Allodynie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 1. Oktober 2016
Gesundpedia.deSymptome Allodynie

Bei einer Allodynie handelt es sich um eine Steigerung der Schmerzempfindlichkeit. Dabei werden Schmerzen bereits bei geringen physiologischen Reizen hervorgerufen, die bei gesunden Personen ohne Allodynie nicht zur Empfindung von Schmerz führen. Im Rahmen einer Allodynie werden insbesondere Temperatur- oder Berührungsreize als sehr schmerzhaft empfunden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Allodynie?

Hier informieren!

Medikamente gegen: Schmerzen

Eine Allodynie bezeichnet in der Medizin eine Schmerzempfindung, die infolge von Reizen hervorgerufen wird, die unter normalen Umständen keine Schmerzen auslösen. Im Rahmen einer Polyneuropathie ist es zum Beispiel möglich, dass das Aufliegen von Kleidung auf der Haut als schmerzhaft wahrgenommen wird. Außerdem tritt die Allodynie als begleitendes Symptom bei zahlreichen neurologischen Erkrankungen auf. Darüber hinaus kommt eine Allodynie manchmal auch in der Pädiatrie vor. Hier kommt sie gehäuft bei frühgeborenen Babys vor, die intensivmedizinisch behandelt wurden. In diesen Fällen wird die Allodynie durch eine hohe Frequenz der Behandlungen sowie die meist unzureichende Analgesie verursacht. Ein verbreiteteres Beispiel für eine Allodynie ist etwa die Berührungsempfindlichkeit, die im Rahmen eines Sonnenbrands auftritt.

Grundsätzlich steht die Allodynie mit neuropathischen Schmerzen und deren Ausdruck in Verbindung. Die Sinneszellen in der Haut und Schleimhaut des Menschen sind in der Regel die Stellen, an denen Reize zuerst wahrgenommen werden. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten Nozizeptoren, welche insbesondere für schmerzhafte Reize zuständig sind. Denn bei den Nozizeptoren handelt es sich um die freien Endungen der Nerven der sensiblen Neuronen des Rückenmarks.

Sie kommen in sämtlichen Gewebearten des Körpers vor, die für Schmerzen empfindungsfähig sind. Dabei melden die Schmerzrezeptoren die Reize an das Zentralnervensystem. Bei diesen Reizen handelt es sich zum Beispiel um Oberflächenschmerz, Tiefenschmerz, der die Gelenke und Muskeln betrifft sowie Schmerzen, die von den inneren Organen ausgehen. Ist eine bestimmte Reizintensität erreicht, entsteht an den Nozizeptoren ein sogenanntes Aktionspotenzial. Dieses wird als neuronale Erregung an das Rückenmark gemeldet und wird von dort bis in das Gehirn weitergeleitet. Dort erreicht der Reiz schließlich das Bewusstsein.

Ursachen

Die möglichen Ursachen für eine Allodynie sind vielfältig. In der Regel liegt der Auslöser für die Erkrankung entweder im zentralen oder im peripheren Nervensystem. Darüber hinaus ist unter Umständen auch die Psyche des betroffenen Patienten für die Allodynie verantwortlich. Grundsätzlich richtet sich die Therapie der Allodynie nach der zugrunde liegenden Ursache. In den meisten Fällen liegt die Ursache einer Allodynie in erkrankten Nerven bzw. den Hautarealen, die sie versorgen und die in vielen Fällen bereits vorgeschädigt sind.

Mitunter lösen erlittene Polyneuropathien eine plötzliche C-Nozizeptoraktivität aus, die eine Allodynie verursachen kann. Bei einer Polyneuropathie gehen Nervenfasern langfristig verloren. Ähnlich verhält es sich auch bei der Allodynie, bei der segmentale Verluste am Gewebe im sogenannten Hinterhorn des Rückenmarks erfolgen. Die Ursache liegt teilweise zum Beispiel auch in einer Trigeminusneuralgie, wobei sich Nervenfasern ungeschützt in unmittelbarer Nähe befinden und dadurch die Reizschwelle herabsetzen. Jedoch kommen auch psychische Faktoren für die Auslösung von Schmerzen in Frage. Beispielsweise begünstigen Ängste oder eine generelle Neigung zur Somatisierung bestimmte Überempfindlichkeiten.

