Steißbeinschmerzen

Letzte Aktualisierung am 1. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Steißbeinschmerzen werden in medizinischen Kreisen auch als Kokzygodynie bezeichnet. Dabei handelt es sich um lokale Schmerzen im unteren Bereich der Wirbelsäule, im Steißbein. Die Beschwerden können einen chronischen Verlauf annehmen oder nur spontan über einen kurzen Zeitraum auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Steißbeinschmerzen?

Zu Steißbeinschmerzen kommt es oft, wenn man zu lange auf einer harten Unterlagen gesessen hat. In der Regel vergehen die Schmerzen nach kurzer Zeit wieder.

Steißbeinschmerzen sind eine körperliche Beschwerde, die bei Menschen als ernsthafte Erkrankung nur selten auftreten. Davon sind Frauen häufiger betroffen, wobei die Anfälligkeit mit dem Alter steigt. Die Kokzygodynie äußert sich durch scharfe, stechende und ziehende Schmerzen. In besonders schweren Fällen strahlen die Schmerzen auch in angrenzende Bereiche aus.

Da es sich bei der Kokzygodynie nicht immer um eine Verletzung der Wirbelsäule handelt, wird die Beschwerde auch als psychosomatische Erkrankung klassifiziert. Konkret soll es sich dann um eine Erkrankung handeln, die auf die psychische Verfassung des Patienten zurückzuführen ist.

Ursachen

Für Steißbeinschmerzen gibt es in vielen Fällen keine nachweisbare Ursache. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um eine spontane Kokzygodynie handelt. Experten vermuten, dass die Steißbeinschmerzen zuvor durch eine übermäßige Belastung ausgelöst worden sind. So beklagen viele Patienten, die Schmerzen würden nach langem Sitzen auf harten Unterlagen, etwa einem Stuhl, auftreten.

Entsprechend wird die Kokzygodynie im englischen Sprachraum auch als "television bottom" (Fernsehhintern) bezeichnet. Für eine akute Erkrankung kann auch eine Verletzung des Steißbeins sprechen. Mögliche Ursachen sind Prellungen, Stauchungen, Verrenkungen und Brüche des Steißbeins. Ferner können Fehlstellungen des Steißbeins und Verletzungen des Beckens als Auslöser herangezogen werden.

In seltenen Fällen entwickelt sich eine Kokzygodynie mit einer Tumorbildung oder als Folge eines chirurgischen Eingriffes. Von einer chronischen Kokzygodynie spricht man, wenn Mikrotraumen über einen längeren Zeitraum auftreten. Mikrotraumen sind kleine Gewebeverletzungen, die bei mechanischen Belastungen entstehen. Bei dem Auslöser der Mikrotraumenbildung kann es sich um eine Extremsportart handelt, die mit ständigen Prellungen und Stößen im Bereich der Wirbelsäule einhergeht.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Steißbeinschmerzen stellen sich häufig nach einem Unfall oder Sturz ein. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Knochenbruch oder eine Prellung. Ein Arzt muss aufgesucht werden, um über bildgebende Verfahren Klarheit der Beschädigungen zu erhalten. Verletzungen der Muskelfasern oder Nervenbahnen in der Nähe des Steißbeins, können ebenfalls zu dem Schmerzempfinden führen. Da sich die Beschwerden ausbreiten können, muss ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu Gefühlsstörungen, wie z.B. Taubheit, Kribbeln oder einer Überempfindlichkeit, sollte ein Arzt weitere Untersuchungen vornehmen, um die Ursache zu finden.

Treten die Steißbeinschmerzen ohne einen ersichtlichen Grund auf, ist es notwendig, einen Arzt zu konsultieren. Es handelt sich um eine ungewöhnliche Situation, die schnellst möglich abgeklärt werden muss. Kommt es zu Schwellungen oder Hautveränderungen, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Schmerzmedikamente sind grundsätzlich erst nach der Rücksprache mit einem Arzt einzunehmen. Es drohen weitere Beschwerden und Nebenwirkungen, die im Vorfeld besprochen werden müssen.

Kommt es zu Störungen des Bewegungsapparates, ist ein Arzt aufzusuchen. Das Risiko für dauerhafte Schäden und damit eine Ausbreitung der vorliegenden Symptome steigt an. Bei einigen Patienten beruhen die Steißbeinschmerzen auf psychosomatischen Erkrankungen. Der Betroffene sollte daher einen Arzt konsultieren, sobald er emotionale Probleme, viel Stress oder auffallende Stimmungsschwankungen hat.

