Bipolare affektive Störung (Manische Depression)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 12. Mai 2017
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Die Bipolare affektive Störung wurde früher als Manische Depression bezeichnet. „Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt" – die Bipolare affektive Störung zeichnet sich durch den intensiven Wechsel zweier erschöpfender Gefühlslagen aus. Einen Überblick über die bipolare affektive Störung, deren Verlauf und Behandlung gibt der folgende Artikel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Bipolare affektive Störung (Manische Depression)

Die bipolare affektive Störung wurde ursprünglich als manische Depression bezeichnet und den Psychosen zugeordnet. Die Bezeichnung "bipolar" besagt, dass die bipolare affektive Störung durch zwei Extreme gekennzeichnet ist.

Die Betroffenen erleben zum einen Phasen der Manie, die durch ein euphorisches Stimmungshoch und Selbstüberschätzung gekennzeichnet sind. In der darauffolgenden depressiven Phase ereignet sich ein eklatanter Stimmungswandel.

Die Depression äußert sich durch eine allgemein gedrückte Stimmung. Der Betroffene wählt den Rückzug und neigt zu Selbstzweifeln. Die bipolare affektive Störung verläuft in Intervallen, die willentlich nicht zu beeinflussen sind.

Ursachen

Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen können auch für die bipolare affektive Störung bzw. die manische Depression verschiedene Faktoren an der Entstehung beteiligt sein.

Für die Diagnose bipolare affektive Störung können daher genetische, psychosoziale oder (neuro-) biologische Faktoren eine Rolle spielen. Auch Stress und Substanzmissbrauch können eine bipolare affektive Störung auslösen oder mit dieser im Zusammenhang stehen.

Das Risiko, eine bipolare affektive Störung zu erleiden, steigert sich, wenn bereits Vorerkrankungen in direkter Verwandtschaftslinie auftraten. Schwere Kindheitstraumata, wirken ebenfalls risikosteigernd. Hinzu kennzeichnen neurobiologische Faktoren die bipolare affektive Störung, so etwa ein Mangel an körpereigenen Neurotransmittern.

Wann zum Arzt?

Wer unter einer bipolar affektiven Störung leidet, erlebt ein emotionales Auf und Ab, das stark einschränken und gesellschaftlich isolieren kann. Deshalb sollten regelmäßig Arzttermine wahrgenommen werden. Das Verhalten der Patienten äußert sich durch abwechselnde manische und depressiven Phasen. Im Extremfall kommt es zu Suizidalität, Selbstverletzung oder Fremdgefährdung, sodass Patienten mitunter mittels richterlichem Beschluss in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.

Da mangelnde Krankheitseinsicht für die bipolar affektive Störung besonders typisch ist, meiden Erkrankte häufig den Besuch von Fachärzten oder brechen die Behandlung frühzeitig ab, da sie überzeugt sind, sie seien psychisch gesund. Allerdings muss die Krankheit auch zweifelsfrei diagnostiziert sein, idealerweise auch durch einen unabhängigen Zweitgutachter. Speziell die mangelnde Krankheitseinsicht sollte dazu führen, dass den Patienten immer wieder taktvoll vor Augen geführt wird, dass sie erkrankt sind, damit sie im Fall eines Krankheitsschubes tatsächlich einen Psychiater aufsuchen.

Es muss erreicht werden, dass die eigene Krankheit akzeptiert wird. Deshalb sollten die Betroffenen unbedingt auf Vertrauenspersonen hören und deren Ratschläge befolgen. Wer unter einer bipolar affektiven Störung leidet, wird vom Arzt medikamentös eingestellt. Es müssen regelmäßig Arzttermine wahrgenommen werden, um den Gesundheitszustand zu kontrollieren. Ebenso muss das Blutbild über einen Medikamentenspiegel überprüft werden. Neben Medikamenten helfen u. a. Gesprächs- und Ergotherapie sowie eine Arbeitsstelle im geschützten Rahmen.

Symptome und Verlauf

Die bipolare affektive Störung wird in zwei einander abwechselnde Phasen unterteilt. Während der ersten Phase kommt es zu Symptomen, die auf eine Manie deuten. Das heißt, die Betroffenen setzen sich voller Energie und Tätigkeitswillen für das Erreichen bestimmter Ziele ein. Das Gefühl, alles erreichen zu können, kann sich bis hin zum Größenwahn steigern.

