Gelbsucht (Ikterus)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. September 2017
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Die Gelbsucht (Ikterus) ist ein Symptom vielfältiger Grunderkrankungen. Typisch ist die Gelbfärbung der Augen (Augenweiß) und der Haut. Während die Gelbsucht bei Erwachsenen meist Krankheitswert hat, tritt sie bei Säuglingen häufig als harmloses, vorübergehendes Symptom auf. Eine erfolgreiche Therapie setzt an eben diesen Grunderkrankungen an.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gelbsucht (Ikterus)?

Die Gelbsucht wird in der Medizin auch als Ikterus bezeichnet. Ihren Namen verdankt die Gelbsucht der Tatsache, dass sie zu einer charakteristischen Gelbfärbung von Haut und Schleimhäute führt.

Bei der Gelbsucht kommt es im Körper eines Betroffenen zu einer erhöhten Konzentration des Farbstoffes Bilirubin.

Bilirubin ist in der Galle zu finden und entsteht beim Abbau von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff. Dieser gelbe Farbstoff lagert sich im Körpergewebe ab und führt zu der typischen Gelbfärbung.

Übrigens kann auch der übermäßige Verzehr von Karotten bzw. Möhren auch zu einer vorübergehenden Gelbfärbung der Haut (nicht aber der Augen führen). Hierbei handelt es sich um eine harmlose Form des Ikterus und wird deshalb auch als Pseudoikterus bezeichnet.

Ursachen

Die Ursache einer Gelbsucht liegt zunächst in einem gestörten Bilirubin-Stoffwechsel. Da die Leber (griechisch=hepar) bei einem intakten Bilirubin-Stoffwechsel eine wichtige Rolle spielt, wird hinsichtlich der Ursachen des gestörten Bilirubin-Stoffwechsels und damit der Gelbsucht zwischen verschiedenen Formen des Ikterus unterschieden. Zu diesen Formen zählen die prähepatische, die hepatische und die posthepatische Gelbsucht.

Liegt eine prähepatische Gelbsucht vor, so liegen deren Ursachen vor der Leber. Verantwortlich sind hier meist Blutkrankheiten, die einen übermäßigen Zerfall von roten Blutkörperchen verursachen.

Eine posthepatische Gelbsucht wird meist hervorgerufen durch Störungen des Gallenflusses. Die hepatische Gelbsucht ist schließlich meist bedingt durch Erkrankungen der Leber selbst. Hierzu zählen Krankheiten wie Hepatitis oder die Leberzirrhose.

Wann zum Arzt?

Macht sich eine Gelbsucht mit ihren typischen Anzeichen bemerkbar, ist in der Regel ein Gang zum Arzt angezeigt. Dies ist dadurch zu begründen, dass nicht wenige Ursachen eines Ikterus bedrohlich bis lebensgefährlich sein können - darunter zum Beispiel eine Leberschädigung, eine Hepatitis usw.

Auftretende Gelbsucht macht sich dabei spätestens mit der Gelbfärbung der Bindehäute im Auge so weit bemerkbar, dass Dritte den Betroffenen darauf ansprechen werden. Eine vorübergehende und sehr schwache Gelbfärbung der Bindehaut beispielsweise, die bereits nach wenigen Stunden wieder abklingt (eine Gelbfärbung der restlichen Haut und Schleimhäute bleibt aus) ist meist nicht akut behandlungsbedürftig, sondern auf akute Ursachen - meist auf Medikamente - zurückzuführen. Zum Abklären sollte dennoch ein Besuch beim Arzt erfolgen. Schließlich ist die Ursache einer Gelbsucht immer abzuklären.

Menschen, die an sich häufiger diese schwache Form der Gelbsucht feststellen, sollten abklären lassen, ob sie an einem genetischen Defekt (beispielsweise dem Gilbert Syndrom) leiden. Dies ist harmlos und kann mittels Diagnostik oder Gentest erfolgen. Betroffene müssen so bei wieder auftretender schwacher Gelbsucht den Arzt nicht immer wieder aufsuchen. Tritt der Ikterus zusammen mit anderen Symptomen auf (Übelkeit, Schmerzen, Schwindel usw.), sollte ein Krankenhaus aufgesucht werden, da es sich um akute Erscheinungen einer Entzündung oder einer Vergiftung handeln könnte.

Symptome und Verlauf

Mögliche Symptome von Gelbsucht:

Überschreitet die Bilirubin-Konzentration im Rahmen einer Gelbsucht einen bestimmten Wert, so kann sich zu der Symptomatik der gelblich erscheinenden Haut und Schleimhäute auch eine Gelbfärbung der Augen (Lederhaut, Sklera) gesellen. Weitere Symptome der Gelbsucht sind Stuhl- und Urinverfärbungen, Abgeschlagenheit, Bauchschmerzen und Fieber.

