Lymphatische Filariose

Letzte Aktualisierung am 27. Januar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei der lymphatischen Filariose handelt es sich um eine tropische Infektionskrankheit. Dabei wird das menschliche Lymphsystem mit parasitären Würmern befallen. Männer gelten als besondere Risikogruppe.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine lymphatische Filariose?

Die lymphatische Filariose Erkrankung, die vor allem in tropischen Regionen vorkommt. Von der Erkrankung ist das Lymphsystem betroffen. Es kommt zu einer Infektion mit bestimmten Würmern – den so genannten Filarien. Sie stammen aus der Familie der so genannten Nematoden (Fadenwürmer) und werden durch Stechmücken übertragen. Die Inkubationszeit beträgt zwischen einem Monat und mehreren Jahren. Dabei zeigt sich die lymphatische Filariose vorrangig durch akute Entzündungen der Lymphgefäße und –knoten.

Es kommt zu Fieberschüben, Beschwerden asthmatischer Natur und in der akuten Phase auch zu allergischem Husten. Schritt die Erkrankung weiter fort, kommt es bei der lymphatische Filariose oft zu einer Schädigung der Lymphgefäße auf Dauer. Die Lymphflüssigkeit kann nicht mehr abfließen und es bilden sich so genannte Lymphvarizen (Erweiterungen der Lymphgefäße und –knoten). Da die Lymphflüssigkeit in das benachbarte Gewebe wandert, kommt es zu Lymphödemen. Im weiteren Verlauf kommt es zur typischen Elephantiasis, bei der es zu massiven Schwellungen an Brust, Genitalien und Gliedmaßen kommt.

Ursachen

Ursächlich für die Entstehung einer lymphatischen Filariose ist eine Infektion mit Filarien. Dabei handelt es sich um fadenförmige Würmer, welche aus der Familie der Nematoden stammen. In Südostasien, Afrika, im Pazifik sowie in Mittel- und Südamerika tritt der Erreger Wuchereria bancrofti, in Südostasien außerdem der Erreger Brugia malayi und in Indonesien der Erreger Brugia timori (Indonesien) auf.

Die Übertragung der Erreger einer lymphatischen Filariose erfolgt durch Stechmücken (so genannte Anopheles). Diese Mücken haben sich selbst bei einem infizierten Menschen angesteckt. Im Organismus der Mücke reifen die Larven heran und werden dann infektionsfähig. Wird der Mensch nun von einer infizierten Mücke gestochen, siedeln sich die Wurmlarven über die Blutbahn im Lymphsystem an und reifen dort zu geschlechtsreifen Filarien aus.

Sie bringen weitere Larven hervor, welche zu den entsprechenden Entzündungsreaktionen im akuten Stadium der lymphatischen Filariose führen. Nach etwa drei bis acht Monaten nach der Infektion dringen die Mikrofilarien in das Blutsystem der betroffenen Person ein.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer lymphatischen Filariose:

In der akuten Phase sorgen die heranwachsenden oder auch erwachsenen Filarien beim Betroffenen für entzündlich-allergische Reaktionen im gesamten Lymphsystem. Geschwollene Lymphknoten, erweiterte Lymphgefäße sowie unregelmäßig wiederkehrende Fieberschübe (auch über mehrere Tage) sind typische Anzeichen in der akuten Phase. Es treten in dieser Zeit oft auch Husten oder asthmatische Beschwerden auf.

Ein weiteres Anzeichen der akuten Phase dieser Wurmerkrankung ist die Zunahme eosinophiler weißer Blutkörperchen im Blut sowie der Bildung von speziellen Antikörpern. Bei einem langjährigen Befall mit Filarien sowie fehlender Behandlung entstehen dauerhafte Schäden in den Lymphgefäßen. Die Lymphflüssigkeit kann nicht abfließen, es bilden sich Lymphödeme. In der Folge kommt es zu extremen Schwellungen der Gliedmaßen, Genitalien und Brust. Es entsteht die so genannte „Elephantiasis“. Es ist auch möglich, dass die lymphatische Filariose keinerlei Beschwerden verursacht.

Diagnose

Bei der Diagnosestellung ist es für den Arzt wichtig, ob sich der Patient in einem gefährdeten Gebiet aufgehalten hat. Das spielt eine wichtige Rolle, denn es handelt sich bei der lymphatischen Filariose um eine tropische Infektionskrankheit. Die weitere Diagnose erfolgt anhand der kennzeichnenden Symptome. Eine Blutanalyse ist für die Feststellung einer erhöhten Konzentration der eusinophilen weißen Blutkörperchen notwendig.