Auf der anderen Seite werden als unwichtig empfundene Lebensbereiche vernachlässigt. Auch besteht in dieser Phase der bipolaren affektiven Störung regelmäßig ein geringes Schlafbedürfnis. In der zweiten Phase wird die bipolare affektive Störung daran ersichtlich, dass alle zuvor beschlossenen Vorhaben aufgegeben werden. Die Euphorie weicht der Depression und der Antriebslosigkeit.

Diagnose

Die Diagnose einer Bipolaren affektiven Störung ist schwer. Oft lässt sich die manische Phase nicht als solche erkennen. Angehörige und Betroffene nehmen sie als Stimmungsschwankung wahr. Oft dauert es jahrelang, bis der Arzt die richtige Diagnose stellen kann.

Besteht der Verdacht auf das Vorliegen einer Bipolaren affektiven Störung, ist der Hausarzt erster Ansprechpartner. Weil mit der manischen Depression auch eine akute Suizidgefahr einhergeht, kann auch eine psychiatrische Klinik erste Anlaufstelle sein. Leider sehen viele Betroffene, wenn sie sich gerade in der manischen Phase befinden, keinen Handlungsbedarf für einen Arzt.

Für den Arzt ist eine Befragung der Angehörigen wichtig. Besonders dann, wenn der Betroffene nicht einsieht, dass bei ihm eine Krankheit vorliegen könnte. Die Diagnose lässt sich dann mithilfe vorgefertigter ganz spezieller Fragebögen stellen. Zudem erfragt der Arzt bei den Angehörigen und bei dem Betroffenen im Erstgespräch bestimmte Verhaltensweisen und Zustände wie Niedergeschlagenheit, Angst, Schlafstörungen, Suizidgedanken, Stimmungsschwankungen und Ähnliches, die auf den aktuellen Zustand des Patienten Hinweise geben.

Weil beim Entstehen einer Bipolaren Störung auch genetische Einflüsse eine Rolle spielen, macht es Sinn, wenn der Arzt parallel eine Anamnese der Familie vornimmt. Dadurch lässt sich im Vorfeld klären, ob in der Familie weitere Personen unter der Bipolaren Störung leiden oder litte

Behandlung und Therapie

Die bipolare affektive Störung wird in der Regel medikamentös behandelt. Welche Therapieformen gewählt werden, hängt zudem davon ab, welche Ursachen für die manische Depression werden. Sowohl die Gabe von Neuroleptika in der Phase der Manie als auch die Verabreichung von Antidepressiva in der zweiten Phase muss sorgfältig abgewogen werden, da gegenteilige Effekte erzielt werden können.

Ergänzend müssen störende Einflüsse, die durch den Lebenswandel oder die Ernährung bedingt sind, verändert werden. So sollten Betroffene alle schädigenden Substanzen wie Alkohol, Tabletten, Koffein weggelassen. Auch sollte der Tagesablauf in starkem Maße rhythmisiert werden.

Ist die bipolare affektive Störung durch schwere Traumata entstanden, so müssen diese in einer psychotherapeutischen Behandlung aufgearbeitet werden. Darüber hinaus erlernen die Betroffenen im Rahmen einer therapeutischen Behandlung, wie sie Frühsymptome, die die bipolare affektive Störung begleiten, erkennen können.



Vorbeugung

Der Erkrankung bipolare affektive Störung kann kaum vorgebeugt werden. Doch können bestimmte Begleitumstände dafür sorgen, dass die bipolare affektive Störung stärker oder schwächer auftritt.

Bedeutsam ist, dass die Diagnose bipolare affektive Störung (manische Depression) möglichst früh erfolgt.

Auch sollte die Lebensplanung starken Bezug auf die Erkrankung nehmen. So sind beispielsweise Berufe, die in Schichtarbeit ausgeübt werden, für Betroffene nicht zu empfehlen.

Stattdessen sollten Tätigkeiten und Lebenswandel in höchstem Maße von Regelmäßigkeit geprägt sein. Auch eine medikamentöse Behandlung kann zur Vorbeugung gegen die bipolare affektive Störung gewählt werden.

Bücher über Bipolare affektive Störung (Manische Depression)

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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