Serotonin - Wirkung, Mangel und Überschüss des Glückshormons


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 6. November 2018

Serotonin gehört zu der Gruppe der biogenen Amine. Er wirkt sowohl als Neurotransmitter im zentralen Nervensystem und als Gewebshormon. Dieser Botenstoff ist für zahlreiche Funktionen des menschlichen Organismus verantwortlich. Durch seinen nicht unerheblichen Einfluss auf das zentrale Nervensystem sowie auf die Stimmungs- und Gemütslage wird Serotonin auch als Glücks- oder Wohlfühlhormon bezeichnet. Es beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Nahrungsaufnahme, das Schmerzempfinden und die Körpertemperatur. Im Gehirn ist Serotonin für die Übermittlung chemischer Signale und die korrekte Verarbeitung von Informationsprozessen zuständig. Ein zu geringer Serotoninspiegel kann Depressionen und Angstzustände auslösen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Serotonin?

Das Hormon Serotonin beeinflusst unsere Stimmung. Aus diesem Grund wird es landläufig auch als "Gluckshormon" bezeichnet.

Serotonin ist ein Neurotransmitter und ein Hormon, das verschiedene Vorgänge im Körper reguliert und für die Übermittlung chemischer Signale im Gehirn zuständig ist. Dieser Botenstoff ist daher für die korrekte Verarbeitung von Informationsprozessen im Gehirn zuständig. Weniger geläufig sind die Bezeichnungen 5-Hydroxytryptamin und Entermin. Seine Wirkung entfaltet dieses Hormon, indem es sich an bestimmte körpereigene Rezeptoren anbindet. Bekannt sind mindestens 14 unterschiedliche Rezeptoren, die für die Serotoninwirkung eine wichtige Rolle spielen.

Wirkung von Serotonin

In erster Linie wird Serotonin mit der Regulierung des Gemütszustandes und mit dem psychischen Wohlbefinden in Verbindung gebracht, denn der Botenstoff wirkt stimmungsaufhellend, entspannend, antidepressiv, schlaffördernd, schmerzregulierend und motivationsfördernd.

Aus diesem Grund ist Serotonin auch unter der Bezeichnung Glückshormon bekannt.

Es wirkt in zwei Richtungen. Während dieses Wohlfühlhormon auf der einen Seite stimmungsaufhellend und motivationsfördernd wirkt und damit für gesteigerte Aktivität und Leistungsfähigkeit sorgt, reguliert es auf der anderen Seite das Stressempfinden und sorgt so für die notwendige Entspannung und Ausgeglichenheit.

Serotonin hat jedoch noch zahlreiche weitere Funktionen. Das Hormon beeinflusst den Augeninnendruck und sorgt dafür, dass das Herz-Kreislauf-System einwandfrei funktioniert. Darüber hinaus reguliert Serotonin den Magen-Darmtrakt, die Körpertemperatur und das Schmerzempfinden.

Ein ausgeglichener Serotoninspiegel sorgt außerdem für ausreichend Schlaf in der Nacht und eine entsprechende Leistungsfähigkeit am Tag, denn dieser Botenstoff ist auch dafür zuständig, dass wir müde und wach werden.

Serotonin-Referenzwerte

Die Serotoninwerte werden durch das Urin und die Blutplättchen bestimmt. Abhängig von der Tageszeit können diese Werte deutlich schwanken. Der aus dem Blut gemessene Referenzwert für Erwachsene beträgt 0,7-2,8 nmol/10 9 Thrombozyten, aus dem Urin 0,3-47,1 µmol/24 h. Ein zu geringer Serotoninwert wird bei Menschen mit Depressionen und Angstzuständen festgestellt.

Ein zu hoher Wert liegt häufig bei Patienten vor, die sich vegan ernähren oder die eine Tumorerkrankung aufweisen. Da Stress ein wesentlicher Auslöser für einen zu niedrigen Serotoninspiegel ist und damit als eine Ursache für die Auslösung von Depressionen gilt, geben auch der Gehalt an freien Radikalen, Antioxidantien und Oxidationsschäden im Blut Aufschluss über die Verfassung des Patienten. Die entsprechenden Blutwerte weisen gegenüber den Normalwerten eine deutliche Veränderung auf.

Folgen von Serotoninüberschuss

Ein Serotoninüberschuss wird auch als Serotoninsyndrom bezeichnet. Nicht nur ein Mangel, sondern auch ein Überschuss kann sich negativ auf die Stimmung auswirken und verschiedene psychische und physische Symptome hervorrufen. Menschen mit Serotoninüberschuss empfinden Unruhe-, Angst- und Erregungszustände und zeigen eine erhöhte Muskelanspannung. Auch Zittern ist möglich. Ein Serotoninüberschuss kann zum Beispiel durch exzessive sportliche Betätigung oder eine Tumorerkrankung entstehen.

Folgen von Serotoninmangel

Serotonin wird eine entscheidende Wirkung auf die psychische Verfassung zugeschrieben und daher auch häufig mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen in Verbindung gebracht. Entsteht ein Serotoninmangel im Gehirn, sind häufig depressive Verstimmungen bzw. Depressionen, gesteigerter Appetit, Angst und Aggressionen die Folge. Da dieses Hormon jedoch nicht nur für die Regulierung der Stimmung zuständig ist, sondern auch für zahlreiche weitere Körperfunktionen, kann ein Serotoninmangel sich auch negativ auf den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Körpertemperatur auswirken.

