Akute Pankreatitis
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die akute Pankreatitis ist eine plötzlich auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Um eine dauerhafte Funktionsstörung des Pankreas oder die Zerstörung des Bauchspeicheldrüsengewebes zu vermeiden, ist es eine rasche Therapie mit Nahrungskarenz, Schmerzmitteln und in schweren Fällen Operation notwendig.
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Was ist eine akute Pankreatitis?
Der Fachbegriff akute Pankreatitis definiert das schwere Erkrankungsbild der rasch einsetzenden Bauchspeicheldrüsenentzündung. Ihre Gefährlichkeit liegt in der mehr oder minder schweren Schädigung der Pankreaszellen und dem Verteilen von gesundheitsbedrohenden Stoffen im übrigen Körper.
Etwa 85 Prozent der Patienten sind von der eher milderen ödematösen Form betroffen, bei der die Bauchspeicheldrüse vorübergehend anschwillt. Die nekrotisierende Variante ist mit ihrer aggressiven Zerstörungstendenz die deutlich bedrohlichere Form der akuten Pankreatitis. Unbehandelt kann eine akute Pankreatitis schwerwiegende Konsequenzen haben und sogar tödlich enden.
Ursachen
Auch die Einnahme bestimmter Medikamente oder infektiöse Erkrankungen können die Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen. Mitunter kann eine akute Pankreatitis auch aufgrund einer Veranlagung entstehen, die sich in nicht normal ausgebildeten Pankreasgängen, angeborenen Stoffwechselkrankheiten oder einer vererbten Erkrankungswahrscheinlichkeit äußert.
Manchmal kommt es jedoch auch vor, dass bei Patienten – trotz eingehender Untersuchungen und Befragung nach der Einnahme von Medikamenten oder Genussmitteln – die auslösende Ursache für eine akute Pankreatitis im Verborgenen bleibt.
Symptome und Verlauf
Typische Symptome von einer akuten Pankreatitis:
Das typische Symptom der akuten Pankreatitis sind plötzlich auftretende, stärkste Oberbauchschmerzen – vor allem dann, wenn sie wie ein Gürtel über die Flanken in den Rücken ausstrahlen. Völlegefühle, Übelkeit oder Erbrechen können das meist heftige Beschwerdebild ergänzen. Auch Fieber, Störungen der Darmtätigkeit oder eine Gelbsucht sind bisweilen Begleiter der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Gerade bei schweren Verlaufsformen können auch eine gefährliche Zerstörung des Pankreasgewebes oder Schädigungen an anderen Organen nicht ausgeschlossen werden. Die Entstehung von sogenannten Pseudozysten oder Abszessen, Verdauungsstörungen aufgrund eines Mangels an Pankreasenzymen oder ein meist insulinpflichtiger Diabetes mellitus sind typische Folgen einer akuten Pankreatitis.
Diagnose
Bei der Diagnose der akuten Pankreatitis ist für den Arzt in vielen Fällen schon das klassische Symptom der charakteristischen in den Rücken ziehenden Schmerzen in höchster Stärke ein Hinweis auf diese Erkrankung. Im Rahmen von Blutuntersuchungen bestärkt bei den Laborwerten die deutliche Erhöhung der beiden Bauchspeicheldrüsenenzyme Lipase und Amylase sowie des unspezifisch reagierenden Entzündungswertes CRP den Verdacht.
Zur Sicherung der Diagnose eignen sich bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT, MRT oder – wenn Gallensteine als Auslöser vermutet werden – die sogenannte Endoskopische Retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP), bei der der Arzt die Gänge von Galle und Bauchspeicheldrüse untersucht. Die Bilddiagnostik eignet sich besonders zur Information über das Ausmaß und die Ursachen der vorliegenden akuten Pankreatitis.
Komplikationen
Eine akute Pankreatitis ist eine ernstzunehmende Erkrankung die verschiedene Komplikationen nach sich ziehen kann. Komplikationen können lokal oder systemisch auftreten. Das bedeutet sie können im betroffenen Organ selbst entstehen oder sich auf den ganzen Körper auswirken.
