Follikulitis (Haarbalgentzündung)

Letzte Aktualisierung am 7. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei der Follikulitis handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung des Haarbalges (Follikel), die meist durch Bakterien (Staphylokokken) oder Pilze verursacht wird. Als Folge der Haarbalgentzündung bilden sich kleine, gerötete Knötchen und mit Eiter gefüllte Pusteln auf dem betroffenen Hautareal.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Follikulitis (Haarbalgentzündung)?

Ein Follikulitis ist meist sehr schmerzhaft. In der Regel kommt es aber zu einer Selbstheilung.

Die oberflächliche Follikulitis bzw. Haarbalgentzündung befällt nur den äußeren Teil des Haarbalges (Follikel), während sich die tiefe Follikulitis auf den gesamten Haarbalg ausdehnt. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um die oberflächliche Variante.

Die Follikulitis kann an allen behaarten Regionen des Körpers auftreten, ausgenommen sind lediglich die Fuß- und Handflächen. Jugendliche, die sich in der Pubertät und damit hormonellen Umstellung befinden, sind von Seborrhö und Follikulitis eher betroffen als ältere Menschen. Männer wiederum entwickeln häufiger eine Follikulitis als Frauen.

Ursachen

Die Auslöser der Follikulitis (Haarbalgentzündung) sind Bakterien, in der Regel Staphylokokken, die sich natürlicherweise auf unserer Haut befinden.

Vermehren sich die Bakterien zum Beispiel bei [[übermäßiges Schwitzen|starkem Schwitzen, Seborrhö (Überproduktion der Talgdrüsen) oder bereits vorhandener Akne, kommt es zu einem Verschluss des Haarbalges durch abgestorbene Hautzellen und Talg. Dies stellt wiederum einen günstigen Nährboden für die Ansiedlung und Vermehrung der Bakterien dar.

Aber auch eine Immunschwäche oder Diabetes können der Auslöser für eine Follikulitis sein. Eine weitere Ursache kann die Verwendung fettiger Salben und Cremes sein, die die Poren verstopfen und die Entzündung des Haarbalges begünstigen. An Stellen, wo schwitzende Hautareale mit enger Kleidung bedeckt sind, entwickelt sich eher eine Follikulitis als an unbekleideten Hautpartien.

Wann zum Arzt?

Treten nach einer Rasur an den rasierten Stellen Hautunreinheiten oder Pickel auf, handelt es sich häufig um Symptome einer Entzündung des Haarbalges. In vielen Fällen muss die Rasiertechnik verändert werden oder die verwendeten Materialien waren verschmutzt. Meist ist kein Arztbesuch notwendig, da sich die Hautunreinheiten innerhalb weniger Stunden oder Tage vollständig zurückbilden.

Treten Pickel oder Gewebeveränderungen großflächig am Körper auf, ist ein Arztbesuch ratsam. Darüber hinaus sollte ein Arzt konsultiert werden, wenn es zu einer Zunahme der Beschwerden kommt oder die Intensität der Symptome stärker wird. Leidet der Betroffene unter den Veränderungen, ist grundsätzlich ein Arztbesuch notwendig. Schwellungen der Haut oder ein Juckreiz sind ebenfalls medizinisch abzuklären. Treten offene Wunden auf, muss eine gute Wundversorgung stattfinden, da eine Blutvergiftung droht.

Kann die Versorgung der Wunde nicht ausreichend gewährleistet werden, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei Hautrötungen, schmerzhaften Stellen am Körper oder einem Abszess, sollte ein Arzt konsultiert werden. In vielen Fällen werden die Hautunreinheiten von den menschlichen Haaren verdeckt. Ein Arztbesuch ist nur notwendig, wenn es zu Blutungen kommt oder aufgrund der Beschwerden Beeinträchtigungen bei der Alltagsbewältigung auftreten. Anhaltende Schlafstörungen oder emotionale Belastungen durch den optischen Makel sind Gründe, die zu einem Arztbesuch führen sollten.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Haarbalgentzündung:

Zunächst entsteht eine leichte Entzündung des Haarbalges, die zu einem schmerzhaften, mit Eiter gefüllten Knötchen heranwachsen kann. Oftmals ist die Follikulitis nicht nur auf einen Haarbalg beschränkt, auch angrenzende Haarfollikel entzünden sich, so dass größere Hautareale mit teils juckenden oder schmerzhaften Knötchen und Pusteln beobachtet werden können. Typisch für die Follikulitis ist, dass das Zentrum der Pusteln von einem Haar durchbohrt ist. In der Regel ist die Follikulitis eine harmlose Erkrankung, die nur behandelt werden muss, wenn sich die Entzündung auf den gesamten Haarbalg ausdehnt oder sich ein Furunkel oder Abszess bildet.