Grundsätzlich variiert die Reizschwelle, die für die Entstehung des Aktionspotenzials notwendig ist, von Person zu Person. Jeder Mensch besitzt eine individuelle Schmerzschwelle. Dabei ist jedoch zu beachten, dass eine niedrige Schmerzschwelle nicht zwangsläufig einen Krankheitswert haben muss. Lösen die Nozizeptoren jedoch schon bei angenehmen Berührungsreizen ein entsprechendes Aktionspotenzial aus und melden im Gehirn Schmerz, ist von einem Krankheitswert auszugehen. In solchen Fällen liegt eine Allodynie vor. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass Schmerz empfunden wird, obwohl die verantwortlichen Reize unschädlich und gemeinhin toleriert sind.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Zur Diagnose von Allodynien kommen diverse untersuchungstechnische Methoden in Betracht. Grundsätzlich werden Allodynien in der Neurologie diagnostiziert. Dabei kommt der sogenannte Provokationstest zur Stellung der Diagnose zum Einsatz. Hierbei übt der Arzt diverse Reize auf die Haut der betroffenen Person aus. Genutzt werden dabei zum Beispiel Zahnstocher, Finger oder eine Metallrolle mit verschiedenen Temperaturen. Der Patient muss auftretende Schmerzempfindungen mitteilen und in ihrer Intensität beschreiben.

Im Anschluss an die Diagnose der Allodynie schließen diagnostische Maßnahmen zur Ermittlung der zugrunde liegenden Krankheit an. Bleiben bildgebende Verfahren des peripheren und des zentralen Nervensystems ohne Befund, hat die Allodynie vermutlich eine psychische Ursache. Die Prognose ist bei einer Allodynie stark vom jeweiligen Patienten und der individuellen Ausprägung und Schwere der Erkrankung sowie der zugrunde liegenden Krankheit abhängig. Generell verfügen zentral vermittelte Allodynien eine tendentiell ungünstige Prognose. Liegen die Ursachen in der Psyche, steht die Prognose dagegen relativ gut.

Behandlung und Therapie

Eine körperlich veränderte Empfindung von Schmerzen, wie sie im Rahmen einer Allodynie auftritt, lässt sich nur mit Einschränkung behandeln. Prinzipiell erfolgen therapeutische Maßnahmen stets im Hinblick auf die zugrunde liegende Ursache. Bei psychisch bedingten Allodynien kommen adäquate Psychotherapien oder eine generelle psychologische Begleitung in Frage. Eine psychologische Therapie ist bei jenen Patienten möglich, die an anderen Formen der Allodynie leiden. Hierbei lernen die betroffenen Personen, besser mit der veränderten Schmerzempfindlichkeit umzugehen. Liegen der Allodynie organische Ursachen wie zum Beispiel eine Verletzung des Nervengewebes zugrunde, sind die Schäden im überwiegenden Teil der Fälle irreparabel. Dies trifft insbesondere auf zentral vermittelte Allodynien zu.

Werden die primären Ursachen therapiert, so ist zwar eine Verbesserung der Symptome möglich. Jedoch verschwinden die Beschwerden in den meisten Fällen nicht vollständig. In Bezug auf organische Ursachen existieren Beobachtungen, dass Patienten ihre Schmerzschwelle normalisieren konnten, indem sie sich starken Schmerzreizen ausgesetzt hatten. Dadurch tritt mitunter ein Gewöhnungseffekt auf und die Allodynie verbessert sich.



Vorbeugung

Konkrete Maßnahmen zur Prävention von Allodynien existieren nach derzeitigem Kenntnisstand nicht. Es kann lediglich Schäden am Nervensystem vorgebeugt werden, um dadurch das Risiko für zentral oder peripher vermittelte Allodynien zu senken.

Bücher über Schmerzmittel

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Allodynie?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?