Epithel


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 20. November 2018

Epithel (Epithelgewebe) ist der Oberbregriff für Deck- oder Grenzgewebe. Der gesamte Körper besteht aus verschiedenen Zellen, die zahlreiche Aufgaben übernehmen. Das Epithelgewebe bietet dem Organismus Schutz (Schutzfunktion) und ermöglicht viele Transportfunktionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Epithel?

Hochprismatisches Epithel: Langgestreckte säulen- bzw. zylinderförmige Zellen (Epithelien) sind typisch in der Magenschleimhaut.

Eines der vier Grundgewebearten wird Epithel genannt und umfasst alle Grenz- und Deckgewebe des Körpers. Die inneren und äußeren Oberflächen des Organismus werden von ein- oder mehrschichtigen Zellen abgedeckt, die rasch nachwachsen oder sich schnell regenerieren können. Das Epithelgewebe hat eine Barriere- und Schutzfunktion für den Körper und seine Organe.

Einteilung

Eingeteilt wird das Epithelgewebe grundsätzlich nach Funktion und Lage in:

  • Oberflächenepithelien und
  • Drüsenepithelien.

Oberflächenepithelien haben eine Barriere- und Schutzfunktion und bedecken alle inneren und äußeren Oberflächen des Körpers sowie der Hohlorgane.

Die Produktion von Sekreten wie beispielsweise Schweiß oder Tränen wird von Drüsenepithelien gedeckt, wobei auch hier eine Barrierefunktion vorhanden ist.

Eine weitere Unterteilung des Epithels wird aufgrund von drei Merkmalen gekennzeichnet. Hierbei ist die Anzahl der vorliegenden Zellschichten, die Form der jeweiligen Zellen sowie die Reihenbildung von Belang.

Anatomie und Aufbau

Die außen liegende Epithelschicht wird mittels so genannter Basalmembran vom innen befindlichen Bindegewebe getrennt. Basalmembran sind kleinste Fasern, die unter dem Lichtmikroskop erkennbar sind und Muskel- sowie Fettzellen komplett einhüllt. Da Epithelien keine eigenen Blutgefäße besitzen, werden sie durch die Basalmembran genährt. Die Zellen haben Gemeinsamkeiten in der Polarität, also in ihrer charakteristischen Ausrichtung. Die nach oben zeigende Seite ist zum Beispiel der Haut oder dem Lumen, wie bei den Drüsen zugewandt, während die basale Seite zum innen liegenden Gewebe zeigt.

Epithelien haben sehr viel Zellkontakt und sind untereinander verknüpft. Sie haben alle eine Verbindung zur Basalmembran. Durch die sehr kleinen Zwischenräume benötigen die Zellen kaum interzellulare Substanz. Die Zellen sind mittels eines Haftkomplexes umhüllt und elastisch. Auf diese Weise können sie von anderen Zellen ohne Beschädigung durchdrungen werden.

Epithelgewebe kann abhängig von der Funktion ein- oder vielschichtig sein. Das Gewebe wird in sieben Arten unterteilt:

Einschichtiges Plattenepithel

Das einschichtige Plattenepithel dient vorwiegend dem glatten Überzug der inneren Oberflächen. Mittels seiner sehr dünnen Erscheinung ist ein Stoffaustausch möglich. Dies zeigt sich unter anderem bei den Lungenbläschen.

Kubisches Epithel

Unter dem kubischen Epithel verstehen sich fast würfelförmige Gebilde, die auch Transportaufgaben im Organismus übernehmen. Beispiele hierfür sind unter anderem die Zellen der Speicheldrüsen und der Gallengänge.

Säulen- oder zylinderförmige Epithelien

Säulen- oder zylinderförmige Epithelien sind einschichtig und dienen als Barriere und zum Transport. Zu finden sind sie unter anderem bei der Magenschleimhaut.

