Verstauchung

Letzte Aktualisierung am 15. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Verstauchung gehört neben den allgemeinen Prellungen und Zerrungen, zu den häufigsten Sportverletzungen. Hervorgerufen wird eine Verstauchung durch eine Überbewegung, die in der Folge zu einer Schädigung der Bänder und Kapseln bei den Gelenken führen kann. Kühlen und Ruhigstellen der Betroffenen Bereiche reicht meist als erste Behandlungsmaßnahmen aus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Verstauchung?

Häufig ist ein Umknicken des Fußes beim Sport der Grund für eine Verstauchung.

Eine Verstauchung (Distorsion) ist eine stumpfe Gelenkverletzung. Es kommt dabei zur kurzzeitigen Verschiebung der Gelenkflächen. Die äußere Schicht der Gelenke besteht aus einer Gelenkkapsel, die die Gelenkflüssigkeit einschließt. Diese Gelenkkapsel ist von Kapselbändern umgehen, die für Halt und Bewegungsspielraum des Gelenkes sorgen.

Die Mediziner unterscheiden zwischen einer leichten und einer schweren Verstauchung. Bei einer leichten Verstauchung kommt es zur Überdehnung der Muskeln, Sehnen und Kapselbänder. Geringe Gewebseinrisse sind ebenfalls möglich. Bei einer schweren Verstauchung kommt es zur Schädigung der Knorpel- oder Knochenteile, zusätzlich können Bänder gerissen, Nervengewebe oder Blutgefäße geschädigt sein.

Ursachen

Die Ursache einer Verstauchung liegt in der gewaltsamen Überbelastung oder Überdehnung des Gelenks, über das normale Bewegungsausmaß hinaus. Eine Verstauchung kann beim Stolpern, Umknicken oder Stürzen entstehen.

Aber auch bei Sportverletzungen, beispielsweise beim Fußball oder Skifahren, kommt es durch abrupte Bewegungen oftmals zur Verstauchung. Je nach Stärke der Gewalteinwirkung auf das betroffene Gelenk entsteht eine leichte oder schwere Verstauchung.

Kommt es häufiger zu einer Verstauchung, können Kapselbänder, die das betreffende Gelenk umschließen, dauerhaft geschädigt werden und für ein instabiles Gelenk sorgen. Eine vorzeitige Gelenkabnutzung (Arthrose) kann die Folge einer vermehrt auftretenden Verstauchung sein.

Symptome und Verlauf

Die Symptome einer Verstauchung sind von deren Schweregrad abhängig. Die Beschwerden bestehen aus akut auftretenden Schmerzen bei Bewegung oder Belastung des Gelenks. Die Intensität der Schmerzen variiert je nach Verletzungsgrad. Bei einer Verstauchung schwillt das Gelenk stark an.

Zusätzlich kann es zur Bildung eines Blutergusses (Hämatom) kommen. Die Haut verfärbt sich dadurch bläulich. Während der Heilung verändert sich der Farbverlauf oftmals täglich. Die Belastbarkeit und Funktionsfähigkeit des Gelenks ist stark eingeschränkt. Oftmals wird von dem Verletzten bei einer Verstauchung instinktiv eine Schonhaltung eingenommen. Häufig sind Hand-, Knie- oder Sprunggelenke von einer Verstauchung betroffen.

Verstauchung des Daumengelenks.

Wann zum Arzt?

Eine Verstauchung bedarf nicht immer einer ärztlichen Behandlung. Oft heilt die Verletzung von selbst wieder aus, ohne dass der Einsatz von Medikamenten notwendig ist. Sollte die Verstauchung allerdings bereits seit einem längeren Zeitraum bestehen, ist ärztlicher Rat gefragt. Wenn das Gelenk anschwillt oder die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist, muss mit der Verstauchung ebenfalls zum Arzt gegangen werden.

Bei schweren Verstauchungen, die mit Schmerzen und zunehmenden Bewegungseinschränkungen verbunden sind, wird am besten umgehend die Arztpraxis aufgesucht. Der Mediziner kann die Schwere der Verletzung bewerten und geeignete Maßnahmen einleiten, um die Schmerzen zu lindern. Nach einem Unfall oder Sturz sollte in jedem Fall der Rat eines Arztes gesucht werden. Womöglich liegen weitere Verletzungen vor, die festgestellt und behandelt werden müssen.

