Röteln

Letzte Aktualisierung am 13. Mai 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Röteln sind eine ansteckende Infektionskrankheit. Weltweit gibt es im Jahr ungefähr 300.000 Krankheitsfälle. Röteln treten häufig im Kindesalter auf. Weil die Erkrankten anschließend lebenslang immun gegen eine Neuinfektion sind, spricht man bei Röteln auch von einer Kinderkrankheit.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Röteln?

Röteln sind hochansteckend. Nur eine Impfung schützt vor der Infektionskrankheit.

Röteln werden durch den kugelförmigen Rubivirus übertragen. Dieser gehört zur Familie der Togaviren.

Gefahr besteht aber besonders für Schwangere: Röteln können bei Embryonen Innenohr, Herz, Auge und andere Organe schädigen und Früh- oder Totgeburten und Behinderungen auslösen. Deshalb wird in Deutschland die Impfung gegen Röteln empfohlen.

Röteln können eine Reihe von Symptomen hervorrufen, in 50 % der Fälle haben Menschen aber auch eine Infektion ohne typische Anzeichen. Die Symptome ähneln dabei häufig typischen Erkältungsbeschwerden. Nach zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung können die typischen roten Hautflecken (Exanthem) auftreten.

Da nach überstandener Infektion eine lebenslange Immunität besteht, zählen die Röteln zu den sogenannten Kinderkrankheiten. Im Vergleich zu anderen Krankheiten werden bei Röteln aber nur 15 bis 50 % der Kontaktpersonen von Erkrankten auch infiziert (niedriger Kontagionsindex).

Röteln ist eine typische Kinderkrankheit. Fieber und Hautausschlag sind typische Symptome.

Ursachen

Röteln werden beim Sprechen, Husten oder Niesen übertragen (Tröpfcheninfektion). Es besteht also nahezu immer vorher Kontakt zu einer infizierten Person.

Der Erreger (Rubivirus) dringt über die Schleimhäute ein und vermehrt sich dann im lymphatischen Gewebe. Von dort aus verteilt er sich über die Blutbahn im ganzen Körper.

Bei Schwangeren kann er durch den Mutterkuchen (Plazenta) auch auf den Embryo bzw. Fötus übergreifen und dort schwere Schäden bis hin zum Tod hinterlassen (Rötelnembryofetopathie).

Nach der Ansteckung mit Röteln dauert es ungefähr 14 bis 21 Tage, bis die Infektion ausbricht (Inkubationszeit). Eine Ansteckungsgefahr besteht aber auch schon eine Woche vor Ausbruch und bis zu einer Woche nach Ausbruch der Röteln.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome bei Röteln:

Röteln zeigen sich am Anfang mit nur leichten Symptomen. Die Lymphknoten am Hals schwellen an, Schleimhäute entzünden sich und es kann zu leichtem Fieber kommen. Dazu können erkältungsähnliche Beschwerden auftreten, wie Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. In diesem Stadium können die Röteln leicht mit anderen Kinderkrankheiten wie Scharlach oder Masern verwechselt werden.

Nach kurzer Zeit bildet sich, hinter den Ohren beginnend, ein Hautausschlag, der sich rasch über den ganzen Körper ausbreitet. Dieser Ausschlag (Exanthem) besteht aus kleinen rötlichen Flecken, die wenig bis gar nicht jucken und nach zwei bis drei Tagen wieder verblassen, bis sie völlig verschwunden sind. In der Ausschlag-Phase beginnen die angeschwollenen Lymphknoten zu schmerzen und werden noch ein wenig dicker als vorher. Auch ist die Ansteckungsgefahr in dieser Zeit besonders hoch.

Röteln werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, das heißt durch Sekrettröpfchen in der Atemluft. Nach Abklingen des Hautausschlags bessern sich auch die Allgemeinsymptome der Röteln und die Gefahr der Ansteckung lässt nach.

Röteln verlaufen normalerweise ohne Komplikationen. Etwa 50% der Kinder durchlaufen die Krankheit sogar weitgehend ohne Symptome. Bei Erwachsenen können Röteln allerdings auch Komplikationen verursachen, wie Entzündungen des Gehirns, des Herzens oder des Herzbeutels sowie Gelenk- oder Ohrenentzündungen. Hat man die Erkrankung einmal durchlaufen, so ist man lebenslang immun dagegen.

Wann zum Arzt?

Eltern, die bei ihrem Kind einen verdächtigen Ausschlag bemerken, sollten noch am selben Tag den Kinderarzt aufsuchen. Anfängliche Symptome wie die typischen Hautveränderungen und das Fieber müssen von einem Arzt untersucht werden. Womöglich liegen Masern oder eine Scharlach-Erkrankung zugrunde, die wie Röteln medikamentös zu behandeln sind.

Bei einem konkreten Verdacht auf eine Röteln-Infektion sollte direkt der Kinderarzt konsultiert werden. Notwendig ist dies auch dann, wenn das Kind bereits einmal an Röteln erkrankt ist. Erwachsene Menschen müssen Anzeichen von Röteln ebenfalls abklären lassen.

Schwangere Frauen, die Kontakt mit einer an Röteln erkrankten Person hatten, sollten mit dem Frauenarzt konferieren. Röteln werden außerdem vom Hausarzt oder einem Internisten behandelt.

Bei einem schweren Krankheitsverlauf ist womöglich eine Behandlung im Krankenhaus vonnöten. Dies gilt insbesondere bei starkem Fieber oder Bewusstseinsstörungen. In diesen Fällen muss der ärztliche Notdienst kontaktiert werden. Eine Notfallsituation, etwa wenn das Kind nicht mehr ansprechbar ist oder hohes Fieber hat, ist ein Fall für den Rettungsdienst.

