Formen des Organversagens können mit einer notwendigen Transplantation verbunden sein. In besonders schwierigen Fällen ist der Ausgang tödlich.

Behandlung und Therapie

Auf Grund der Tatsache, dass Anorexie nicht nur körperliche sondern auch seelische Symptome aufweist, ist die Behandlung umfassend. Das bedeutet, der Arzt muss nicht nur auf körperliche Beschwerden Rücksicht nehmen, sondern auch etwaige psychische und seelische Störungen und Probleme des Patienten behandeln. Aus diesem Grund ist es ratsam einen Psychotherapeuten zu kontaktieren.

Das Ziel lautet, dass die betroffene Person wieder einen normalen Ernährungsstand aufweist. Das bedeutet, dass die Person Diät halten muss, um wieder eine gesunde Nahrungsweise zu erlernen. Weist die Person bereits lebensgefährliche Zustände auf, ist eine Behandlung im Krankenhaus zwingend erforderlich. Oftmals ist auch eine medikamentöse Behandlung der einzige Ausweg - vor allem wenn die Betroffene unter starken Zwangssymptome oder Depressionen leidet.

Die Behandlung von Anorexie sollte nur ein erfahrener Arzt durchführen. Die Behandlung erfolgt in der Regel bei einem Arzt und einem Psychologen. Hat die betroffene Person starkes Untergewicht, ist eine regelmäßige Gewichtskontrolle anzuraten. So überprüft der Arzt gleichzeitig, ob eine Gewichtszunahme erfolgt und die Therapie Früchte zeigt. Eine Behandlung dauert im Regelfall einige Jahre. Nach einer Heilung von Anorexie ist jedoch nicht garantiert, dass die Person einen etwaigen Rückfall erleidet und in alte Muster zurückkehrt. Vor allem in der Anfangsphase ist erhöhte Vorsicht für einen Rückfall geboten.



Prognose

Eine Anorexie (Magersucht) kann physische wie auch psychische Folgeschäden verursachen.

Verantwortlich dafür ist der massive Gewichtsverlust und die damit verbundene Mangelversorgung des Organismus mit essenziellen Nährstoffen. Bei Frauen kommt es durch das Absinken des Hormonspiegels zum Ausbleiben der Regelblutung. Magersüchtige Männer leiden sehr häufig unter Potenzproblemen. Bei beiden Geschlechtern lässt das sexuelle Interesse immer mehr nach.

Der Energiemangel führt auch dazu, dass der Körper nur noch auf Sparflamme läuft, wodurch Körpertemperatur und Blutdruck sinken und das Herz langsamer schlägt. Die daraus resultierenden Symptome sind kalte Hände und Füße aber auch generelles Frieren, obwohl es gar nicht so kalt ist. Der Mangel an Nahrungsquantität führt außerdem häufig zu Verstopfung.

Dermatologisch betrachtet führt Anorexie zu trockener und schuppiger Haut. Die Nägel fangen an, brüchig zu werden und brechen ab. Auch werden die Haare immer dünner. Im Extremfall können sie sogar ausfallen. Eine flaumartige Behaarung kann sich insbesondere an den Armen, Beinen und am Rücken bilden. Die Venen treten vermehrt hervor, weil sich das Unterhautfettgewebe zurückbildet.

Letztlich kommt nicht nur das Wachstum, sondern die gesamte Entwicklung ins Stocken. Ein Mangel an Vitamin D, Kalzium und Phosphat führt zu einem gestörten Stoffwechsel der Knochen, wodurch diese brüchig werden. Eiweißmangel ist für abgelagerte Flüssigkeit im Gewebe verantwortlich.

Eine massive Unterernährung führt im Extremfall auch zu einem Schwund des Hirngewebes. Leistungseinbußen sind die Folge. Der Salzhaushalt wird durch Erbrechen und übermäßigem Gebrauch von Abführmitteln durcheinandergebracht. Ein Kaliummangel führt zu Herzrhythmusstörungen. Auch ein Elektrolytmangel ist keineswegs mit seinen mannigfaltigen Auswirkungen zu unterschätzen.

Die Mangelversorgung insgesamt schädigt das Immunsystem, wodurch der Organismus anfällig wird für Infektionen jeglicher Art.

Vorbeugung

Anorexie kann von der betroffenen Person selbst nicht verhindert werden. Ausschlaggebend ist die Erziehung durch die Eltern. Das Kind sollte nicht permanent einen Leistungsdruck ausgesetzt sein, der sich primär nur auf das äußere Erscheinungsbild ableitet.

Eltern sind verpflichtet, dass sie auch darauf achten, ob sich das Kind verändert oder stark Gewicht verliert. Je früher eine Magersucht oder Essstörung erkannt wird, umso höher stehen die Chancen, dass die klassische Anorexie verhindert wird.

Bücher über Anorexie

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Payk, T.R.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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