Niedriger Blutdruck (Hypotonie)

Letzte Aktualisierung am 20. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Niedriger Blutdruck (Hypotonie) ist ein Blutdruck, der unter den Normwerten für einen normalen Blutdruck angesiedelt ist. Diese Normwerte liegen bei mindestens 105 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) für den systolischen Wert. Als Symptome können sich Müdigkeit, Schwindel und zu kalte Füße und kalte Hände zeigen. Gesundheitliche negative Folgen hat er im Allgemeinen nicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist niedriger Blutdruck (Hypotonie)?

Eine primäre Hypotonie ist häufig bei schlanken Frauen zu bemerken. Müdigkeit und Antriebslosigkeit sind typische Symptome.

Ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) liegt dann vor, wenn der gemessene Blutdruck unter einen bestimmten Blutdruckmesswert fällt. Bei einer Blutdruckmessung ist der sogenannte systolische Wert, also der Wert, der zuerst genannt wird, ausschlaggebend. Der systolische Wert misst dabei den Druck, der beim Zusammenziehen des Herzens entsteht.

Fällt dieser Blutdruckwert unter 105 Millimeter-Quecksilbersäule, ist der Blutdruck zu niedrig. Dabei entsteht der systolische Wert, wenn das Herz sich zusammenzieht und dann das Blut in die entsprechenden Arterien pumpt. Vor allem die Durchblutung des Gehirns hängt von dem systolischen Blutdruck ab. Da das Gehirn schlechter durchblutet wird, treten die Symptome in Form von Schwindel und Müdigkeit auf.

Der zweite Wert bei der Blutdruckmessung, der sogenannte diastolische Blutdruck entsteht, wenn das Herz nach dem Zusammenziehen erschlafft (Der diastolische Wert misst den Druck, der bei der anschließenden Entspannung des Herzens zu verzeichnen ist). Dieser Wert spielt für die Organe eine untergeordnete Rolle, weshalb er auch immer an zweiter Stelle genannt wird. In der Regel liegt der diastolische Blutdruck bei Betroffenen mit niedrigem Blutdruck unterhalb von 65 Millimeter-Quecksilbersäule. Im Gegensatz zu einem Bluthochdruck führt eine Hypotonie nicht zu einer Schädigung der Blutgefäße.

Ursachen

Ein niedriger Blutdruck lässt sich in die primäre und in die sekundäre Hypotonie einteilen. Liegt keine Ursache für den niedrigen Blutdruck vor, handelt es sich um eine primäre Hypotonie. Sie ist eine der häufigsten Formen und stellt in der Regel einen dauerhaften Zustand dar.

Primäre Hypotonie

Die primäre Hypotonie ist eine dauerhafte Erscheinung, die oft konstitutionell bedingt ist. Zu diesen Faktoren gehört der Körperbau, die Veranlagung, das Geschlecht (Frauen sind häufiger betroffen); Infekte und Umweltbedingungen können ebenfalls niedrigen Blutdruck verursachen.

Im Allgemeinen sind vor allem schlanke junge Frauen davon betroffen. In diesem Zusammenhang wird in der Medizin auch der Begriff konstitutionelle Hypotonie verwendet. Hier spielen vermutlich erblich bedingte Faktoren eine Rolle. Lässt sich der niedrige Blutdruck auf eine Ursache zurückführen, handelt es sich um eine sekundäre Hypotonie. Ursachen hierfür können beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein.

Sekundären Hypotonie

Bei der sekundären Hypotonie hingegen lassen sich andere Arten von Ursachen für den niedrigen Blutdruck bestimmen. Diese Ursachen liegen meist in einer zu Grunde liegenden Erkrankung wie z.B. der Schilddrüsenunterfunktion, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z.B. eine Herzinsuffizienz, bestimmte Vergiftungen durch Schadstoffe oder Medikamente; auch Verluste von Blut und Flüssigkeit können den Blutdruck absenken.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von niedrigem Blutdruck:

In vielen Fällen zeigt eine Hypotonie keine Symptome. Entstehen Symptome, so sind diese auf die schlechte Durchblutung des Gehirns zurückzuführen. Dabei können ungefähr 600 Milliliter Blut in die untere Hälfte des Körpers versacken. Zusätzlich kann dies durch Krampfadern oder eine mangelhafte Funktion der Beinmuskulatur noch gefördert werden.

