Kribbeln in den Händen

Letzte Aktualisierung am 2. Juli 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Kribbeln in den Händen ist ein häufiges Symptom und kann verschiedene Ursachen haben. Häufig sind Durchblutungsstörungen der Grund für diese unangenehmen Empfindungen. Bereits durch eine falsche Haltung des Armes kann es zum so genannten Einschlafen des Armes kommen, weil der Nerv eingeklemmt wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kribbeln in den Händen?

Kribbeln in den Händen wird in der Medizin als Parästhesie bezeichnet und bedeutet eine nicht-schmerzhafte Missempfindung ohne einen von außen kommenden physikalischen Reiz.

Dieses Kribbeln wird auch als pelzig, taub oder als das Gefühl von Ameisenlaufen bezeichnet. Diese Parästhesien werden durch Schädigungen sensibler Nerven verursacht, und können einmalig auftreten, ständig vorhanden sein oder in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen auftreten.

Kribbeln in den Händen geht häufig mit Taubheitsgefühlen oder anderen unangenehmen Empfindungsstörungen einher. Häufig sind Durchblutungsstörungen oder Entzündungen der Auslöser dieser sogenannten Sensibilitätsstörungen.

Ursachen

Die Ursache von Kribbeln in den Händen liegt an einer Schädigung der Nerven. Entweder ist der Nerv eingeklemmt oder durch einen Stoffwechselschaden nicht ausreichend mit notwendigen Nährstoffen versorgt.

Tritt das Kribbeln einseitig auf, muss unbedingt an eine Durchblutungsstörung des Gehirns gedacht werden, und schnellstmöglich eine Klinik aufgesucht werden, da das einseitige Kribbeln auch ein Hinweis auf einen Schlaganfall sein kann.

Als Ursachen für das Kribbeln im Arm sind Erkrankungen an den Handnerven zu nennen, die Nervenreize zur Hand hin, und von der Hand zum Gehirn weiterleiten. Dies könnte das Karpaltunnelsyndrom sein. Hierbei wird der Nervus Medianus, der durch den handgelenksnahen Karpaltunnel führt, durch den verengten Karpaltunnel eingequetscht.

Auch Sehnenscheidenentzündungen können zu einem Kribbeln in den Händen führen. Schäden an der Wirbelsäule, die mit einer Kompression von Nerven einhergehen, können ebenfalls ein Kribbeln in den Händen verursachen.

Patienten, die zuckerkrank sind (Diabetes), Menschen die Vergiftungen erlitten haben und Alkoholiker können ebenfalls unter dem Kribbeln in den Händen leiden, hier ist die Ursache eine Schädigung vieler Nerven. Diese Erkrankung heißt Polyneuropathie und bedeutet Mehrfach-Nervenerkrankung.

Einseitiges Kribbeln in der linken Hand kann ein Vorbote für einen Herzinfarkt sein. Auch hier sollte der Betroffene sofort eine Klinik aufsuchen.

Wann zum Arzt?

Bei starken Temperaturschwankungen von kalt auf warm tritt in den Händen ein Kribbeln auf. Die Durchblutung war gestört und durch die Wärme wird wieder mehr Blut in die Hände und Finger transportiert. Dieser Vorgang ist natürlich und muss daher nicht von einem Arzt abgeklärt werden.

Bei einer Haltung des Armes, die zu einer Störung der Durchblutung in den Händen führt, stellt sich das kribbelnde Gefühl ebenfalls ein. Werden Arme, Hände und Finger wieder ausreichend bewegt, kann das Blut normal durch die Gefäße fließen und das Kribbeln ist in wenigen Minuten verschwunden. Auch hier wird kein Arzt benötigt.

Tritt das Kribbeln in den Händen ohne einen erkennbaren Grund auf, ist eine erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Bei weiteren Symptomen wie Schmerzen im Arm, Störungen des Bewusstseins oder Einschränkungen der Sprache, ist das Kribbeln ein Hinweis für einen Schlaganfall. Es sind sofort ein Notarzt zu rufen und Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten, da ein lebensbedrohlicher Zustand besteht.

Stellt sich das Kribbeln bei der Ausführung bestimmter Tätigkeiten wie das Schreiben, sportliche Aktivitäten oder Tragen von Gegenständen ein, ist ein Arzt zu konsultieren. Dies gilt ebenfalls, wenn Schmerzen oder eine Bewegungseinschränkung der Hand auftreten. Weitere Untersuchungen geben Aufschluss darüber, welche Grunderkrankung vorliegt.

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose für das Kribbeln in den Händen ist abhängig von der Ursache und bedarf der ärztlichen Abklärung. Zur Diagnosestellung sind Blutuntersuchungen, Röntgen und weitere Bildgebende Untersuchungen erforderlich. Auch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit kann Aufschluss über die Ursache für das Kribbeln in den Händen geben.

Für den Mediziner ist dabei besonders wichtig, wann die Beschwerden auftreten, ob alle Finger betroffen sind, und wie lange die Beschwerden anhalten. Ein weiterer Anhaltspunkt für die Diagnose ist, ob der Patient dieses Kribbeln durch bestimmte Bewegungen provozieren bzw. vermindern kann.

Komplikationen

Kribbeln in den Händen ist in harmlosen Fällen ein Hinweis auf eine erhöhte Nervosität. Es stellen sich neben der Aufgeregtheit häufig Schweißausbrüche, eine zittrige Stimme oder innere Unruhe ein. Vor Prüfungssituationen oder einem wichtigen Gespräch kann es zu erhöhtem Stress und Versagensängsten kommen. Eine starke Unterzuckerung löst bei einigen Menschen das Kribbeln in den Händen aus. Hält diese an, liegt eine Diabeteserkrankung vor. Beschädigungen der Nerven in den Händen oder Fingern können zu einem Kribbeln in den Händen führen. Die Nervenschädigungen breiten sich häufig weiter aus. In schweren Fällen drohen irreparable Schäden oder ein Absterben des Nervs. Taubheitsgefühle der Haut treten auf.