Personen mit Knochenerkrankungen oder der Bluterkrankheit sollten ebenfalls den Hausarzt aufsuchen. Die weitere Behandlung findet je nach Ausprägung der Verstauchung in der Arztpraxis oder in einem Krankenhaus statt. Der zuständige Arzt kann einen Orthopäden und weitere Fachärzte in die Behandlung involvieren.

Diagnose

Eine Verstauchung (Distorsion) definiert sich zuallererst durch Schmerzen. Das betroffene Gelenk schmerzt durch die Überdehnung der Bänder. Zudem kann die Gelenkkapsel in Mitleidenschaft gezogen sein. Vielfach treten am betroffen Gelenk Verfärbungen und Blutergüsse auf. Kann das Gelenk trotz Schmerzen noch belastet werden, dann ist ein Verdacht auf Verstauchung die erste Diagnose.

Der Arzt wird den Patienten zur genauen Diagnose über den Unfallhergang befragen. Die körperliche Untersuchung erfolgt durch Betasten des betroffenen Bereiches, denn bei einer Distorsion tritt der Druckschmerz in der unmittelbaren Umgebung des geschwollenen Gelenks auf.

Der Arzt testet die Beweglichkeit des Gelenks unter Zug, mit dem Schubladentest, dem Widerstandstest oder dem Gleittest. Mit dem Aufklapptest lässt sich ein Gelenk unnatürlich weit öffnen. Vor dieser Untersuchung muss ein Knochenbruch ausgeschlossen werden.

Gegebenenfalls sind weitere medizinische Diagnosemethoden erforderlich. Mit einer Röntgenaufnahme erhält der behandelnde Arzt ein genaues Bild über den Zustand des Gelenks. Besonders Brüche lassen sich damit gut von einer Verstauchung differenzieren.

Mittels Computertomografie (CT) kann der Arzt einen Bänderriss oder Knochenbrüche ausschließen. Überlagerungseffekte, wie bei Röntgenbildern, entstehen bei der CT nicht.

Weitere klinische Untersuchungsmethoden zum Ausschluss von Knochenbrüchen und Bänderverletzungen sind Kernspintomografie (MRT) und Sonografie (Ultraschall). Mit der Endoskopie (Spiegelung des Gelenks) kann der Arzt den Innenraum im Gelenk untersuchen.

Komplikationen

Eine leichte Verstauchung löst im Normalfall keine weiteren Komplikationen aus. Wird die betroffene Region ausreichend geschont und den Anweisungen des Arztes Folge geleistet, ist mit keinen weiteren Beeinträchtigungen zu rechnen.

Bei einer komplexen Verletzung oder einer Kombination von unterschiedlichen Verletzungen der Knochen und Muskeln, kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Die Heilungsphase ist insgesamt deutlich verlängert. Zudem kann sich eine allgemeine Muskelschwäche entwickeln, bei der mehrere Wochen für den Wiederaufbau einkalkuliert werden müssen. Die Lebensführung und körperliche Leistungsfähigkeit des Betroffenen sind stark eingeschränkt. Dies führt zu Unwohlsein, kann Verhaltensauffälligkeiten hervorrufen oder emotionale Belastungen auslösen. In schweren Fällen ist eine psychische Folgeerkrankung möglich.

Durch eine Verstauchung kann sich eine Fehlhaltung oder fehlerhafte Belastung des Körpers entwickeln. Muskelbeschwerden, Entzündungen oder eine Versteifung der Muskeln können eintreten. Es droht eine Fehlstellung und Schmerzen können sich ausbilden. Bei einer Einnahme eines Schmerzmedikaments drohen weitere Komplikationen und Risiken.

Neben Unverträglichkeiten der Wirkstoffe besteht die Möglichkeit weiterer gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Zudem besteht die Gefahr einer Abhängigkeit von den eingenommenen Präparaten.

Bei einer Verstauchung kann es grundsätzlich immer auch zu lebenslangen Störungen oder Spätfolgen kommen. Da der Körper täglich verschiedenen teils extremen Belastungen ausgesetzt ist, können diese dazu führen, dass keine vollständige Ausheilung möglich ist.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung einer Verstauchung hängt von deren Schweregrad sowie der gesundheitlichen und körperlichen Verfassung des Patienten ab. Bei einer leichten Verstauchung, ohne Verletzung des Gelenkknochens, erfolgt überwiegend eine konservative Behandlung.

