Gingivitis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 5. April 2016
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Unter einer Gingivitis versteht man die Entzündung des Zahnfleisches. Diese ist häufig bakteriell verursacht und führt zu einer Rötung und Schwellung des Zahnfleisches sowie einer erhöhten Blutungsneigung bei Berührungen wie dem Zähneputzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Gingivitis?

Die Gingivitis gehört zu den Parodontalerkrankungen und bezeichnet eine Entzündung des Zahnfleisches (Gingiva) mit den Leitsymptomen Rötung, Schwellung und Blutungsanfälligkeit bei Berührung. Die häufig auftretende Erkrankung liegt oft in einer mangelnden Mundhygiene begründet. Eine frühzeitige Einleitung der adäquaten Therapie ist wichtig, um ein Auftreten einer Parodontitis zu verhindern beziehungsweise – bei ungünstigem Verlauf – auf Grundlage der Gingivitis sogar einen Zahnverlust zu erleiden.

Neben den beiden klassischen Erscheinungsbildern der akuten und der chronischen Zahnfleischentzündung sind zwei weitere Formen von medizinischer Relevanz: die Gingivitis an Implantaten und eine plötzlich auftretende Zahnfleischentzündung, die zum Absterben von Gewebe und zu schmerzhaften Geschwüren führen kann (akut nekrotisierende ulzeröse Gingivitis).

Ursachen

Die häufigste Ursache für die Entstehung einer Gingivitis ist eine unzureichende Mund- und Zahnpflege, die den natürlichen Bakterien im Mund optimale Bedingungen liefert und über die Stadien der Plaque- und Zahnsteinbildung zur Zahnfleischentzündung führen kann. Auch eine Infizierung des Zahnfleisches, beispielsweise durch verunreinigte Zahnbürsten oder Zahnstocher sowie eine mechanische Reizung durch falsches Putzen oder schlecht angepassten Zahnersatz kann eine Gingivitis auslösen.

Im Mundbereich selbst sind besonders Karies, sehr enge Zahnzwischenräume und wenig Speichel Faktoren, die eine Entzündung des Zahnfleisches begünstigen können. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von auslösenden Faktoren, die mit bestehenden Erkrankungen oder Verhaltensweisen der Menschen verbunden sind: Rauchen und Stress, Vitaminmangel und ein geschwächtes Immunsystem, chronische Krankheiten wie Diabetes, die Einnahme bestimmter Medikamente und auch Veränderungen der hormonellen Situation (zum Beispiel in der Schwangerschaft) können einen negativen Einfluss auf Gesundheit von Zahn und Zahnfleisch haben und das Risiko einer Gingivitis erhöhen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Gingivitis:

Entstehung einer Gingivitis.

Hauptsymptom der Gingivitis ist ein gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch, das – mit Ausnahme des oft schlecht durchbluteten Gewebes von Rauchern – durch Berührung häufig zu bluten beginnt. Besonders in fortgeschrittenen Stadien und bei chronischen Verläufen sind die Bildung von Eiter, ein unangenehmer Mundgeruch sowie ein Ausbreiten der Infektion auf angrenzende Strukturen (Zähne, Mundschleimhaut) möglich.

Während sich die durch einmalige Reizung, beispielsweise unsanftes Zähneputzen, entstandene Gingivitis rasch selbst zurückbildet, macht die bakterielle Infektionsursache in Verbindung mit der Bildung von Zahnstein den Zahnarztbesuch unumgänglich. Unbehandelt kann die Gingivitis über einen Rückgang des Zahnfleisches und eine Entzündung des Zahnbetts (Parodontitis) im schlimmsten Fall sogar den Zahnverlust bedeuten.

Diagnose

Eine bestehende oder auch erst beginnende Gingivitis ist vom Zahnarzt leicht zu erkennen – zum einen wegen ihres typischen Erscheinungsbildes (gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch), zum anderen wegen der klassischen Symptomschilderung durch den Patienten (leicht blutendes Zahnfleisch beim Zubeißen oder Zähneputzen).

In einer meist schmerzfreien Untersuchung kann der Zahnarzt mithilfe einer dünnen Sonde, die er an mehreren Stellen in den Raum zwischen Zähnen und Zahnfleisch einführt, das Ausmaß der Erkrankung feststellen. Er prüft die Tiefe des Spaltes, schaut nach eventuellen Taschenbildungen im Zahnfleisch und kontrolliert, ob sich bereits eine Entzündung des Zahnbettes (Parodontitis) entwickelt hat. Weitere Hinweise auf den Grad und die möglichen Ursachen der Gingivitis können das Röntgen des Kiefers und eine Untersuchung des Speichels liefern.

Behandlung

Für einen optimalen Therapieerfolg muss sich die Behandlung der Gingivitis nach individuellen Auslösern der Entzündung richten. Das kann die Neuanpassung eines die Gingiva reizenden Zahnersatzes, das Ersetzen einer zu harten Zahnbürste, die Änderung eines Medikaments oder auch der Verzicht auf das Rauchen sein. Immer dann jedoch – und dies betrifft die überwiegende Mehrzahl aller Fälle –, wenn die Zahnfleischentzündung bakterielle Ursachen hat und es zu Plaque- und Zahnsteinbildung kommt, besteht der wichtigste Therapiebaustein in einer adäquaten, unter Umständen mit dem behandelnden Zahnarzt im Detail abgesprochenen Zahnhygiene.

Diese geht über das regelmäßige und gründliche Zähneputzen weit hinaus und umfasst neben einer professionellen Zahnreinigung die sorgfältige Reinigung der Interdentalräume, die Wahl der richtigen Zahnbürsten mit optimaler Weise abgerundeten Borsten, um das ohnehin strapazierte Zahnfleisch zu schonen, und die Verwendung spezieller Mundwasser. Mitunter ist es sinnvoll, die Bakterienanzahl in der Mundhöhle durch den Einsatz einer Mundspülung zu reduzieren, die Chlorhexidin enthält.

Diese Behandlungsform der bakteriell ausgelösten Gingivitis ist jedoch nicht als Daueranwendung geeignet, da der Langzeitgebrauch von Chlorhexidin zu Verfärbungen der Zähne, zur Beeinträchtigung des Geschmackssinns sowie einem bakteriellen Ungleichgewicht der natürlichen Mundflora führen kann. Auch Kaugummis mit Zuckerersatzstoffen sind hilfreich: Sie regen den Speichelfluss an, hindern die Bakterien in ihrer Stoffwechselaktivität und leisten somit ebenfalls ihren Beitrag im Kampf gegen die Gingivitis.

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Vorbeugung

Die beste Prophylaxe der Gingivitis ist die konsequente Mund- und Zahnpflege. Neben dem regelmäßigen Zähneputzen (mindestens zweimal pro Tag) gehört auch das Reinigen der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten oder Zahnseide zu einer wirkungsvollen Mundpflege. Wer ein- oder zweimal jährlich eine professionelle Zahnreinigung durchführen lässt, rundet die häusliche Zahnhygiene optimal ab.

Bei ersten Anzeichen einer Entzündung sollte nicht der Fehler gemacht werden, die betroffenen Areale beim täglichen Zähneputzen zu schonen – im Gegenteil: Vor allem in bereits entzündeten Bereichen kann nur die konsequente Pflege ein Zurückbilden der Gingivitis erzielen.

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