Zu den lokalen Problemen zählen Komplikationen wie die Bildung von Abszessen, Zysten oder Nekrosen. Eine Nekrose ist abgestorbenes Hautgewebe. Es besteht zudem die Gefahr, dass auch benachbarte Organe der Bauchspeicheldrüse wie etwa der Dünn- oder Dickdarm von einer Nekrose befallen werden. Im Magen-Darm-Trakt kann es weiterhin zu inneren Blutungen kommen.
Eine akute Pankreatitis kann außerdem einen Dünndarmlähmung zur Folge habe. In sehr schweren Fällen kann es zu einem Dünndarminfarkt kommen. Eine Pankreatitis kann zudem zu einem Volumenmangelschock führen. Diese Form des Schocks ist durch eine Verminderung der Blutmenge gekennzeichnet und kann in weiterer Folge zu sehr niedrigen Blutdruckwerten und schneller flacher Atmung führen. Infolgedessen sind Kreislaufschocks nicht auszuschließen.
Die Pankreatitis kann auch einen systemischen Verlauf nehmen. In diesem Fall gehen die Bakterien über die Bauchspeicheldrüse in den Blutkreislauf über. Daraufhin kann es zu einer Blutvergiftung kommen die tödlichen enden kann. Weitere Komplikationen sind akutes Nieren- und/oder Lungenversagen.
Behandlung und Therapie
Die optimale Behandlung einer akuten Pankreatitis richtet sich nach der speziellen Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung, ihrer Schwere, den vorherrschenden Symptomen sowie – falls zu finden – der jeweiligen Erkrankungsursache. Aufgrund der Möglichkeit lebensbedrohlicher Folgen muss die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung unbedingt in einer Klinik, in schweren Fällen sogar intensivmedizinisch überwacht und behandelt werden.
Strikte Nüchternheit und Versorgung des Patienten über Infusionen sind wichtig, um die entzündete Bauchspeicheldrüse zu entlasten – eine entscheidende Voraussetzung für die Gesundung. Erst bei deutlicher Besserung des Erscheinungsbildes des Pankreas, der Laborwerte sowie der Symptome des Patienten wird dieser über einen schonenden Kostaufbau wieder behutsam an eine normale Ernährung herangeführt.
Bei besonders schweren Verläufen ist eine Operation unter Umständen nicht zu vermeiden. Diese wird beispielsweise dann nötig, wenn es zu Blutungen im nekrotischen (abgestorbene) Teil der Bauchspeicheldrüse kommt oder die Komplikation einer nicht beherrschbaren Infektion auftritt.
Auch nach einer Operation ist die Behandlung häufig noch nicht abgeschlossen: Durch den Verlust von Bauchspeicheldrüsengewebe durch die Entzündung können Funktionsstörungen dieses Organs zurückbleiben. Der Patient wird in diesen Fällen ganz individuell mit Medikamenten wie Bauchspeicheldrüsenenzymen oder Insulin therapiert, um einen durch die akute Pankreatitis verursachten Funktionsausfall bestmöglich zu kompensieren.
Vorbeugung
Die einzige Möglichkeit, einer akuten Pankreatitis vorzubeugen, besteht darin, bekannte Krankheitsauslöser zu vermeiden. Dazu gehört vor allem, einen eventuell bestehenden Alkoholmissbrauch zu therapieren beziehungsweise nicht regelmäßig viel Alkohol zu trinken.
Die Vorbeugung von Gallensteinen als möglicher Ursache einer Bauchspeicheldrüsenentzündung erfolgt durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung – vor allem ohne viel Fett. Auch – falls möglich – eine Umstellung von aktuell eingenommenen, eventuell pankreasschädigenden Medikamenten auf risikoärmere Präparate kann dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer akuten Pankreatitis zu senken.
Quellen
- Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
- Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
- Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
- Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021
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