Endometriose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 18. Juni 2017
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An einer Endometriose erkranken zumeist Frauen zwischen Pubertät Wechseljahren. Typische Symptome sind krampfartige Schmerzen im Unterleib, die durch im Unterleib befindende Entzündungsherde verursacht werden. Ohne Behandlung der Endometriose vergrößern sich diese Entzündungen und führen später zu Verwachsungen und häufig zur Unfruchtbarkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Endometriose?

Die Endometriose zählt zu den chronischen Erkrankungen. Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) gelangt bei der Menstruation der Frau mit dem Blut in den Bauch- und Beckenraum, zu den Eierstöcken, in den Douglasraum und zu anderen inneren Lokalitäten. Dort siedelt sie sich als gutartige Wucherung an und bewirkt Entzündungen.

Nach Lage dieser Entzündungsherde leidet die Frau durch hormonelle Veränderungen im zyklischen Rhythmus ihrer Menstruation unter krampfartigen Schmerzen oder bei ungünstigem Wuchs der Wucherungen unter Unfruchtbarkeit.

Ursachen

Auf eine einheitliche eindeutige Ursache zur Entstehung einer Endometriose können sich die Wissenschaftler jedoch nicht einigen. Nach der Transplantationstheorie wird wie bereits oben erwähnt Gebärmutterschleimhaut in oder an benachbarte Organe angesiedelt.

Eine andere Entstehungstheorie besagt, dass sich bestimmte Zellen verändern und umbilden zu gebärmutterähnlichem Gewebe (Metaplasie) und daher kann in seltenen Fällen auch bei Männern eine Endometriose auftreten.

Einig ist man sich, dass bei Endometriose genetische Ursachen nicht auszuschließen sind, auch wenn bisher kein "Endometriose-Gen" entdeckt wurde. Aber eine Endometriose tritt häufig bei familiärer Veranlagung dazu auf. Die Entstehung einer Endometriose steht jedoch nicht in einem Zusammenhang mit bestimmten Lebensweisen, Umwelteinflüssen oder einer bestimmten Ernährung.

Wann zum Arzt?

Bei einer Endometriose gibt es drei Zeitpunkte für den Arztbesuch: Diagnose, veränderte Symptomatik in Form zunehmender Schmerzen sowie ein Kinderwunsch. Die Endometriose ist nicht ganz einfach zu diagnostizieren, da viele Patientinnen zunächst nicht davon ausgehen, dass ihre Symptome überhaupt zusammenhängen. Beschwerden des Unterleibs sowie schwere Menstruationsblutungen können schließlich auch ohne Endometriose auftreten.

Die Diagnose wird also meistens deswegen gestellt, da sich die betroffenen Frauen aufgrund eines oder mehrerer Symptome zum Gynäkologen begeben oder der Arzt sie im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung angesprochen hat. Im Anschluss an die Diagnose stellt der behandelnde Arzt meist schon fest, welche Behandlungsmöglichkeiten sich anbieten. Bei diagnostizierter Endometriose ist es sinnvoll, erneut den Arzt aufzusuchen, wenn sich Symptome verändern oder verschlimmern. Meist ist dann ein neuer Endometriose-Herd entstanden, der in einem kleinen chirurgischen Eingriff entweder verödet oder entfernt werden kann.

Somit ist die Patientin bei erfolgreichem Eingriff für einige Zeit wieder beschwerdefrei. Außerdem kann damit die Situation beendet werden, dass die Patientin gegen die Schmerzen kurzzeitig starke Schmerzmittel einnimmt, denn diese belasten wiederum andere Organe und sind daher keine Dauerlösung bei Endometriose. Patientinnen werden aber auch dann ärztliche Hilfe brauchen, wenn der Kinderwunsch für sie zum Thema wird. Eine Schwangerschaft ohne eine Hormontherapie ist bei Endometriose leider sehr unwahrscheinlich bis unmöglich.

Symptome und Verlauf

Weibliches Geschlechtsorgan mit typischen Stellen der Endometriose.

Bei einer Endometriose sind regelmäßig mit der Menstruation ziehende krampfartige Schmerzen im Unterleib verbunden (Dysmenorrhoe), die mit den Jahren intensiver und zu chronischen Bauchschmerzen werden können.

Meist sind gleichzeitig Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Schwindel zusätzlich eine Belastung, so dass die Frau vorübergehend ihrem Körper genügend Ruhe gönnen sollte. Da das Blut bei einer Endometriose im Bauchraum nicht abfließen kann, bilden sich gelegentlich Zysten an den Eierstöcken, die mit geronnenem Blut gefüllt sind. Weil diese bräunlich erscheinen, werden sie "Schokoladenzysten" genannt.