Ein niedriger Blutdruck äußert sich daher durch unbestimmte Anzeichen. So können Symptome, wie zum Beispiel Sehstörungen, Kopfschmerzen und Schwindel sowie Bewusstseinsstörungen bis zur Ohnmacht entstehen. Durch die verminderte Durchblutung wird das sympathische Nervensystem aktiviert, was eine Gegenreaktion des Körpers bewirkt. Um den Blutmangel auszugleichen, steigt die Herzfrequenz und Betroffene fangen an zu frieren oder zu schwitzen. Aus diesem Grund entstehen häufig Symptome in Form von Antriebsarmut, Müdigkeit, Ohrensausen, Schlafstörungen sowie kalte Hände und Füße.

Bei chronisch niedrigem Blutdruck treten zudem verminderte Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, depressive Verstimmung sowie Lustlosigkeit auf. Weiterhin kann ein verstärktes Kälteempfinden, Schlafstörungen, blasse Haut und Schwindel auftreten. Der Schwindel kann sogar so weit führen, dass in der Folge Sehstörungen, Kopfschmerzen und sogar Neigungen zur Ohnmacht entstehen können. Zugleich kann der Blutdruckabfall zum Schweißausbruch und Übelkeit führen.

Wann zum Arzt?

Ein zu niedriger Blutdruck ist eine häufige Ursache von Schwäche und Müdigkeit. Unter Umständen sind die Betroffenen davon überzeugt, an einer Depression zu leiden, da sie nur wenig belastbar sind und viel Ruhe benötigen. Wird dieser Weg verfolgt, so werden zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten getestet, ohne dass die wahre Ursache erkannt wird.

Da ein niedriger Blutdruck jedoch oft angeboren ist, wissen die meisten Betroffenen darüber Bescheid. Teilweise leiden sie unter den Symptomen, suchen jedoch keinen Arzt auf, da sie sich an die Beschwerden gewöhnt haben.

Für gewöhnlich lässt sich die Erkrankung gut ohne einen Arzt behandeln, durch ausreichend Bewegung, die richtige Ernährung und anregende Mittel wie das Wechselduschen. Wenn der Blutdruck trotz dieser Aktivitäten nicht steigt und es sogar zu häufigen Ohnmachtsanfällen kommt, sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann feststellen, ob eine Behandlung mit Medikamenten nötig ist, oder ob es eine zu diagnostizierende Ursache für den niedrigen Blutdruck gibt.

Die Erkrankung wird im Gegensatz zum hohen Blutdruck noch immer nicht zureichend ernst genommen, weshalb Sie ihre Beschwerden gegenüber einem Arzt sehr ausführlich beschreiben sollten. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihr systolischer Wert noch im normalen Bereich liegt, gehen Sie trotzdem zu einem Arzt.

Diagnose

Um die Diagnose niedriger Blutdruck zu stellen, sind mehrere Blutdruckmessungen notwendig. Ein Schellong-Test bietet dem Arzt die Möglichkeit, den Kreislauf zu überprüfen. Die Messung von Blutdruck und Pulsfrequenz erfolgt im Abstand von 60 Sekunden. Parallel lässt der Arzt ein EKG schreiben. Die verschiedenen Messungen führt der Arzt durch, wenn der Patient liegt, sitzt und aufsteht. So lässt sich feststellen, ob vielleicht eine orthostatische Dysregulation besteht.

Besser, aber mit mehr Aufwand verbunden, ist eine stationäre Untersuchung auf einem Kipptisch. Der Patient ist auf dem Tisch, der sich um 60 Grad aufrichten lässt, fixiert und mit Blutdruckmanschette und Elektroden ausgestattet. Zuerst liegt er zehn Minuten ruhig auf dem Tisch, während Messungen stattfinden. Anschließend wird der Tisch hochkant gekippt und weiter gemessen. Das Ergebnis der Messung kann für den Arzt bei der Diagnose hilfreich sein.

Ist der Blutdruck sehr niedrig oder die Symptome gerade entstanden, sind die Ursachen mit Hilfe von Ultraschall- und Blutuntersuchungen zu erforschen.

Komplikationen

Niedriger Blutdruck kann unter anderem zu Schwindel und Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems führen. Wenn das Leiden nicht behandelt wird, besteht die Gefahr, dass es zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt. Darüber hinaus kann eine anhaltende Hypotonie zu Migräne, Müdigkeit und Fieber führen. Auch Schlaflosigkeit, Antriebsarmut und depressive Verstimmungen sind mögliche Folgen eines niedrigen Blutdrucks, der nicht oder nur unzureichend behandelt wird.

Während der Schwangerschaft kann ein niedriger Blutdruck zu einer Unterversorgung des Kindes führen.

Bei älteren Menschen droht bei niedrigem Blutdruck eine Unterversorgung der lebenswichtigen Organe. Beim Aufstehen kann es zu Schwindel oder sogar zur Ohnmacht kommen. Es besteht akute Sturzgefahr, wodurch gerade ältere Menschen immer wieder Frakturen und andere Verletzungen erleiden.