Diagnose

Die Diagnose von Röteln sollte nur durch einen fachkompetenten Arzt erfolgen. Sie kann durch den Hausarzt gestellt werden, es ist kein Besuch bei einem Spezialisten notwendig. Eine Diagnose der Erkrankung über die äußeren Symptome (z.B. anhand des typischen Hautausschlages) ist nicht möglich, da diese stark Symptomen anderer Krankheiten wie Masern oder Scharlach ähneln. Deshalb müssen die Erreger direkt identifiziert werden. Dazu wird der Arzt dem Patienten eine Blutprobe entnehmen, die anschließend im Labor untersucht wird. Stößt man dabei auf Antikörper gegen die Krankheit, die der Körper bereits gebildet hat, handelt es sich um Röteln. Eventuell lässt sich sogar Erbmaterial (RNA) der Viren feststellen.

Dieser Nachweis ist besonders bei schwangeren Frauen, die typische Symptome für Röteln aufweisen, zu empfehlen. Über eine Untersuchung des Fruchtwassers oder einer direkten Blutabnahme bei dem Ungeborenen können die Erreger nachgewiesen werden. Da diese Untersuchung höchst riskant sein kann, sollte sie unbedingt von einem Experten (Frauenarzt) durchgeführt werden.

Komplikationen

Röteln rufen nur selten ernste Komplikationen hervor. Bei Erwachsenen kann es zu schweren Entzündungen, Gefäßschäden und Organschäden kommen, wenn die Erkrankung nicht oder nur unzureichend behandelt wird. Je älter die Patienten sind, desto größer ist das Risiko für ernste Komplikationen. Auch bei schwangeren Frauen sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder einer bestehenden Erkrankung besteht ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Folgeschäden.

Eine typische Komplikation ist die Ohrenentzündung. Diese ruft Hörbeschwerden, Schmerzen und Schwindel hervor. Auch Gelenkentzündungen können auftreten und die Bewegungsfähigkeit der betroffenen Körperteile einschränken.

In einem von 6.000 Fällen kommt es zu einer Entzündung des Gehirns, welche tödlich verlaufen kann. Häufiger treten Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen auf. Des Weiteren können Gefäßschäden auftreten. Dann kommt es zu Blutungen unter der Haut und gelegentlich auch zu Sensibilitätsstörungen und Pigmentveränderungen.

Bei schwangeren Frauen kann der Krankheitserreger über die Plazenta auf das Kind übergreifen und schwerwiegende Entwicklungsstörungen hervorrufen. Es kann unter anderem zu Augenfehlbildungen, Taubheit, Herzmissbildungen und geistigen Schäden kommen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt. Eine frühzeitige Behandlung der Röteln kann eine Ausbreitung der Erreger und dadurch zumeist auch etwaige Komplikationen verhindern.

Behandlung und Therapie

Eine Therapie gegen den Rötelnvirus ist nicht bekannt, lediglich die Symptome können behandelt werden.

Dem an Röteln Erkrankten wird strikte Bettruhe empfohlen. Außerdem können gegen eine mögliche Gelenkentzündung (Arthritis) Schmerzmittel verabreicht werden. Bei Fieber sollte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, auch die Gabe eines fiebersenkenden Mittels kann in Betracht gezogen werden.

Wenn durch die Röteln ein Anschwellen der Lymphknoten ausgelöst wurde, kann man dies durch Wärme behandeln. Eine Behandlung des für Röteln typischen Hautausschlags ist gewöhnlich nicht nötig, da dieser bald wieder von allein abklingt.

Wenn eine Schwangere Kontakt mit einer an Röteln infizierten Person hatte, sollte sofort ihr Immunstatus überprüft werden. Falls sie keine Immunität besitzt, kann bis zu vier Tage lang ein Röteln-IgG-Ak-Serum einen Krankheitsausbruch der Mutter und damit eine Gefährdung des Kindes durch die Röteln zu verhindern.

Wenn ein Embryo durch Röteln geschädigt wurde, sind später meist weitergehende Maßnahmen nötig. Dazu zählen Operationen, die Bereitstellung von Hilfsmitteln wie Hörgeräten und Fördermaßnahmen wie Krankengymnastik oder Ergotherapie.

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Vorbeugung

Die wichtigste Präventionsmaßnahme gegen Röteln ist die Impfung. Diese kann ab dem 12. Lebensmonat durchführt werden. Meist wird der Lebensimpfstoff in Kombination mit dem Masern-Mumps-Impfstoff (MMR-Impfstoff) verabreicht.

Um eine annähernd 100 % Immunität gegen Röteln zu erreichen, sollte eine zweite Impfung durchgeführt werden. Zwischen erster und zweiter Impfung sollten mindestens 4 Wochen liegen.

Die Impfung wird empfohlen für alle Kinder ab dem 12. Lebensmonat, in Ausnahmefällen auch früher. Aber auch Erwachsene, besonders Frauen, sollten die Impfung auch noch später nachholen, wenn sie noch nicht gegen Röteln immun sind.

An Röteln Erkrankte sollten isoliert werden, um eine Ansteckung besonders von Schwangeren zu vermeiden.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie: DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2013
  • Schellenberg, I. et al.: Kinderkrankheiten von A-Z: Wo Naturheilverfahren wirken - wann Schulmedizin nötig ist, 2. Auflage, TRIAS, 2012
  • Stauber, M., Weyerstahl, T.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2014
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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