Häufig kann es im Rahmen einer Gelbsucht außerdem zu Juckreiz und zu Farbveränderungen von Urin und Stuhl kommen: Der Urin erscheint typischerweise dunkelbraun, während der Stuhl in Abhängigkeit von der Ursache, die der Gelbsucht zugrunde liegt, heller oder dunkler als zuvor sein kann. Liegen einer Gelbsucht beispielsweise entzündliche Prozesse zugrunde, so kann es in vielen Fällen zu einer selbstständigen Heilung der Erkrankung kommen. Die Gelbsucht kann aber auch in Abhängigkeit von der Ursache chronisch verlaufen und langfristig Organschädigungen verursachen.

Diagnose

Es gibt eine Reihe von Grunderkrankungen, die als Ursache für eine Gelbsucht in Frage kommen. Der Arzt versucht zunächst im Patientengespräch (Anamnese) erste Rückschlüsse auf mögliche Ursachen der Gelbsucht zu ziehen. Dazu fragt er, wann und welche Symptome erstmals aufgetreten sind, ob bestimmte Vorerkrankungen bestehen und welche Medikamente der Betroffene einnimmt. Auch die Frage nach den allgemeinen Lebensgewohnheiten, speziell der regelmäßige Konsum von Alkohol, geben dem Arzt erste wichtige Hinweise bei der Ursachendiagnose.

Im Anschluss folgt die körperliche Untersuchung des Patienten. In diesem Zusammenhang ist eine Blutuntersuchung unverzichtbar. Weiterhin können eine Urin- und Stuhlanalyse sowie verschiedene bildgebende Verfahren (z.B. Ultraschall) zur Ursachenklärung beitragen.

Komplikationen

In der Regel ist die Gelbsucht selbst eine Kompilation. Aus diesem Grund muss auf jeden Fall die zugrundeliegende Erkrankung behandelt werden, damit es nicht zum Tode des Betroffenen oder zu anderen Komplikationen kommt. Die Betroffenen können dabei an Erkrankungen der Leber oder Galle leiden, welche im schlimmsten Falle auch zum Tode führen können. Vor allem ein vollständiges Versagen der Leber kann eine schwerwiegende Komplikation darstellen, die nicht mehr behandelt werden kann. Die Patienten sind dann auf eine Transplantation der Leber angewiesen. Ebenso kann es durch die Gelbsucht zu Störungen der Verdauung kommen. Vor allem bei einer erhöhten Menge an Alkohol kann es auf langer Sicht zur Gelbsucht kommen, die tödlich für den Betroffenen enden kann.

Die Behandlung der Gelbsucht erfolgt in der Regel immer kausal und richtet sich nach der Grunderkrankung. Dabei ist für den Betroffenen möglicherweise ein Entzug oder eine strenge Diät notwendig, um die Beschwerden der Gelbsucht zu lindern. In vielen Fällen sind allerdings auch operative Eingriffe notwendig. Ob es durch die Gelbsucht zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, kann nicht universell vorausgesagt werden.

Behandlung und Therapie

Eine erfolgreiche Therapie der Gelbsucht hängt ab von den entsprechenden Krankheitsursachen. Da die Gelbsucht lediglich ein Symptom einer zugrunde liegenden Störung oder Erkrankung und keine eigenständige Krankheit ist, zielt eine Behandlung auf die Ursache der Gelbsucht ab.

Bei einer posthepatische Gelbsucht, hervorgerufen durch Gallensteine, erfolgt die Behandlung in der Regel durch die Entfernung der Gallensteine. Dies kann durch einen endoskopischen oder operativen Eingriff erfolgen.

Ist die Grunderkrankung für die Gelbsucht erfolgreich behandelt, so reguliert sich auch die Hautfärbung von selbst wieder. Sind bestimmte Medikamente die Ursache für die Beschwerden, so sollten Arzt und Patient über eine Medikamentenumstellung nachdenken.

Ist Alkoholmissbrauch der Grund für die Gelbsucht, so ist ein wichtiger Therapiebaustein die Behandlung der vorliegenden Suchtproblematik.

Zur Behandlung einer Hepatitis werden verschiedene Maßnahmen eingesetzt. So wird die Hepatitis B beispielsweise mit virushemmenden Medikamenten bekämpft. Ist diese Therapie wirksam, so kommt es zu einer Abnahme des Bilirubin-Spiegels im Blut, was wiederum zu einem Abklingen der gelblichen Gesichtsfärbung führt.



Vorbeugung

Vorzubeugen ist einer Gelbsucht, indem den entsprechenden zugrunde liegenden Erkrankungen oder Störungen vorgebeugt wird. So kann beispielsweise ein verantwortungsvoller Umgang mit Medikamenten oder Alkohol das Risiko von Leberschädigungen senken. Um Stauungen der Gallenflüssigkeit und Gallensteinen als Ursache der Gelbsucht vorzubeugen, empfiehlt sich eine fettarme und ballaststoffreiche Ernährung. Gegen Hepatitis A und B sind schützende Impfungen möglich.

Bücher über Gelbsucht

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Pfi52 kommentierte am 22.07.2017 um 11:14 Uhr

Patientin 92-jährig mit Verdacht auf Ikterus, will nicht ins Spital eingeliefert werden. Frage: wenn sie nicht ins Spital geht, was steht ihr bevor??