Diagnose und Verlauf

Steißbeinschmerzen treten oft als eine spontane Beschwerde auf, die nach wenigen Tagen wieder nachlässt. Sollten die Schmerzen eine Woche überschreiten, empfiehlt es sich, einen Arzt zu konsultieren. Hierbei kann es sich um den Hausarzt oder einen Orthopäden handeln. Der Arzt beginnt mit einer Anamnese. Sie umfasst den bisherigen Krankheitsverlauf und die mit der Kokzygodynie einhergehenden Symptome.

Weiterhin wird der Arzt Hintergrundfragen zu den Lebensgewohnheiten und den Freizeitaktivitäten stellen. Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung versucht der Arzt, die Schmerzen exakt zu lokalisieren. Dazu übt er auf das Steißbein einen Druck aus, um eine schmerzhafte Reaktion auszulösen. Zur genauen Diagnose erfolgt eine Ultraschalluntersuchung des Beckenbereichs.

Um Fehlstellungen und Verletzungen der Wirbelsäule auszuschließen, kann die Behandlung mit einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie fortgeführt werden. Ein hierbei verwendetes Kontrastmittel zeigt schließlich auf, ob eine Entzündung vorliegt. Mit den Ergebnissen kann zudem ein Tumorbefall erkannt werden. Im Zweifelsfall kann die Diagnose von einer Röntgenuntersuchung begleitet werden. Mit dieser gelingt es dem Arzt, den Patienten auf weitere Erkrankungen der Wirbelsäule zu untersuchen.

Behandlung und Therapie

Ziel der Behandlung ist es in erster Linie, die Schmerzen zu lindern. So können sich Steißbeinschmerzen bereits bei der Anwendung von nicht-steroidalen Antirheumatika (Schmerzmittel) bessern. In besonders schweren Fällen werden örtliche Betäubungsmittel, sogenannte Lokalanästhetika, in die betroffenen Stellen injiziert. Diese haben den Vorteil, dass Schmerzen nicht nur im Steißbein, sondern auch in den angrenzenden Weichteilen therapiert werden.

Neben der Schmerzlinderung gilt es ferner, Entzündungsprozesse zu hemmen. Hierfür kommen Glukokortikoide zum Einsatz. Dies sind Corticosteroide, die eine entzündungshemmende und immunsuppressive Wirkung einnehmen. Darüber hinaus kann die Behandlung durch eine physiotherapeutische Maßnahme abgerundet werden. In mehreren Sitzungen wird das Steißbein mit diversen Übungen mobilisiert. Außerdem gelingt es dem Physiotherapeuten, die Muskulatur der Wirbelsäule zu stärken. Zusätzlich kann eine Wärmebehandlung zur Entspannung der Muskulatur führen, während eine Akupunktur die Durchblutung fördert.

Dies sind aber nur kurzfristige Lösungen, sollte eine Grunderkrankung aus Auslöser diagnostiziert worden sein. Bei psychosomatischen Ursachen wird eine Psychotherapie eingeleitet. Sie soll das Wohlbefinden des Patienten steigern. Im Falle einer Fehlstellung, einer Störung des Bewegungsapparats oder einer Tumorbildung steht dagegen eine operative Behandlung im Vordergrund. Anschließend übernimmt ein Orthopäde oder ein Chiropraktiker die Behandlung, um das Steißbein sukzessive zu stabilisieren.

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Vorbeugung

Es gibt viele Möglichkeiten, mit der einer Kokzygodynie vorgebeugt werden kann. Im Vordergrund steht das Ziel, das Steißbein zu schonen. Entsprechend wird das Sitzen auf harten Unterlagen und das Ausüben von Extremsportarten eingeschränkt. Kann das Sitzen während der Arbeit nicht vermieden werden, empfiehlt sich ein Sitzkissen.

Darüber hinaus lohnt es sich, Übungen zum Aufbau der Rumpfmuskulatur durchzuführen. Übungen zum Muskelaufbau können bei einer Psychotherapie erlernt werden. Schließlich hat es sich erwiesen, dass Steißbeinschmerzen durch Übergewicht begünstigt werden. Bei Übergewicht kann eine Diät eine Abhilfe leisten. Ferner empfiehlt es sich, sportliche Tätigkeiten auszuüben. Schonende Sportarten sind Schwimmen, Joggen und Tennisspielen. Diese haben den Vorteil, dass die Rumpfmuskulatur trainiert wird.

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014


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