Das Kribbeln in den Händen führt zu einer emotionalen Belastung. Stimmungsschwankungen und psychische Störungen können sich daraus entwickeln. Bei einer Durchblutungsstörung treten weitere Symptome auf. Zu ihnen gehören ein verminderter Antrieb, Bewusstseinsstörungen oder kalte Finger. Es besteht die Gefahr, dass die Hände nicht mehr wie gewohnt zum Greifen oder Tragen von Gegenständen genutzt werden können. Die Störungen der Durchblutung können zu Einblutungen führen. Damit steigt das Risiko eines Schlaganfalls. Wird das Kribbeln in den Händen durch eine allergische Reaktion ausgelöst, können weitere Beschwerden auftreten. Atemnot, Hautveränderungen oder Schwindel sind möglich.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Kribbeln in den Händen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Ist die Ursache eine Einklemmung des Nervs, kann durch konservative Maßnahmen, wie Krankengymnastik mit Dehnübungen und Wärme versucht werden, die Stelle die verengt ist, zu erweitern. Ist dies nicht möglich, so muss diese Stelle, die den Nerv eindrückt, durch einen chirurgischen Eingriff erweitert werden. Beim Karpaltunnelsyndrom ist oftmals ein chirurgischer Eingriff notwendig und die Patienten sind nach dem Eingriff beschwerdefrei.

Kribbeln in den Händen, das durch einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule verursacht wird, ist sehr gut mit Krankengymnastik behandelbar. Hierbei muss eine aktive Aufrichtung der Wirbelsäule erarbeitet werden. Weiterhin sind Übungen zur Kräftigung der Nackenmuskeln erforderlich, die die Wirbelsäule stabilisieren sollen.

Für den Fall, dass sich die Beschwerden nicht bessern oder verschlechtern, ist auch hier ein Eingriff durch den Neurochirurgen erforderlich, der das Bandscheibengewebe, dass auf den Nerv drückt entfernt.

Kribbeln in den Händen, das durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn verursacht wird, bedarf der Behandlung durch Neurologen und Neurochirurgen. Zuerst wird in der Klinik versucht, mit der Lysetherapie die Durchblutungsstörung zu beseitigen.

Ist die Ursache für den Schlaganfall ein Blutgerinnsel im Gehirn ist, und sich dieses nicht durch Lysetherapie auflösen lässt, ist auch hier eine Operation durch den Neurochirurgen erforderlich, der das Blutgerinnsel entfernt.

Kribbeln in den Händen, welches durch die Polyneuropathie verursacht wird, muss entsprechend der Ursache behandelt werden. Dazu gehören der Verzicht auf schädigende Substanzen, die Gabe von Vitamin B1 und eine optimale Einstellung des Blutzuckers.

Bewährt hat sich bei der Polyneuropathie die Behandlung mit leichten Elektroimpulsen, die der Patient nach einer Anleitung mit einem TENS- Gerät selbstständig zu Hause durchführen kann. Dadurch lässt sich das Kribbeln in den Händen sehr erfolgreich vermindern oder teilweise beseitigen.

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Aussicht und Prognose

Die Prognose, die mit dem Symptom Kribbeln in den Händen verbunden ist, hängt vor allem von der Ursache ab. Ist es ein temporärer Auslöser (wie das Aufwachen eingeschlafener Hände oder das Warmwerden von vor Kälte erstarrten Händen), vergeht das unangenehme Kribbeln schon innerhalb weniger Minuten. Das Gleiche gilt auch, wenn die kribbelnden Hände durch eine rasche Atmung zustandegekommen sind. Bei der sogenannten Hyperventilation gelangt zu viel Sauerstoff in den Körper und verursacht das Symptom. Doch auch hier ist die Prognose gut, da das Kribbeln in den Händen rasch vergeht, wenn sich der Patient beruhigt hat und zur normalen Atmung übergegangen ist. Ein Kribbeln durch einen Mineral- oder Vitaminmangel hat ebenfalls eine günstige Prognose, wenn der Spiegel des fehlenden Stoffes gut ausgeglichen werden kann.

Oft kommt Kribbeln in den Händen von einem Wirbel- beziehungsweise Bandscheibenproblem, das den Nerv beeinträchtigt, der die Versorgung der Hand innehat. Kann die auslösende Ursache vom Orthopäden oder gegebenenfalls auch chirurgisch gut behandelt werden, ist auch die Prognose in Bezug auf das Kribbeln in den Händen meist gut. Schwer einzuschätzen ist die Prognose, wenn das Kribbeln von einem Schub der Erkrankung der Multiple Sklerose verursacht ist. Hier kann vorab nicht genau vorhergesagt werden, welche Symptome eines Schubs sich wieder zurückbilden und welche nicht.

Vorbeugung

Kribbeln in den Händen lässt sich durch eine ausgewogene Ernährung, die abwechslungsreich und cholesterinarm ist, vermeiden. Bewegung, vor allem für Personen mit sitzender Tätigkeit ist erforderlich, um Schäden an der Halswirbelsäule vorzubeugen. Weiterhin sollte Alkohol nur in Maßen getrunken werden, und auf Nikotin verzichtet werden. Diese Faktoren können den Zustand des Kribbelns in den Händen, der für die Betroffenen sehr unangenehm ist, verhindern.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011

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