Oftmals sind auch die Haltebänder der Eileiter, die Scheide, der Darm und die tieferen Wandschichten des Uterus von Endometrioseherden befallen. Viele Frauen leiden deshalb auch unter starken Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und unter Schmerzen beim Wasserlassen oder Schmerzen beim Stuhlgang.

Leider hat eine Endometriose aufgrund einer gesteigerten Gebärmutterperistaltik sehr häufig Unfruchtbarkeit als Folge. Nur ein operativer Eingriff, bei dem diese Endometrioseherde entfernt werden, kann in solchen Fällen die Chance zu einer spontanen Schwangerschaft geben.

Diagnose

Um Endometriose bei einer Patientin zu diagnostizieren, nutzen die Ärzte mehrere diagnostische Methoden. Zu Beginn der Untersuchung steht ein ausführliches Gespräch. Der Arzt informiert sich über die aktuellen Beschwerden, die Krankenhistorie und medikamentöse und/oder operative Therapien in der Vergangenheit sowie bestehenden Kinderwunsch. Die Patientinnen erhalten zudem einen Fragebogen, der auszufüllen ist.

Der Anamnese schließt sich eine gynäkologische Untersuchung an, wobei sie die Endometriose nur sehr selten ertasten lässt. Mithilfe einer Untersuchung mit Ultraschall lässt sich der Befund hinsichtlich der Position und Größe des Krankheitsherds abgrenzen. Allerdings bietet auch diese Untersuchung keine ausreichenden Ergebnisse, weil eine Abgrenzung zu Zysten nicht sicher möglich ist.

Zur Diagnosesicherung kommen weitere bildgebende Verfahren wie eine Röntgenuntersuchung von Niere, Harnleiter und Blase, eine Magnetresonanztomografie und eine Computertomografie infrage. Untersuchungen des Blutes dienen der Messung des Hormonspiegels oder des Tumormarkers Ca125.

Bei Verdacht auf Darmendometriose erfolgt eine Ultraschalluntersuchung des Enddarms oder eine Enddarmspiegelung beziehungsweise eine Koloskopie, um die Darmschleimhaut zu untersuchen. Um Endometrioseherde in der Blase zu finden, erfolgt zusätzlich eine Blasenspiegelung.

Ist zur sicheren Diagnose eine Bauchspiegelung notwendig, erfolgt die Laparoskopie unter Vollnarkose. Findet der Arzt im Rahmen der Untersuchung verdächtiges Gewebe, wird das sofort entfernt. Einige Proben des Gewebes werden dann zur Diagnosesicherung mikroskopisch untersucht

Behandlung und Therapie

Je nach Schweregrad einer Endometriose wird sie mit einer Hormontherapie, durch eine Operation oder durch eine Kombinationstherapie behandelt. Das wichtige Ziel ist, dass möglichst alle Endometrioseherde entfernt oder zerstört werden, damit die unangenehmen Beschwerden aufhören oder sich der ersehnte Kinderwunsch erfüllt.

Nach Möglichkeit versuchen die Gynäkologen eine Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke zu umgehen. Selbst wenn eine "Schokoladenzyste" entstanden ist, lässt sich diese herausschälen, so dass die Eierstöcke weiterhin funktionsfähig sind.

Eine medikamentöse Hormontherapie mit GnRH-Analoga oder anderen Östrogen-Gestagen vermindert jedoch nur für die Dauer der Behandlung, die Hormonproduktion in den Eierstöcken. Außerdem führt sie zu Nebenwirkungen, die den Wechseljahresbeschwerden vergleichbar sind.

Eine Bauchspiegelung ist zur genaueren diagnostischen Abklärung und gleichzeitig zur Beseitigung der Endometrioseherde die erfolgreichste Methode. Sie ermöglicht gleichzeitig, eventuell vorhandene Verwachsungen zu lösen und bei Kinderwunsch die Funktionsfähigkeit der Eileiter zu überprüfen.

Da die Endometriose eine chronische Erkrankung ist, tritt sie bei vielen Frauen nach einer anfänglich erfolgreichen Behandlung oftmals wieder auf. Es gibt bisher auch noch keine Möglichkeit, einer Endometriose vorzubeugen, eine gynäkologische Behandlung bietet aber schmerzlindernde Möglichkeiten an.



Bücher über Endometriose

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ludwig, M.: Gynäkologische Endokrinologie. Ein Handbuch für die Praxis, 2.Auflage, optimist Fachbuchverlag, 2011
  • Kuhl, H.: Sexualhormone und Psyche: Grundlagen, Symptomatik, Erkrankungen, Therapie,1. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2002
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kirschbaum, M., et al.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005

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