Knickfuß (Pes valgus)

Letzte Aktualisierung am 2. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Unter Knickfuß versteht man die nach innen gebogene Fehlstellung der Füße, die ein Leben lang andauernde, schmerzhafte Folgen haben kann. Der Knickfuß zeigt sich häufig bereits im Kindesalter. Aus diesem Grund ist es äußerst wichtig, dass das Problem bereits in jungem Alter auf möglichst natürliche Weise behoben wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Knickfuß?

Häufige Fehlstellungen der Füße. Knickfuß: Belastung für Sprunggelenk, Sehnen und Bänder.

Der Knickfuß, medizinisch auch als Pes valgus bezeichnet, ist eine Fehlstellung des Fußes gegenüber dem Unterschenkel, die dadurch gekennzeichnet ist, dass der innere Fußrand gesunken und der äußere Fußrand angehoben ist. Bei einem Knickfuß handelt es im Wesentlichen darum, dass der Sprungbeinkopf nach unten gepresst und verschoben wird, wobei das Fersenbein einwärts gedreht wird (Pronation).

Der innere Knöchel kommt somit stärker zur Erscheinung, und das Sprungbein wird unter dem inneren Knöchel sichtbar. Dieser "doppelte Knöchel" ist ein eindeutiges Zeichen für den Knickfuß. Nicht rechtzeitig behandelte Knickfüße können schwere Folgen haben, in schlimmsten Fällen sind sogar Operationen unvermeidbar. Das regelmäßige Barfußgehen auf unebenen Flächen ist daher sehr wichtig für die richtige Entwicklung der Füße.

Ursachen

Der Knickfuß (Pes valgus) kann angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. Grundproblem ist ein Missverhältnis von Belastung und bestehender Muskelkraft. Der häufigste Grund für die Entwicklung von Knickfüßen ist demnach die falsche Belastung bzw. die Überlastung der Füße.

Insbesondere im Kindesalter können schwache Bänder und Sehnen die Entstehung eines Knickfußes begünstigen. Bei dieser Überbeanspruchung ist der Fuß-Halteapparat nicht mehr in der Lage die Ferse aufrecht zu halten. Dies führt zu einer Absenkung und Einwärtsdrehung des Fußes.

Die Ursachen für die erworbene Fehlstellung der Füße können vielfältig sein, dazu zählen zum Beispiel ein Trauma (z.B. Unfall, Sportverletzungen), Infektionen (Entzündungen), Knochenerkrankungen, starkes Übergewicht, rheumatische Erkrankungen oder eine spastische Lähmung. Der Knickfuß tritt häufig im Zusammenhang mit dem Senkfuß (Knick- Senkfuß) oder dem Plattfuß auf.

Symptome und Verlauf

Die häufigsten Symptome des Knickfußes sind Schmerzen am inneren Knöchel, welche am Bein seitlich nach oben ziehen. Die Schmerzen treten auf, weil ein Großteil des Körpergewichtes von den inneren Füßen getragen wird. Die betroffenen Patienten beschweren sich über Knieschmerzen, die selbst nach kurzer Belastung auftreten.

Eine Folge dieser Fehlstellung ist, dass der Knöchel stark hervortritt und dass das untere Sprunggelenk bzw. das Fersenbein verschoben ist. Wenn die Füße einknicken, so wird der Unterschenkel schief zum Knie geführt. Das Kniegelenk wird seinerseits auch schief zum Kniescheibe geführt, und das führt zu einer einseitigen Belastung des Knies. Dementsprechend wirkt sich der Knickfuß über die Füße hinaus negativ auf die Knie und Hüftgelenke aus.

Eine Fehlstellung der Füße beeinträchtigt außerdem das Wachstum der Beine. Die Körperstatik wird bei einer Fehlstellung der Füße negativ beeinflusst. Unbehandelte Knickfüße können schwerwiegende und schmerzhafte Folgen haben, wie etwa Knieprobleme, O-Beine oder X-Beine. Die letztgenannte Beinverformung kann weitere Folgen haben, die die Lendenwirbelsäule beeinträchtigen kann.

Diagnose

Die einfachste Selbstdiagnose eines Knickfußes erfolgt barfuß vor dem Spiegel. Wenn das eine Bein seitlich vom Körper weg gestreckt wird und der andere, auf dem Boden bleibende Fuß keine 10 Sekunden gerade stehen kann, so ist der Zustand bedenklich. Eine andere Selbstdiagnose ist, wenn die Schuhe beobachtet werden. Sind die Sohlen nach kurzer Tragezeit bereits schräg getreten, so haben die Füße eindeutig eine Fehlstellung. Da Knickfüße bereits im Kindesalter auftreten, wird es den Eltern empfohlen, die Füße des Kindes regelmäßig zu beobachten.