Außerdem können hier spezifische Antikörper festgestellt werden. Ist die lymphatische Filariose bereits chronisch, können die Mikrofilarien im Blut nachgewiesen werden. Die Erreger für eine lymphatische Filariose dringen vor allem in der Nacht ins Blut ein, so dass ein Blutprobe sinnvollerweise auch in der Nacht genommen werden sollte. Wird die Diagnose frühzeitig gestellt und beginnt die Therapie rechtzeitig, ist die Prognose für die Infektionskrankheit gut.

Komplikationen

Eine Filariose ist in erster Linie mit sehr hohem Fieber verbunden. Weiterhin treten Komplikationen wie eine starke Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen auf. Generell ist die körperliche und geistige Belastbarkeit des Betroffenen deutlich verringert. Daneben können Entzündungen an den Lymphknoten auftreten, die sich bei einem schweren Verlauf auf weitere Körperbereiche ausbreiten. Eine Lymphknoten-Infektion ist immer mit Schmerzen und Druckgefühlen sowie einem starken Unwohlsein verbunden. In schweren Fällen kann eine Filariose zu einem Asthmaanfall führen.

Weitere Atembeschwerden können einen Bewusstseinsverlust nach sich ziehen, verbunden mit dem Risiko für einen Sturz und daraus resultierende Verletzungen. Bei länger andauernden Erkrankungen treten oft auch psychische Beschwerden auf. Die Patienten leiden an Stress, Depressionen und Ängsten, die oft noch lange Zeit nach der Erkrankung bestehen bleiben. Bei der medikamentösen Behandlung können gelegentlich Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Probleme im Magen- und Darmbereich oder Fieber auftreten. Das geschwächte Immunsystem ist nach einer Erkrankung anfälliger für andere Erkrankungen oder Infekte.

Behandlung und Therapie

Alle therapeutischen Maßnahmen zur Behandlung einer lymphatischen Filariose zielen vorrangig darauf ab, dass die Erreger mit Hilfe so genannter Anthelminhika (Wurmmittel) abgetötet werden. In den Medikamenten sind spezifische Giftstoffe enthalten, die zu einer negativen Beeinträchtigung des Stoffwechsels der Erreger führen. Mit dem Wirkstoff Diethylcarbamazin wurden bisher gute Ergebnisse erzielt. Das Medikament muss über mehrere Tage eingenommen werden und wird abhängig vom Körpergewicht des Patienten verabreicht.

Unter dem Wirkstoff Diethylcarbamazin kann es zu Nebenwirkungen wie Fieber und Kopfschmerzen kommen. Außerdem werden für die Behandlung von Mikrofilarien Ivermectin und für die Behandlung von adulten Erregern Albendazol eingesetzt. Sind in den Lymphstrukturen Mikrofilarien zu finden, die sich bereits eingekapselt haben, sprechen diese nicht mehr auf die Therapie an. In diesem Fall ist die Wiederholung einer Behandlung der lymphatischen Filariose notwendig.

Bei einer lymphatischen Filariose ist das Immunsystem des Betroffenen stark geschwächt. Es kann deshalb auch zu sekundären Infektionen (Bakterien, Pilze) kommen, die zusätzlich therapiert werden müssen. Gegen Lymphstau kann die Lymphdrainage helfen. Sind die Lymphödeme bereits stark ausgeprägt, liegt also eine Elephantiasis vor, kann ein operativer Eingriff notwendig werden, mit welcher der Lymphstau beseitigt wird.

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Vorbeugung

Gegen die lymphatische Filariose bislang keinerlei Impfstoff verfügbar. Die vorbeugenden Maßnahmen beschränken sich somit auf eine so genannte Expositionsprophylaxe. So sollten im Risikogebieten lange Kleider getragen werden. Auch die Anwendung von Moskitonetzen, die möglichst mit Insektenschutzmitteln imprägniert werden, ist sinnvoll. Vor Mückenstichen und damit vor einer lymphatischen Filariose können außerdem so genannte Reppelents (mückenabweisende Sprays, Gele, Cremes und Lotionen) schützen.

Bücher über Tropenkrankheiten

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013


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