Bei Kindern kann eine unbehandelte Hypotonie die geistige und körperliche Entwicklung beeinträchtigen. Niedriger Blutdruck kann demnach verschiedenste körperliche Probleme bedingen, die langfristig die Lebensqualität und das Wohlbefinden einschränken.

Durch eine umfassende Behandlung kann die Hypotonie relativ schnell korrigiert werden. Dadurch lassen sich Langzeitfolgen effektiv vermeiden.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von niedrigem Blutdruck muss selbstverständlich entsprechend der Ursache erfolgen.

Bei einer primären Hypotonie ist eine Behandlung in aller Regel nicht erforderlich, da niedriger Blutdruck als solcher nicht unbedingt eine Gefährdung der Gesundheit darstellt. Sollten jedoch Beschwerden auftreten, wie z.B. Schwindelgefühl, kann niedriger Blutdruck selbstverständlich auch medikamentell, durch Umstellung der Lebensgewohnheiten oder durch einfache Hausmittel behandelt werden.

Wenn allgemeine Maßnahmen nicht helfen, gibt es eine Vielzahl an hochwirksamen Medikamenten gegen niedrigen Blutdruck auf dem Markt bzw. beim Arzt. Am häufigsten werden dabei Medikamente wie Fludrokortison, Dihydroergotamin und Etilefrin verwendet.

Das hängt davon ab, welche Ursache der Arzt für den niedrigen Blutdruck diagnostiziert hat. Wenn niedriger Blutdruck beispielsweise auf einer der oben genannten Grunderkrankungen beruht, wird die Therapie der Wahl darin bestehen, zunächst diese Grunderkrankung zu beseitigen statt das Symptom niedriger Blutdruck zu bekämpfen.

Hausmittel

Bevor Medikamente zum Einsatz kommen, sollte zunächst mit allgemeinen Maßnahmen (Hausmittel) versucht werden, den niedrigen Blutdruck zu behandeln. Zu den bekannten Maßnahmen und Hausmitteln zur Steigerung des Blutdrucks gehören vor allem Kaffee und andere coffeinhaltige Getränke, leichte alkoholische Getränke, vor allem solche mit Kohlensäure, Tee, scharfe Gewürze, Salz, eine hohe Flüssigkeitszufuhr allgemein, z.B. in Form von Mineralwasser, Wechselduschen, viel Bewegung, Stützstrümpfe, Bürstenmassagen und das Vermeiden einer ermüdenden Lebensweise.

Auch regelmäßige sportliche Betätigungen, wie zum Beispiel Spazierengehen, Radfahren, Wandern, Tanzen, etc. können den Beschwerden entgegenwirken. Des Weiteren kann auch eine ausgewogene sowie salzreiche Ernährung hilfreich sein. So lässt sich ein niedriger Blutdruck durch konsequente allgemeine Maßnahmen positiv beeinflussen.

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Vorbeugung

Um einem zu niedrigen Blutdruck vorzubeugen sind diverse Maßnahmen geeignet. Neben den oben bereits erwähnten Maßnahmen zur Behandlung, die sich auch zur Vorbeugung eignen, eignen sich zum Beispiel auch Bürstenmassagen oder/und bestimmte Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder autogenes Training.

Niedriger Blutdruck kann gelegentlich Ohnmachtsanfälle provozieren. Das kann vermieden werden, indem man aus einer Sitz- oder Liegeposition nicht allzu schnell aufsteht, damit sich der Körper langsam der Lage anpassen kann.

Wer im Stehen von einem Schwindelanfall heimgesucht wird, sollte sich möglichst bald in eine Sitz- oder Liegeposition begeben, Wasser trinken, Traubenzucker essen.

Auch ein starker Kaffee oder ein Glas Sekt eignen sich gut als Notfallmittel gegen einen drohenden Anfall von Ohnmacht bei zu niedrigem Blutdruck.

Sollten Betroffene infolge des Schwindels schon einmal in Ohnmacht gefallen sein, sollten sich diese bei den ersten Anzeichen sofort hinlegen und die Beine in einem Winkel von 45 Grad hochlagern.

So kann das Blut zurück in das Gehirn wandern und wird besser durchblutet. Dies dient vor allem dazu, dass mögliche Stürze und damit verbundene Verletzungen verhindert werden.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004
  • Kindermann, W., et al.: Sportkardiologie. Steinkopff, Darmstadt 2007
  • Bieber, C. et al.: Duale Reihe Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2012
  • Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek K, 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag 2009


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