Diese muss zeitig beginnen, um Schwellungen und Schmerzen zu begrenzen. Eine Kältebehandlung erfolgt durch Kältekompressen und Eisbeutel. Durch Kühlung der Verstauchung verengen sich Blutgefäße, Blutaustritt und Schwellung werden verringert.

Ergänzend kann ein Kompressionsverband angelegt werden. Der Druck verhindert eine Ausdehnung der Blutung. Zusätzlich wird das Gelenk damit stabilisiert. Eine weitere Maßnahme bei einer Verstauchung besteht aus Salbenverbänden mit kühlenden Medikamenten.

Das Hochlagern des Gelenks unterstützt den Blutrückfluss, die Schmerzen werden verringert. Bei einer Verstauchung wird eine Ruhigstellung empfohlen. Bei schwerer Verstauchung erfolgt eventuell eine Operation.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung einer Verstauchung besteht in der Vermeidung von Stürzen und Unfällen. Für Sportler ist eine ausreichende, dem Trainingszustand angepasste, Aufwärmphase empfehlenswert.

Besonders geeignet sind dazu Stretching und Dehnübungen. Darüber hinaus mindert eine geeignete Ausrüstung das Risiko einer Verstauchung.

Für den Schutz der Fußgelenke empfehlen sich zweckmäßige Schuhe, die den Knöchel sicher schützen. Andere Gelenke können durch Tape-Verband oder Bandagen vor einer Verstauchung geschützt werden.

Auch außerhalb des Sports sollte auf knöchelschonendes Schuhwerk geachtet werden. Hohe Absätze sorgen für vermehrte Gelenkverletzungen.

Besonders Patienten, deren Bänder durch eine wiederholte Verstauchung vorgeschädigt sind, sollten gut sitzendes, flaches Schuhwerk tragen. Des Weiteren können Stützstrümpfe oder Bandagen das Risiko einer Verstauchung mindern.

Aussicht und Prognose

Die Prognose einer Verstauchung ist günstig. Die Erkrankung heilt im Normalfall innerhalb weniger Wochen ohne Folgeschäden oder anhaltende Beeinträchtigungen vollständig aus. Je eher eine Behandlung eingeleitet wird, desto besser ist der Heilungsverlauf. Komplikationen können vermieden werden und der Patient wird oftmals nach zwei Wochen als beschwerdefrei aus der Behandlung entlassen. Gezielte Trainings zum Wiederaufbau der Muskulatur sind häufig nicht notwendig.

Ohne eine medizinische Versorgung ist mit verschiedenen Komplikationen zu rechnen. Die Beschwerden intensivieren sich und nehmen an Umfang zu. Zudem steigt das Risiko, Langzeit- oder Spätfolgen zu erleiden. Zu ihnen zählen eine Instabilität der Gelenke, eine Fehlhaltung, Gangunsicherheiten sowie eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit. Bänder können geschädigt werden und zu einer anhaltenden Störung der Mobilität führen.

Leistungssportler unterliegen dem Risiko, ihre gewohnten Sportarten nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausführen zu können. Dies birgt die Gefahr möglicher emotionaler oder seelischer Belastungen. Psychische Folgeerkrankungen sind möglich, die zu einer Verschlechterung der Gesamtprognose beitragen.

Bei einer schnellstmöglichen Behandlung, der Einhaltung ärztlicher Vorgaben sowie keinen Kombinationsverletzungen können die üblichen körperlichen Aktivitäten nach der Behandlung wieder vollumfänglich aufgenommen werden. Die Belastungen sind langsam aufzubauen, damit es zu keinem Rückfall oder einer Überbeanspruchung des Körpers kommt.

Quellen

  • Rüther, W. & Lohmann, C.H.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Urban & Fischer, 20. Auflage, 2014
  • Heisel, J.: Physikalische Medizin - Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane, Georg Thieme Verlag, 1.Auflage, 2005
  • Wülker N. Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2010.
  • Mayer, C. et Siems, W.: 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, Springer Medizin Verlag, 1.Auflage, 2011
  • Imhoff, A.B. et al.: Checkliste Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014


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