Eine zuverlässige Methode ist es, alle sechs Monate die Fersen der Kinder von hinten zu fotografieren und diese Fotos miteinander zu vergleichen. Diese Art der Dokumentation der Fußentwicklung ist für Ärzte und Therapeuten äußerst hilfreich. Mit der Feststellung mancher Kinderärzte, dass sich die Knickfüße von allein herauswachsen würden, sollten die Eltern vorsichtig umgehen und je nach Möglichkeit eine zweite Meinung von einem Spezialisten auf dem Gebiet der Orthopädie einholen.

Komplikationen

Zu Folgeerscheinungen oder Komplikationen an einem angeborenen, kindlichen Knickfuß kommt es nur, wenn dieser besonders ausgeprägt ist oder nach der Diagnose nicht durch geeignete Maßnahmen behoben wird. Eine der bekannten Komplikationen bei einem unbehandelt gebliebenen Knickfuß ist die Ausbildung von Fehlstellungen der Beine. Diese werden als X- oder O-Beine bezeichnet. In deren Folge werden die Hüften und die Knie besonders belastet. In der Folge solcher Überlastungen kann es zu vorzeitiger Abnutzung der überlasteten Gelenke und einer mehr oder minder schweren Arthrose kommen.

Weitere Komplikationen entstehen in seltenen Fällen durch eine gekrümmte Lendenwirbelsäule. Außerdem kann ein Tarsaltunnel-Syndrom entstehen. Das Tarsaltunnel-Syndrom ähnelt in der Symptomatik dem Karpaltunnel-Syndrom. Es kann bei einer anhaltenden und starken Reizung des Nervus tibialis oder der Sehne am hinteren Schienbeinmuskel entstehen. Um solche schmerzhaften Spätfolgen zu vermeiden, sind rechtzeitige Korrekturen der Pes valgus-Fußstellung notwendig.

Behandlung und Vorbeugung

Bei leicht eingeknickten Füßen helfen meistens spezielle Gymnastikübungen für die Füße. Außerdem ist es vor allem für Kinder, aber allgemein in jedem Alter zu empfehlen, auf unebenen Naturböden barfuß zu laufen. Der Verzicht auf zu weiche Sohlen festigt die Füße.

Außerdem helfen Fersenkeileinlagen, wenn kein Senkfuß festgestellt werden kann. Im Fall, dass neben einem Knickfuß auch ein Senkfuß diagnostiziert wird, braucht der Patient spezielle Maßeinlagen. Die Einlagen unterschiedlicher Art unterstützen die schiefen Füße auf der Innenseite. Auf dieser Weise wird die Verteilung des Körpergewichtes ausgeglichen, und die Beschwerden lassen nach.

Die Fehlstellung der Füße lässt sich oft bei Kleinkindern bemerken, bei denen der Knickfuß jedoch physiologisch bedingt und nicht bedenklich ist. Als eindeutig krankhaft gilt die Fehlstellung der Kinderfüße ab dem Alter von 8 bis 10 Jahren.

Da die Entwicklung der Knickfüße bereits einige Monate nach dem Laufenlernen ihre Ansätze haben kann, empfiehlt es sich, auf die Fehlstellung der Füße im Kindesalter zu achten, da ein schief gewachsenes Bein nicht mehr völlig gerade werden kann. Außerdem ist eine Fehlstellung selbstverständlich umso schneller zu korrigieren, je früher sie festgestellt wird. Ein rechtzeitiges Erkennen der Fehlstellung kann spätere Knieoperationen vorbeugen.

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Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Kulman kommentierte am 03.01.2018 um 14:34 Uhr

Ich leide schon mein ganzes Leben unter dem Knickfuss. Ich bin 56 und männlich. Ich habe auch hohe Fussrücken. Lange Zeiträume hatte ich keine Probleme, da ich Kraftsport machte. Dann kamen immer wieder Zeiten, in denen ich nur mit Schnürstiefeln laufen konnte ohne Schmerzen der Tibialis Posterior Sehne zu provozieren. Einlagen halfen nur bedingt. Später mit Orthesen wurde es etwas besser, aber sie überunterstützten und verursachten dadurch wieder Probleme. Jetzt ist es wieder sehr schlimm. Manchmal zum verzweifeln. Wahrscheinlich brauche ich Kortisonspritzen und eine OP. Jeder Orthopäde hat eine andere Meinung. Da ist es schwer, die passende Therapieform zu finden.