Fluorose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Januar 2015
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Fluorose wird durch eine übermäßige Zufuhr von Fluorid ausgelöst und äußert sich in Gelenks- und Knochenschmerzen und einer Verfärbung der Zähne. Die sichere Diagnose erfolgt über Röntgenbilder und die Behandlung gestaltet sich als relativ unproblematisch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Fluorose?

Laut Definition werden mit dem Begriff Fluorose alle Krankheitsbilder bezeichnet, die durch eine übermäßige Zufuhr an Fluoriden hervorgerufen werden. Fluoride regen die Osteoblasten, die knochenbildenden Zellen des Körpers, an, was einerseits zu einer höheren Knochendichte, andererseits zur Verkalkung der Längsbänder führt.

Außerdem lagern sich die Fluoride in den Knochen ab, wodurch die Stabilität und Widerstandsfähigkeit der Knochen gesteigert wird. Dies wird in der Medizin oft als positive Eigenschaft der Fluorose genutzt.

Ursachen von Fluorose

Fluorose tritt vor allem in Ländern auf, in denen das Trinkwasser mit Fluor angereichert ist (zum Beispiel in den USA, Indien oder Bahrain). Eine Überdosis von Fluorid (etwa ab 20mg) kann auch bei Kindern vorkommen, denn zur Zahnentwicklung und zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen Karies wird die Zahnentwicklung gerne mit Fluoriden (1mg pro Tag) angereicherter Zahncreme, konzentrierten Fluorid-Gels oder Tabletten unterstützt.

Wird versehentlich eine große Menge an Fluorid-Tabletten auf einmal geschluckt, spricht man von akuter Fluorose oder Fluorid-Vergiftung. Außerdem wurde ein Auftreten der Krankheit bei Personen registriert, die in der elektrolytischen Gewinnung von Aluminium arbeiten. Beim Schmelzen von Kryolith, einem seltenen Mineral, aus dem Aluminium hergestellt wird, entsteht Fluorwasserstoff, der über die Atem- oder Verdauungswege in den Körper gelangen kann.

Fluorose kann allerdings nicht nur Krankheit, sondern auch Therapie sein. So wird zum Beispiel bei Osteopathie-Patienten durch künstliche Gabe von Natriumflorid eine leichte Fluorose herbeigeführt, um die Knochendichte zu verbessern und den Knochenschwund zu verlangsamen. Die Knochenfluorose äußert sich durch zunehmende Versteifung der Knochen, vermindertes Wachstum, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme bis hin zur Kachexie (BMI unter 18). Schmerzen entstehen vor allem entlang der Wirbelsäule und an den Sprunggelenken. In fortgeschrittenem Stadium ist eine Anämie (Blutarmut) möglich, da durch die Fluorose das Knochenmark verdrängt wird.

Symptome und Verlauf von Fluorose

Typische Symptome der Fluorose:

Symptome der um ein Vielfaches häufiger auftretenden Zahnfluorose sind schneeweiße oder gelblich-braune Verfärbungen auf dem Zahnschmelz, die in Form von Streifen und Flecken auftreten. Eine extreme Form der Dentalfluorose wird als „Texas Teeth“ bezeichnet. Dabei erscheinen die Zähne in mattem, an Kreide erinnerndem Weiß und sind mit braunen Flecken bedeckt. Die Verfärbungen auf den Zähnen, die durch die Fluorose hervorgerufen werden, sind nicht nur unschön anzusehen, sondern vermindern auch die Abwehrkräfte der Zähne gegen Karies.

Die akute Fluorose führt zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Der erst Verdacht auf Fluorose entsteht meist beim Zahnarzt, dem die ersten minimalen Verfärbungen der Zähne auffallen, die durch die Einlagerung von Fluorid im Zahnschmelz entstanden sind. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Zähne kreideweiß oder bräunlich verfärbt.

Diagnose von Fluorose

Zur sicheren Diagnose erfolgt eine Röntgenaufnahme, auf der der von Fluorose betroffene Knochen aufgrund des vielen neuen Knochenmaterials schneeweiß zu sehen ist. Bei fortgeschrittener Fluorose können auch bereits die Bänder, Sehnen und Gelenkkapseln verknöchert sein. Auch ein erhöhter BSG-Wert im Blut kann auf eine Fluorose hinweisen, allerdings ist die erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit ein Symptom von Entzündungen im Körper und daher relativ unspezifisch.

Behandlung von Fluorose

Der erste Schritt zur Behandlung einer Fluorose ist, die übermäßige Zufuhr der Fluoride zu stoppen und damit die Ursache der Krankheit zu beseitigen. Bereits durch diese einfache Maßnahme können die Symptome abklingen und sich die veränderten Knochen wieder zurückbilden. Welche zusätzlichen Maßnahmen zur Behandlung der Fluorose eingesetzt werden, ist stark von den Schäden abhängig, die im Körper durch die Krankheit bereits entstanden sind.

Bei der Dentalfluorose geht es in den meisten Fällen in erster Linie darum, die erkrankten Zähne zu erhalten. Bei starker Beschädigung kann es notwendig sein, diese zu entfernen und durch künstliche Zähne zu ersetzen. Die akute Fluorose kann bei unzureichender Behandlung vor allem bei Kindern sogar lebensbedrohlich sein. Wie bei anderen Arten von Vergiftungen ist eine sofortige notfallmedizinische Versorgung nötig, im Zuge derer durch gezieltes Erbrechen der Magen so rasch wie möglich geleert werden sollte.

Ein Gang zum Arzt ist unbedingt nötig, in den meisten Fällen muss auch der Magen ausgespült werden, idealerweise in den ersten zwei Stunden nach der Einnahme der Überdosis an Fluorid. Allerdings ist eine mögliche toxische Wirkung von Fluorid erst ab einer Einnahme von 5mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht zu beobachten, was bei einer erwachsenen Person mit 70kg an die drei bis vier Zahnpasta-Tuben entspricht. Vorsicht ist allerdings bei Kleinkindern geboten, wo schon eine Tube ausreicht, die oftmals aufgrund von Erdbeergeschmack für Leckermäuler verlockend sein kann.

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Vorbeugung von Fluorose

Einer Fluorose kann vorgebeugt werden. Zur Fluoridvorbeugung ist auf eine kontrollierte Einnahme von Fluorid-Präparaten zu achten. Dabei sollte dem Organismus nicht mehr als 2mg Fluorid pro Tag zugeführt werden.

Ist aus medizinischen Gründen eine Einnahme darüber hinaus erforderlich, müssen die Risiken der Therapie mit Fluorid und den möglichen Nebenwirkungen gegeneinander entsprechend abgewogen und imdividuell entschieden werden.

Konzentrierte Fluorid-Gels und Tabletten sollten sicherheitshalber für Kinder unerreichbar und entsprechend sicher aufbewahrt werden. Zweimal jährliche Kontrolltermine beim Zahnarzt helfen in diesem Zusammenhang ebenso, das Risiko, an Fluorose zu erkranken, zu minimieren.

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