Das Schmerzempfinden und das Sexualverlangen können gleichfalls aus dem Gleichgewicht geraten. Auch das Entstehen von Migräne wird einem Serotoninmangel zugeschrieben. Es besteht demzufolge ein enger Zusammenhang zwischen den psychischen und physischen Wirkungen dieses Botenstoffes.

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Serotoninmangel mit Medikamenten behandeln

Die Einnahme reinen Serotonins in Tablettenform ist jedoch nicht möglich, da dieser Botenstoff die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann. Aus diesem Grund würde geschlucktes Serotonin niemals dort ankommen, wo die sprichwörtliche gute Laune entsteht: im Gehirn. Daher werden vor allem Psychopharmaka wie Antidepressiva, die in die unterschiedlichen Neurotransmitter-Systeme eingreifen, angewendet.

Häufig verschrieben werden sogenannte Serotonin-Noradrenalin-Hemmer, die sich stimmungsaufhellend und antriebssteigernd auswirken. Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahme-Hemmer werden zur Behandlung schwerer Depressionen eingesetzt. Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahme-Hemmer kommen bei leichten bis mittelgradigen Depressionen zum Einsatz, bei denen Antriebslosigkeit im Vordergrund steht. Diese selektiven Serotonin Wiederaufnahmehemmer sorgen dafür, dass ausreichend Serotonin im Gehirn ausgeschüttet wird, um die notwendige Kommunikation zwischen den einzelnen Nervenzellen zu ermöglichen. Diese Medikamente wirken über einen längeren Zeitraum und erhöhen so den Serotoninspiegel im Gehirn.

Häufig verschriebene Antidepressiva sind Mirtazapin, Sertralin und Fluoxetin. Es gibt jedoch auch natürliche Arzneimittel mit Johanniskraut, Baldrian und Passionsblume, die einen positiven Beitrag zu einem ausgeglichenen Gemütszustand leisten können. Homöopathische Arzneimittel sind eine weitere Möglichkeit, um die Stimmung auf natürliche Weise positiv zu beeinflussen und ein Abhängigkeitspotenzial auszuschließen.

Serotoninspiegel mit Lebensmitteln erhöhen

Ein Serotoninmangel kann nicht nur durch Medikamente und Sport positiv behandelt werden, sondern auch durch eine serotoninhaltige Ernährung. Es ist allgemein bekannt, dass Schokolade glücklich macht, denn die kakaohaltige Masse enthält Serotonin. Allerdings ist die positive Wirkung weniger auf das in diesem Lebensmittel enthaltende Serotonin als vielmehr auf den hohen Anteil an Kohlenyhdraten zurückzuführen. Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Die Zuführung von Kohlenhydraten über Lebensmittel stimuliert jedoch über mehrere Zwischenschritte die Bildung von Serotonin im Gehirn.

Getreidehaltige Lebensmittel weisen einen hohen Typtophan-Gehalt auf und enthalten darüber hinaus noch wichtige Vitamine und Ballaststoffe. Besonders geeignet sind Nüsse, Amarant, Weizenkeime, Weizenkleie und Haferflocken. Hülsenfrüchte wie Sojabohnen und Erbsen sollten auf dem Speiseplan stehen. Obst, zum Beispiel Kiwis und Bananen, Milchprodukte und Fisch sind gleichfalls für eine serotoninbewusste Ernährung geeignet.

Bewegung kann Serotoninspiegel beeinflussen

Bewegung ist eine natürliche Maßnahme, um den Serotoninspiegel dauerhaft im Gleichgewicht zu halten, denn sportliche Aktivität erhöht den Tryptophangehalt im Gehirn. Aus dieser Aminosäure bildet der Körper Serotonin. Daher ist regelmäßige Bewegung ein geeignetes Mittel, den Serotoninspiegel zu erhöhten und so Depressionen und Angststörungen zu vermindern beziehungsweise zu verhindern.

Bereits kurze Zeitspannen von 15 bis 40 Minuten können eine positive Veränderung hervorrufen und so wirksam sein wie eine psychotherapeutische Behandlung oder die Behandlung mit Psychopharmaka. Diese sportliche Betätigung muss nicht gleich der tägliche Besuch im Fitnessstudio sein oder im kilometerlangen Jogging bestehen. Bereits ein täglicher Spaziergang von zwanzig Minuten reicht aus, um die Gemütslage positiv zu beeinflussen und depressive Stimmungen zu vermindern und einen ausgeglichenen Serotoninspiegel zu schaffen.

Allerdings kann sportliche Aktivität auch im klassischen Sinne süchtig machen. Viele Menschen empfinden das Hochgefühl nach ausgiebiger sportlicher Aktivität als so angenehm, dass sie im Endeffekt regelrecht übertreiben. Dieses Hochgefühl ist auf die vermehrte Ausschüttung von Serotonin zurückzuführen.

Wie Psychopharmaka, die den Serotoninspiegel erhöhen und damit die Stimmung verbessern und die Motivation erhöhen, kann auch sportliche Betätigung ein Abhängigkeitspotenzial aufweisen. Ein erhöhter Serotonin-Spiegel ist bei zu viel Sport möglich, der zu körperlichen Beschwerden wie Zittern und Überbeanspruchung der Muskeln und sowie zu Unruhe- und Erregungszuständen führen kann.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Faller, A., Schünke, M.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2008
  • Zilles, K. et al.: Anatomie. Springer Verlag, Berlin 2010
  • Kleine, B. et al.: Hormone und Hormonsystem. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012


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