Mehrschichtiges Plattenepithel

Mehr als zehn Zellschichten hat das mehrschichtige Plattenepithel. Besonders bei großer mechanischer Belastung findet sich diese Epithelart. Unterschieden wird hier nochmals durch verhornt und unverhornt. Unverhornt bleibt das Gewebe, da es ständig befeuchtet wird wie zum Beispiel in der Mundhöhle oder bei der Bindehaut des Auges. Verhornt ist das Epithelgewebe als weitere Schutzfunktion beim Menschen als einziges bei der Haut zu finden.

Isoprismatisches Epithel

Ovarialfollikel im Zeitraum des Sekundärfollikels haben ein mehrschichtiges isoprismatisches Epithel. Die Leiter der Schweißdrüsen werden von zweischichtigem isoprismatischem Epithelgewebe ausgekleidet.

Urothel

Als Urothel wird das mehrreihige und mehrschichtige Epithelgewebe der ableitenden Harnwege bezeichnet. Es befindet sich unter anderem in Harnleiter und -blase. Die Besonderheit dieses Gewebes liegt in seiner Volumenanpassung. Anhand des Füllzustandes des Organs nimmt das Gewebe zu oder ab.

Funktion und Aufgaben

Je nach Organ und Lage der Zellen übernehmen die Epithelien unterschiedliche Aufgaben. Sie üben Barriere- und Schutzfunktionen aus und verhindern das Eindringen von kleinsten Organismen. Das Gewebe ist äußerst reißfest und dennoch beweglich, so dass die verschiedenen Belastungen problemlos ausgehalten werden können.

Epithelien führen zahlreiche Sekretionsvorgänge aus und schützen den Organismus zum Beispiel vor Wasserverlust.

Drüsen wie Speicheldrüsen und Schweißdrüsen sind Organe bestehend aus spezialisiertem Epithelgewebe. Hierbei werden exokrine und endokrine Drüsen unterschieden.

Unter exokrinen Organen werden Drüsen verstanden, die die jeweilige Flüssigkeit mittels geeigneten Gängen an die Oberfläche transportieren. Endokrine Drüsen benötigen keinen eigenen Gang, da die Sekrete direkt an den Organismus abgegeben werden. Beispiel hierfür sind unter anderem Hormone.

Auch die Wahrnehmung von verschiedenen Reizen wie Kälte und Wärme erfolgt über die Epithelzellen. Die Sinnesfunktion bietet sich aufgrund der äußeren Lage der Epithelzellen an. Die Netzhaut des Auges sowie Riechschleimhaut in der Nase und Geschmackszellen der Zunge unterliegen ebenfalls dem Prinzip der vermittelnden Funktion der Epithelien.

In den Bronchien und den Eileitern übernimmt das Flimmerephitelgewebe eine Transportfunktion. Kleine Härchen auf der Oberfläche können beispielsweise beim Husten Fremdkörper aus den Bronchien entfernen.

Häufige Erkrankungen und Beschwerden

Aufgrund der Schutzfunktion vieler Epithelzellen sind diese auch anfällig für Krankheiten durch Viren und Bakterien.

Das Plattenepithel benötigt seine volle Funktionsfähigkeit, um alle Schutzaufgaben im Organismus ermöglichen zu können. Es ist jedoch aufgrund seiner einfachen Struktur anfällig für Störungen und kann schon durch kleinere Mängel seine Schutzfunktion nicht mehr vollständig gewährleisten. Dadurch ist Krankheitskeimen der Zugang zum Organismus möglich und es können Infektionen entstehen.

Mögliche Erkrankungen sind Schwellungen, Entzündungen und Störungen körperlicher Funktionen.

Husten und Lungenentzündung sind Entwicklungen durch das Vermehren von Viren im Organismus. Dabei wird der Gasaustausch in der Lunge behindert und eine Entzündung entsteht.

Auch Erkrankungen der Speiseröhre und des Dünndarms sind aufgrund der beeinträchtigten Schutzfunktion des Epithelgewebes möglich bis hin zur Bildung von Krebszellen.

Allergische Reaktionen können zu Schwellungen und Juckreiz führen.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013


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