Anaphylaxie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 8. Juni 2017
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Anaphylaxie ist eine starke allergische Reaktion, deren Symptome unbehandelt lebensbedrohlich seien können. Die Überreaktion des Immunsystems kann zu starker Atemnot, Schwindel und Erbrechen führen. Sofortige medizinische Hilfe ist notwendig, die Behandlung mit Epinephrin und Sauerstoff.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Anaphylaxie?

Anaphylaxie ist eine ernsthafte und potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion. Die Reaktion kann innerhalb von Sekunden auftreten, wenn eine allergische Person dem Allergen ausgesetzt ist; bspw. einer Nuss oder dem Gift einer Biene.

Die Flut der körpereigenen Chemikalien, die während einer Anaphylaxie vom Immunsystem ausgeschüttet werden, können einen Schock hervorrufen. Der Blutdruck fällt, die Atemwege verengen sich; Schwindel, Hautausschlag und Erbrechen sind häufige direkte Symptome. Anaphylaxie benötigt sofortige medizinische Hilfe und eine Epinephrin-Spritze. Unbehandelt kann der Schock zum Tod führen.

Ursachen

Das menschliche Immunsystem produziert Antikörper, die den Körper gegen fremde Substanzen verteidigt. Dies ist sinnvoll, wenn der angreifende Fremdkörper tatsächlich schädlich ist, wie bspw. bestimmte Bakterien oder Viren.

Doch das Immunsystem vieler Menschen reagiert auf Substanzen, die nicht schädlich sind. Wenn dies geschieht, setzt eine Kettenreaktion ein, die zu Allergie-Symptomen führt. Normalerweise sind diese Symptome nicht lebensgefährlich, doch einige Menschen haben eine so starke allergische Reaktion, dass diese zu einer Anaphylaxie führen kann.

Eine Vielzahl von Allergenen kann eine Anaphylaxie auslösen. Dies ist abhängig davon, worauf die betroffene Person allergisch ist. Verbreitete Ursachen sind bestimmte Medikamente, vor allem Penicillin. Nahrung wie z.B. Nüsse, Getreide, Fisch, Milch, Eier. Oder auch Insektenstiche von Bienen, Hornissen oder Ameisen. Die Reaktion auf die Allergene kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein.

Wann zum Arzt?

Da bei einer Anaphylaxie oder einem anaphylaktischen Schock Lebensgefahr besteht, sollte der Betroffene bei den ersten Anzeichen sofort einen Arzt aufsuchen oder einen Notarzt rufen. Befindet er sich bereits in dem Schockzustand, müssen Zeugen einen Notarzt kontaktieren und bis zu dessen Eintreffen Erste-Hilfe-Maßnahmen leisten. Bei einer Anaphylaxie kommt es zu einem plötzlichen Zusammenbruch des Immunsystems. Daher ist eine schnelle und gute Reaktion überlebenswichtig. Ein multiples Organversagen ist möglich, sodass der Betroffene häufig körperlich in sich zusammen sinkt.

Bei den ersten Atemstörungen oder Aussetzern muss bereits ein Arzt aufgesucht werden. Die Schleimhäute im Mund und Rachen verringern die gewohnte Atemzufuhr, sodass es zu einer Atemnot kommt. Bei Störungen des Bewusstseins, Herzrasen oder Krämpfen im gesamten Körper muss ein Arzt gerufen werden. Probleme beim Sprechen, Sehen oder Hören deuten auf eine akute Reaktion des Körpers hin, bei der ein sofortiger Handlungsbedarf besteht.

Setzt ein Bluthochdruck ein, kommt es zu Schwellungen der Haut oder einem Juckreiz, muss ein Arzt aufgesucht werden. Rötungen der Haut, der Augen oder plötzlicher Schnupfen müssen von einem Arzt untersucht und abgeklärt werden. Treten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel auf, sollte unverzüglich ein Arzt konsultiert werden.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome bei Anaphylaxie:

Die Anaphylaxie tritt normalerweise bereits Sekunden nach dem Kontakt mit dem Allergen auf. In manchen Fällen kann jedoch auch eine halbe Stunde zwischen Kontakt und Reaktion vergehen. Die Symptome für eine Anaphylaxie beinhalten Hautreaktionen, inklusive juckende Ausschläge und beinahe immer eine blasse Hautfarbe. Betroffenen wird heiß und sie haben das Gefühl eines Knoten im Hals. Da Hals, Atemwege und Zunge anschwellen, kann das Atmen schwerfallen. Der Puls wird schneller und flacht ab. Auch Schwindel, Erbrechen, Diarrhö und Ohnmacht können einsetzen. Anwesende Personen sollten bei diesen auftretenden Symptomen schnell handeln und einen Notarzt rufen. Viele Menschen mit starken Allergien tragen auch eine Epinephrine-Injektion am Körper.

