Schlafkrankheit

Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) ist eine Infektionskrankheit, die ausschließlich im tropischen Afrika vorkommt. Man unterscheidet bei der Schlafkrankheit zwei Typen: die west- und die ostafrikanische Variante (Trypanosoma brucei gambiense und Trypanosoma brucei rhodesiense). Der Erreger der Tropenkrankheit wird durch die Tsetse-Fliege übertragen. Unbehandelt endet die Schlafkrankheit tödlich.
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Was ist die Schlafkrankheit?
Die Übertragung der einzelligen Parasiten (Trypanosomen) kann nur über einen Stich der Tsetse-Fliege erfolgen. Aus diesem Grund ist das Auftreten der Schlafkrankheit auf das Verbreitungsgebiet der Tsetse-Fliege begrenzt. Die beiden Varianten der Krankheit unterscheiden sich nur hinsichtlich der verschiedenen Arten der Tsetse-Fliege als Überträger und der Dauer des Krankheitsverlaufs.
Die Krankheit verläuft in drei Schüben. Mit dem Stich gelangen die Parasiten in die Haut; in der zweiten Phase erreichen sie die Blutbahn, um in der dritten Phase das Zentralnervensystem zu befallen. Alarmierend ist, dass die Erreger der Schlafkrankheit zunehmende Resistenzen gegen die eingesetzten Medikamente entwickeln.
Ursachen
Bei einem Stich nimmt die Tsetse-Fliege die Parasiten aus dem Erregerreservoire auf. In der Fliege vermehren sich die Erreger und sammeln sich nach etwa drei Wochen in deren Speicheldrüse. Beim nächsten Stich gibt die Tsetse-Fliege die Erreger mit dem Speichel an Mensch oder Tier weiter.
Der Überträger der westafrikanischen Schlafkrankheit bevorzugt die Nähe von Wasser und ist hauptsächlich an den Ufern von Flüssen und Seen anzutreffen. Die ostafrikanische Schlafkrankheit dagegen wird von einer Art der Tsetse-Fliege übertragen, die vorwiegend in trockenen Gebieten wie Buschregionen und Savannen anzutreffen ist. Man geht davon aus, dass bei einem Prozent der Stiche der Tsetse-Fliege die Schlafkrankheit übertragen wird.
Symptome und Verlauf
Mögliche Anzeichen von Schlafkrankheit:
Der Stich der Tsetse-Fliege ist im Gegensatz zu Mückenstichen sehr schmerzhaft. Die Fliegen stechen auch durch die Kleidung hindurch. Die Inkubationszeit beträgt bei der ostafrikanischen Variante der Schlafkrankheit zwischen ein und drei Wochen, bei der westafrikanischen Variante etwas länger, etwa zwei bis vier Wochen.
Wenige Tage nach dem Stich entzündet sich die Einstichstelle. Die gerötete und schmerzhafte Schwellung heilt nach einigen Tagen oder wenigen Wochen von allein ab. Die Schwellung wird auch als Trypanosomenschanker bezeichnet. In ihr vermehren sich die Parasiten und gelangen von dort in die Lymphe und in den Blutkreislauf.
Im zweiten Stadium schwellen infolge der Infektion die Lymphknoten an, es kommt zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Möglich sind auch ein Hautausschlag sowie Ödeme im Gesicht und an den Beinen. Im dritten Stadium sind die Erreger in das Zentralnervervensystem vorgedrungen und verursachen Konzentrationsstörungen, Wesensveränderungen sowie Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus´, was der Schlafkrankheit ihren Namen verliehen hat.
Diagnose
Das erste Alarmzeichen der Schlafkrankheit sind die Fieberschübe, die etwa zwei bis drei Wochen nach einem Aufenthalt im Verbreitungsgebiet der Tsetse-Fliege auftreten. Kommen Kopf- und Gliederschmerzen hinzu, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Mit einer Blutuntersuchung können lebende Parasiten nachgewiesen werden.
Im zweiten Stadium können die Erreger der Schlafkrankheit mittels einer Biopsie eines vergrößerten Lymphknotens im Punktat mikroskopisch festgestellt werden. Im dritten Stadium, wenn die Parasiten die Blut-Hirn-Schranke bereits überwunden haben, kann der Nachweis auch durch eine Punktion des Rückenmarks im Liquor (Rückenmarksflüssigkeit) vorgenommen werden.
Behandlung und Therapie
Die Therapie der Schlafkrankheit erfolgt immer stationär, da die Behandlung schwere Nebenwirkungen hervorrufen kann. Im ersten und zweiten Stadium, wenn die Parasiten das Zentralnervensystem noch nicht erreicht haben, wird die Schlafkrankheit mit den Medikamenten Suramin oder Pentamidin behandelt.
Dabei können allerdings massive Nebenwirkungen wie Nierenschäden, Hyperglykämie (erhöhter Blutzuckerspiegel) oder Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) auftreten.
Wissenschaftler forschen an neuen, weniger gefährlichen Medikamenten, die sich jedoch noch in der klinischen Testphase befinden. Die WHO hat kürzlich ein neues Medikament zur Behandlung der Schlafkrankheit freigegeben: NECT (eine Nifurtimox-Eflornithin-Kombination), das weniger gefährlich als das Medikament Melarsoprol ist.
Vorbeugung
Quellen
- Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
- Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
- Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
- Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012

Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021
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