Dysbiose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. Mai 2016
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Bei der Dysbiose handelt es sich um eine Darmerkrankung, die durch eine Störung des Gleichgewichts der Darmflora gekennzeichnet ist. Sie führt zu einer erhöhten Infektanfälligkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Dysbiose?

Dysbiose wird auch als Dysbakterie oder Dysmikrobie bezeichnet und beschreibt den Zustand des Ungleichgewichts der Darmflora. Der Begriff Dysbakterie ist jedoch nicht eindeutig, da er auch ein Ungleichgewicht der Mund- oder Vaginalflora meinen kann. Deshalb sollte der Begriff Dysbiose bevorzugt verwendet werden, um Missverständnisse auszuschließen.

Bei der Dysbiose besteht die Unterscheidung in qualitative und quantitative Dysbiose: Bei der qualitativen Dysbiose fehlen bestimmte Arten von Darmbakterien, die normalerweise zur Darmflora eines gesunden Menschen gehören, oder es sind Bakterien oder Pilze im Darm vorhanden, die üblicherweise nicht dort anzutreffen sind. Die quantitative Dysbiose ist dadurch gekennzeichnet, dass zwar die zu erwartenden Bakterienarten im Darm zu finden sind; allerdings ist ihre anteilige Zusammensetzung verändert: Bestimmte Bakterienarten können Überhand gewinnen oder in zu geringer Anzahl vorhanden sein.

Ursachen

Dysbiose führt vielfach zu einer erhöhten Infektanfälligkeit, da die Darmschleimhaut, die im Normalfall von gutartigen, die Verdauung unterstützenden Bakterien besiedelt ist, von Krankheitserregern besetzt werden kann. Langfristig kann es auch zur Veränderung der Darmschleimhaut selbst sowie der Darmwand kommen.

Häufig werden Dysbiosen durch die Einnahme von Breitbandantibiotika verursacht. Diese Klasse von Arzneimitteln geht nicht nur gegen eine bestimmte Art von Bakterien vor, die für eine Infektionserkrankung verantwortlich sind; die Breitbandantibiotika wirken globaler und schaden damit nicht nur schädlichen Pilzen und Bakterien, die in den Körper eingedrungen sind, sondern auch den nützlichen Bakterien – zum Beispiel im menschlichen Darm.

Während eine Kurzzeitbehandlung mit einem solchen Breitbandantibiotikum noch ein verhältnismäßig geringes Risiko hat, zu einer Dysbiose zu führen, sind Langzeitbehandlungen hier kritischer.

Auslöser für die Erkrankung können auch verschiedene Erkrankungen darstellen, die eine anatomische Veränderung des Verdauungstraktes zur Folge haben, zum Beispiel Morbus Crohn oder Divertikulose. Eine andere Ursache für die Dysbiose kann ebenso in einer bestimmten Verdauungsstörung liegen: die Gärungsdyspepsie.

Bei dieser Erkrankung kann der Körper im oberen Dünndarm die Kohlenhydrate aus der Nahrung nicht ausreichend verdauen. Dies führt zur Gärung und damit zur Gasbildung im Verdauungstrakt, da die nicht-zersetzten Kohlenhydrate im weiteren Dünn- und Dickdarm von Bakterien gespalten werden. Die Gärungsdyspepsie kann durch den Verzehr von unreifen Obst, verstärkter Darmbewegungen, Entzündungen des Darms oder einer fehlerhaften Produktion der Magensäure ausgelöst werden.

Auch eine ungesunde Ernährung und Lebensmittelunverträglichkeiten kommen als Ursache für die Dysbiose in Betracht. Durch die abweichende Zusammensetzung der Nährstoffe des Nahrungsbreis setzen sich diejenigen Bakterien im Darm durch, die genau jene Nährstoffe aufspalten können – was zum Ungleichgewicht der Bakterien und damit zur Dysbiose führt.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Zur Diagnosestellung der Dysbiose wird eine Mikrountersuchung des Stuhls durchgeführt, um die Zusammensetzung der Darmflora bestimmen zu können. Liegt ein Ungleichgewicht vor, gilt die Dysbiose als gesichert. Um die zugrunde liegenden Ursachen der Dysbiose zu ergründen, können Untersuchungen des Magens (insbesondere der Magensäure) und des Darms (mittels Koloskopie) durchgeführt werden, auch um alternative Erklärungen für die Beschwerden auszuschließen. Ohne eine gezielte Behandlung der Erkrankung ist ihr Verlauf oft weniger günstig: Viele chronische Verdauungserkrankungen beginnen mit einer Dysbiose oder die Erkrankung entwickelt sich parallel dazu, so dass hier Handlungsbedarf besteht.

Behandlung

Liegt der Dysbiose eine andere (ggf. chronische) Erkrankung zugrunde, wird in erster Linie diese behandelt. Dies geschieht nach ausführlicher Diagnostik, mit dafür geeigneten Medikamenten. In weniger schweren Fällen oder ohne das Vorliegen einer anderen, ursächlichen Darmerkrankung, reicht häufig die orale Einnahme von Probiotika aus, um Heilungserfolge zu verzeichnen.

Probiotika sind Präparate, die Mikroorganismen enthalten. Diese können sich im Darm ansiedeln und damit das Gleichgewicht der Darmflora wieder herstellen. Gelegentlich werden auch bestimmte Lebensmittelzubereitungen als probiotisch beworben; diese sind jedoch von den entsprechenden Arzneimitteln meistens deutlich abzugrenzen.

Neben Probiotika werden auch Präbiotika eingesetzt, um eine Dysbiose zu behandeln: Diese enthalten keine Mikroorganismen, sondern regen das Wachstum der bereits vorhandenen Darmbakterien an. Eine Kombination aus Probiotika und Präbiotika stellen die sogenannten Synbiotika dar.

Zur Unterstützung der Behandlung sollte auf eine schonende, ballaststoffreiche und fettarme Ernährung gesetzt werden. Rohkost sollte bis auf Blattgemüse gemieden werden; auch Steinobst ist bei einer vorhandenen Dysbiose weniger empfehlenswert.



Vorbeugung

Um einer Dysbiose vorzubeugen, sollte auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet werden. Insbesondere ein Übermaß an Fett und Eiweiß kann zur Störung des Gleichgewichts der Darmflora führen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass eine Person nicht mehr als 70 g Fett pro Tag zu sich nehmen sollte.

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