Diagnose

Die Diagnose der Follikulitis ist relativ einfach. Der Arzt kann durch Betrachten des betroffenen Haarbalges die Entzündung feststellen. Möglich ist auch eine mikroskopische Untersuchung des Knötcheninhaltes auf verschiedene Bakterien und Pilze. Der Arzt wird danach andere Grunderkrankungen wie Diabetes, Akne oder eine Immunschwäche ausschließen. Ist die Ursache der Entzündung gefunden, wird eine gezielte Therapie eingeleitet.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es durch die Haarbalgentzündung nicht zu schwerwiegenden Komplikationen oder Beschwerden. Diese Krankheit heilt meistens auch wieder von alleine ab, sodass eine Behandlung durch einen Arzt in der Regel nicht notwendig ist. Die Betroffenen leiden dabei in den meisten Fällen an kleinen Pusteln, die sich direkt am Haarbalg absetzen. Diese können zu relativ unangenehmen Gefühlen führen und damit die Lebensqualität des Patienten verringern.

Weiterhin kann es auch zu Pigmentstörungen auf der Haut kommen. Eine Narbenbildung kommt durch die Haarbalgentzündung in der Regel nicht vor. Bei einer leichten Entzündung kommt es meistens zu einer selbständigen Heilung. Weiterhin können sich die Beschwerden auch auf den Bart des Patienten ausbreiten.

Die Behandlung der Haarbalgentzündung führt nicht zu weiteren Komplikationen und wird mit Hilfe von verschiedenen Salben und Cremes durchgeführt. Ebenso können auch Antibiotika eingenommen werden. Weitere Beschwerden treten dabei nicht auf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Haarbalgentzündung nicht verringert oder eingeschränkt.

Behandlung und Therapie

Kleine Entzündungsherde können durch austrocknende und desinfizierende Maßnahmen behandelt werden. Befindet sich die Follikulitis auf dem behaarten Kopf, reichen antiseptische Shampoos, um die Entzündung zum Abklingen zu bringen. An anderen Körperstellen können die entzündlichen Stellen mit Alkohol desinfiziert und mit antibiotischen Salben behandelt werden.

Wurde bei der mikroskopischen Untersuchung festgestellt, dass Pilze am Entzündungsprozess beteiligt sind, kann auch eine Salbe mit antibiotischen und antimykotischen Inhaltsstoffen angewendet werden. Hat sich die Entzündung bereits auf ein größeres Hautareal ausgedehnt, sollte auch eine orale Gabe von Antibiotika in Erwägung gezogen werden.

Ist Diabetes die Ursache für die Follikulitis, muss die richtige Einstellung des Diabetes-Kranken untersucht werden. Akne und andere Hauterkrankungen, in deren Folge sich eine Follikulitis bilden kann, erfordern eine spezielle ärztliche Behandlung.

Zur Stärkung des Immunsystems können Pflanzenextrakte aus Echinacea oder Umckaloabo sowie Vitaminpräparate beitragen. Linderung bringen beispielsweise auch warme Kompressen mit Kamillentee oder Calendula auf den betroffenen Stellen.

Ganz wichtig ist eine gründliche Körperhygiene, damit sich die Entzündung durch Schmierinfektion nicht auf andere Körperregionen ausdehnen kann. Hat sich eine Follikulitis im Bartbereich gebildet (auch als Bartflechte bekannt), sollte während des Heilungsprozesses auf den Nassrasierer verzichtet werden, um die Haarfollikel nicht zusätzlich zu reizen und eine Ausdehnung der Entzündung zu vermeiden.

Der Trockenrasierer muss ebenfalls nach jedem Einsatz desinfiziert werden. Auf keinen Fall dürfen die Pusteln selbst ausgedrückt werden, da sich die Entzündung dadurch noch verschlimmern und zur Bildung von Furunkeln und Abszessen führen kann. Befinden sich mehrere Furunkel auf einem begrenzten Hautareal, spricht man von einem Karbunkel, welcher sich jedoch sehr selten entwickelt. Karbunkel und Furunkel müssen chirurgisch geöffnet und entfernt werden. Danach erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika, um die Entzündung zum Abklingen zu bringen.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung der Follikulitis besteht hauptsächlich in der regelmäßigen und gründlichen Hygiene des Körpers, vor allem der behaarten Körperstellen. Wer zu Entzündungen der Haarfollikel neigt, sollte im Sommer auf eine leichte und locker sitzende Kleidung achten. Hautareale, an denen man stark schwitzt, können mit Körperpuder trocken gehalten und so einer Entzündung vorgebeugt werden. Zur Stärkung des Immunsystems wird eine vitaminreiche Ernährung und gesunde Lebensweise empfohlen.

Quellen

  • Furter, S., Jasch, K.C.: Crashkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2007
  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Ellsässer, S.: Körperpflege und Kosmetik. Springer, Berlin 2008
  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie, Springer Verlag, 2. Auflage, 2011
  • Abeck, D. & Cremer, H.: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2006


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