Diagnose

Um eine Diagnose zu stellen, wird der Arzt gezielt Fragen zu vergangenen allergischen Reaktionen stellen. Welche Nahrungsmittel oder Medikamente könnten bspw. in Verdacht geraten, existieren Reaktionen auf den Kontakt zu Latex oder Insektenstiche. Um eine genauere Diagnose zu stellen, kann auch ein Haut- oder Bluttest ausgeführt werden. Eine weitere Variante ist die genaue Auflistung aller Nahrungsmittel, die am Tag zu sich genommen werden, oder das Auslassen bestimmter Nahrung für einen abgesteckten Zeitraum. Zusätzlich wird bei Verdacht versucht, andere Störungen, die für die Reaktionen verantwortlich seien könnten, auszuschließen. So können Herzprobleme oder psychologische Störungen ebenfalls die aufgezählten Symptome verursachen.

Komplikationen

Die heftigste Folge einer allergischen Reaktion ist die Anaphylaxie, die mit weit reichenden und sogar zum Teil lebensgefährlichen Komplikationen verbunden ist. Hat der Betroffene eine Allergie gegen einen bestimmten Stoff, muss dieser ständig diesen Stoff umgehen, um einer allergischen Reaktion vorzubeugen. Dies schränkt die Lebensqualität stark ein, da der Betroffene stets vorsichtig sein muss. Eine Reaktion kann zunächst harmlos beginnen, indem sich die Haut rötet und diese auch zu jucken beginnt. Häufig beginnen sich kleine Bläschen, die Quaddeln, zu bilden, die den Juckreiz zusätzlich verstärken. Dazu kann sich die Reaktion ausbreiten und auf die Atemwege gehen, welche anschwellen können und beim Patienten zu starker Atemnot führen können, der Betroffene droht zu ersticken.

Aufgrund der anatomischen Nähe der Atemwege zu der Speiseröhre kommen auch Schluckbeschwerden hinzu. Eine schwerer behandelbare Form der allergischen Reaktion ist das Quincke-Ödem, bei dem auch die tieferen Hautschichten anschwellen. Bei der Anaphylaxie kann es zu einer weiten Öffnung der Blutgefäße im Körper kommen, so dass es zu einem starken Blutdruckabfall kommt, der anaphylaktische Schock entsteht. Dadurch werden wichtige Organe nicht mehr richtig durchblutet und können infolgedessen absterben. Am häufigsten geschieht hierbei das Nieren- oder Lungenversagen. Nicht selten (bei 1 Prozent der Fälle) führt eine Anaphylaxie zum Tode des Patienten.

Behandlung und Therapie

Ein Notarzt wird bei einer Anaphylaxie eine cardiopulmonale Reanimation (Wiederbelebung) durchführen, wenn die Atmung aussetzt oder das Herz aufhört zu schlagen. Auch die Verabreichung von Medikamenten ist üblich. Dazu zählen: Epinephrine (Adrenalin, das die Körperreaktion auf das Allergen herunterfährt), Sauerstoff, damit sich die Atmung stabilisiert, intravenöse Antihistamine und Kortison, damit die Entzündungen in den Atemwegen zurückgeht.

Menschen mit einer Anaphylaxie benötigen schnelle Hilfe. Beistehende Personen sollten bei aufgezählten Symptomen schnellstens den Notruf alarmieren und den Betroffenen in eine angenehme Position mit angehobenen Beinen bringen. Atmung und Puls sollte im besten Fall schon vom ersten Helfer getestet werden und wenn nötig Wiederbelebung durchgeführt werden.

Zusätzlich sollte die betroffene Person nach möglichen Medikamenten oder einem EpiPen durchsucht werden. Der EpiPen wird in den Oberschenkel injiziert. In einigen Fällen gibt es die Möglichkeit eine schwere Allergie mit einer Immuntherapie zu verringern. In den meisten Fällen jedoch ist die Allergie und damit die Ursache der Anaphylaxie nicht heilbar.

Die einzige Handlungsmöglichkeit für Betroffene ist die zukünftige allergische Reaktionen durch bewussten Umgang mit ihrer Allergie zu vermeiden. Das bedeutet vorrangig, die bekannten Allergene zu umgehen und den Kontakt mit ihnen zu vermeiden. Ggf. sollte ein EpiPen mit sich geführt werden, sowie Antihistamine und Prednison.



Vorbeugung

Der beste Weg einer Anaphylaxie vorzubeugen, ist es dem Allergen aus dem Weg zu gehen. Dies gilt sowohl für Lebensmittel (Inhaltsstoffe durchlesen), als auch für Insekten. Spezielle Hals- oder Handbänder können von Menschen mit starker Allergie getragen werden, um im Notfall richtig zu informieren. Ebenso sollten Personen der Risikogruppe immer ein vollständiges Set notwendiger Medikamente für den Ernstfall in Griffbereitschaft haben.

Bücher über Allergie

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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