Was ist eine Sepsis (Blutvergiftung)

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Sepsis kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt in etwa "faul machen". In unserer heutigen Umgangssprache verwenden wir dafür das Wort Blutvergiftung. Medizinisch steckt dahinter eine schwerwiegende, systemische Entzündungsreaktion meistens auf Grund einer bakteriellen Infektion, wodurch Toxine, manchmal auch Pilze, den gesamten Organismus in Mitleidenschaft ziehen können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Blutvergiftung (Sepsis)?

Gelangen Bakterien in die Blutbahn, können sie im Körper schwere Schäden anrichten. Fieber ist ein typisches Symptom bei einer Blutvergiftung, ein Arzt sollte dann dringend aufgesucht werden.

Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland ca. 150.000 Menschen an einer Sepsis; verläuft diese schwer, ist es jeder Zweite, der daran auch stirbt; insofern ist die Sepsis die Nummer 3 bei den Todesursachen (betroffen sind jeden Tag 162 Menschen!).

Hugo Schottmüller definierte die Sepsis bereits 1914 mit dem Hinweis auf die Bildung eines Herdes, der entweder ständig oder auch in einzelnen Schüben pathogene Bakterien in die Blutbahn entsendet.

2005 wurde die Definition der Sepsis durch Schuster und Werdan nochmals etwas moderner formuliert, in dem sie als lebensbedrohliche, klinische Krankheitserscheinung bezeichnet wird, die auf Grund pathogener Keime und derer Produkte zu pathophysiologischen Veränderungen führen, wobei auch hier der Hinweis darauf gegeben wird, dass der Ausgangspunkt bzw. die Quelle ein Infektionsherd ist.

Bei einer Sepsis unterscheidet man vier unterschiedliche Schweregrade:

1.) Systemisches, inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS)

2.) Sepsis (bei nachgewiesener Infektion)

3.) Schwere Sepsis (bei zusätzlichem Organversagen)

4.) Septischer Schock (Blutdruckabfall)

Ursachen

Grundsätzlich wird eine Sepsis (Blutvergiftung) erst ausgelöst, wenn das Immunsystem versagt, was ganz individuell vom Zustand der körpereigenen Abwehrmechanismen, von den körperlichen Reaktionen und natürlich von der Zahl und den Eigenschaften der Erreger abhängt.

Daher besteht grundsätzlich auch bei vermeintlich harmlosen Erregern immer die Gefahr, dass sich eine Sepsis entwickeln kann, insbesondere dann, wenn Körperregionen betroffen sind, die strukturell eher schlecht geschützt sind, das sind z. B. die Lunge, das Gehirn oder auch die Bauchhöhle.

Über den Blutkreislauf kann sich die Infektion dann im gesamten Körper ausbreiten. Richtig lebensgefährlich wird die Situation dann, wenn schließlich auch lebenswichtige Organe betroffen/infiziert sind.

Symptome und Verlauf

Eine Sepsis kann mit einer eher harmlos anmutenden Verletzung beginnen. Die Stelle ist dann möglicherweise begleitet von einer Rötung, sie ist "heiß", verhärtet sich (Knoten) und man spürt dort ggf. sogar seinen Puls (puckern). Dann kann es sehr schnell gehen, dass sich die Sepsis über den Blutkreislauf im ganzen Körper ausbreitet und sogar lebenswichtige Organe mit dem Erreger infiziert werden, was zu lebensbedrohlichen Störungen der Vitalfunktionen führen kann.

Diagnose

Ein systemisches, inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS) liegt gemäß der internationalen Konsensuskonferenz von 1992 dann vor, wenn mindestens zwei der folgenden Symptome vorliegen:

  • Die Körpertemperatur ist höher als 38°C (Fieber) oder niedriger als 36°C.
  • Die Herzfrequenz beträgt mehr als 90 Schläge pro Minute (Tachykardie).
  • Die Atemfrequenz beträgt mehr als 20 Atemzüge pro Minute (Tachypnoe, oder Hyperventilation).
  • Es liegt eine Leukozytose mit mehr als 12.000 weißen Blutkörperchen pro Kubikmillimeter oder eine Leukopenie mit weniger als 4.000 weißen Blutkörperchen pro Kubikmillimeter vor, oder im Differentialblutbild werden mehr als 10% unreifer neutrophiler Granulozyten festgestellt.

Wird zusätzlich noch eine Infektion festgestellt, dann liegt eine Sepsis vor. Wenn in direkter Folge der Sepsis mindestens eine akute Organschädigung ausgelöst wurde, liegt eine schwere Sepsis vor.

Ein septischer Schock liegt per Definition dann vor, wenn der systolische, arterielle Blutdruck zusätzlich länger als eine Stunde lang unter die Marke von 90 mm Quecksilbersäule absinkt.

Behandlung und Therapie

Es ist ein Wettlauf um die Zeit, wenn sich bereits Erreger (Infektion) in der Blutbahn befinden. Zum Einsatz kommen verschiedene Behandlungsmethoden aus der Intensiv-Medizin. In schweren Fällen einer Blutvergiftung müssen kritische Phasen ggf. mit Unterstützung von Organfunktionen überbrückt werden, das können beispielsweise sein: kreislaufstabilisierende Maßnahmen, Beatmung, Gerinnungs- oder Nierenersatztherapie. Typischerweise werden im Krankenhaus bei einer Sepsis die folgenden Schritte eingeleitet:

  • ggf. ein chirurgischer Eingriff
  • Verabreichung von Antibiotika, zunächst Breitband, bei Verdacht auf Resistenz muss ein Wechsel erfolgen auf spezifische Antibiotika
  • Vorbeugung des Blutdruckabfalls, z. B. mit Vasopressin oder Noradrenalin
  • Kontrolle der Sauerstoffsättigung des Blutes
  • ggf. Beatmung zum Schutz der Lungen
  • ggf. hohe Cortisol-Dosierung, die "ausschleichend" abzusetzen ist
  • Insulin-Verabreichung bei auftretender Blutzuckerabsenkung


Vorbeugung

Um einer Bluvergiftung vorzubeugen, sollte man grundsätzlich das Eindringen von Krankheitserregern in den Blutkreislauf zu vermeiden. Jede kleine Verletzung kann u.U. zu einer Sepsis führen. Die Vorbeugung beginnt deshalb schon beim häufigen und gründlichen Händewaschen, geht weiter über das Verwenden von Handschuhen bei der (Garten)arbeit.

Bewährte Hausmittel wie Jod und Verbandsmittel sollten stets griffbereit in jedem Haushalt zur Verfügung stehen. Kommt es dann bei einer Verletzung doch einmal zu einer deutlichen und länger anhaltenden Entzündungsreaktion oder Knotenbildung, sollte sofort der Arzt, ggf. auch die Notaufnahme des Krankenhauses aufgesucht werden. Die berechtigte Diskussion und die Angst vor resistenten Keimen in den Krankenhäusern darf hier nicht zum Verschleppen einer Sepsis führen.

Die Sepsis ist eine besonders schwere und tückische, ja lebensgefährliche Erkrankung, denn trotz maximaler Therapie sterben 30–50% der Erkrankten, das sind allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 56.000 Menschen. Da es ein Wettlauf um die Zeit ist, muss mit der Therapie so früh wie möglich begonnen werden.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin, Gerd Herold, 1. Auflage, 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek K, 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag 2009

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
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Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021

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